Full text: Bodenreform - 41.1930 (41)

„Bo de nreform“. Sicher ein Thema, das unendlich vieles 
bietet. 
In der Nr. 21 gibt der verdiente HerauSgeber dieſer 
Zeitung, Pfarrer Völter, eine feine Ueberſicht Über 
unſer Schrifttum. Wir halten daraus einiges feſt: 
„Dem Wochenblatt zur Seite gehen als periodiſch 
erſHeinende, . flugblattähnliHe Hefte „GSoziale Zeit 
fragen“, in denen Sachverſtändige auf 16 Seiten knapp 
und volkstümlich einſchlägige Fragen erörtern. Eben erſcheint 
Nr. 88 von Ober=Neg.-Rat Burgdsrfer: „Vom Leben 
uind Sterben unſeres Volkes“. Ein erſchütterndes Heft! I< 
nöchte es - am liebſten jedem deutſ<en Mann und jeder 
Frau in die Hand drüen, daß ſie es leſen und überdenken. 
(ES redet vom Sterben unſeres Volkes, von dem furchtbaren, 
wie alle wiſſen, gewollten, künſtlih herbeigeführten Ge 
burtenrü&gang, durcß den ſhon heute der Beſtand nicht mehr 
«erhalten werden kann. Der Berfaſſer unterſucht die Wirkung 
ver Großſtadt und ihres Wohnüngselendes und vertritt Eigen- 
heim, Siedlung und Sorge für kinderreiche Familien. Äber 
er weiß -=- und darin liegt die ſchwerſte Tragik -- daß die 
iiefſten Wurzeln des Uebels in die Sphäre der Weltanſc<au- 
ung hineinreichen und äußere Wittel hier ni<t ausreichen! 
Neben dieſen volkstümlihen Erſcheinungen will das 
„Jahrbuc<h der Bodenreform“ dur< längere Ab= 
handlungen, auch geſ<ichtlichen Inhalts, der Bewegung dienen 
und als „Dokumente der Bodenreform“ allerlei wichtige wert 
volle Stü>e ſammeln. Für alle, die ſiH näher unterrichten 
wollen, eine Fundgrube ſoliden WiſſenZ. 
Ie iſt durHaus aktuell der „Entwurf eines 
Wohn»=Heimſtättengeſeßes“. Ein Heft, 
neien in die Nöte. und Hoffnungen der Gegenwart hinein» 
führt. . . . 
Alle dieſe Fragen beſpriht Ad. Damaſchke in dem 
Reclamheft: DeutſHe Bodenreform. E8 iſt ſehr erfreulich, 
daß das Heft in dieſem weitverbreiteten Unternehmen, einem 
alten deutſc<en Kulturträger, "erſchienen iſt und bei ſeinem 
billigen Preiſe in recht viele Hände kommt. Die klare, durch» 
ſihtige 'Darſtellung, durh zahlreiche treffende Beiſpiele veran= 
ſHauliht, wird gewiß dazu helfen. 
In Adolf Damaſchke iſt die Bodenreform für unſere Zeit 
verkörpert. Wir danken ihm, daß er Zeit fand, ſein Leben, 
ſeinen Aufſtieg und ſeine Arbeit für ſeine Zeitgenoſſen darzu- 
ſtellen. Ueber die Anfänge, auh der Bodenreformarbeit, ſiehe 
1826 Dr. 10. Die Fortſezung gibt er nun in einem zweiten. 
Bande „Zeitenwende“. Hier beſchreibt Damaſchke ſeine 
Tätigkeit an den „Kieler .Neueſten Nachrichten“, mit den 
Mationalſozialen (Fr. Naumann) und für die Boden=-= 
reform. 
taucht aus der Vergangenheit plaſtiſiM und lebendig vor uns 
auf. Mit Spannung folgt der Leſer. Alles iſt mit wunder= 
barer Anſchaulichkeit gezeichnet und feſſelt den Leſer von Ans 
fang bis zu Ende. Eine Reihe bedeutender Männer des 
kaiſerlichen Deutſchlands tritt auf; die ſchwerſten Wirtſchafts 
und Geſellſhaftsfragen ſpielen in dieſes, bewegte Leben herein. 
Die Beſchäftigung mit der „Zeitenwende“ bringt reichen Ge 
nuß und wertvolle Belehrung.“ - 
- In derſelben Nummer der „Württembergiſc<en Ar= 
beiterzeitung“ bringt Pfarrer StoFXe brand einen guten 
Aufſaß: „Mehrwert und Bodenreform“, der von einer 
beſonderen Seite unſere Wahrheit darſtellt: 
- Die Auffaſſung vom Wert der Un ternehmertä- 
figkeit ſcheidet die Geiſter. Auf der einen Seite die 
Sozialdemokratie in ihrer Maſſe! (Ob au<h bei ihren 
Führern, iſt eine große Frage.) Und auf der andern 
Seite das geſamte Bürgertum und Teile der Arbeiter» 
ſhaft, H. D. Gewerkvereine, <hriſtlihe Gewerkſchaften uſw. 
Und mitten drin unſere Kirche! 
 
 
Sie hört das Rufen der Maſſen, ſie ſieht das Wir-- 
ken des Unternehmertums und kann ſic nicht entſcheiden, 
weder zugunſten des einen nod) des andern. Und ſo 
verdirbt ſie es mit beiden. - 
Zank, Haß, Hader wegen einer falſchen Lehre! . . . 
Den Mehrwert von der Arbeit des NäHh»- 
ſten kann man nur nehmen, wenn der Nächſte unfrei 
iſt. Wenn er keine andere Möglichkeit hat, ſeine ArbeitZ- 
kraft zu verwerten. Und das iſt der Fall, wenn der 
Boden geſperrtiſt, wenn er keinen Zugang zu freiem 
Boden hat! Solange der Menſ<;, Zugang zum Boden 
hat, dieſer Duelle des Reichtums, ſolange wird er frei- 
willig keines anderen KnehHt! Und niemand kann den 
Mehrwert von ihm nehmen! Um den Mehrwert nehmen 
zu können, muß man den Menſchen von ſeinem Gott» 
vatererbe, dem Boden trennen: ihn unfrei 
machen; ſo daß er ſi ſelbſt verkaufen muß. Dann erſt 
kann ich den Mehrwert von ihm nehmen. . 
weiden 
da8 uns 
Ein StüFX deutſcher Geiſte8s= und Kulturgeſchichte: 
 
 
Der -Mehrwert iſt ni<ßt Quelle der ſozialen - 
Not, ſondern die Wirkung der Bodenſperre!! 
Wollen wir die ſoziale Not bekämpfen, -ſo müſſen. 
wir die Quelle ſuchen und beſeitigen, ni<t aber die 
Wirkung beſeitigen wollen: denn das iſt unmöglid), ſo» 
lange die Quelle fließt! Wie ein Geſchwür nicht heilt, 
wenn der Dorn nicht entfernt wird! Die Bodens»- 
frage iſt der Kern der ſozialen Frage. Der 
Segen de3 ganzen techniſchen Fortſchritts geht dur<. den 
Bodenwucer verloren. Armut inmitten der größten 
Produktion. Arbeitsloſigkeit, Wohnungsnot, 
Haß und Häder unter denen, die die Werte 
ſchaffen! Sclaraffenleben für die Raffer der: Boden- 
rente! 
Das ganze Kapital flüchtet ſi< in den Boden, wäh 
rend große Fabriken auf der ſcharfen Schneide einer 
Kouponſchere ſtehen. Wie ſ<wer fällt e8 dem Unter- 
nehmer, dem Handwerker, Geld für ſeinen Betrieb zu 
bekommen, welche Siderheit verlangt man von ihm, 
wieviel Zinſen muß er zahlen! Weil ſich das Geld in 
den Boden verkriecht. 
Kann ſic<€ das Geld nicht mehr in den Boden ver= 
krießen, ſo wird und muß es der Arbeit dienen, und 
dann kann dieſe die Armut bannen und Menſc<englüc> 
und Menſc<enwürde verbreiten. 
„Solh ein Gewimmel möcht ich ſehn. 
Mit freiem Volk auf freiem Grunde ſtehn!“ 
Da e8 nun zu unſerer Aufgabe gehört, die ſoziale 
Frage ihrer Löſung näher zu bringen und aud: die Ge- 
genſäte in unſerem Bolk zu überbrü&en, ſo ſollten wir 
den Kampf um ein gere<te3s Bodenrecht als unſere 
erſte und vornehmſte Aufgabe aufnehmen. Ohne 
Kampf kein Sieg!“ 
2: ' 2 Wer ſeiner Anfrage keinen Frei-Ums- 
Zwieſpruc. ſHlag beilegt, erhält keine Aätwort. 
V. Sie ſchreiben: „Sie können es8 nicht ertragen, daß in 
der „Bodenreform“ Parteien, die Sie als verderblic< halten, 
mit manchmal verſtändigen Aeußerungen angeführt werden.“ 
AehnliHe AnſHauungen ſcheinen aus Anlaß der Bayeriſchen 
Gemeindewahl au<h hier und da aufgetreten zu ſein. Darauf 
antwortet ein Rundſchreiben unſerer Ort8gruppe Weißensz 
burg. -- Geis - in treffliher Weiſe: 
„Als Bodenreformer wird ein ſolhes Mitglied ohne wei 
tere8 den Trieb fühlen, gerade auf Grund von Ueberſichten 
über Abſtimmungsergebniſſe innerhalb ſeiner Partei auf= 
klärend und anregend zu wirken. E8 darf keine Partei 
hoffen, daß ſie ohne verſtändni8volle Witwirkung anderer und 
ohne ſachgemäße Vorarbeit etwas Durc<greifendes von Dauer 
ſhaffen kann! Freuen wir uns, wenns überall tagt! Wer 
ſiG< nimmer freuen kann über die Mitarbeit 
politiſ<her Gegner, der iſt in Gefahr, übec de 
Partei das Volkswohl zu vergeſſen!“ . 
Ehrentafel. . 
Gegen einmalige Zahlung. von 100 M. wurde in die 
Liſte unſerer lebenslänglihen Mitglieder eingetragen: 
Nr. .7495: K&. 53. in M. . 
„EndliH iſt es mir vergönnt, der Bodenreform als les 
benslänglihes Mitglied beizutreten. Wer ſein Einfamilien= 
haus gebaut hat, dem iſt es nict ohne weiteres möglich, dies 
zu tun. Die erſte Gelegenheit benutze im aber, um der Bo= 
denreform meine Treue zu beweiſen!“ 
Gegen dieſe Zahlung erhält ein Witglied lebens» 
längli< die „Bodenreform“ ohne jede Nachzahlung übers 
wieſen und Geh. Erman: „Das große Bekenntnis“ mit 
einer perſönlihen Widmung. - Wer ſichert ſich ſo ſeine 
Freue und Hilft zugleiß unſerem Bunde? -- 
Frankfurt a. M. 10. 1., Hauptwache, 201/23 Uhr, Kl. Saal: 
Borſtandsſizung. Ausſpracße über Siedlungsfragen. Gäſte 
willkommen! 
Titel und Inhalt ſür 1929 wird angefertigt und auf 
Wunſch koſtenfrei zugeſandt. Wir bitten, bald zu beſtellen, 
damit die Auflage feſtgeſtellt werden kann. Gewöhnlich ſam 
meln unſere Freunde die Nummern der „Bodenreform“ in 
einem Schnellhefter und laſſen ſie dann mit „Titel und In- 
halt“ einbinden. --- - 
Erſt durc< das genaue Sah» und Perſonenverzeihnis 
kann der RNeihtum der „Bodenreform“ nußbar gemacht 
werden! 
Seminar für Bodenreform: Ie den Dienstag, 8 -10 Uhr, 
Leſſingſtr. 11, pt.: 5 Seminarabende. Es8 wird pünktlich 
begonnen und - pünktlich geſchloſſen. Beſondere Einla= 
dungen ergehen nicht. Neubeginn 7. 1. Führt Suchende ein! 
Leitung: Direktor Max Kuorr. 
Derantworti, 1; d. red. Teil: Dr. Wagenbach, d. | Anzeigen: Gieſel, beide Berlin 
Druck : Nobert! Müller, Po1sdam. 
am. 0 6. „Bad
	        

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