Full text: Bodenreform - 41.1930 (41)

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handele! In dieſer eHt vaterländiſchen Arbeit gehören 
wir innerhalb der Bodenreform alle zufammen! ' 
. Bürgermeiſter Dr. Lohmann: Da3 Problem Bo=- 
denreform ſchreie beute mehr denn je. naß Löſung! Cs 
gäbe wohl keinen verantwortungs3bewußien leitenden Bez 
amten eine38 Gemeinwefenz2, der ſi< hzut nicht zur Bo= 
denreform bekenne, umſo mehr, da dieje B2wegung par=- 
teipolitiſm; dur<aus unabhängi43 ſei! EZ iſt ein Irtum, 
zu meinen, daß dieſe Bewegung nur für große Städte 
notwendig ſei, auß in kleinen und mittleren Städten 
ſheitern ſelbſt die beſten Abſichten der Verwaltung, weil 
ungeſunde Bodenpreiſe die Ausführung de Heimſtätten- 
gedankens erſ<weren oder ganz unmö3l" 3. machen. Der 
Bürgermeiſter ſ<loß mit der Hoffnung, daß die Tagung 
in Löwenberg daran helfe, au<ß hier -- wie überhaupt 
in Klein= und Wittelſtädten -- Mißverſtändniſſe zu über- 
winden und neue tatkräftige Freunde zu weden! 
Au3 den Begrüßungen nur zwei: 
„Der Provinzialverein Scleſiſcher Volksſchullehrerinnen 
entbietet dem Bunde Deutſcher Bodenreformer die beſten 
Feſtgrüße und wünſ<ht der Tagung einen ſegenSsreichen, 
Berlauf! 
Daß die im Dienſte der Volksſ<huljugend S<hle= 
ſiens ſtehenden Lehrkräfte von der Notwendigkeit der 
Bodenreformarbeit durchdrungen ſind, iſt fait ſelbjt= 
verſtändli<, haben wir doH täglich erſ<ütternde 
EinbliFe in das8 Elend, das ein faiſHe8 Bodenreht an 
Millionen deutſHer Volks8genoſſen verſhHuldet hat. Wir er= 
kennen daher die PfliHt, uns dauernd mit den Beſtrebungen 
des Bundes Deutſcher Bodenreformer zu beſchäftigen und den 
UnterriHt mit den aus dieſer Beſchäftigung erwachſenen 
Erkenntniſſen zu durchſetzen, voll an! | 
I. A.: Luiſe Wimpf.“ 
Dr. Heinz Botthoff, Berlin: 
Kann im auh heut niht bei Cu<H jein, 
Stimm' iH doH in den Kampfruf ein: 
Mact frei und billig das deutſHe Land, 
Dann ſchaffen mit Freude Kopf und. Kand, 
Dann ſchlingt ſich ein innig Familienband -- 
Dann fühlen alle das Vaterland! 
Au3 der zum Teil ſehr lebhaften AuSsſprache jei nur 
die Auzeinanderſezung mit Herrn von Wietersheim, 
dem Kreis8-Vorſienden der N.S.D.U.P., hervorgehoben 
über die Frage, wie da38 Bodenreformeriſ<e im Pros= 
gramm der N.S.D.A.P. unſer jüngeres Bauerngeſchlecht 
mit einer zum Teil erſtaunlihen Begeiſterung erfüllen 
konnte; daneben die Erfahrungen des Siedler38 Bluſ<-= 
ke, der auf - O2dland einen blühenden Bauernhof ge= 
ſHaffen hat und ſ<arf die Notwendigkeit der Bodensz= 
reform als Vorbedingung für den Neuafbau der Land»= 
wirtſchaft betonte. | 
Die Schlußanſprache hielt Cheng Hſiao, der im 
Auftrag der <hineſiſhßen RegierunI zurzeit in Deutſ<land 
. weilt, um die Bodenreformbewegung zu ſtudieren, und 
der mit ſeiner Gattin der Tagung beigewohnt hatte: 
Meine ſehr geehrten Damen und Herren! 
E83 war mir eine große Ehre, daß iM mit Ihnen an ſo 
vielen intereſſanten und wertvollen Borträgen teilnehmen 
konnte. Darum muß ich zunächſt Herrn Dr. Damaſc<hte, dann 
Herrn Benter und Herrn Dr. Raupach vom ſHönen Bober 
hauſe meinen beſten Dank ſagen. Und Sie alle ſind mit uns 
auH ſo freundliH und herzlich geweſen, troßdem meine deutſc<e 
Sprache noH ſehr arm iſt. I<H ſage Ihnen herzlichen Dank 
dafür. I< mödte noH ein paar Worte anſchließen. 
Die Richtung, die Ihr großer Führer Dr. DamajHke zeigt 
und der Sie alle folgen, iſt richtig, iſt notwendig. Das iſt die 
Richtung, die Natur zu überwinden! Die Menſc<en haben 
ſolange gekämpft: Stamm gegen Stamm, Volk gegen Volk 
und ſchließlid Klaſſe gegen Kraſſe. 
ſhHichte fur<“bar geworden, und doMg -- iſt das nicht falſch? 
Gott hat den Menſchen eine ſo große Erde gegeben, daß ſie 
alle darauf leben können. Und er hat den Menſc<en ſo viel 
- Geiſt gegeben, daß ſie alle Nahrung, Kleidung und Wohnung 
gewinnen können. Warum ſich des8halb bekämpfen -- ſtatt in 
Einigkeit die Natur zu überwinden... = | 
Es iſt de8halb richtig, Bodenreform zu wollen. Herr 
Dr. Damaichke und Sie haben für. Ihr Vaterland, Ihr Volk 
ſehr richtig geſtrebt = nein, 
 
:Jahrhundert von 'Imperialiſten als Mammoniſten und ſeit 
Jahrzehnt von Kömmuniſten bedroht. Wie Dr. Da=-= 
'827 
' einem 
Und ſo iſt menſchliche Ge=- 
ſtieg führende Wohnungs- 
abtun zu können. 
= | 'Sie haben für alle Wenſc<hen und. 
Bölker- geſtrebt, .beſonder8 auh für -Ihren. wirklihen Freund. 
: € China iſt ein großes Land. Es hat eine 
"etwa fünftauſendjährige Kultur; aber leider iſt es ſeit einem 
des 
wäre oerade .in unſerer Zeit zu. gewinnen, wenn viele 
| das geiſtige- Erbe eine Wax Bahr -aufnehmen und treuys 
 
maſ<ke e8 von Ihrem Land geſagt, ſo iſt auH China von 
MammoniäSmus und vom Kommunismus bedroht. Na.ürlich, 
wenn die Chineſen ſich helfen wollen, ſo müſſen fie den Weg 
der Bodenreform gehen. 
Kuomintang, die einzige große Partei in China, die jeßt 
die Zen.ral:egierung in Nanking gebi det hat, will dieſe richtige 
Loſung annehmen. Der große Führer des neuen China, 
Dr. Sun-Yat-Sen, hat die Bodoznreform als das Prinzip 
des Neuaufbaue8 begründet. Trotzdem der Führer geſtorben 
jiſt, wird die Partei und diz Regierung treu dana itreben. 
Vor kurzem erſt, im Auguſt dieſes Jahres, hat die Regierung 
ein Bodenreformgetet gegeben. Herr Dr. Damaſchke hat in 
ſeinem „Jahrbuch der Bodenreform“ und in ſeiner „G2= 
ſHiHte der Nationalökonomie“ die Prinzipien unſerer Boden= 
reform klar geſ<hrieben. IH werde in ſeiner Zeitung „Die 
Bodenreform“, die Sie ja alle leſen, noH einmal die großen 
Prinzipien unſeres großen Reformators Dr. Sun=Yat-Sen 
darlegen. . 
Aber noH muß unſere Regierung und Partei ſchwer 
kämpfen. Aber iH glaube, wer die richtige Richtung, wer 
die Wahrheit ha:, muß den Sieg haben. IH hoſfſſe, DeutſhH= 
land und China werden immer als treue Freunde im Kampf 
um die Bodenreform zuſammenſtehen! In dieſer Hoffnung 
grüße iM noH einmal Deutſchland und ſein Volk! 
IH danke Ihnen! | 
Max Bahr | 
iſt am 25. September in ſeiner Vaterſtadt LandSberg 
a. d. Warthe im 82. Lebensjahr geſtorben. Cr war einer 
der großen Führer unſerer Induſtrie. Aus ſeiner 1877 
begründeten SaFfabrik und der 1903 begründeten Iute= 
fabrik ſuf er das größte Unternehmen dieſer Art in 
Deutſ<land. ES beſchäftigte vor dem Kriege über 2400 
Arbeiter! -- | 
- Wie viele wirkliHh große Induſtrieführer =- wie etwa 
Ernſt Abbe=Iena -=- fand au< er bald den Weg zur Bo= 
denreform. Er wurde „natürlich“ Chrenſtifter. unſeres 
| Bundes. Der von ihm begründete. Gemeinnützige Bau- 
verein ſchuf etwa 900 Wohnungen, Außerdem. ſchuf der 
„unpraktiſ<e“ Bodenreformer ein vorbildliches Bolk8haus 
mit Turnhalle, Volk5büc>erei, und no<h zuletzt ein muſter= 
haftes Schwimmbad. C3 war deShalb nur natürlich, 
daß dieſer Mann wegen ſeiner Verdienſte ehrenhalber zum 
Dr. Ing. ernannt wurde, und daß ihm die Stadt die 
Ehrenbürgerſ<aft verlieh. -- | 
Bi3 zuletzt ſtand d:e Wohnungsfrage vor dem Ge= 
wiſſen dieſes Manne3. No 1928, alſo in jeinem 80. Le= 
benSjahr, wandte er jich in der „Bodenreform“ (Sp. 36 ff.) 
gegen die Behauptung, daß „nur“ 776 000 deutſ<e TFa- 
milien ohne Wohnung ſeien. Dieſe Zahl gelte nur für 
die Orte über 5000 Einwohner. Bahr berechnete, daß 
in Wahrheit 1 1934 000 deutſ<e Familien ohne Wohnung 
wären : TT - 
„Die Furctbarkeit dieſer Berhältniſſe ſHreit zum Himmel! 
Die Vergiftung unſeres Volkes dur< Abſtumpfung des Sham= 
geſühls, VerbreHhen und BlutſhHande, die Untergrabung der 
Bolk8geſundheit durH Tuberkuloſe uſw. ruinieren auH das 
kräftigſte Volk! Will man noH immer den Kopf in den 
Sand ſteFen und durh ShHönfärberei die Tatkraft im Kampfe 
gegen dies Elend lähmen?“ un 
A1l8 einmal verſuHt wurde, zwiſchen ihm und der 
Bodenreform einen Trennungösſtric< zu ziehen, veröffent= 
lichte er folgende Erklärung: | | 
„Perſönlich unterſtüß? iH Damaſchke und die Bodenz= 
reform aus voller Ueberzeugung und. mit ganzer 
Kraft, wenn im auß nicht ganz ſo weit gebe wie Da= 
maſchke . . .“ „Und wenn Damaſchke in 20 oder 30 Jahren 
nur ein Viertel ſeines Programmes zur Ausführung 
bringt, und damit Hunderttauſenden gute geſunde, zum Aufs 
und ÜArbeitsgelegenheit ſchaffe, jo 
würde er zu den größten Wobhltätern zu rehnen ſein, welche 
dem deutſchen Volke im letßten halben Jahrhundert beſheert 
wurden.“ . . | 1 NER 
Wenn die Geaner nichts weiter zu jagen wiſſen, ſo 
meinen ſie. die Bodenreformer als „weltfremde Idealiſten“ 
Ein Mann wie Max Bahr zeigt am 
beſten die Stellung nicht von irgend 'welHen“ bezahlten 
Angeſtellten, ſondern von führenden Bertretern 
deutſchen Wirtſc<haftslebensz. - Wieviel 
lic auvSbauen würden! 
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