Full text: Bodenreform - 41.1930 (41)

Pe DEA SoSt ee, | 
 
Deutſche Volksſtimme 
Leitung: Adolf Damaſchke 
Bodenteform 
+ + Frei Land + + 
 
 
Verlag Bodenreform G. m. b. H., Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11, Fernſprecher: Moabit 1451 
41. Jahrgang. Nr. 44 
Gekaufte Volksvertreter. Finanzielle Schwierigkeiten 
veranlaßten den Freiſtaat Anhalt, ſeine Salzwerke zu 
veräußern. Die ECntſ<eidung im Parlament hing von 
wenigen Stimmen ab. Im IZanuar 1929 ſc<lug die 
Regierung eine Veräußerung an die „Preußag“ vor. 
Da im Landtage eine Mehrheit dafür nic<t erreichbar 
ſGien, 309g die N2egigrung die Borlag2 zurük. Für eine 
erneute Vorlage galt e8, 3wei Vertreier des HauSbeſiß2S, 
Die Nbgeordneten Günther ! uad Marzahn, zu ge= 
winnen. In Deijſau beſteht ein? „Realkreditbank“, eine 
ToHtergeſellſ> aft der „Berliner Bank für Han=- 
Del und Grundbeſitz“, die ſich ſtolz das Cpitzen= 
inſtitut der wirtjhaftlihen Unternehmungen des deut= 
ſben HauSbeſi323 nennt, und deren NuſſicGiSs5ratS- 
vorſizender der bekannte Wirtſchaft3parteiler Ladens= 
dor iſt. Dieſe Berliner Bank lud die beiden HauS=- 
beſißer=Nbgeordnet en nah Berlin, wo ſie „erfolgreich“ 
bearbeitet wurden. Beide Abgeordnete ſtimmien nun im 
Auguſt 1929 für die Vorlage! Uls8 „Entſ<ädigung“ (!) 
erhielten der Abg. Günther von der „Ladendorſf“- 
Bank 16 009 M. und der Abg. Marzahn 20000M.... 
Das ſind die Tatſachen, die feſtſtehen. Daran gilt 
es feſtzuhalten, gegenüber allen Berſuchen, durFg Neben 
fragen dieſen klaren Sachverhalt zu verwirren und zu 
verdunkeln. -- Die BeſtehungsSafſäre hat im Anhaltiiken 
Landtag Anlaß zur Wahl eines Unter] UGUNgSaU SL ſies 
gegeben, ſowie zur Chaffung eines Staat53Z7eric<t35ho73, vor 
Dem die ſ<uldigen Abgeordneten adgeurteilt werden 
jollen. = Die HauSbeſitzer Anhalts wieſen bei der Land- 
tagswahl ſtolz auf ihre Spitzenkandidaten Günther und 
Marzahn hin: „Das ſind unſere Führer!“ 
Nur ein Wort dazu: In der Regel liegen die Dinge 
micht ſo einfac; wie hier. „Man“ macht 23 3. B. ſo: 
Banken, Intereſſenlengruppen ujw., die ein Intereijſe haben, 
einflußreiche Leute günſtig zu ſtimmen, bitten dieſe um 
ein kurzes Gutachten zu irgend einer gleitzültigen Frage. 
Und dizjes Gutachten, das man lächelnd annimmt und 
in der Negel nicht einmal lieſt, wird phantaſtiſch bezahlt -- 
aber wer kann, wer will gegen eine „Bezahlung geiſtiger 
Arbeit“ etwas einwenden ? 
„Skandal um Petſchek". 
S<hon auf unſerem BundesStag in Straßburg 1913 
erklärte Damaſ<ke: 
Cin tſ<ehmiſc<her Unternehmer hat einen großen Teil 
des mitteldeutj&<:en Braunkohlengebiets in ſeine Hände 
befommen, die Braunkohlen, die die Energiequellen für 
unſere Elektrizität3werke ſind. Heute früh erzählte mir 
ein Fabrikant au8 dem Rheinlande, daß dort Hunderte 
von kleinen Meiſtern wieder konkurrenzfähig geworden 
ſind, allein dur die elektriſche Kraft, die die kleinen Mo=- 
tore in ihrem Hauſe treibt, ſo daß ſie mit den Mitteln 
moderner Technik arbeiten können. Und jetzt kommt ein 
tibeHiſcher Kapitaliſt und nimmt uns unſere Brauns=- 
kohlen unter den Füßen weg! 
„Ieder Schatß, der tiefer in deutſ<er Erde liegt, als 
ver Pflug geht, iſt des Königs!“ Dieſen Saß hat unſer 
altes Recht8buch, der Sachſenſpiegel, aus deutſchem 
RechtSempfinden Heraus formuliert, und darin liegt alle3, 
was wir. nd al EE Rn daß wir heute nicht 
 
 
Bezug dur<h jedes Poſtamt vierkeljährli< 1,80 Mark, bei direkker Sendung unter 
Kreuzband 2.-- Mk. Poſtſ<eckkonko Berlin NW 7, Nr. 79025 Bodenreform G. m. b. H. 
Poſt-Berſandort: 
 
| Boden hineingelegt, 
' trag abgeſchloſſen worden ſei, 
 
9. November 1930 
Potsdam, 
 
„Die 23. Hauptverſammlung de8 Bundes Deutſcher Bo= 
Denreformer lenkt die Aufmerkſamkeit des deutſchen Bolkes 
nac<hdrüclichſt auf die drohend? Monopoliſierung der deutſch2n 
Bern. dur; den böhmiſchen Kohlengroßhändler 3. 
Petſc<e 
Die deuti<e Braunkohle iſt bereits heute für weite Kreiſ2 
der deutſHen Induſtrie Rohſtoff und Kraftquelle ſowic ein 
ſebr wichtiger Zeizſtoff des mittleren und kleinen Hausbalts. 
Die deutſHe Braunkohle iſt bi8Sher noh der ſtärkijte Schuß 
gegen eine übermäßige Bertzuerung der Steinkoh'2. 
Die deutſHe Braunlohle beginnt ferner, für die Elief= 
trizitätSverjorgung zahlreicher Städte und Ueberlandzentralen 
ſowie für die Elektrifizierung der deutſchen Bahnen immer uns= 
entbehrlicher zu werden. 
PetſHek hat bereits maßgebenden Einfluß auf die wich= 
tigjten deutſ<en Braunkohienunternehmungen erlangt und 
bedroht dadurMm? die deutſche Bolkswirtſhaft in nicht abzu= 
jehendem Umfange.“ 
Es iſt ja gleichgültig, ob der Mann PetiGek heißt 
oder Müller, oder Meier oder Graf Schaffgst, oDer 
Fürſt Fürſtenberg oder ſonſtwie; für uns handelt es ſich 
um die Caße. Aber man könnt2 wirkiich. verzagen, wenn 
man ſieht, wie wenig ſtaatsbürgerlic<e Bildung in un- 
jerem Volke herrſ<t, daß eine ſolhe Maßnahme faſt völlig 
Sleißgültig vom deut] Gen Volfe auſgenommen wird. 
Wer iſt eZ, der ſeine Stimme Dagegen erhebt? Goti hat 
dog wahrlich. nicht unendlihe Chäßze in den deutjGen 
damit ein paar unveraniwortlice 
Aktionäre ier bder im Auzland2 beſtimmen, ob die 
Deuti<en HauShaliungen, ob die DoZutſ<e Arbeit billig 
oder teurer werden ollen!“ 
X X 
- Setzt bringt die Deutſ< e Tag2Szeitung“ 
(1936, Nr. 497) folgende „eigene Dean eidun 
„Der tiGehiſ<e Braunfkohleninduſtrielle Petſchek hat, 
wie bekannt, vor einiger Zz2it die Beſißmehrheit an der 
großen Braunkohlengrube „Ilſe“ in der Lauſitz 
erworben. Die „Leipziggr Abendpoſt“ veröffentli<t jetzt 
eine „Skand al um Poti<ef“ überſariebene Zu= 
ſchrift, in der u. a. folgende ſ<werwiegenden Behaup= 
tungen aufgeftellt werden : 
„BolitiſM bedeutet für die TſcyeHei die Lauſjiß Das 
gleiH<e wie für die Polen der Korridor. ES itieht feſt, 
daß ſie ſim ſc<on heute an einer der empfindlidhjten 
Stellen des Deutj<en Reiches feſt eingeniſtet 
baben. Wozu? Ein Fall, der uns ſoeben erſt bekannt wird, 
und der bereits als ein Grenzfall der Begriffe Cpionage und 
LandeSverrat gelten kann, bringt Licht in das Dunkel für den, 
dem die Tatjachen no nicht deutlih genug reden. Da 
eriſtiert ein Sohn des8 Igna3 Betſchek, der jüngſte einer Reihe, 
beißt treudeutjiMm Wilhelm und dekleidet das Amt eines Berg= 
ingenteurs8. 
Dieſer Wilhelm. Petſchek nun bearbeitet das geſamte Kar- 
tenmaterial aller Lauſizer Braunkohlengruben und ſchafft es 
laufend naH Auſſig hinüber. Wir ſtellen alſo feſt: Das 
AuffichtSrat8mitglied der Grube „Ilſe“, Wilhelm Betſ<hefk, 
liefert ausSgezeienetes Material über deutſHe Braunkohlen= 
gruben an die TſcheHhei aus, ohne daß bislang irgend ein 
StaatS8anwalt dagegen eingeſchritten wäre . . . 
Der Urtikel fragt dann weit2r, warum dagegen nichts 
geſbehe und warum außerdem nah der Erwerbung der 
Grube dur< Petichekf der deutſch-tſ<e<hiſg;e Stieuerver- 
auf Grund deſſen acht 
Millionen direkter Ste uern au3 dieſer Grube 
nach der Tſchechei fließen und dem Reiche verloren ceh2n.“ 
X* X* X 
| 10N0v1930 | 

	        

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