Full text: Bodenreform - 45.1934 (45)

Fragen, die im Parlament wegen diejer Sache an [ie ge= 
ſtellt wurden, geſchiFt aus, umd ſchließlich kam das Kolo= 
nwialamt infolge der Uebernahme der Geſellſchaft durch 
die Regierungen: von England, Auſtralien und Neujee= 
[and im Jahre 1920 außer Schußweite. 
Pott8 gab jedoH ſeinen: Kampf für die Rechte der 
Cingeborenen niht auf. Im Auguſt 1933 richtete er 
einen offenen Brief an den Premierminiſter Mac Donald, 
in dem er auf ein britiſches Geſesz- vom Jahre 1875 hin» 
wies, das auf allen engliſchen Beſizungen im Etillen 
Ozean den: Verkauf von Gingeborenenland an Nidhtein= 
geborene verbietet, und die Erbpacht (lease) fjolhen Lan= 
des auf 21 Jahre beſchränkt. Dana<h, ſo führte Potts 
au3, war der Akt de3 Kolonialamt8 von 1901 rehtswidrig 
Er machte weiter darauf aufmerkjam, daß der damalige 
Präſident der Pacific IsSlands8 Company, Lord Stan= 
more. derjelbe war. der ſic) vorher, al8 er no< Sir 
Arthur Gordon zieß, in ſeiner Stellung al8 Ober= 
Fommiſſar für den weſtlichen: Stilien Ozean durch ſeine 
Fürſorge für die Cingeborenen ausgezeichnet hatte. Bon 
ihm waren jene Geſetze ausgegangen, die der britiſchen 
Regierung de Pflicht auferlegt haben, für das Wohl der 
Gingeborenen im Stillen Ozean zu jorgen und alle 
Veräußerung von GCingeborenenitand zu 
verhindern. Nachdem er geadelt worden war, wurde 
er Präſident der Geſellſchaft, die in einem Jahr (1908) 
aus dem den Eingeborenen entriſſenen Guano einen 
Reingewinn von mehr al8 6 Willionen Mark erzielte. 
Gin Teil des Gewinne3 floß in die Taſchen des ehe= 
maligen Unterſtaatsöſerretärs im Kolonialamt Sir George 
Herbert, der ein Aktienpaket wr Geſellſchaft erhielt. 
In einem zweiten offenen Brieſ vom Dezember 1933 
gab Pott3 Zahlen an, aus denen hervorgeht, daß die 
Gingeborenen wohlhabend und glüFlich leben könnten, 
ſtatt elend. und arm zu ſein, wenn ihnen einfac nur die 
Rechte gewährt würden, die ihnen nach den britiſ&en Ge= 
ſezen zuſtehen. 
BisSher hat Moc Donald nicht geantwortet, Potts 
aber, der jezt 79 Jahre alt iſt, erhält endlich Unter= 
ſtüßung in ſeinem Kampf um5 RehHt. Die Commonwealth 
Land Party, eine kleine, aber rührige Bodenreſorm«- 
Bewegung in England, Auſtralien und Neuſeeland, hat 
ji vor kurzem der Sac<e angenommen und will nun 
das Gewiſſen der britiſ<en Bevölkerung aufrütteln, da= 
mit den Eingeborenen im Stillen O32an ihr Recht werde. 
Dr. Kurt ShHmid.t. 
Krupp-Siemen3: Nebenerwerbsſiedlungen für Kurz- 
und Bollarbeiter, herau8gegeben von Walter Bolz, 
Regierung8baumeiſter a. D. (Verlag: Iulius Springer, 
Berlin. 1934). 
Praktii&e Bodenreform! WaZ die Gründer der Rie- 
ſenwerbe gefordert und begonnen haben, findei im der G2= 
genwart ſeine Bollendung: 
„Hinaus aus den ungeſunden ſtädtiſchen Berhältniſjen, 
Wiederaufleben der Verbundenheit mit Natur und Boden. 
Dieſe Beſtrebungen wurden unteritüßt durHFH die Gedanten 
5er Bodenvolitif, der Bodenreisrm im Kamvpſe gegen Die 
Bodenſpekulation.“ 
Auf 100 Seiten ſchildert der bekannte Berfaſſjer mii 
ſeinen Mitarbeitern, wie Krupp und SiemenZ die 
induſtrielle Siedlung der Erwerbs8tätigen in die Wege 
leiten. Daß da8 Erbbaure<Hi auf biliigem Grund 
und Boden weitgehend verwendet wird, iſt ſelbſtverſtänd= 
lich. Die Umſchulung ſtädtiſher Arbeiter auf Kurz- 
arbeiterſiedlung am Rande der Städie wirkt -- wohl als 
Folge der Schrebergärten -- ungemein günſtig. Die Mit= 
arbeit der Siedler mit Verwandten und Bekannten in 
der Selbſthilfe hat ſich über Erwarten gut bewährt. In 
Staaken betrug die Stundenleiſtung der bezahlten Fach-= 
arbeiter pro Hau38 4403, dige der Siedler 994! Immer 
wieder Überraicht, wieviel Intereſſe und Sachkenntnis 
Großſtadtarbeiter beim Au38bau der Siedlerſtellen, bei 
Kleintierzuht und Gartenpflege entwickeln. -- Hinjicht= 
lich der Finanzierung, der Einräumung eines Vorkauſfs- 
reht3, der te<hniſhen Durchführung, der Förderung Der 
Siedlung dur< die großzügigen Einrichtungen der Werke 
jelbſt u. a. m. muß auf das Werk ſelbſt verwieſen werden. 
Richard, Regierung3=- und Baurat in Danzig. 
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Eine Schätzung des Schweizer Bolksvermögens bringt 
die „Oſtſ<Hweiz3“ (6. 2. 33). Die wichtigſten Zahlen 
aind in Millionen Franken: 
Gebäude nah der Brandverſicherung . 24 000 
Mobiliar, Bieh und andere verfiherbare Werte 16 000 
Eiſenbahnen und ähnliHe Transportmiitel . 3 500 
Güter in Bewegung, Handels3waren . 1500 
daneben ſtehen, was als Bodenwert zu gelten hat. 
LandwirtſhHaftlicher Boden . «= 3 600 
ForſtwirtſHaftliher Boden, Bergwald und 
ganz nußbarer Wald . 1150 
Waſſerkfräfte . . 800 
Alpen . 250 
Städtiſcher Boden . 3800 
Bergjtraßen « - - 3 600 
Bergwerk8boden . . . . 50 
So würde der reine Bodenwert rund 13 250 Millionen 
betragen. Eine Steuer von ihm von nur 2 % würde alfo 
265 Millionen Franken ergeben. Dazu kämen die ECin- 
nahmen von den Staatsbahnen, die etwa 3500 Milli= 
onen Franken Wert darſtellen, von denen aljo bei 2 % 
70 Millionen erwartet werden können. So würden im 
ganzen dur& Grundwertſteuer und Einkünfte au38 den 
Bahnen 335 Millionen einfommen. E35 wäre lehrreich 
zu ſehen, wieviel demgegenüber die heutigen Umſaßz=, 
Cinfommen=, Gewerbeſtewern ergeben. 
Aus Transjordanien. Das „Zahrbuch der Bodens= 
reform“, das die Wirkungen der deutjchen Bodenreform 
im Ausland ſchildert, lenkt die Auſmerkſamkeit der Bo= 
denreſormer mehr als bisSher auf die Bedeutung aller 
bodenreformeriſhen Berſuche innerhalb der Weltpolitik. 
Wir woilen in der „Bodenreform“ die dort gemachten 
Ausführungen von Zeit zu Zeit ergänzen, auch wo e3 jich 
als nötig erweiſt, berichtigen. Wir bitten unſere Leſer, na= 
mentlih au<ß im Ausland, um ihre Mitarbeit. Der 
lezte Abſchnitt dieſer Ueberſicht heizt „Der Iudens= 
ſtaat“ und ſchildert die Kämpfe in dem IZiſhHuw, Dd. h. 
in dem Kreis der jüdiſchen Cinwanderer in Baläſtina. 
Cin Hinweis au? Paläſtinas Mangel an bebaubarem 
Boden = er beträgt nur etwa, die Hälfte von dem der 
MWark Brandenburg = der nicht ausreiche für eine wirkz= 
li< große Siedlung, zumal neben 240 000 Juden über 
800 000 Araber in Paläſtina ſien, wird häufig mit 
einem Hinweis auf Transjordanien beantworiei, 
auf den Staat, der au< -- ebenſo wie Baläſtina -- 
engliſches Mandatsgebiet iſt. Der „ECildienſt für AuS- 
land3wirtſhHaft“ (Ür. 202) iſt in der Lage, über eine 
Unterredung ſeines Berichierſtatter8 mit dem Herricher 
TransSjordan.en8, Emir Abdullah, zu melden: Die G2= 
rüchte, daß das LanderwerbS3verbot für Juden auf= 
gehoben ſei, wurde vom Emir Abdullah auf da3 Ledb= 
hafteſte demeniiert. Iuden dürfen in TranSjordanien 
keinen Boden erwerben. Eine Hoffnung auſ] die Zukunft 
ſei die Ausbeutung der Bodeni<äße. 
So ſei TranSjordanien an den ECrträgniſſen der 
valäſtiniſc)en Mandatsregierung von der Paleſtine 
Bota383h9h Comp. die die große Konzeſſionam 
Toten Meer hat, zur Hälfte beieiligt; dieje Cin-= 
fünfte wüchſen von Jahr zu Jahr, da die Paleſtine 
Bota3h Comp. ihre noF nicht lange aufgenommene Er= 
zeugung alljährlich ausSdehnt und vergrößert. (Die YAuZ= 
beute erſtreFt ſih nunmehr auh auf das Südufer 
de3 Toien Meere>S.) 
Die wichtigſte Aufgabe ſei eine gerechie Regelung 
der Bodenbeſteuerung. DaZ frühere Syſtem aus der vS= 
maniſ<en Zeit, das Oſ<er- Syſtem (vgl. „Geſchichte 
der Nationalökonomie“, Band 11, S. 343) hätte in 
ſeiner Ungeredhtigkeit die Seßhaftmachung und die Be= 
arbeitung de3 Boden3 gehemmt und gehindert. Durch 
eine gerehte Bodenbeſteuerung hoffe man, die 
Anſiedlungen der Beduinenſtämme zu fördern. InS8= 
'geſamt zählt TranSjordanien heute dank dieſer Vernach- 
läſſigung der Landwirtſchaft nur 350 0006 Einwohner -=- 
eine Zahl, die unſchwer dur ein verſtändiges Syſtem der 
Bodenbeſteuerung verdoppelt, ja verdreifa<m werden 
könnte! | | 
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