Full text: Bodenreform - 45.1934 (45)

 
Deutſche Volksſtimme 
  
odenteſotm 
Leitung: Adolf Damaſchke 
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4 % Frei Land 
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Annie 
45. Jahrgang. Nr. 18/19 
 
Verlag Bodenreform G.m.b.H., Berlin NW 87, Leſſingſtr. 11, Fernſprecher : C 9 Tiergarten 1451 
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Poft-Berſandort: Potsdam 
Die nächsfe Nummer 
Staatsbuürgerliche Briefe. 
[Nr. 11: H. Brüning. - Wieviel Erbhöfe gibt es? 
Nr. 13: Eine neue Ideologie. = Wie kann die Zahl der 
Erbhöfe wochſen ? 
Nr. 17: NoFH einmal neue Erbhöfe. ] 
Zur ODedlandſragze. -- Stadterweiterung und Erbhoſbindung. = 
Preisbildung für „erbhoffreies“ Land. 
Manc<eriei Zuſhriſten weiſen auf die großen Pläne 
in der ODediandkultivierung hin und meinen, daß wir 
dieie Arbeit zur Gewinnung neuen Erbhofiandes in der 
„Bodenreform“ (Sp. 74) nicht genügend eingejetßzt haben. 
Wir können nur wiederhoien, was wir fagten: Wir freuen 
uns jeder joicher Arbeit und wiſſen, daß jezt dur<g den 
Einjaß des Arbeit5dienſtes mehr Mögiichkeiten als ſrüher 
erichlioſſen werden. Aber wir müſſen doh bei unſerem 
grundſäßlichen Urteil bleiben. Eben erſcheint das neueſte 
Heft der „Zeitichrift des Preußiſaen Statiſtiſchen Land25= 
amtes“. €S erklärt zu dieſer Frage (S. 178): 
„Wenngleih auc<4 im Zuſammenhang mit der inneren 
Koloniſation häufig auf die Möglichkeit der Beſiedlung von 
Moor- und ODedländereien hingewieſen worden iſt, jo kommt 
der au] dieſen Bodenflächen entfalteten Siedlungstätigkeit 
zurzeit erſt eine geringe Bedeutung zu. Dieſe Tatſach2 iſt 
durc<aus niHt verwunderlih, wenn in Betracht gezogen 
: wird, daß xeS8 fich tabei um ein koſtſpieliges und nur 
verhältnti8mäßig langſam zu förderndes Werk han= 
delt, während e8 jet darauf anfommt, möglichſt raſh 
und mit tragbarer Belaſtung die Anſezung der in Frage 
fFommenden Bolks8teile als Siedler in die Wege zu leiten.“ 
Wir wiederhovcen de8halb unjeren Hinweis auf die 
Möglichkeit, aufgrund des beſtehenden SiedlungSsgejeßes, 
ohne weiteres 750000 Hektar Kuiturland für die 
Siediung nutzbar zu machen! 
Eine jehr wichtige Frage berührte der Ctuttgarter 
Oberbürgermeiſter Dr. Strölin in feinem klaren, okſ2= 
nen Vortrag in Berlin: die des Verhältniſſes zwiſchen der 
ain Angriſf genommenen Stadterweiterung und 
der Bodenbindung durch den Erbhof. 
ES handeit fich um Boden an den Grenzen wachſender 
Orte. Um weiche Gebiete es jim handeln kann, zeigt 
das Beiſpiel Berlins. Nah der „Deutſchen Zeitung“ 
(86 a) muß man innerhaib des Stadtgebietes etwas über 
180 Erbhöfe rehnen, deren Durhſ<hnittsgröße bei dem 
landwirti<haftlich geringwertigen Boden Berlins etwa 
25 Hektar = 100 preußiſche Morgen beträgt! 
Aehniich liegen die Verhältniſſe in anderen Gemein= 
den. Nun haben wir genug Beiſpiece, in denen früher 
Gemeinden in ihrer Entwikiung ſchwer gehemmt wurden, 
wenn jie vom Großgrundbefiß, namentiich von Fi = 
deikfommißgütern umgeben waren. 
Heut ericheint dieſe Frage wichtiger denn je. Mit 
Recht erklärte Oberbürgermeiſter Dr. Riejen=Köln in 
jeinem Rechenſ<haftsberi<ht über das vergangene Jahr: 
„Wir haben die Ueberzeugung, daß die abgeſchloſſene 
Großſtadt der Bergangenheit angehört, und daß die neue Form 
der Großſtadt einen weit in ſein Hinterland ſich er- 
ſtre&Fenden Wirtſc<haftsraum erfordert.“ 
- - ES iſt kein Wunder, wenn au< fonſt von verant= 
wortungsvo.ler Seite immer wieder auf dieſe Frage hin= 
gewieſen Geſchäftsführer der „Bran= 
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| Vermeiſungöweſen“ (8) das Wort. 
 
 
6. Mai 1934 
 
erscheintf am 20. Mai. 
denburgiſhen Heimſtätte“, Dr. Hans Wagner, im 
„Deutſchen“, dem Organ der Deutſgen YArbeitsfront 
(Nr. 30). Er führte aus: 
„Von beſonderer, von der neueſten Geſetzgebung tart be= 
einflußten Bedeutung iſt die Geländeſrag e Wird man 
naturgemäß die Anjezung von Bolksgenoſſen vornehmiiGg in 
den ländlich beeinflußten Gebieten erſtreben, ſo wird man ge= 
rade in dieſen Fällen dur< die neue Erbhofgejeßge=- 
bung auf erhebliHhe S< wierigkeiten in Der 
Geländebeſ<Haffung ſtoßen. Der Charakter der länd= 
lihen Klein- und Witteljtädte: bringt es mit jich, daß ſi 
häufig die Bauerngüter bis unmittelbar an vie 
Stadtgrenze heranſchieben, ſo daß geeignetes Geland2e [ur 
Kleinſiedler nicht zu beſchaffen iſt. Es wird zunächjt in der 
Praxis am richtigijten ſein, dur<ß unmittelbare Beſprechunzen 
mit dem Krei8bauernführer, gegebenenfalls mit dem LanDez= 
bauernführer, auftretende Schwierigkeiten zu beheben. Grund= 
ſäßzlih wird aber auer? der Geſeßgeber ji) in Zutänſt 
dieſer Frage annehmen müſſen; denn wir müjjen immer das 
eine bedenken, daß ja gerade die Kleinjiedlung in den 
ländlichen Bezirken injofern no<“ ihre beſondere Bedeutung 
hat, a:8 aus ihr die Entwiklung und Neubildung des 1o= 
genannten deutſH<en Uderbürgertums angejtrebt werden mu.“ 
Zu dieier Frag2 nimmt auch der Frankfurter Ber= 
meiſungsdirektor C. RohieDer in der „Zeitjhriſft ſur 
Er fordert: 
„Beſſer wäre eine Beſeitigung der Hemmungen DUr< 
Tauicr< oder Umlegung der Grundjtüde, und zwar nad) fol= 
gendem Verfahren: Sobald ein Gelände zum Wohnjiedlungs- 
gebiet gemäß Geſeß vom 22. 9. 1933 erflärt it, müßte 3e123= 
liM die Möglichkeit geſchaffen werden, von Amts wegen -=- 
au<+ gegen den Willen der Beteiligten Erbhofgoluirde 
dur< Tauſch oder Umlegung in jolH<e Gebiete der Gemarkung 
zu verlegen, die nach dem aufgeſtellien Wirtj<aftsplan als 
Baugelände, für öffentlihe Zwe&e oder au<ß für Dauer= 
fleingärten niHt in Unſpruch genommen werden jollen. . . . 
Für das Tauſ<- bezw. Umlegungsvertfahren ware ein 
tunli<ſt abgefürztes Berfahren mit der Moglichkeit 10 = 
fortiger Einweiſung anzujtreben. Die Ciedlungs- 
tätigkeit iſt heute eine wichtige Maßnahme direfier und 
indirekter Arbeit8beſchaffung. Oft ſind größere Gebiete auſ 
einmal in Angriff zu nehmen. Da wird man nic<hi warten 
können, bis ein eingeſtreutes Erbhoigrundijitü> verlegt ült. 
Wird dem Erbhofbauern in der Zwiſchenzeit ein anderes 
landwirtſhHaftlih gleichwertiges Grunrditüf zur Nußung zur 
Berfügung geſtellt, dann könnte dies ais ausreicßmde Dah= 
rung der Iniereſſen des Erbhofbauern angsſfehen werden.“ 
Geben wir zu diejer Frage und ihrer Löſung zum 
Schluß no< einer: fo vorſichtigen Zeitung, wie der 
„Köiniſhen Z2ötung“ (Nr. 125) das Wort: 
„Die NachkriezSzeit eriebte unier dem Einſlußz D a = 
maidhkes eine Förderung des „Fideifommijjes D25 t.ei= 
nen Mannes“ in der ReichSheimjtätte. DaS5 na= 
vionalſozialiſtiſ<e Deutſchland hat in der Erbhoſf= 
gefeßgebung eine Abwandiung für den Bauer ge= 
ihaffen mit der Tendenz, mögiichtt viel vom Grund= 
beiiß, deſſen Fideikommißweſen ja im Er;öſ<en ijt, dur< 
geiunde Aufteilung in das neue Weſen einzubeziehen. 
Gleichzeitig läuft im n2uen Deutiland aber au< mit 
Recht das Beſtreben weiter, für den Arbeiter und den 
kleinen Mann durch vorſtädtiſhe Kleinjiedlung, 
halbbäuerlihe Siedlung und andre Maßnahmen ver= 
mehrten Beſitz am Boden zu ſchaffen und dieſen unter 
Umſtänden fideikommiſſariſch. zu ſichern, d. h. im Sinne 
der Reichsheimſiätte maeiC.gebung. 
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