Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

Bodenreform 
Ausgabe B 
Frei Lans 
Deutſche Volksſtimme 
Gründer: Adolf Damaſchke 
 
Bodenreform Berlag Damaſc<ke KG, Berlin RW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſprecher 39 14 51 
50. Jahrgang Nr. 31 
Bezug durch jedes Poſtamt viertkeljährli< 1,80 RM, dei direkter Sendung unter 
Kreuzband 2 RM. / Poſiſchekkoako Berlin Ar. 79025 Bodenreform Verlag Damaſchke KS. 
10. September 1939 
Bof-Berſandort: Potüsdam 
€rfolge der Flurbereinigung 
Nicht nur auf dem Gebiet der Wehrmacht, 
jondern auh in der Wirtſchaft iſt in Deutſchland 
ſeit langem alle8 für den Kriegsfall vorbereitet. 
Auf der einen Seite iſt die Leiſtungsfähigkeit der 
Induſtrie ſeit 1933 erhebli vergrößert worden, 
auf der andern iſt die Landwirtſc<aſt [o geſördert 
worden, daß Deutſchland dank der Arbeit ſeiner 
Landwirte bloFXadeſicher iſt. Sehr weſentli) dazu 
beigetragen hat die Flurbereinigung, die Ums= 
legung und Zuſammenlegung kleiner Grund= 
ſtüksteile zu größeren Einheiten, die mit beſſerem 
Erfolg al3 die kleinen bewirtſchaftet werden können. 
Nachdem am 1. Januar 1938 die ReihI3um=- 
legungSordnung in Kraft getreten iſt, wurden 
au<ß gleichzeitig na< einheitlihen Richtlinien 
ſtatiſtiſMe Erhebungen über die Umlegung im 
ganzen Reich8gebiet vorgenommen. Ihre Ergeb= 
niſſe für das Jahr 1937 liegen jetzt vor. Danach 
wurden inö8geſamt 281 Umlegungen durchgeführt. 
Die Umlegungsflähe von 105 100 Hektar iſt ſait 
ſo groß wie das Land Lippe. Der Zahl nach 
fallen die meiſten Umlegungen auf Württems=- 
berg, 77 mit einer Fläche von 8100 Hektar, dann 
folgen Bayern mit 42 und 15400 Hektar und 
Heſſen mit 32 und 16400 Hektar. In Preußen 
gab es im ganzen 92 Zuſammenlegungen mit 
einer Fläche von. 57 800 Hekiar, davon 33 mit 
23 550 Hektar in der RVheinprovpin3z und 27/7 mit 
15 000 Hektar in Heſſen=Naſſau. 
Der Zwe der Umlegung, den zeritü>elten und 
zerſtreui liegenden Grundbeſitz eines jeden - Be- 
teiligten zuſammenzulegen, wurde im allgemeinen 
erreicht: -e8 wurden 363 000 alte BeſitzſtüFe 3u 
157 600 neuen Grundſtü&en zuſammengeiegt. 
Die. größte wirtichaftlihe Bedeutung hat die 
Flurbereinigung für landwirtjhaftlice Betriebe 
von 0,5 bis 10 Hektar. Dieſe Betriebe waren im 
Berihizjahr mit 234060 an den UmlegungsSver- 
fahren beteiligt, die größeren Betriebe über 10 
Sektar nur mit 1735. BiSher beitanden die Be= 
ſjikungen aus zahlreichen, zerſtreit in der Gez 
markung liegenden Flurſtüken, die jeßt 3ui wert= 
vollen und gleichmäßig geformien Grundſiücen 
zuſammengelegt ſind. Damit ſind für viele Be= 
iriebe erit die BorauZiezungen für den 3wec= 
mäßigen Gebrau<h landwirtſchaftliher Maſdjinen, 
wie Sämaſc<hinen, Ha>maſc<hinen, GraSömädher, 
Getreidebinder uſw. geſchaffen worden, Die 
Maſchinen aber erſparen nicht nur menſchliche 
Arbeits8kräfte und helfen über den Mangel an 
Landarbeitern hinweg, ſondern vermehren au<h 
den Ertrag der Grundſtüke. Die zahlreichen 
ertragsloſen Grenzjurdhen fallen weg, die neuen, 
größeren Grundſtüre können einheitlicher und 
gleihmäßiger beſtellt, bearbeitet und gedüngt 
werden. 7 
Die Flurbereinigung dient weit2r Dazu, kür Die 
ganze Flur ein einheitliches Wege= und Graben= 
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neß auszubauen. Vor der Umlegung gab es in 
den UmlegungSsgebieten insSgeſamt 4007 Kilometer 
Fahrwege und 1266 Kilometer Waſſerläufe mit 
einer Einlagefläcße von 3100 Hektar. Nah der 
Umlegung entſtanden 9064 Kilometer Fahrwege 
und 2087 Kilometer Waſſerläufe mit 6900 Hektar. 
Dur<hH die neuen Wege iſt zwar die nußbare 
AFerflähe um faſt 3000 Hektar vernrindert 
worden, aber eSs ſind dafür die unzähligen An= 
wandredhte verſMmwunden, die dem angrenzenden 
GrundſtüFseigentümer erheblihe Nachteile und 
ſ<lehte Ernteergebniſſe einbrahten. Au< dies 
trägt dazu bei, troß der Verkleinerung der Ader-= 
fläHe den landwirtſhaftlihen Ertrag im ganzen 
zu erhöhen. Dazu kommt nod), daß zugleich mit 
der Flurbereinigung umfangreihe GEntwäjſe= 
rungöanlagen und ſonſtige Bodenverbeſſerungen 
Durh<geführt werden konnten. Eine Fläche von 
8900 Hektar wurde von übermäßiger Feudctigkeit 
befreit, jo daß die Felder jetzt ertragreicher werden. 
Haben: wir no< ſiedlungswillige Menſchen? 
Unter dieſer Überſchrift ſchreibt die „Deutj<he 
Bergwerk8zeitung“ in Nr. 182 vom 8. 8. 1939: 
„Man hört oft die Meinung, daß heute der 
SiedlungsSwille in unſerem Volke erlahmt ſei und 
gar niht genug Bewerber für eine großzügige 
Siedlung vorhanden wären. Dabei wird auf 
Zahlen verwieſen, die einen gewiſſen Rü&gang 
der Bewerberzahl in den letzten Jahren feſtſiellen. 
Demgegenüber muß betont werden: Für Den 
Gedanken der Neubildung deutſHhen Bauerntums 
iſt biSher großzügig no< nicht geworben 
worden. E38 war dies au< no<FH gar niht mög= 
li<, da die Borausſezung für eine weitgejpannte 
Werbung die Neuordnung der Frage der Sied= 
lungsfinanzierung und damit der Landbeſchaf= 
fung iſt. Dieſe beiden Grundlagen aber konnten 
bis jezt noFg niht endgültig errichtet werden. 
Ihre Shaffung mußte vor den großen anderen 
und dringliheren Aufgaben zurückſtehen, die 
unſerem Volk und au<h der deutjihen UÜgrar= 
politik geſtellt ſind. Auf der anderen Seite haben 
vor allem in den Zahren 1934 und 1935 weite 
Volksſ<ichten 3weifellos große Erwartungen auf 
die Neubildung deutichen Bauernt:rums gejett. 
ES ſind daher außerordentli< zahlreiche Anträge 
eingelaufen, die nicht alle berücjfichtigt werden 
Fonnten, da der bald einſezende große Auſ= 
ſOwung. unſerer WirtſHaft und die Wehrhaſt= 
madjung die Neubildang deutſhen Bauerntums 
zurücdrängten. 
Viele haben damals au<g einfaH2 aus der 
Arbeitsloſigkeit heraus Anträge eingereicht, um 
auf dieſe Weiſe zu Arbeit und Brot zu kommen. 
Heute aber weiß jeder, daß es nicht leicht ijt, 
einen Neubauernſc<hein zu erhalten, weil die Prü= 
fungen außerordentlich ſ<wer ſind. Aus diejem 
Grunde unterbleiben ſhon viele Anträge, die 
in den Jahren vorher geſtellt worden waren. So 
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