Volltext: Bodenreform - 50.1939 (50)

gelernte Gärtner, ein Stamm von Fachleuten 
beſhäftigt. Einen ſolHen Stamm von ſachver= 
ſtändigen Mitarbeitern ſih dauernd zu erhalten, 
muß da3 Beſtreben der Betriebe ſein; das beſte 
Mittel dazu iſt die Seßhaftmachung; ſie konnte 
man, da ſie niht in Rufweite des Betriebe3 
wohnen müſſen, außerhalb der Stadt, und 3war, 
wie es nahe lag, in einer großen geſchloſſenen 
Gruppe anſiedeln. 
Die Stadtverwaltung und die Betriebsſührer 
ſezten ſiH in vorbildliher Zuſammenarbeit, 
unterſtüßt vom ReichSnährſtand, für die Berwirk= 
lihung des Planes ein. Da3s8 Baugelände auf 
dem an die alte Ort8lage im Norden anſtoßen= 
den Galgenberg wurde von der Gemeinde zur 
Verfügung geſtellt; da es bei völliger Bebauung 
um 70 bis 80 Stellen geht und jede auf einen 
vollen Morgen bemeſſen wurde, handelt2 e8 ſich 
um erheblihe Flächen. Die recht hoh erſ<;einende 
Stellengröße mit 25 Ar iſt dur<h den Umſtand 
bedingt, daß den Siedlern dur< den Gartenbau 
ni<t nur die Anzucht von Gemüſe und Obſt 
zum unmittelbaren eigenen Bedarf für die Fami= 
lie, ſondern au< der Anbau von Futterpflanzen 
für ihre Stallbewohner geſichert werden ſoll. 
Mit der Planung ünd Durchführung der Bauten 
wurde die „Mitteldeutſ<e Heimſtätte“ 
als Treuhänderin beauftragt. Von den zunächſt 
in Bau befindlihen 26 Stellen jind 22 bereits 
bewohnt, 4 ſollen im Laufe des Commers35 be= 
zogen werden. Aile werden Eigenheime. Im 
Rahmen weiterer Bauabſchnitte ſind auc< ein 
Gemeinſ<haft8Shaus, ein Sportplaß und einc 
Baumjſdule vorgeſehen. 
Die Bodenwertſteuer in New York 
Die Stadt New York mit 7 Millionen Cin- 
wohnern hat einen ſtädtiſ<en Zahre5haushalt 
von 600 Millionen Dollar. Hiervon werden 2%0 
Millionen Dollar, aljo 4095, durch eine Steuer 
vom reinen Bodenwert aufgebracht, 
während die reſtlichen 360 Miliionen durch G2= 
werbeſteuern und andere, die Gütererzeugung 
belaſtende UÜbgaben gede>t werden. Der Steuer- 
ſjaß der Bodenwertſteuer beträgt 3" vom Weri 
Des Bodens ozine Gebäude und jonſtige Anlagen. 
New York iſt, wie man ſieht, noch weit ent erut 
von Henry Georges Z5deal der „einzigen Cizuz2r“ 
die Bodenſpekulation mit ihren üblen 103 ialen 
Begleiterſheinungen ift Dort noFH nicht aanz 
überwunden, aber diefe große Siadt hat immer= 
hin dur<h die Tat bewieſen, daz die Veranlagung 
und Erhebung der Cteuer vom reinen Bodenwert 
9 
keine unüberwindlicßen Cdqwierigfeiten madt, 
wie in anderen Ländern immer wieder von 
Bodenſpekulanten behauptet wird. 
Das VodenrecHt im alten Ügypten 
In einem Aufjaß über die Recht5Sgeſichichte des 
alien Navypten teilt Prof. Dr. Erwin Seid! 
von der Univerſität Greifswald in „Forſ|<hungen 
und Fortſchritte“, Nr. 23.24 vom 20. 8. 19365, 
mit, daß in Ügypten bis zur Ptolemäerzeit (332 
vor Chr.) die Vorſtellung herrj<te, der König 
ſei der Obereigentümer alles Grund und BodenS. 
Bei dcr Übertragung von Grundſiü>äen kam jedoch 
nur in der älteſten Zeit bis zur 4 Dynaſtie (2550 
vor Chr.) eine Belehnung durc< den königlichen 
Obereigentümer hinzu, während in den ſpäteren 
Epodhen die Übertragung nur noh, wie im römis= 
ſHen Recht, durc<h Formvorſchriften erſHmwert war. 
Dä(GS5 Obereigentum bedeutete alſo nicht viel mehr 
als eine Gebiet3= und Steuerhoheit. 
245 
er =- ohne naH Dantf zu fragen - 
/ 
XAus der Bodenreformarbeit 
Ein Mitglied unſeres Bundes hat kürzlich auf 
Grund eines Vermädtniſſes eine Anzahl Cxem-= 
plare des lezten größeren Werkes von Adolf 
Dama1ſHke: „Ein Kampf um SozialiäSmus 
und Nation“ an auSsgeſuhte Adreſſen verſchit. 
Das Bu<h wurde ſehr freundlih aufgenommen 
und mit Intereiſe gelejen. Manche hörten da=- 
dur<4 zum erſten Male von unſerer Lehre, in 
anderen wurden alte Crinnerungen wacß und 
vertieft. AuS5 den vielen Zuſchriften des Dankes 
laſſen wir einige folgen. 
„Heute erhielt iH Ihre wertvolle Gabe, die es mir 
ermöglißen wird, das Werk eines edlen und großen 
Menſc<en fennen zu lernen, von dem iH IHon viel 
Gutes gehört und geleſen habe.“ 
„Mit großem Intereſſe habe ich das 
das ein ganzes Stü meines eigenen 
beleuchtet.“ 
„Ih habe das Buch mit großer Freude und innerer 
Bereicßerung geleſen und freue mich, das Buch neben 
der „Ge] jMichte der Nationalöfonomie“ und „Die 
Bodenreform“ meiner Bücherei einverleiben zu kön= 
nen. CS wird Sie vielleicht intereſſueren, daß ich, als 
iM noM Deutihlehrer am Gymnajium war, rege!= 
mäßia das fleine Heftchen: „Ein Berliner Zunge“ 
von Adolf Damaſchke als Privatlektüre in Sekunda 
babe lejen laſſen.“ 
Buch geleſen, 
Lebens mit 
„Das SHhidfal des Kämpfers „Damaſchke“ hat mich 
bewegt. Seine weitausſchauenden Ideen geh2n heut2 
einer Erfüllung entgegen.“ 
„IH freu? mich jetzt ſhon darauf, in kommenden 
Urlaub8swocßen mich darein vertiefen 3u dürfen in 
danfbarer Erinnerung daran, daß L2ldolf Damaichke 
einſt durc< jein Wort dem jungen GStudenien dieſe 
Frage unauslöſhlich mit ernſter Berpflichtung ein= 
geprägt hat. Miöqa2 ſeine Saat zum Segen unſeres 
Volfes aufgehen dürfen.“ 
„Ms Biographie eines rediichen poiitiichen Käm»= 
fers wirkte das Buch wohlintend auf mich. “ 
„Nite? liebe Erinnerungen aus Der Kind.er= 
Zugendz3zeit ſtanden in mir auf. „Wie It babe id) 
Elterns aus VIrvel= 
ann. 
Ww 
(4 
3.B. Adolf Stö>er an mzoinem 
geßen „eben. Auch Fr. Naumann habe ich 23! 
AJuc<ß die B 32jtr Yevungen Der Bodenreformer UNTE 
tatfräftigen Führung von Adolf Damaichke R 
wurde Das alices wieder lebendig vor meinen Augen. 
Mein Sohn -- Dr. mod. jah das Buch geſtern 
auf neinem Lefepult liegen und fing a3uD an, darin 
iM gelegentiic darauf 22x wrechen kommen, 19 da 
von meinent Crempiar noH manche Anrezunag ais 
ackßen wird. I< Hoffe, das wird der beite Dan? fein.“ 
„Vas „3rundlegende BuH von Adolf Damatichte 
über 23oIenreform habe ich vor Zahr2 ehnten währen? 
einer Kranfbheit geleien und wurde dadur< mit der 
Fragen der Bodenreform vertraut. Die Beichäfti= 
IURGg mit Dem Buch2 feiſelie mich 10, daß ich faun: 
nos? einen Wedarifen an die KranibBeit Gate it 
ihrer falt iroh war.“ 
„Es muß 5oF für die Bodenreformer eine - 
inung fein, IaB dieſe Gedanten jim je3t rerwirilicher, 
daß al!o der Kampf gegen Eigennus und Engſtirinig= 
keit nicht vergeblich geweſen itt.“ 
„Mit „großem Intereſſe habe iO Ia8 Buch geleſen 
und auß vieles daraus gelernt. Beſonders aud) die 
Kavitel über Stöcker un Naumann waren für mich 
jebr lehrreicß. Bol! Bewunderung ſehe iM auf die 
Mübe und groß2 Arbeit von AD Damaſchke, die 
zum Wohle 
jim genoms= 
Uu leiten... Auch in unſerer Männerarbeit werde 
+ 
unſeres Bolkfe8 und Baterlandes ar! 
men bat.“ 
„SG mödhte Ihnen mit herzlichem Dank agen, 
wie wichtig und aufi<lußreih es für mich war, die 
ausführlichen Schilderungen eines Lebens und 
Lebenswerkes zu leſen, die einem noch heute jo unz= 
gemein wichtigen und entſcheidenden LebenSsgebiet 
gewidmet waren. Wie lange Zeit braucht es doh, 
bis ſiM ein richtiger Gedanke ſiegreich über alle 
246
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.