Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

Bodenreform 
Auggabe B 
Frei Land 
Deutſ<e Volksſtimme 
Gründer: Adolf Damaſchke 
nee 
Bodenreform Verlag Damaſchke KG, Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Feruſpreehzer 30 14 51 
Bezug durch jedes Poſtamt vierkeljährli< 1,89 RM, dei direkter Sendung unter 
 
30. Jahrgang Nr. 33 Kreuzband 2 RM. / Poſtſ<ekkonto Berlin Nr. 79025 Vodenreform Verlag Damaſc<ke KG. 1. Oktober 1939 
| PBoſt-Berſfandort: Poksdam - 
Y% 
Wehrwirtſchaftlihe Angleihung des Bau-= und <% 3 . 147 
Wag Steefen: Bevölkerungs- und Steuerpolitik 
Die Korreſpondenz „Deutſ<he Siedlung“ vom 
12. September ſchreibt: 
Die geſamte Wirtſ<haft3= und Arbeitskraft wird 
dem Gebot der Stunde entſprehend auf das Ziel 
der NeichSverteidigung auSgerihtet. Auch die 
Bau=- und WohnungSwirtſ<haft muß ſich diejem 
Ziele unterordnen. Wenn au<h über Umfang und 
Tempo ibrer Neuausrichtung noF? nichts Cnts= 
ſccheidendes ausgeſagt werden kann, jo iſt doh der 
Weg der AUngieichung in einzelnen Punkten dur< 
neue Verordnungen j|<hon angedeutet worden. So 
läßt die Abrundung der Mieterſ<hutzgeſezgebung 
und die Gewährung von Familienunterjtüßungen 
an die zu den Waffen oder ſonſtigem HeereSdienjt 
Einberufenen, vor allem au<h zur Erfüllung ihrer 
Miet= b2w. Hypothekarverpflichtungen eine um= 
faſſende wirtſ<aftliche Fürſorge für die unmittel= 
bar im Dienſte der Reichsverteidigung ſtehenden 
Bolkögenoſſen erkennen. Darüber hinaus aber 
beſtätigt ſie die Notwendigkeit, die WohnungsS= 
wirtſhaft aus wehrwirtſc<aftlihen und ſinanz3- 
politiſmen Gründen ſtabil zu erhalten. Das gilt 
au<h für das gemeinnützige Wohnungswejen. Cin 
beſhleunigter Abſchluß der der Bollendung ent= 
gegengehenden Wohnbauten iſt von der baus= 
polizeilichen Seite her erleichtert worden. Dring= 
lichſte Aufgaben ergeben ſich für den Luſtſc<uß= 
bau, in38beſondere die behelf8mäßige Herrichtung 
- von LuftſHußräumen. 
Hemmniſſe der bäuerlihen Siedlung 
Die „Schleſiſc<e Zeitung“, Breslau, befaßt ſich 
in ihrer Nr. 44% vom 3. 9. 1939 mit der bäuer= 
lichen Siedlung und weiſt dabei auc< auſ] die 
Hemmniſſe hin, über die man vorläufig nicht hin- 
wegkommt und die von maßgebender Stelle ſelbſt 
aufgezeigt wurden. Sie ſchreibt: 
„Wenn etwa ReichS8hauptamtsleiter Dr. 
Reiſh<le feſtſtellt, daß die Abneigung des 
Großgrundbeſizes, SiedlungsfläHden freiwillig 
zur Verfügung zu ſtellen, kein auSreichendes 
Gegengewicht findet in Rechtsgrundlagen z3u 
planmäßiger Landbeſhaffung und Beſiedlung, 
vder ReichS3hauptabteilungsleiter Haidn die 
Forderung auſſtellt, daß die Bedingungen ſinan= 
zieller Art, unter denen heute bei der Neubildung 
deutſMen Bauerntums gearbeitet wird, künftig 
niht nur vom fiskaliſ<en Standpunkt aus ge= 
ſehen werden dürfen, [ſo ſind hier die zwei wich= 
tigſten Momente herauS8gegriffen, die das AuS= 
maß der Siedlungstätigfeit beſtimmen. Der 
Siedlungsgedanke, der ſeit der Machtergreifung 
in der Neubildung deutſhen Bauerntums jeine 
richtige Form gefunden hat, iſt aber zu lebendig, 
ais daß er nicht die Shwierigkeiten überwinden 
önnte.“ 
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Da nah den Worten des Führers der einzige 
Zwei des deutſchen Einzelmenſ<Hen iſt, an der 
Erhaltung und Förderung des deutſchen Bolkes 
mitzuwirken, ſteht die Bevölkerungspolitik im 
Vordergrunde aller ſtaatlihen Maßnahmen und 
beherrſ<t ſie. Wie dieſe Rückſicht ſim im deut=- 
ſchen Steuerſyſtem auswirkt, ſchildert der Diploms= 
Volk8wirt Dr. Wilhelm Heſſe in einer 1939 
in Würzburg erſchienenen kleinen Schrift „Die 
bevölferung3politiſ<Gen Maßnahmen im national= 
ſozialiſtiſ<en Steuerſyſtem“. Offenbar handelt es 
fich um eine Doktordiſſertation. Die Arbeit it 
gut und leſen3wert. Daß ſie dur<g die Gejeß-= 
gebung des letzten Jahres überholt iſt und deS- 
wegen die einzelnen Darlegungen und Zahlen 
nicht mehr zutreffen, iſt niht Schuld des Ber- 
faſſers. Seine theoretiſM Sdilderung der Ziele 
und Zuſammenhänge behält ihren Wert. 
Aber Schuld de8 Verfaſſers iſt, daß er die 
allerwichtigſte ſteuerpolitije<e Waßnahme niht 
erwähnt. : Ob er ſie vergeſſen oder ob er jie 
abſichtlih deSwegen verſchwiegen hat, weil jie 
nicht in ſein Programm paßt, mag unentjdjieden 
bleiben. Jedenfalls darf eine wiſſenſ<aftliche 
Darſtellung der bevölkerung3politiſHen Maßnah=- 
men im Steuerſyſtem niHt an der Bejteuerung 
de83 Boden8 vorübergehen, namentlig wenn 
ſie zu einer Beſteuerung der Wohnungen, 3U 
einer Voraus8belaſtung der Eigenheime und zu 
einer ſchweren Gefährdung des Heimjttätten= 
gedanfens wird. Alle38 das iſt leider der Fall 
bei der Grundſteuer vom 1. Dezember 1936, Die 
ſeit dem 1. April 1938 in Kraft iſt. Die bedenk= 
liHe Wirkung dieſer Steuer haben wir wieder= 
holt dargeſtellt. Alle Familien in Mietwohnun- 
gen ſind dur< geſetzliche Unordnungen vor jeder 
" Erhöhung der Wohnkoſten wegen einer CSteuer= 
erhöhung geſhüßt. Die Familien, die in Cigen= 
heimen, in Heimſtätten wohnen, ſind nicht ge= 
ſhüßt. Die Umſtellung der Grundjteuer von 
CLandesrehHt auf Reihsreht hat vielfaH eine Ber= 
doppelung und Verdreifachung der biSherigen 
Reallaſt auf die Heimſtätte gebracht. Da der 
Steuerſaß in den meiſten Gemeinden zwiſchen 
15 und 25 vom Tauſend beträgt, 1o kommen für 
eine beſcheidene Heimſtätte Grundſteuerbelaſtun= 
gen von 200 bis 400 Z.1( jährli? heraus. Das 
iſt ja beinahe die Wiete einer beſcheidenen Miet= 
wohnung. (In Wien iſt es vielfaM mehr als eine 
Miete!) Die Steuerfreiheit für Urbeiterwohn= 
ſtätten fommt für Bear.ate, Angeſtellte und ſonſtige 
Angehörige des Wittelſtandes kaum in Betracht, 
weil die Höchſtgrenze der Belaſtung aus Der 
Heimſtätte mit 40 3.1 monatliH (in Berlin 
50 82.1) vorgeſehen iſt. 
Dieſ« ungleiche und zu hohe Steuerlaſt für di? 
Heimſtätte iſt unvereinbar mit dem Heimlttätten= 
gedanfen und mit der Pflege der kinderreichen 
Familie. Denn es iſt eine Tatjache, daz in 
258 = 
- (Staatsp ibliother] 
«3okT1939 |
	        

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