Volltext: Bodenreform - 50.1939 (50)

bührenfreiheit. Solhe Siedlungen, die es 
nur dem allgemeinen Sprachgebrau<h na<h jind, 
werden dieſe38 Vorteils nicht teilhaft. Wer nicht 
die Beſchränkung der Freiheiten auf ſiH< nehmen 
will, joll auF& niht die Vergünſtigungen ge= 
nießen. Da3 [ſprunghafte Emporſ<nellen der Ge= 
bührenausfälle bei den Meſſung5ämtern ſeit der 
Madtergreifung zeigt uns ſinnfällig die ſtarke 
aktive Anteilnahme der Vermeſſungs5beamten an 
dieſem von unſerem Führer mit beſonderer Liebe 
gepflegten Gebiete.“ 
Wir dürfen no<h hinzufügen, daß au<h das 
Reichsheimſtättengeſez vom 10. Mai 1920 ſeine - 
Entſtehung den Vorſchlägen Adolf Damaj<hkes 
und des Bunde3 Deutſ<er Bodenreformer ver= 
dankt. | 
Hypotheken auf Neichsheimſtätten 
Da die ReichSheimſtätte als dauerndes ;Fami= 
lienheim geſichert und deSwegen vor Überſchuldung 
und Zwangsvollſtrefung geſchüßt werden zoll, 
beſtimmt 8 17 des ReichsSheimſtättengejezes in 
der Faſſung vom 25. November 1937, daß eine 
Belaſtung der Heimſtätte nur mit Zuſtimmung 
de3 AuS2geber3 erfolgen darf und daß Hypotheken 
oder Grundſ<ulden nur in der Form von un= 
fündbaren Tilgungsſ<hulden eingetragen werden 
können. 
Damit dieſe ſtarre Bindung nicht zu unnötigen 
Erſ<hwerungen in der Beſchaffung von Baugeld 
und dergleihen führt, iſt dem ReichSarbeitS3-= 
miniſter die Befugnis gegeben, Abweichungen 
davon zuzulaſſen. Bon dieſer Beſugnis hat der 
ReichZ3arbeit3miniſter Gebrauch gemacht durd<h den 
Erlaß vom 22. Oktober 1937 (ReichSarbeitsblatt, 
E&. 1 296), dur< den allgemein genehmigt iſt, das 
auf ReichsSheimſtätten Hypotheken und Grund= 
ſchulden eingetragen werden, die grundſäßlic< un= 
kündbar und regelmäßig zu tilgen ſind, bei denen 
aber die Kündigung für beſtimmte, der Willkür 
des Gläubiger3 entzogene Tatbeſtände vorbehal= 
ten iſt. 
Um Zweifel zu beſeitigen, 9d darunter die ven 
amtlich genehmigten Muſterurkunden und Richt- 
linien entſpreHhenden Beleihungen dur< Cpar= 
kaſſen und öffentli<=rehtli<e Kreditanſtalten fai= 
len, hat der ReichsarbeitSminiſier dur< einen an 
die LandeSregierungen uſw. gerichteten und im 
ReichZarbeitsblatt 1939, S. 1 505, veröffentlich- 
. ten Erlaß vom 16. Oktober 1939 allgemein die 
Eintragung von ESparkaſſenhypotheken ſowie von 
Hypotheken der öſfentlic<=-rehtlichen Kreditanſtal-= 
ten und der privaten Hypothekenbanken gen2h= 
migt, die hinſichtlich der Kündigungsbedingungen 
den vom ReichSwirtſ<haft5miniſter genehmigten 
Muſterſhuldurkunden oder den Richtlinien ent= 
ſprechen. Zugleich iſt die Cintragung derjenigen 
Reichsdarlehen genehmigt, die zur Förderung ver 
Kleinjiedlung auf Grund der 3. Notverordnung 
vom 6. 10. 1931 und der reichSrechtlihen Be=- 
ſtimmungen hierzu gewährt werden. 
Gebäudeabbruch und Bodenwert 
Über das Verhältnis zwiſchen Gebäudewert und 
Bodenwert beim Abbruch eines Gebäudes macht 
der Reich8finanzhof im Urteil vom 15. 2. 
1939, Akt.-Zeich. Vl 841 und 842,38, folgende 
Ausführungen: 
Der Abbruch eines alten Gebäude3, der zur 
Erſtellung eine8 neuen, beſſeren Gebäudes not= 
wendig war, bedeutet zwar grundſätzlich, daß der 
Beſitzer den Wert de8 abgebrochenen 
Gebäude3 geopfert habe, um ihn in 
293 
Den Bodenwert zu ſfte>en. Dieſer GrunD= 
ſatz des Wertopfers als Wertauſwand auf die - 
Herrichtung des Grundes für das neue Gebäude 
fommt aber dann niht zu Raum, wenn das 
Opfer gar nicht notwendig war oder ſic im Wert 
des neuen Gebäude35s einſh<ließlich des Boden= 
werts8 widerſpiegelt. Der Abbruch fann den Wert 
Des neuen Gebäudes nicht beeinfluſſen, ſondern 
nur den Grundwert. Zſt das alte Gebäude ent= 
behrlih oder baufällig, und muß es deSha!b 
abgebroHen werden, jo bedeutet das für das 
Gebäude den Eintritt einer außerordentlichen 
wirtſ<haftlichen oder te<hniſH<en Abnußung, das 
eine Abſetzung am Buchwert rechtfertigt. Cs 
fragt jim nur, ob dieſer Aufwand dem Grund=- 
wert zugute kommt. Das iſt bei landwirtſchakt= 
lihen Gebäuden regelmäßig nicht der ;Fall. 
Profeſſor Otto Auhagen 70 Jahre alt 
Am 10. November vollendete Prof. Dr. rer. pol. 
Otto Auhagen ſein ſiebzigſtes LebenSjahr. 
Die Bodenreformbewegung verdankt ihm mehrere 
wichtige Beiträge im „Zahrbucß der Boden=- 
reform“ über die Bodenreht5verhältniſſe in Ruß= 
land und vor allem den Bortrag über „Die ru]ji= 
ſH<e Agrarrevolution und ihre Lehre für Die 
DdDeutſhe Landwirtſchaft“, den er auf unterem 
Bundestag in Danzig am 17. Mai 1932 hielt 
und der im „Jahrbuch der Bodenreſorm“, 28. Bd., 
. erſchienen iſt. Auhagen begann ſeine akademiſche 
Cehrtätigkeit im Jahre 1897 als außerordentlicher 
Profeſſor der StaatsSwiſjenſ<haften an der Uni= 
verſität Bre8lau. Im DZahre 1900 trat er als 
landwirtſchaftlicher Sachverſtändiger für das a)ia= 
tiſche Rußland in den ReichSdienſt, dann wurde 
er 1906 al3 ordentlicher Profeſſor an die Land= 
wirtſc<aftlihe Hohſ<ule in Berlin berufen und 
1927 jandte ihn die ReichzSregierung wieder nach 
Rußland, dieSmal als landwirtſhaftlihen Sach= 
verſtändigen bei der deutſchen Botj<haſt in Mo5- 
fau. Im ganzen weilte er nahezu zehn Jahre in 
Rußland und er gilt als einer der beſten Kenner 
der ruſſiſMen Ugrarverhältniſſe. Nach ſeiner Rüc>= 
fehr wurde er Direktor des Oſteuropa=-Initituts 
in BreSölau. 2. 
Miniſterialrat Dr. Fiſ<er-Diestau 
Der Referent in der Hauptabteilung 1V Städt2= 
bau, Siedlung5- und WohnungSweſen im Reichs- 
arbeitsminiſterium, Oberreg.=Rat Dr. Fijicher- 
DieSskau, iſt zum Miniſterialrat im ReichS5- 
arbeitsminitterium befördert worden. Dr. Fiſcher= 
Dieskau, über deſſen ſachpolitiſMe? Urbeiten wir 
wiederholt berichtet haben, ſteht jetzt als Ober= 
leutnant im Felde. 
Nac rufe 
Im Alter von 83 Jahren ſtarb am 13. November 
in Berlin 
Geb. Regtierungsrat Profeſſor Dr. Mcr Serinz. 
Die große wiſſenſ<haſtlihe Arbeit jeines Lebens, Die 
ihn zu einem Gelehrten von Weltruf gemacht dat, 
berührte fich eng mit der Bodenreform. Unter 
Serings Leitung entſtand an der Univerſität Berlin 
das Forſ|<Gungsinſtitut für Agrar= und Siedlungs= 
wejen. Mehr und mehr wandie Sering ſein Intz2r= 
ejſe der Frage der bäuerlichen Siedlung zu. Grund= 
legend war hier fein Wark über „Die inner2 Koloni= 
ſation im öjtlihen Deutſchland“ (1893), in dem er 
jim unter anderem gegen die Fideikfommiſſe aus= 
pracs. Gegen End2 des Weltkrieges entwarf er das 
NReichsſiedlung8geſeß, aus dem dann das Geſez vom 
11. Auguſt 1919 hervorging. Sein Gutachten über 
„Arbeitsloſigkeit, Bodenverbeſſerung und ländliche 
Siedlung“ erſchien im „Jahrbuch der Bodenreform“, 
27. Band, 1931. Die Arbeiten des Bunde3 Deutſcher 
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