Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

markt dur<aus möglich, eine planmäßige 
Tilgung des aufgenommenen Kapti= 
'tal38 dur<hzuführen, die mit der Wertminderung 
de3 Gebäudes Scritt hält.“ Eine Tabelle zeigt, 
daß der Wert des Gebäudes je Quadratmeter 
Wohnfläche in 30 Jahren von 80 Z4 auf 44 %. 
und in weiteren 37 Jahren auf 0 X.i( jinkt. Wenn 
alfo die Hypotheken na<H diejem Plan getilgt 
werden, kann ſich „der minderbemittelte BolkS=- 
genoſſe im älteren Hauſe auSreichenden Wohn= 
raum verſ<affen“. | 
Bon größter Bedeutung iſt die Tilgung der 
Hypotheken aber auFH für die Altſtadtjanie= 
rung. Prof. Haag ſchreibt hierüber: 
„Die Tilgung der hypothekariſ<en Berjhuldung 
des ſtädtiſH;en Grundbeſitzes iſt die einzige 
Möglichkeit zur durhgreiſenden Stadtjanie= 
rung. Wer in den alten Städten die Hinterhöfe 
fennt, die nie durchlüftet werden und vor allem 
im Sommer dauernd Geſtank verbreiten, weiß, 
wie noiwendig die AufloFerung der Altſtadtviertel 
iſt. Wer die einſturzgefährlichen Treppenhäujer 
mit den au38getretenen Stufen und das Gewinkel 
der An= und Umbauten der alten Häuſer unſerer 
Städte kennt, weiß, wie notwendig die durch= 
greifende Erneuerung dieſer alten Häuſer iſt, 
namentlich, um ihnen auc< die Feuergefährlich- 
keit zu nehmen. Eine ſolhe Sanierung kann 
ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden, jobald 
der Wert der Häuſer naH 67 bi8 70 Jahren ge= 
tilgt iſt. Der HauSbeſitzer kann dann ohne weli=- 
tere8 angehalten werden, Häuſer ohne kulturellen 
Wert abbrechen zu laſſen und mit neuen Til= 
gungs8hypotheken neu zu bauen. Aber auch Häuſer 
mit kulturellem Wert müſſen einer gründlichen 
Überholung unterzogen werden. CS iſt notwendig, 
ſämtliche Zwiſchenböden und Treppen zu erneuern, 
neue Iſolierungen anzubringen, Hinterhäujer 3u 
entfernen oder gegebenenfalls das ganze Haus 
abzubrehen und mit der alten Borderwand 
. wieder aufzubauen. Eine derartige . Löſung ſind 
wir der Geſundheit3pflege in der Altſtadt ſchul= 
dig. Außerdem laſſen ſih Bodenankäuſe 
durc< die öffentliche Verwaltung zur Erbreite- 
rung der Straßen und zu neuen Straßenführunz= 
gen viel leichter dur<führen, wenn der Gebäude2= 
wert entfällt und nur der Bodenwert zu be=- 
zahlen iſt.“ 
Zum Schluß empfiehlt Prof. Haag folgende 
drei bodenreformeriſc<;en Maßnahmen: 
„a) Gebäude und Boden benötigen Ie = 
trennte Grundbuhblätter Damit ijt 
feſtgeſtellt, daß Gebäude und Boden verſ<ie=- 
denartige Werte ſind, die nichts miteinander 
zu tun haben. Gebäude-= und Bodenwert ſind 
ſauber getrennt, wobei der Boden ſeinen Wert 
behält, während der Wert des Gebäudes eine 
Minderung erfährt, die niht mehr mit einer 
ungeredhtfertigten Wertſteigerung des Bodens 
auSgeglihen werden kann. 
b) ES dürfen nur Tilgungs3s8hypotheken 
auSgegeben werden mit einer Tilgung35quote von 
115 bis 2%. BiSher wird dieſe vom kauſmänni= 
ichen und volkswirtſchaftlichen Geſicht3punkt aus 
völlig klare und unerläßlihe Tilgung nur ganz 
unvollkommen durchgeführt. Außerdem muß der 
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ſtädtiſc&;e HauSsbeſitz die Folgerungen ziehen, mit 
der Tilgung zugleich die Mietbeträge herabzu= 
jetzen. . 
c) Es muß im Intereſſe der Mieter eine jau = 
bere und klare Buchführung für jede35 
Mietgebäude gefordert werden, die bei Den 
Grundſtü>3= und Baukoſten beginnt und bei der 
Tilgung des Gebäudewertes endet.“ 
In der Zuſammenfaſſung weiſt Prof. Haag 
darauf hin, daß na<g Durchführung der vorge= 
'<lagenen Reform der minderbemittelte VolkS= 
genoſſe im älteren Mietbau für den gleichen Preis 
eine doppelt ſo große Wohnflädce er- 
halten kann wie im Neubau. 
Äber die Trennung von Boden und Bau= 
werfen, die Prof. Haag mit Recht an die Spiße 
feiner Forderungen geſtellt hat, bringt daSſelbe 
Heft der „Wohnung“ einen gründlichen Aufjatz 
von Dr. Heinz3 Potthoff, Berlin, unter der 
Überſchrift „Kernfrage des neuen Bodenrehts“. 
Erbhoſbauernlandſc<haft 
Profeſſor Dr. von Grünberg ſchreibt in 
einem längeren Aufſatz über „LandeSplanung und 
Raumordnung in Oſtpreußen“ in der „Preu= 
ziſHen Zeitung“, König3berg, Nr. 361 vom 
31. 12. 1938: 
„Wenn es au gelungen iſt, die Abwanderung 
au3 der Provinz erheblich einzuſchränken und die 
oſtpreußiſc<e Bevölkerung an den Arbeitsſtellen 
in der Heimat feſtzuhalten, ſo muß do< darauf 
hingewieſen werden, daß wir uns8 mit aller Kraſt 
gegen die Entvölkerung de3 Dorfes, 
beſonder3 im weiten Landgebiet an der Grenze 
zu ſtemmen haben. Wir ſind weit davon entfernt 
zu meinen, eine breite ländliche Bevölkerung wäre 
unter allen Umſtänden ein Gewinn. Line fejſt= 
gefügte, gleichmäßig beſiedelte Erbhofbauerr.and= 
ſhaft iſt völkiſM wertvoller, als die Üübervö'kerten 
primitiven Agrarlandſchaften, die wir in Galizien 
oder in Nordpolen vorfinden. Der Cinſaß unjerer 
Kräfte auf dem Lande und in den Kleirſtädten 
iſt die Borausſezung aller politiſ<en Ardeit “wm 
Oſten überhaupt. Einer der wichtigſten Anjatz= 
punkte im Kampf um die Seßhaftmachung Der 
Bevölkerung iſt die Beſeitigung der Woh -= 
nungsnot in den Grenzgebieten Vit= 
preußens8.“ 
Neichsbürgſchaft für den Kleinwohnungsbau: 
900 Millionen Neichsmark 
Durch eine Vierte Berordnung über den. HKöſt= 
betrag für Reichsbürgſchaften für den fein 
wohnung3bau vom 15. 12. 1938, die joebeit: n 
Reich8geſetzblatt, Teil 1, S. 2011, veröffen!. . 
worden iſt, hat der Reichsminiſter der Finaw. 
im Einvernehmen mit dem ReichZSarbeitsminit) 
weitere 200 MWillionen XK Reichs" ärz 
ſhaften für den Kleinwohnungs5bau Zur.“ -er= 
fügung geſtellt. Der Geſamtbetrag der Er- 
mädctigung beläuft ſich damit auf 900 Mil=- 
[ionen ZK. Die Erhöhung iſt notwendig ge- 
worden, weit der letztmalig dur< Verordnung vom 
yu. 10. 1937 (RGBl. 1, S. 1131) bereitgeſtellte 
Betrag inzwiſchen nahezu verbraucht worden ijt. 
Dies beweiſt, welHe außerordentlihe Bedeutung 
der Reichs8bürgſchaftSeinſatßz für die Finanzierung 
de38 Wohnungs8baue8 gewonnen hat. Cin Drit=- 
tel des geſamten deutſcen Wohnungsbaues wird 
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