Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

kenntnis, daß der Wohnungsbedarf nicht ciuc 
ſtatiſtiſM bereHhenbare Größe: Darſtelle, jondern in 
der ſozialen Not begründet liege. Die Planung 
von Städten und Baumaßnahmen ſei ebenfalls 
eine politiſ;Me Aufgabe. Neben dieſen vorbe= 
reitenden Arbeiten liefen die Maßnahmen für 
Den ſozialen Wohnung8bau au<h im Kriege 
weiter. Im Leiſtungskampf der deutichen Bez 
triebe werde der ſoziale Wohnungsbau weiter &e=- 
fördert. Das Reicsheimſtättenamt werde die 
Deutſ<men Betriebsführer im Auftrage Dr. Leys 
aufrufen, während des Krieges WohnungsS- 
fond3 anzuſammeln, deren Wittel ſofort nach 
dem Kriege zum Bau von Gefolgſ<aſt8swohnuns= 
gen eingeſezt werden könnten, wenn dieſe nicht 
j<hon im Rahmen der Kriegswirtſ<aft durchac= 
führt würden. 
Erfahrungen mit der Enteignung 
Die Weſtfäliſche Heimſtätte G.m.b.H., 
Provinzielle Treuhandſtelle für Wohnung5- und 
Kleinſiedlungö8weſen, in Dortmund hat kürzlich 
ihren Tätigkeit8sberiHht für 1938 vorgelegt. Zn 
dem Abſchnitt über die Kleinſiedlungstätigkeit 
macht ſie beachtenSwerte Mitteilungen über ihre 
Erfahrungen mit der Enteignung. Sie ſchreibt 
Dort: 
„Die Landbeſchaffung iſt im Berichts8jahre noh 
ſHwieriger geweſen als in den Borjähren, da wir 
beute fait ausſ<ließlich auf den privaten Grund=- 
bejiß angewieſen ſind. Um unſerer Aufgabe als 
Trägerin von SiedlungSmaßnahmen gerecht zu 
werden, haben wir auh im Zahre 1938 wiederum 
eine Anzahl von Enteignungsverſahren einleiten 
müſſen, wenn ſchon wir dieſen Schritt wegen der 
in den meiſten Fällen Zzwangsläufig damit ver=- 
bundenen Härten für den Eigentümer na< Mög-= 
lichkeit vermeiden. Die Durchführung der Ber- 
fahren ſelbſt zieht ſich auß bei Anwendung der 
Verordnung vom 17. 10. 1936 noh unverhält- 
niäSmäßig lange hin, da neben der Ermittlung 
der Grundſtük3preiſe auc; die Feſtjezung der 
ſonſtigen Nebenkoſten (Entſ<ädigung ſür die vor- 
zeitige Aufgabe des Pactverhältniſſjes, für die 
aufſtehende Frucht, für nicht ausgenutzte Düns= 
gung) zum Teil ſehr eingehender 7Fe) ſtſtellungen 
bedarf. An dieſer Stelle möhten wir auf Grund 
der gemachten Erfahrungen uns wiederum Den 
Hinweis nicht verſagen, daß Enteignungsverſah- 
ren ſim; ſehr viel leichter und ſ<Hneller durch- 
führen laſſen würden, wenn ſich die Enteignungs- 
möglicfkeit auch auf Erſaßland erſtre>en 
würde. Eine derartige Erweiterung der Cnteig= 
nungs38beſtimmungen würde zudem die heute leider 
niht zu vermeidenden Härten bei der Inanſpruch= 
nahme von GrundſtüFen aus Erbhofbeſiß oder 
von kleinen Grundſtüdseigentümern uſw. ganz 
weſentlich mildern.“ 
Neue Reichsheimſtätten in Weſtfalen 
Die Weſtfäliſme Heimſtätte G. m. b. H. hat, 
wie ſie in ihrem Tätigkeitsbericht für 1938 an= 
gibt, im Jahre 1938 für weitere 259. ReichSheim= 
ſtätten die AuSgebereigenſ<Haſt übernommen. Die 
Geſamtzahl der bis zum 31. 12. 1938 überhaupt 
von ihr aus8gegebenen Reichsheimſtätten erhöht 
ſiH damit auf 2324. In Borbereitung war am 
Sc<luß des Jahres die Begründung von weiteren 
»71 Reich3heimſtätten. Hiervon entfällt der größte 
Teil auf Kleinſiedlerſtellen, für die die 
dreijährige Probezeit abgelaufen iſt und deren 
Auflaſſung unter gleichzeitiger ReichSheimjtätten= . 
bindung erfolgt. Infolge der Änderung des 
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"höchſtens 40 Morgen zuteilte. 
gen Reids8grenzen. 
Reichsheimſtättengeſjezes vom 2%. 11. 1937 wurden 
von den Hypothekenbanken keine Bedenken gegen 
die Beleihung von Neichsheimitätten mehr er= 
hoben. 
Wohnungs- und Siedlungsgeſellſichaft im 
Warthegau 
Um im neuen Warthegau die wohnpolitiſche!: 
Auſgaben zur Löſung und Durchführung zu 
bringen, wurde mit dem Siß in Boſen einc 
Wohnungs8=- und Siedlungsgeſellſ<aft mit einem 
. Stammkapital von 1 Million 2.i( errichtet. 
Polniſche Agrarreform= und Arbeitslofen- 
ſiedlungen 
Der polniſ<e Staat hatte zum Zwede der 
Poloniſierung der deutſchen Grenzgebiete ſein 
beſonderes Augenmerk auf die polniſ<2 Bejſied-= 
[ung der in deuiſ<er Hand befindlichen größeren 
Güter gerichtet. Das Agrarreſormgeſetz bot ihm 
die Handhabe, deutſH<en Bauern= und Gro-= 
grundbeſitz ſ<nelljitens in polnijme Hand zu 
bringen. Zumeiſt wurden Kongreß= und Oitpolen 
angeſiedelt, denen man Wirtſ<aſften zu 20, aller= 
Do<H finden fich 
auh Siedlungen mit nur 2 bis 4 Morgen Land! 
Wie der „Deutſ<e Dienſt“ berichtet, befinden 
jich dieſe Siedlungen in unmöglichem Zuſtand. 
Die polniſhe Siedlungsgeſellſhaft Slonzak, die 
dieſe Umſiedlung durchführte, erbaute in den 
meiſten Fällen Wohnungen mit nur einem ein- 
zigen Raum. Selten waren die Häuſer aus Stein 
und Ziegelwerk. In vielen Fällen -- die fürchter= 
lichſten Siedlungen beſinden ſiHh bei Dybna im 
Kreis Tarnowiß -- ſind es einfache Bretterbuden, 
durd) die der Wind von allen Seiten pfeift. So 
verpflanzte man kulturlojeſtes Kongreßpolen mit 
jeinem ganzen Sc<hmußz bi8 dicht an die ehemali= 
Alle dieſe Siedlungen jind 
für deutſ<e Begriffe unmögli<h. Die Siedlungen 
werden daher zuſammengefaßt, einheitlich bewirt= 
j<Haſtet und dann zur Bildung deutj<hen Baunern= 
tums neu verteilt. Die Bretterbuden und anderen 
polniſH<en SiedlungsShäuſer aber werden ver=- 
nichtet, weil das Großdeutſ<e Reich eine ſolche 
Kulturſchande in ſeinen Gauen nicht dulden kann. 
Inö8geſamt wurden im oſtoberſhleſiſ<en Ge= 
biet etwa 2000 ſol<her neuen kulturlofen polni= 
i<en Siedlungen geſchaffen, darüber hinaus in 
20 000 Einzelfällen etwa 80000 Viertelhektar 
Anliegerland vergeben. An altpolniſhen land=- 
wirtſhHaftlihen Einzelbeſizungen befinden jich im 
oſtoberſ<leſiſMen Gebiet etwa 10000. Sie ſind 
zumeiſt Betriebe unter 20 Biertelhektar, ſind 
lediglih Selbſtverſorgungsbetriebe und haben 
keine Marktleiſtung. 
Gier wird nun dic deutſche Neuorganiſation 
einſeßen. Alle dieſe poiniſ;en Zwergbetriebe 
werden zuſammengelegt, und auf den 
neuen Bauernhöfen werden tüchtige und wert= 
volle deutſHe Bauern angeſetzt. Bei diejer Ums 
jiedlung3aktion muß auc< Rücſiht auf die Neu = 
geſtaltung der Dorfanlage genommen 
werden, und die im Laufe der letzten 20 Jahre 
entſtandenen unſchönen Dorfbilder werden ver= 
iHwinden. Denn auc) die deutſ<e Baukultur 
muß auf dieſem Lande wieder Einzug halten. 
Ähnlich abſ<hre>end ſind die Zuſtände in den 
Arbeitsloſenſiedlungen in Oberſchleſien. 
Anfang September d. I. betrug die Arbeitsloſig- 
keit in dieſem Gebiet etwa 140 000. Eine beſon= 
Dere Fürſorgeeinrihtung für die Urbeitsloſen 
waren die ArbeitSs8lojenſiedlungen, Ein- oder 
Mehrfamilienhäuſer, in denen die gejamte Fami= 
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