Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

 
odenreform 
Ausgabe B 
Frei Land 
Deutſ<He Volksſtimme 
Gründer: Adolf Damaſchke 
 
Bodenreform Verlag Damaſchke KG, Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſprecher 39 14 51 
50. Jahrgang Nr.4 
Bezug dur< jedes Poſtamt vierteljährli< 1,80 RW, bei direkter Sendung unker 
Kreuzband 2 RM. / Poſtſchek>konko Berlin Nr. 79025 Bodenreform Verlag Damaſchke KG. 
29. Januar 1939 
Poſt-Berſandork: Potsdam 
 
Neuverſchuldung der Landwirtſchaft 
Rund eine Milliarde Reichs8mark aus öffent= 
lichen Witteln ſind aufgewandt worden, um in 
der „Oſthilfe“ die oſtdeutſMe Landwirtſchaft 
zu entſhulden, und kaum iſt dieſe große Ents= 
ſHuldung3aktion durchgeführt, ſo beginnt auch 
ſHon eine neue Verſhuldung der Landwirt- 
ſHaft. In einer Schrift mit dem Titel „Ents= 
ſHuldung der oſtdeutſhen Landwirtſchaft“ ſtellt 
Dr. Leo Dreſ<Herx auf Grund von Unter- 
lagen feſt, daß von den entſchuldeten Betrieben 
in Erbhofgröße 81% und von den Großbetrieben 
63% bereit83 wieder neue Shulden haben. 
Die Geſamtzahl der neuverſchuldeten Betriebe in 
Erbhofgröße dürfte mit rund 75% anzugeben 
ſein. Auf den Biertelhektar (preuß. Morgen) 
berehnet, ſeien die neuverſhuldeten Betriebe in 
Erbhofgröße wieder dur<ſc<nittlih mit 20 8X 
und die neuverſchuldeten Großbetriebe mit 15 X4 
belaſtet. Der Verfaſſer meint, es verſtärke ſich 
der Eindru>, daß beſonders die Bauern in der 
neuen Inveſtition3welle Gefahr laufen, ſchon 
wenige Jahre nac<h der letzten Berſ<huldung3- 
kriſiS wieder in eine neue verſtrit zu werden. 
Die neue Sc<huldenbelaſtung ſet in vielen Fäl- 
len direkt aus ſHhlehter Wirtſ<hafts5=- 
führung entſtanden. Bei einer Reihe von Be- 
trieben habe die Entſchuldung zudem niht zu 
einer wirklihen Sanierung de8 Betriebes ge=- 
führt, weil die BetriebSinhaber nicht alle Ber= 
pflihtungen angegeben hätten oder weil im Fern- 
ſhäßzungsSverfahren die Produktion3grundlage 3zu 
 
günſtig beurteilt worden ſei. BiSweilen mögen 
auH ſ<lehte Ernten, Viehverluſte oder andere 
Unglüdsfälle eine Zunahme der Verſchuldung be= 
wirkt haben... In der Hauptſache jedo< ſei die 
Verſhuldung auc<h bei Bauernbetrieben auf In= 
veſtitionen und Erhöhung der laufenden Be=- 
triebSunkoſten zurüdzuführen. 
Eine weſentlihe Zunahme der auSgewieſenen 
Neuverſhuldung dürfte, naH der Anſicht de35 
BVerfaſſer3, nicht zu erwarten ſein. C3 ſei näm=- 
liH nicht anzunehmen, daß Wedſel-=, Konto=- 
korrent»s und Warenſ<hulden, die allein 80 bis 
90 0/0 der neuen Verbindlichkeiten au8machen, no< 
beliebig vermehrt werden können. Die rüdſtän- 
digen Hypothekenzinſen ſeien vorläufig nur mit 
rund 10% und die rüdſtändigen .Steuern nur 
mit ſchäßung3weiſe 2% an der Neuverſchuldung 
der Oſthilfebetriebe beteiligt. Aber au< dieſe 
Rücdſtände würden bei einem weiteren Anwachſen 
zu ernſten Maßnahmen führen. 
Die Gläubiger der neuen kurzfriſtigen Schulden 
ſeien in erſter Linie die Lieferanten und Hand= 
werker. 
mindeſtens einem Drittel an den Neukrediten 
beteiligt. In Zukunft werde ſich allerdings eine 
in der Schuldenſtruktur jezt noHD nicht genügend 
ſihtbare Verſchiebung in der Kreditzufuhr dur<- 
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AuF+ die Genoſſenſchaften ſeien mit 
ſezen, da der Kreditbedarf immer mehr durch 
Spezialkredite mit Zuſchüſſen aus öffentlichen 
Mitteln befriedigt werde. Auf dieſe Weiſe würden 
Arbeiterwohnung8bauten und Meliorationen, 
Silo8 uſw. ganz3 oder teilweiſe mit öffentlichen 
Geldern finanziert. Auch die Beſc<haſſungsgelder 
für Viehankäufe ſeien zum Teil öffentlichen 
Urſprungs. 
Aber auh in dieſen Fällen werden, wie der 
Verfaſſer meint, neue Kredite in Zukunft nur 
mögli) ſein, wenn ihre zwe&mäßige Verwendung 
geſichert erſcheint. Daher ſeien individuelle 
Prüfung de3 kreditſuchenden Betriebes auf 
Grund bucführung35mäßiger Unterlagen und 
Kontrolle der Kreditverwendung nicht 
mehr zu vermeiden. Für einen großen Kreis von 
landwirtſ<Haftlihen Betrieben werde alſo nicht 
mehr die reale Sicherheit, ſondern die funktionelle 
Verwendung eines Kredites ausſhlaggebend jein 
müſſen. Da3 bedeutet eine grundlegende Ums= 
ſtellung im landwirtſ<aſftlihen Kreditweſen im 
allgemeinen. Die Entſchuldungsbetriebe im deut= 
ſHen Oſten befänden ſi< in einer Lage, die als 
typiſ< angeſehen werden könne für einen Kreis 
von Betrieben, der weit größer ſei, als die ver- 
hältniSmäßig kleine Zahl der Oſthilfebetriebe. 
Die bedenkliche Lage, in der ſich eine Reihe von 
bäuerlichen Betrieben befinde, und die 
günſtigere Beurteilung der Großbetriebe zeige, 
daß heute die wichtigſten Auſgaben der Agrar= 
politik und die nächſten Ziele betriebS3wirtſ<«zaft- 
lier AuS2bildung beim Bauernbetrieb liegen. 
Was iſt Bauland?" 
| Entſcheidung des Reichsfinanzhofs 
Ein landwirtſchaftlich genutztes, ſeit mehr als 
100 Jahren im Beſitz der Familie des Cigen- 
tümer3 befindliHhes8 GrundſtüFf war als Bauland 
bewertet worden; dieſe Bewertung hatte das 
Finanzgericht beſtätigt. Der Eigentümer machte 
demgegenüber geltend, daß das GrundſtüF etwa 
1000 Meter außerhalb des Stadtinnern der Stadt 
liege und dazu in einer Gegend, in der die Bau- 
tätigkeit biSher ganz gering geweſen fei, und daß 
er niht beabſichtige, das Grundſtü> zu bebauen 
noh zu veräußern. 
Das Grundſtü> war de8halb als Bauland be=- 
wertet worden, weil der Bürgermeiſter der Stadt 
in dem Gutachten, auf da3 ſic die Bewertung im 
weſentlihen ſtüßte, auSsgeführt hatte, daß die. 
angrenzenden Straßen zwar nur zum Teil. als 
au38gebaute Straßen anzuſehen ſeien, die Ber- 
ſorgung8leitungen jedoch ſchon teilweiſe lägen und 
zur Förderung der Bautätigkeit auf Untrag von 
der Stadtverwaltung gelegt würden, ſo daß das 
GrundſtüE, deſſen Bewertung ſtreitig war, ohne 
weitere8 bebaut werden könne. Entſcheidend ſei, 
daß das GrundſtüE in einer baureifen Zone 
liege. 
 
26 
 
ſStaatsvibliothek 
40. 22 -«. fm em 

	        

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