Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

 
Bodenreform 
Ausgabe B 
Frei Land 
Deutſ<he Volksſtimme 
Gründer: Adolf Damaſchke 
 
Bodenreform Verlag Damaſchke KG, Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſprecher 39 14 51 
- 50. Jahrgang Nr. 5 
Bezug dur< jedes Poſtamk vierteljährli< 1,80 RM, bei direkter Sendung unter 
* Kreuzband 2 RM. / Poſtſhek>kkonko Berlin Nr. 79025 Bodenreform Verlag Damaſc<ke KG. 
5. Februar 1939 
PBoſt-Berſandorkt: Potsdam 
 
Der Hohenſtoffeln gerettet! 
Die „Krone des Reich5“, der Berg Hohenſtoſſeln 
im Hegau, iſt, wie die Zeitungen berichten, jetßt 
vom Reichsforſtmeiſter Hermann Göring ganz 
unter Naturſchutz geſtellt worden. Damit iſt der 
ſiebenund3wanzigjährige Kampf des ſchwäbiſchen 
Dichters Dr. Ludwig Fin>h in Gaienhofen 
um die Erhaltung des Berges ſiegreich b2endet. 
Die Cigentümer des Berges hatten dort ein 
BVajaltwerk angelegt, das den Baſalt des Berges 
: zu SHotter verarbeitete. In der „Bodenreform“, 
1933, Spalte 282 bis 285, hat Dr. Fin>h auS= 
führlimg über ſeinen Kampf berichtet. Als dann 
am 1. Zuli 1935 das Reichsnaturſhutßgeſetz ver- 
fündet wurde, forderte Geheimrat Profeſſor Dr. 
Heinrich Erman in der „Bodenreſorm“, 193535, 
Spalte 169 bis 171, daß dieſes Geſe auf den 
Hohenſtoffeln angewandt werde. Nun iſt daS 
geſhehen und nun bleiben wenigſtzns die Reſte 
des ſ<Hönen Berges erhalten, nachdem fünfund= 
zwanzigjährige brutale Zerſtörung ihm tiefe 
Spuren eingedrückt hat. Dr. Fin>h nannte 1933 
den Hohenſtoffeln den ſchönſten und einſamſten 
Berg im Kranz der Hegaukegel, den Grenzberg 
im Süden des Deutſ<hen Reichs vor der Shweiz, 
ein Wahrzeichen deutſher Natur und deutſcher 
Kultur. 
Kleinſiedlung in Frankreich 
„Le Temps“ berichtet von einer Uktion von 
200 Kammerabgeordneten zugunſten „du coin de 
terre et du jardin ouvrier“ (Sleinjiedlung und 
Arbeitergärten) im Sinne des Ybbe Lemire. 
Ziel dieſer Aktion iſt, den Gemüſeanbau in d2n 
von der Induſtrie für ihre Arbeiter mit Unter- 
ſtüßung der Gartenbaugeſellſhaften geſc<aijſenen 
Arbeitergärten zu fördern. Cin Geſeß zur Be= 
ſhaffung des erforderlichen Landes iſt in Vorb2=- 
reitung. Dabei ſollen die Rechte der Boden- 
eigentümer ebenſo wie dig Intereſſen des legalen 
Gemüſehandels unangetaſtet bleiben. 
Siedlung in Griechenland | 
Au38 Athen wird berichtet, der Landwirtſchafts- 
miniſter habe 1350000 Flüchtling8familien mit 
rund 600 000 Köpfen ein Siedlungsre<ht zuge=. 
ſtanden. Die Anſiedlung werde gruppenweije 
vollzogen. Von den mehr als 2000 Gruppen ents= 
fallen rund 1400 auf Makedonien und Thrakien, 
rund 30 auf den Epiru3, rund 200 auf Kreta, 
rund 160 auf Ult-Grießhenland und der Reſt 
auf die ägäiſchen Inſeln. Die Cinzelſtelle um= 
faßt rund 25 Stremmata (1 Stremma = 10 Ar). 
Mit dieſer Aktion werde die Anſiedlung von 
130 000 biSher landloſen heimiſchen Bauernfamis= 
lien verquit. Das Land für deren Anſiedlung, 
Weideland und Wald, in8geſamt 12 Millionen 
Stremmata, werde dur<h Enteignung bereitgeſtellt. 
' AuF dieſe Familien werden gruppenweiſe in 
Einzelſtellen von je 25--180 Stremmata ange=- 
jetzt. 
| piferä HRE in 7 > 
ge 
Die auſtraliſche Warnung 
In Ür. 3 der „Bodenreform“ iſt das Scrift= 
hen von Hodgkiß: „Land values taxation in 
practice“ angezeigt worden, das zeigen qJoll, 
warum die Grundwertbeſteuerung in Auſtralien 
nicht die von Henry George verkündeten Folgen 
gehabt hat, und wie die Beſteuerung zu ver- 
beſſern wäre. So nüßli<g es iſt, wenn wir in 
Deutſhland ſfolhe praktiſ<en Erfahrungen ſtu= 
dieren, jo wichtig iſt es doH auh, dem Miß= 
verſtändnis vorzubeugen, als ob die Crſahrungen 
in Auſtralien irgend etwas gegen die Richtigkeit 
unſerer Beſtrebungen beſaaten. Wir brauchen 
unſere Forderungen deSwegen nicht um ein Zota 
zu ändern. Denn die ſ<Hhlehten Erfahrungen b2= 
ruhen auf Fehlern, die wir niemals gemacht 
haben und niemals madchen werden. 
Daß das auſtraliſ<e? Ziel, dur< vollſtändige 
Wegſteuerung aller Grundrente alle andzren 
Steuern überflüſſig zu machen, nirgends errz2icht 
wurde, berührt uns wenig. Denn wir haben nie= 
mals die Single Tax für Deutſchland erſtrebt 
und halten au< die Wegſteuerung aller Mono-=- 
polrente, die den Marktwert des naten Bodens 
auf null bringen würde, für undur<führbar. Cs 
iſt ein Unterſ<ied 3wiſ<en dem jungen Kolonial- 
lande Auſtralien und dem ſeit zweitauſend Jahren 
fultivierten, dicht beſiedelten Boden Deutſ<lands. 
Daß die Grundwertſteuer überall zunächſt mit 
einem ſehr niedrigen Satz eingeführt und ſpäter 
nicht genügend erhöht worden iſt, liegt an den 
- politiſ<en Verhältniſſen, die bei uns ganz3 andere 
ſind. Aber bei dieſer ſtufenweoijen Erhöhung iſt ein 
grundlegender, g2zradezu unbegreiflicher Fehler 
gemacht worden, deſſen Nachweis und Rüge den 
Hauptinhalt der Schrift bildet. Auf den ſteuer= 
freien Boden hat man eine Wertſteuer nach 
dem biSherigen gemeinen Wert (Miäarkt= 
preis) gelegt. Dadur< iſt der gemeine Weri 
natürlich gemindert vorden. Wenn nah einigen 
Jahren die Steuer erhöht wurde, bat man ie 
von dem neuen, geminderten Marktwert bere<hnet. 
Daß man auf dieſem Wege nie zu einer wirk= 
lihen Wegſteuerung der Grundrente kommen 
kann, ja, daß unter Umſtänden die höhere Steuer 
dem Eigentümer einen größeren Teil der Rentc 
(äßt als die niedrigere Steuer, iſt für einen 
Bodenreformer ſelbſtverſtändlih und bedarf gar 
keine8 zahlenmäßigen NachweijeS5. 
Maden wir uns das an einem ganz einfachen 
Beiſpiel klar: Der Marktwert eines ſteuerfreien 
Bodenſtüs ſei 1000 X.K, der maßgebende, 
landeSüblic<e Zinsfuß 4%. Dann iſt die Grund= 
rente des naten Boden3 40 X... Wird auf den 
[Staatsbibliothek] 
| =4,FEB. 1939 | 
I = = 
 
 

	        

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