Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

Bodenreform 
Auggabe B 
Frei Land 
Deutſche Volksſtimme 
Gründer: Adolf Damaſchke 
 
Bodenreform Verlag Damaſchke KG, Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſprecher 39 14 51 
50. Jahrgang Nr. 8 
Bezug dur<g jedes Poſtamk vierteljfährli< 1,80 RW, bei direkter Sendung unter 
Kreuzband 2 RM. / Poſtſchekkonko Berlin Nr. 79025 Bodenreform Verlag Damaſchke KG. 
26. Februar 1939 
Poſt-Verſandork: Poksdam 
Der Wohnungs8bau in Berlin 1938 
Das Jahr 1938 war in Berlin für den Woh- 
nung8bau noh weniger günſtig als im Durch-=- 
ſHnitt der Groß= und Wittelſtädte Deutſ<landS. 
Während ſich in der Geſamtheit der Groß=- und 
Mittelſtädte die Zahl der fertiggeſtellten Woh- 
nungen gegenüber dem Vorjahr um 17,19%, ver= 
mindert hat (vgl. „Bodenreform“, Nr. 7), be=- 
trägt der Rü>gang in Berlin nah AuSweis 
der vom StatiſtiſHen Amt der Reichs8hauptſtadt 
herauSs8gegebenen „Berliner Wirtſc<haftsberichte“ 
20,3%. Neu gebaut wurden nämlich in Berlin 
14953 Wohnungen gegen 18 746 im Jahre 1937. 
alſo knapp die Hälfte der 30 000, die nac<h den 
Berehnungen des Stadtrats Pfeil („Boden= 
reform“, Nr. 6) jährlic) gebaut werden müſſen, 
um die Wohnungsnot zu überwinden. Der weit= 
aus größte Teil der neuen Wohnungen, 12 718, 
ſind Kleinwohnungen mit 1 bis 4 Wohnräumen, 
wobei Kammer und Küche als Wohnraum ge- 
rechnet wird. Dazu kommen 1740 mittlere Woh- 
nungen mit 5 bis 6 Wohnräumen und '10! 
größere Wohnungen. 
Nod erhebli größer als der Rückgang der 
Zahl der neuen Wohnungen iſt. der der nzuen 
Wohngebäude; er beträgt 37,3%, da im 
ganzen nur 46414 Wohngebäude fertiggeſtellt 
wurden gegen 7417 im Jahre 1937. Daraus er= 
gibt ſi<, daß verhältniSmäßig mehr größere 
Wohnhäuſer und weniger Cinfamilienhäuſer ge= 
baut worden ſind. 
Abgenommen hat in Berlin auh, zwar nicht 
der Zahl nad, aber der Größe na<h, der Bau 
von Nichtwohngebäuden: &€5Z5 ſind, wie 
im Vorjahr, 788 Bauten für öffentliche, gewerb-= 
lihe und ſonſtige wirtſhaftliche Zwe>de mit einem 
umbauten Raum von 2583 500 Kubikmetern geg2n 
3214 500 Kubikmeter im Vorjahr. 
„Der RüFgang der Zahl der neuerſtellten Ge= 
bäude im Kalenderjahr 1938 gegenüber dem Bor=- 
jahr“, ſchreiben die „Berliner Wirtſchaſt5berichte“, 
„iſt auf den geſteigerten Arbeit3= und Material- 
einſaß für ſtaat5politiſM notwendige Bauten 3us= 
rüdzuführen“. 
Höhlenſtädte unter der Erde 
Auf dem Internationalen Kongreß für Städt2= 
bau, der kürzlich in Mexiko veranſtaltet wurde, 
. haben engliſche Delegierte den ernſthaft gemein- 
ten Vorſhlag gemacht, in Zukunft Höbhlenſtädte 
unter der Erde zu bauen. Die Pläne, die aus 
der Fur<t vor Luftangriffen entſtanden ſind, 
ſehen vor, das ganze Zuſammenleben der Men= 
ſ<H<en und ihre wirtſchaftliche Betätigung in unter- 
irdiſMe Räume zu verlegen. Ein engliſcher Ar<i- 
teft hat bereit3 das Modell eines Hauſes ents= 
worfen, das dur< künſtlihe Höhenſonne erhellt 
und durch Klimaanlagen mit geſunder Atmo=- 
ſphäre verſehen wird. („Berliner Börſenzeitung“, 
Berlin, Nr. 49, vom 29.1.1939.) | 
X Die benachteiligung der heimſtätten 
in der brundſteuer 
Da3 Reich fördert mit den verſ<hiedenſten Mit= 
teln die Verbreitung des Eigenheim3, nament= 
lich in der Form der Wirtſ<aft8s- und Wohn- 
heimſtätte, weil ſie die beſte Wohnform der 
Familie iſt und erfahrungs8gemäß den weitaus 
größten Kinderna<wu<hs erwarten läßt. Dem 
würde es entſprechen, wenn bei allen Steuermaß= 
nahmen die Heimſtätte vor dem Mietwohnhauje 
begünſtigt würde. Leider iſt bei der neuen Grund= 
ſteuer das Gegenteil der Fall. Eine Begüntti= 
gung liegt zwar inſofern vor, als für die erſten 
30 000 Z2.4; de8 Einheitöwerts von Einſamilien= 
häuſern die Steuermeßzahl um 19%, niedriger ilt 
als im übrigen. Aber dieſe Ermäßigung reicht 
niht aus, um die Mehrbelaſtung der Heimſtätte 
vor dem Miethaus auSzugleichen, die auſ] einer 
zu hohen Feſtſeßzung des Steuermaßſtabs, des 
„EinheitSwert3“ beruht. 
Wie in den Eingaben im „Jahrbuch der Boden-=- 
reform“ vom 1. Februar näher dargelegt iſt, 
beruht die Benachteiligung darauf, daß Cigen= 
heime na4 den HSerſtellung3fkoſten veranlagt 
werden, Miethäuſer aber na< dem Mietertrage, 
und daß bei Altbauten dur< die HauSzinSſteuer 
ſowohl der Mietertrag als au<g der Berkaufs=- 
wert unter die Hälfte de8 ſonſt erzielbaren Wertes 
gedrüt iſt. Da die Grundſteuer in jeder Ge= 
meinde 1938 ebenſoviel einbringen ſoll, wie jie 
bei Fortgeltung der aufgehobenen LandeSjteuern 
bringen würde, jo muß jede Begünſtigung einer 
GrundſtüFsgruppe zur Mehrbelaſtung einer ande= 
ren führen. In Preußen iſt die Mehrdbes- 
laſtung am ſtärkſten für die unbebauten 
JFläHhen und für die Heimjſtätten. 
Zur Abhilfe, die unbedingt kommen muß, 
gibt e8 zwei Wege. Entweder muß der Eindeits-= 
wert geändert werden, damit die Beranlagung 
von Eigenheimen und WMiethäuſern auf gleichem 
Fuß erfolgt. Oder es muß der Steuerjaß geändert 
werden, um die höhere Beranlagungsgrundlage 
der Eigenheime (CinheitSwerte) dur eine nie= 
drigere Meßzahl auS8zugleichen. 
In den Eingaben des Beamtenheimitättenwerks 
de3 Reichsbundes deutſcher Beamten, die im 
„Iahrbuch“ abgedrut ſind, wird der erſte Weg 
vorgeſchlagen. Dem E:nheit3wert von Heimjtätten 
wird in der Regel die Summe aus Bodenpreis 
und Baukoſten zugrunde gelegt. Die Baukojten 
ſchwanken aber von Jahr zu Jahr und ſind kein 
rihtiger Maßſtab für den Dauerwert eines 
Bau3. Wenn die dur<ſ<hnittlichen Baukoſten von 
1913 mit 100 bezeichnet werden, jo haben ſie in 
den letzten 15 Jahren 3wiſc<hen 135 und 178 ge=- 
ſHwankt. Seit zwei Jahren ſteigen jie wieder. 
Na<H dem Urteil von Fachleuten betragen ſie ſür 
Einfamilienhäuſer in Berlin gegenwärtig 150 und 
[Staatsbibliothek| 
 
7 f: j | 
14 1 zue&84939 |
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.