Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

 
Bodenreform: 
Ausgabe B 
Frei Land 
Deutſche Volksſtimme 
Gründer: Adolf Damaſchke 
 
Bodenreform Verlag Damaſc<äke KG, 
50. Jahrgang Nr. 12 
Kreuzband 2 RM. 
Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſprecher 39 14 5 
Bezug durc< jedes Poſtamt vierkeljährli< 1,80 RM, bei direkter Sendung unter 
/ Poſtſ<e>kontko Berlin Nr. 79025 Bodenreform Verlag Damaſchke KG. 
26. Mürz 1939 
Boſt-Verſandort: Poktsdarn 
Bachthof oder Erbhof? 
Ein 30 Hektar großes Bauerngut wurde nach 
dem Tode de35 Eigentümers zunächſt von ſeiner 
Witwe mit zwei Söhnen und einer Tochter b2= 
wirtſhHaftet. Al3 der älteſte Sohn ſtarb, verpach= 
tete die Mutter einen Teil des Grundbeſitzes, und 
als einige Jahre ſpäter au<g der 3weite Sohn 
ſtarb, wurde weiterer Grundbeſiß verpachtet. Im 
Jahre 1908 wurde die Tochter dur< den Tod der 
Mutter Alleinerbin. Sie vermachte dur< Teſta- 
ment 10 Hektar ihres Grundbeſitzes der Kirche? 
und die Hofſtelle und ein zweites Wohnhaus de2r 
Gemeinde für wohltätige Zwe&2. Sie blieb au] 
dem Hofe wohnen und ſtarb im Jahre 1935. Nun 
beantragte der KreiSbauernführer Feſtſtellung der 
Erbhofeigenſ<aft des Gutes. Im Prozeß wurd2 
zugunſten der Kirche und der Gemeind2 als Ber= 
mädhtniSäSnehmerinnen geltend gemadht, di? Erb- 
laſſerin habe dur< die Verpachtung großer Teile 
des Grundbeſitzes eine kapitaliſtiſMe Einſtellung 
bewieſen und ſei deShalb nicht bauernfähig g2= 
weſen; dafür ſpreHc<e aum das Bermädchtnis an 
Die Kirche, das ein religidſer Brau ſei; war aber 
die Cigentümerin nicht bauernfähig, jo könne das 
Gut niht Erbhof ſein. Der Bürgermeiſter wies 
außerdem darauf hin, daß eine erbhofrehtliche 
Vindung der Beſizung für die vorhandenen 
17 BPädhter eine große Härte bedeuten würde2. 
DaSſelbe gelte für ſeine Gemeinde, die bei der 
beſtehenden Wohnungsknappheit mehrere Fami- 
lien in das Wohnhaus eingewieſen habe. Der 
Fall . kam bi3 vor das ReichzSerbhofgericht, 
und dieſes erflärte den Hof zum Erbhof], 
indem es ausführte, es könne keine Fkapita-= 
iſtiſMe Einſtellung der Cigentümerin feſtſtellen, 
worin ſiH etwa ein Mangel an Bodenver= 
bundenheit gezeigt hätte. Die Verpachtung nah 
dem Tode der Brüder fei aus einem wich= 
tigen Grunde erfolgt. Uuch die letztwilligen Ber= 
fügungen, die aus religiöjen Beweggründe2n ent= 
ſprungen ſeien, ließen nicht auf ein2 kapitaliſtiſche 
Geſinnung ſchließen. So könne weder der Cigen=- 
tümerin die Bauernfähigkeit noH dem Hof die 
Erbhofeigenſ<aft abgeſprochen werden. (Da hiz2r= 
nah der Hof Erbhof iſt, war eine letztwillige Ver= 
fügung über ihn unzuläſſig, die Vermächtniſſe 
an die Kirhe und die Gemeinde jind alſo unz 
gültig.) --- Zu dieſem Fall, der in der Zeit= 
iHrift „Recht des ReichSnährſtandes“, 1939, 
Heft 1, veröffentliht wurde, bemerkt dort Ober- 
(andwirtſchaftsrat Berg, GoSlar, in einer An= 
merkung: 
„Heute im Zeitalter des ReichSerbhofgeſeßes, 
der GrundſtüdkverkehrSbekanntmachung und eines 
neugeſtalteten Teſtamentrehtes, kann man mit 
Stolz und innerer Genugtuung feſtſtellen, daß 
dem deutſchen Richter genügend Möglichkeiten 
an Hand gegeben ſind, mit derartigen Bräuch2n 
aufzuräumen und damit die uralte Forderung 
„Bauernland. in Bauernhand“ praktiſc zu ver 
wirklichen.“ 
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Der Segen der höheren Rentabilität der 
Landwirtſchaft 
In dem jehr beachtenswerten Aufſatze „Die 
angemeſſene Entſchädigung im EnteignungsSreht“, 
den der Miniſterialdirektor im ReichSarbeitS5- 
miniſterium Dr. Knoll in Nr. 15 der Zeit= 
ſhrift „DeutjHe Verwaltung“ veröffentlicht, findet 
ſiM auf Seite 458 folgende Betrachtung: 
„Infolge der Rettungsarbeit des National= 
jozialiSmus ſind die landwirtſ<aftlichen Werte 
außerordentlich ſtark geſtiegen, und zwar oſt weit 
über das vom Standpunkte der Wirtſchaftlichkeit 
des landwirtſHaftlichen Betriebes noFH irgend-= 
wie vertretbare hinaus. Die Bolksgemeinſ<haft 
muß Wert darauf legen, daß der landwirt]<aft= 
liche Boden reſtlos den Zwe&en der Crnährungs-=- 
ſIHlaht dient, aber au<h gleichzeitig die Grund-= 
lage für den Blutsquell unſeres Volkes bildet, 
möglichſt viel Familien auf] die Dauer und wirt= 
ſchaftlich geſichert mit dem Boden verbindet. Da= 
her fann vom nationalſozialiſtiſMen Standpunkt 
aus immer nur ein Bodenwert als „angemeſſen“ 
anerfannt werden, der einer fleizigen deutſchen 
Familie das wirtſchaftliche Arbeiten und Beſtehen 
auf die Dauer ſichert, aljo der ECErtragswert. 
Höhere Sh<Häßzungen und „Verkehrswerte“ können 
nie einen geſunden wirtſchaftlichen Sinn haben, 
ſondern nur auf Beweggründen beruhen, die vom 
Standpunkt des Volk8ganzen aus abzulehnen ſind 
oder jedenfalls niht dur< Bewilligung von 
Überwerten auc< no<F anerkannt werden können. 
Darum hat auh die Redhtſprechung, namentlich 
des Entſ<hädigungsgerihts beim Preußiſchen 
Oberverwaltungsgericht, jol<e übermäßigen „Ber= 
fehrSwerte“ grundſätzlich abgelehnt.“ 
Dieſe Darlegung beſtätigt, was wir Bovden= 
reformer längſt wiſſen und was vor vierzig Jahren 
bei der Wiedereinführung der Getreidezölle be= 
ſtätigt worden iſt: Jeder Vorteil, der aus einem 
Stü> deutſHen Bodens gezogen werden kann, 
hat die Tendenz, den Bodenpreis zu erhöhen. 
Jede vermehrte Rentabilität der Bearbeitung des 
Bodens ſteigert die Grundrente; ſie kommt alſo 
auf die Dauer nicht dem zugute, der den Boden 
beadert, ſondern dem, der ihn verpachtet oder 
verkauft. Öffentliche Maßnahmen, Opfer der Ge= 
meinſ<aft zur Verbeſſerung der Landwirtſchaft 
müſſen daher mit Maßnahmen verbunden werden, 
die der Steigerung der Grundrente entgegen= 
wirken. 
SolHe Maßnahmen beſtehen im heutigen 
Deutſchland in erheblichem Maße: Das ReichS- 
erbhofgeſeß und das Reichsheimſtättengeſeß ent= 
ziehen faſt die Hälfte des deutſHhen Bodens dem 
freien Berkehr; die GrundſtüdSverkehrSbekannt= 
90 
 
[Staats 
1 2517,.1339 
bibliotzek
	        

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