Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

 
Bodenreform 
Ausgabe B* 
Frei Lans 
Deutſche Volksſtimme 
Gründer: Adolf Damaſchke 
 
Bodenrefsgrm Verlag Damaſchke KG, Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſprecher 39 14 51 
50. Jahrgang Nr. 18 
Bezug durc<h jedes Poſtamt vierkeljährli<h 1,80 VM, bei direkier Sendung unter 
Kreuzband 2 RM. / Poſtſcheckkonlo Berlin Nr. 79025 Bodenreform Verlag Damaſchke KG. 
Boft-Verſandort: PBotsdam 
14. Mai 1939 
 
Pandmaſchinen gegen Landflucht 
Alle Verſuche, die Landflucht zu verhindern, 
ſind biSher geſ<Heitert. Hatte man vom ArbeitS5=- 
dienſt erwartet, daß er die Iugendlihen an das 
"Land feſſeln würde, ſo iſt das Gegenteil einge= 
treten. Nac< einem Bericht von H. Beutler 
an das LandeZ3arbeitSamt Sleſien „glauben die 
Jugendlihen vom Lande naH Ableiſtung des 
Arbeitsdienſtes ein beſonderes Anrecht auf Arbeit 
in der Stadt zu haben. Wenn den ausſ<eidenden 
Soldaten und Arbeitömännern nahegelegt wurde, 
einen ländlichen Beruf zu ergreifen, haben ganze 
Arbeitsdienſtlager geſchloſſen mit Nein geani-= 
wortet. ES koſtete die YArbeitSämter größte 
Mühe, wenigſtens diejenigen Arbeitsdienſtmäns= 
ner und Eoldaten wieder in die Landwirtſchaft 
zu vermitteln, die von dort herſtammten, von den 
anderen gan3 zu ſc<weigen.“ 
Au<h die im Jahre 1933 erlaſſenen Sperr- 
geſeße, na<h denen die einmal in der Landwirt= 
ſc<Haft tätig Geweſenen die Plätze in der Induſtrie 
räumen und wieder in die Landwirtſchaft zurüc= 
kehren ſollten, hatten für die Berſorgung des 
Landes mit Arbeitskräften nur eine gegenteilige 
Wirkung. Denn nun wollte niemand mehr Land=- 
arbeit annehmen in der Befürchtung, für die 
Dauer dabei bleiben zu müſſen, und die auf dem 
Lande befindlichen ſchi>ten ihre Kinder vielfach 
ſofort naM der Schulentlaſſung in die Stadt, 
einerlei, ob Lehrſtellen und Verdienſtmöglichkeiten 
vorhanden waren oder nicht, nur um zu ver= 
meiden, daß ſie bei den ArbeitSämtern unter der 
Berufsgruppe Landwirtſchaft geführt wurden. Die 
Beſtimmungen wurden bald darauf außer Kraft 
gejeßt. 
Man hat neuerdings vorgeſh<Hlagen, der weit2= 
ren Landflucht dadur< vorzubeugen, daß man 
dur< ſtaatliche Beihilfen die Löhne der landwirt= 
ſHaftlihen Arbeiter denen der Induſtriearbeiter 
angleicht und gleichzeitig die Preiſe der landwirt= 
ſHaftlihen Erzeugniſſe durH ſtaatlihe Borſchrift 
erhöht. Gegen eine ſolhe Beihilfenpolitik wendet 
Dr. Friedrich Carl von Hellermann, 
Bres8lau, in ſeiner ſoeben erſchienenen Schrift 
„Landmaſchinen gegen Landflucht“ *) mit Recht 
ein, daß ſie auf die Dauer weder dem Einzelnen 
X) Landmaſchinen gegen Landflucht. 
Praktiſi<e Wege zur Sicherung des Arbeitseinſatzes 
in der Landwirtſchaft des deutſHhen Oſtens von Dr. 
Friedrich Carl von Hellermann, Bres- 
lau. = Junker & Dünnhaupt Berlag, Berlin 1939. 
Band 16 der Neuen Deutſchen Forſchungen, Abtei= 
luna Nationalskonomie, heraus8gegeben von Erwin 
Wiskemann. 935 Seiten. Preis broſc<. 4,20 8X.48. 
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ISSN 
MANEGE 
nod der Geſamtheit nüßen. „CS8 kann niht Auſ- 
gabe einer planvoll gelenkten Wirtj<haft jein“, 
ſagt er, „dur< eine derartige Preispolitik be= 
ſtehende Wirtſ<aftsformen, beſonders in den Be=- 
trieben geringerer Größenklaſſen, künſtlich am 
Leben zu erhalten, ohne daß au< bei ihnen eine 
ehte privatwirtſ<haftlihe Rentabilität gewähr= 
leiſtet iſt.“ 
Sellermann unterſucht zunächſt die biSherigen 
Gegenmaßnahmen gegen die Landflucht und zeigt 
die Urſachen auf, aus denen jie verjagen mußten. 
Von der bäuerlichen Siedlung jagt er: 
„Überblit man die fünf Jahre nationalſozia- 
liſtiſc<er Agrarpolitik, ſo iſt feſtzuſtellen, daß nach 
heutiger Auffaſſung, nachdem eine umſfajſende 
Landabgabe erfolgt und mit Hilfe des Reichs 
eine entſpreHhende Unzahl von Siedlungen er= 
richtet war, nunmehr an den beſtehenden Bejiß- 
und Größenverhältnijſſen der landwirtſ<Haftlichen 
Betriebe inSbeſondere des Oſtens, welcher als 
Siedlungsland in erſter Linie in Frage kam, 
nichts Weſentliches mehr geändert werden joll.“ 
„Auch in der neueſten Zeit iſt es dis jett 
niht gelungen, dur< eine Unjiedlungspoli= 
tik die Oſtprovinzen ſo aufzufüllen, 
daß der Grenzgürtel mit Hilfe eines gejunden 
Bauernſtandes eine auc< nur annähernd jo hohe 
Bevölkerungsz3iffer aufweiſt, wie wir jie in den 
angrenzenden Weſtgebieten Polens und Litauens 
finden.“ 
Die Urſachen dieſes Berſagens ſieht er vor 
allem in den Wirtſc<haft5bedingungen dieſer Ge= 
biete und in einer gewiſſen Landmüdigkeit der 
Menſd<en, in der geringen Rentabilität der SieD= 
lungös8betriebe, in dem Mangel wirklich geeigne= 
ten Siedlung38landes und nicht zulezt in den 3u 
hohen Bodenpreiſen. VNictsdeſtoweniger meint 
er, die Siedlung werde „als wertvolles Mittel 
zur bevölkerungspolitiſ[Gen Regeneration D25 
deutſhen Volkes weiter fortgeführt werden“, 
jedoM ſei ſie nicht Ias entiheidende Mittel, die 
Menſc<hen dem Lande zu erhalten und damit auch 
die Frage de8 Arbeitzeinſaße8 auf dem Lande 
auf weite Sicht hin einer Löſung näher 3u 
bringen. 
Daß au< vie Erhöhung der Landarbeiter- 
löhne keine Heilmittel gegen die Landflucht 
wäre, ergibt ſich darcus3, daß, wie ſhon Sering 
1893 feſtgeſtellt hat, keineSwegs vornehmlich die 
ſ<leHt geſtellten, ſondern gerade auh die beijer 
ſituierten Arbeiter entweder ſelbſt mit ihren 
Familien in die Stadt überſiedelten oder doh 
ihre Söhne und Töchter dorthin ſc<hiäten. 
Die .ausSländiſ<en Wanderarbeiter 
ſind nur eine vorübergehende AusShilfe. Ihre 
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