Full text: Bodenreform - 50.1939 (50)

gebieten wie au<ß in Braunſ<Hweig, Unhalt und 
der Provinz Sachſen bei 21 bis 28 Hektar lag, 
ſind die Neubauernhöfe in den weſtlicher ge= 
legenen Gebieten durhweg kleiner, und zwar im 
Durchſchnitt 10 bis 16 Hektar groß; jedoch jind 
hier einzelne 'Au3nahmen zu verzeichnen. So 
betrug beiſpielSweiſe in Baden die Durchi<hnitts5- 
fläße 21,5 Hektar und im Saarland 19 Hektar, 
bei allerding8 nur 17 und 5 neuen Höfen. Mit 
einer beſonder3 kleinen Dur<hſ<nittsflähe, und 
zwar 6,4 Hektar je Stelle, tritt die Provin3 
Heſſen-Naſſau hervor. Hier dürften die örtlichen, 
wirtſhaftlihen und natürlihen Berhältnijje eine 
Auslegung kleinerer Stellen erfordern. 
Anliegerſiedlung. Zur wirtſchaftlichen 
Sicherung landwirtſhHaftliher Kleinbetriebe und 
zur Bergrößerung ihrer Betriebsflähe auf Erb= 
hofgröße werden im Rahmen der Neubildung 
Deutſ<en Bauerntums Landzulagen an derartige 
Betriebe au38gegeben. Im Jahre 1938 wurden 
nach vorläufigen Zahlen rund 7000 Landzulagen 
vergeben. Die Geſamtfläche betrug 15 1100 Hektar. 
Im Durſchnitt entfallen ſomit auf eine Land=- 
zulage 2,2 Hektar. Au hier iſt mit einer nach- 
träglichen Erhöhung der Zahlen zu rehnen. Im 
Bergleih mit dem Vorjahr iſt auch bei dieſem 
Zweige der Siedlungstätigkeit ein Rüdgang ein= 
getreten, da da38 Vorjahr ein Ergebnis von 10 800 
verteilten Landzulagen mit zuſammen 21 400 Hek= 
tar aufzuweiſen hatte. Jedoh iſt im Bergleidc) 
mit den Jahren 1919-1932 noH eine Zunahme, 
inSbeſondere bezügli< der als Landzulage ver= 
teilten Flächen, feſtzuſtellen, die damals nur 
10 000 Hektar im Jahre23dur<ſ<hnitt betrugen. Die 
Anliegerſiedlung konnte au<F unter den für die 
übrigen Zweige der Siedlungstätigkeit ſtark er- 
ſHwerten Umſtänden einen verhältniSmäßig hohen 
Stand beibehalten, da ſie durd) die Verknappung 
von Bauarbeitern und Bauſtoffen wenig berührt 
wird. E3 handelt ſich um eine Flächenvergröße= 
rung bereits beſtehender und im allgemeinen mit 
Wirtſ<haft8gebäuden ausgerüſteter Betriebe. Au< 
die Beſchränkung der ZinSsbelaſtung auf ein wirt= 
ſchaftlich tragbares Waß ſpielt bei der Anlieger- 
ſiedlung nicht die Rolle wie bei der Neuerric- 
tung ganzer Höfe. Vielfa<? wird ein erheblicher 
Teil de8 Kaufpreiſes der Landzulage ſofort bar 
bezahlt; die Reſtſhuld wird zudem von den de- 
reit3 vorhandenen Betriebsflächen mitgetragen. 
Landerwerb und Landbereitſtellung. 
Die von den Siedlungs8geſellſhaften erworbenen 
und ihnen für Siedlung3zwe&e bereitgeſtellten 
Flähen hatten im Deutihen ReiH mit Cin= 
ſHluß Öſterreichs einen Geſamtumfang von vor= 
läufig 61 000 Sektar. Im Sudetenland wurden 
1938 no<H feine Bodenflähen für Siedlungs5- 
zwe>ke erworben. Das endgültige Ergebnis dürfte 
ſich dur< nachträglihe Meldungen no<& um meh- 
rere tauſend Hektar erhöhen und der im Bor= 
jahr im alten Reich8gebiet erworbenen und be= 
reitgeſtellten Fläche von 64 000 Hektar etwa gleich- 
kommen. 
Vorrat an Siedlungsland. Bei den 
Siedlung3geſellſhHhaften waren am 1. Januar 1939 
im Deutſchen Reich (ohne das Sudetenland) ins=- 
geſamt 102 900 Hektar für Siedlung33we>e be= 
ſtimmtes Land vorhanden. Gegenüber der vor= 
jährigen Flähe von 101 000 Hektar hat ſich der 
Landvorrat ſomit um rund 2000 Hektar erhöht. 
Dieſe Zunahme iſt darauf zurückzuführen, daß 
da8 Land Öſterreich erſtmals am 1. Januar 1939 
einen Landvorrat von 6110 Hektar aufzuweiſen hat. 
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Das kommende Reichsbaurecht 
Auf dem Stuttgarter Verbandstag des ReichS5- 
verbandes de8 deutſ<hen gemeinnützigen Woh= 
nung3weſen3s gad ReichZarbeit3miniſter Seldte 
befannt, daß dic Vorarbeiten für das kommende 
Reih8baurehßt im Gange jind. Er jagte u. a.: 
„Nunmehr erachte ich den Zeitpunkt für ge= 
fommen für die Shaffung eines einheitlichen 
Reih38baure<ht8s. Denn die Ziele der deutſchen 
Städtebaupolitik ſtehen feſt, die Aufgaben ſind 
uns befannt, die Wege ſind bereits weitgehend 
vorgezeichnet. Die Vorarbeiten für dieſes groe 
Geſetzgebungö3werk ſind in meinem Miniſterium 
bereit3 im Gange. I<h habe Vorſorge getroffen, 
daß ſie, ſoweit e8 der Umfang und die Schwierig= 
keiten des zu geſtaltenden Stoffes erlauben, mit 
aller Beſchleunigung zum Abſchluß gebracht 
werden. I<h bin heute aucFH in der Lage, einige 
Angaben über dic beabſichtigte Geſezgebung 3zu 
maden. 
Al3 Grundgeſeze werden ein ReichSbaus- 
geſeß und eine Reichsbauordnung er-= 
gehen; zu beiden die erforderlichen reichSrecht= 
lihen Durcführungsbeſtimmungen. In beiden 
Geſezen werden im weſentlihen die biSherigen 
Lande38geſeze und die reichörechtlihen Zwiſchen= 
geſeze aufgehen mit dem Ziele, einen einheit= 
lihen Recdt8zuſtand im Reihe 3u ſ<aſſen. 
Landesrehtliche Regelungen werden nicht mehr in 
Frage kommen, wohl aber jelbſtverſtändlic die 
notwendigen örtlichen Regelungen, für deren Cr= 
laß das Geſeßz die erforderlichen Ermächtigungen 
geben wird.“ 
Weiter teilte der Miniſter mit, daß das 
Reich38baugeſeß neben den BorſP4hriſten 
allgemeinen Inhalt3 (wie 3. B. über den Be=- 
hördenaufbau, über deren Erlaß von baure<ht= 
lihen Vorſchriften uſw.) im wetentlihen alle 
Regelungen enthalten werde, die für die Herbei= 
führung ver ſtädtebaulichen Ordnung und deren 
Durchſetzung im Wege der ſtaatlichen Führung 
und Aufficht erforderlich ſeien. Von betonderer 
Bedeutung ſeien hier die Vorſchriften über die 
ſtädtebauliche Planung in ihrer Gejamtheit, über 
die erforderlihen GCigentumSbejſHrän= 
fungen, über den Grunderwerb für jtädtebau= 
lihe Zwede, über die Enteignung und über 
die Frage der Entſ<ädigung aus Unlaß von 
ſtädtebaulich-behördlihen Maßnahmen. Aufgabe 
werde es bei allen dieſen Vorſ<hriften jein, das 
Intereſſe der Allgemeinheit in Cinklang zu 
bringen mit den berechtigten Intereſſen der ein= 
zelnen Grundeigentümer. In dieſer Hinſicht 
würden die Vorſchriften des Baugejetzes ein wei= 
terer großer Shritt zur Schaffung eines national= 
ſozialiſtiſc<en deutichen Bodenred<Hts zein. 
Die Rei<h3bauo»rdnung ſolle für alles 
Bauen einen gerehten AuSgleich zwiſchen den 
öffentlichen und privaten Belangen herbeiführen. 
E3 werde künftig nicht mehr der einzelne Bau 
für ſi allein zu betrachten fein, jondern immer 
der geſamte Baublo>. Dieſer umfaſſendere Be= 
griff werde auc< den Maßſtab bilden für die 
Anlage der notwendigen Freiflächen. Neben dem 
Erfordernis der Sicherheit, der Geſundheit und 
des Feuerſchuze8 werden ſid die lommenden 
Bauvorſchriften auc nach weiteren Geſichtspunk= 
ten ausSzurichten haben, von denen die Baus=- 
geſtaltung im weiteren und höheren Sinne, Die 
Wohnkultur, der Luft=, Wärme- und Scall- 
ſhuß, die Schönheit der Arbeit, die Bauſtoſſ- 
wirtſHaft und der Gemeinſ<aftsfrieden 3u 
nennen jeien. 
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