Full text: Korrespondenzblatt für den akademisch gebildeten Lehrerstand - 17.1909 (17)

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(Pädagogiſches Wodenblatt.) ==== 
 
Erſcheint wöchentlich mit Ausnahme der Neujabrs-, Oſter-, Pfingſt- und zweiten Juli I DIEN 
 
Bezugspreis viertelj. 3 Mk. ; Nebenexemplare jährl. 2,50 Mk. ; einzeln 30Pf. Unzeigen 30Pf. 
die Petitzeile. =“ Verlag: C.U. Ko<h's Derlagsbuchh andlung (5. Ehlers) in Leipzig. 
 
 
 
Verantwortlich fär die Schriftleitung Dr. Rudolf Groſſe, Berlin W 50 S<d 
--y“ DruF von Robert Nos5ke in Borna (Bez. Leipzig). 
 
Hille Manuskripte und Mitteilungen für das Korrespondenzblatt beliebe man an Herrn Dr. Rudolf Grosse in Berlin W 50, Schaperstr. 12 
zu Senden. Anzeigen und geschäftliche Mitteilungen an C. A. Koch's Verlagsbuchhandlung in Leipzig, Querstr, 4. 
Nr. 38. 
Inhalt: 26. Weſtfäliſcher Philologentag in Minden. -- Bericht über die 
Leipzig, den 13. Oktober 1909. 
17. Jahrgang. 
Sitzungen der Neunerkommiſſion des Rheiniſchen Provinzialvereins, betr. 
die Rechre und Pflichten der Direktoren und Oberlehrer. =- Ein Wort zu dem „Aufruf“ in Nr. 31. =- Die Einrichtung der höheren Lehranſtalten 
in Baden. =- Die deutſche höhere Schule im Urteile des AuSlandes. =-- Schülerſelbſtmord. =- Remunerationen für Mitglieder der kgl. Prüfungs- 
kommiſſionen. = Überhebung. == Aus Sachſen. =- Auf die Anfrage auf S. 391 betreffend Seminaroberlehrer. =- Zur Nachzahlungsfrage. =- 
Anfrage. =- Mitteilungen und Nachrichten. =- Perſonal-Nachrichten 
. =- Fanmilien-Nachrichten. =- Geſchäftliche Mitteilungen. == Anzeigen. 
 
Herr Dr. Rudolf Groſſe in Berlin W 50 Schaperſtr. 12 
hat ſich bereit finden laſſen, die Herausgabe des Korreſpondenz- 
Blattes zu übernehmen. Alle Mitteilungen und Manuſkripte 
für die Schriftleitung ſind daher fortan an ſeine Adreſſe zu 
ſenden. | 
26. Weſtfäliſcher Philologentag - 
in Minden. 
Nachdem Minden in entgegenkommender Weiſe die 
Feier des 25 jährigen Beſtehens des Weſtfäliſchen Philo- 
ſogenvereins der größeren Schweſterſtadt Dortmund ab- 
getreten hatte, wurde ihm gern die Ehre zugeſtanden, die 
erſte Tagung im zweiten Vierteljahrhundert des Pro- 
vinzialvereins in feine durch landſchaftlihe Lage wie 
geſchichtliche Erinnerungen 'in gleicher Weiſe geweihten 
Mauern aufzunehmen. 
Wenn wir heute zurückblicken auf die Mindener Feſt- 
tage, ſo dürfen wir vorweg ſagen, daß ſie ihrem äußeren 
Verlaufe wie inneren Gehalte nach, ni<t nur durch die 
Vorzüge der Feſtſtadt, jondern ebenſo dank der hin- 
gebenden Vorbereitung und Durc<hführung ſeitens der um- 
fichtigen Ort8gruppe, alle Erwartungen der von nahen 
und fernen Städten der roten Erde zugereiſten Kollegen 
erfüllten und demgemäß die Feier des 26. Weſtfäliſchen 
Philologentages als ein vielverſprehender Anfang des 
zweiten Vierteljahrhunderts ſich angelaſſen hat. 
Gleich der Beginn der Veranſtaltungen führte die Feſt- 
teilnehmer in den glanzvollen Mittelpunkt der Mindener 
Weſerlandſchaft hinein, zur Porta Westfalica. In ſtattlichem 
Zuge ging es vom Bahnhof Porta zu dem vom Kaiſer 
Wilhelm-Denkmal gekrönten Wittekinds8berge hinauf, um 
dur< Naturgenuß und Altertumskunde die Gemüter der 
Teilnehmenden in die der Landſc<haft angemeſſene weihe- 
volle Stimmung hineinwachſen zu laſſen. Nachdem man 
ſich von dem etwa einſtündigen Marſche beim gemein- 
ſamen Kaffee erholt hatte, hielt Herr Oberlehrer Lang e- 
wieſche-Bünde einen Vortrag „Über Ausgrabungen im 
Portagebiete“ und gab damit ein anſchauliches Bild von 
den Ergebniſſen ſeiner eigenen und anderer Forj<ungen 
Über die älteſten geſchichtlichen Reſte dieſes Gebietes. Aus 
dem dur< Karten und Skizzen belebten Vortrage ent- 
 
nahmen die Zuhörer, daß auf den Höhen zwiſchen Ems 
und Weſer, Leine und Oer in nicht geringer Zahl Burgen 
aus vorgeſchichtliher und frühgeſchichtlicher Zeit liegen. 
Generalmajor v. Oppermann, der vor einigen Jahrzehnten 
begonnen hat, ſie planmäßig aufzuzeichnen, zählt ihrer 
etwa drei Dutzend auf und erbli>te darin zuſammen- 
hängende Wehrlinien von der Ems bis zur Oder. Als 
dann namentlich Prof. Dr. Schuchardt anfing, ſie mit dem 
Spaten zu erforſchen, erkannte man in ihnen Anlagen 
verſchiedener Zeiten, und ſeitdem iſt es eine Hauptaufgabe 
der Forſchung, aus der Bauart der einzelnen Burgen 
ſowie aus den in ihnen gemachten Funden die Zeit ihrer 
Entſtehung feſtzuſtellen. So iſt auf der rechten Seite der 
Porta das etwa 100 Morgen große Lager auf dem Roten 
Brink zwiſchen Stammen und Hausberge als ſächſiſc er- 
fannt. Eine dauernde Beſiedelung war jedenfalls die 
Wittekind8burg auf der linken Weſerſeite. Sie bildet ein 
langgeſtrec>tes Viere>, deſſen Nordſeite eine etwa 650 m 
lange Wallmauer trägt; der Oſtwall iſt etwa 100 m, der 
Weſtwall 115 m lang, die Südſeite bedurfte keines Walles, 
weil dort die Sandſteinklippen faſt ſenkrecht abfallen. Die 
26 Morgen umfaſſende Wittekind8burg gehört der ſpät- 
ſächſiſchen Zeit an, während die etwas kleinere Dahmer 
Burg wohl älteren Urſprungs iſt. Auf einem anſchließenden 
Rundgange durc< die Wittekind8burg zeigte der Bor- 
tragende ſeinen Zuhörern die wichtigſten Teile der Wall- 
burg, beſonders das eigenartige Tor, das ſo geſchi>t an- 
gelegt war, daß der angreifende Feind nict nur von 
vorn, ſondern auc< von zwei Seiten beſchoſſen werden 
fonnte. | 
NRo<h im Banne der Eindrü>e altſächſiſc<er Ber- 
gangenheit gelangten die aufmerkſamen Zuhörer über die 
Wittekind8quelle hinweg zum Kaiſerdenkmal, dem Sinn- 
bilde der lezten großen Zeit unſeres Volkes, und. genoſſen 
von der Brüſtung des weit au8gedehnten Denkmalsplaßes 
den herrlichen Bli> auf die lachende, ſonnenbejſc<ienene 
Weſerlandſchaft, re<ht8 von waldbede>ten Bergen uan- 
ſäumt, links im Vordergrunde das turmreiche Minden 
am blinfenden Strome und weiterhin die von zahllojen 
Ortſ<haften beſiedelte, in dämmernder Ferne dem Auge 
entſhwindende Ebene. = 
Dem ſchönen Nachmittage an der Porta folgte ein - 
ebenſolcher Abend in der Tonhalle zu Minden mit freund- 
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