Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

Ir. 15 
.- 
ragen. Außer den Regeln, nag denen das Häkchen zu 
ſeen iſt, laſſen ſich aus einigen Beiſpielen des amtlichen 
Wörterverzeichniſſes auch Negeln ableiten, nach denen kein 
Häkchen zu ſeßzen iſt, 3. B. gehjein, ſtehſe]n, knieje'in ; löſch|e/]ſt 
u. a. ; jähle], nahle], wehſje|, zähle]; vornſe|, adſjeilig, ekſe|lig 
u. a.; anderſe|nfalls, allſe]zeit u. a. in dieſen 
 
Läßt man 
Wörtern das e aus, ſo iſt das Setzen eine8 Häfchen3 eben- 
ſo als Fehler anzuſtreichen wie das Nichtſetzen vorgeſchriebener 
Häkchen. Von den Beiſpielen möchte ich beſonders zwei 
Gruppen hervorheben: die Nennformen und die Grund- 
formen von Eigenſchaftswörtern (und das Umſtand3wort 
„vornſe]"). =- Die Formen gehliejn, ſtehlein, knieſe|n ſollen 
uns zwar nicht veranlaſſen, das e der Endung en auch in 
andern Zeitwörtern willkürlich auszulaſſen -- wir ſchreiben 
mit dem amtlichen Regelbuch : drehen, ſehen, wehen, drohen ; 
j<auen, freuen =“; aber wenn die Nebenformen, deren 
Stamm auf bh oder auf einen Selbſtlaut enden, in Ge- 
dichten nur auf n enden, ſezen wir kein Häkchen: drehn, 
drohn, ſ<aun, freun uſw. -- Genau ſo verfahren wir mit 
den Grundformen der Eigenſchaftswörter und der Umſtand83- 
wörter. Wie „jäh“, „vorn“ ſchreiben wir in Gedichten auch 
- „gerad“, „mürb“, „gern“, „nah“, „lang“ (- lange) uſw. -- 
E35 iſt noch. eine Gruppe von Wörtern zu erörtern, über 
deren Schreibung das amtliche Buch keine Anhaltspuntkte 
gibt. (E8 handelt ſich um ſächlicßce Hauptwörter mit der 
Borſilbe ge, die die Wiederholung einer (oft läſtigen) Tätig- 
feit bezeichnen. Duden bringt eine Anzahl dieſer Wörter, 
die mit und ohne e geſchrieben werden dürfen; eine andere 
Anzahl iſt nur mit e gebracht. So findet man 3. B. Ge- 
ſummſe| neben Gebrumme. Soll man demnac<ß ſchreiben: 
Geſumm, Gebrumm'? Warum ? Man kann von Schrift- 
ſtellern, Sezern, Druckberichtigern doch nicht verlangen, daß 
ſie fortgeſezt: nachſchlagen, ob in Gedichten ausgelaſſenes e 
durc<h Häfchen zu erſezen iſt oder nicht. Die einzelnen 
Wörter zu behalten. iſt wirklich unmöglich. Mit Wörtern 
derſelben Art ſoll man auf dieſelbe Art verfahren; wenn 
3. B. Geſumm, Geſchwirr, Gekrätz u. a. richtig ſind, dürfen 
auch Gebrumm, Gemurr, Gehe u. a, nicht beanſtandet 
werden. -- Leider gibt das amtliche Regelbuch auch keinen 
Aufſc<hluß, ob ausgelaſſenes e in der Befehl8form ſchwacher 
Zeitwörter durc< Häkchen zu erſezen iſt. Der Herausgeber 
der reuen Leſebücher für die Rh-inprovinz bzw. ſein Ge- 
währ5mann hat fſiH nicht entſchließen fönnea, in Befehls- 
formen Häkchen zu ſezen. Wer wollte es ihm verdenken! 
Häufchen, die zu entbehren ſind, ſollten von Rechts und 
Amts wegen in die Rumpelfammer wandern. , 
Do<h darf dem Häkchen ſeine Wichtigkeit nicht ganz ab- 
geſproHhen werden. Abgeſehen davon, daß durch das Häkchen 
gleiche Klangformen unterſchieden werden, 3z. B. da's da3; 
die's, dies; wie's, wies; ring's!, rings; bereit's !, bereits 
(wen'ge, tran'ge würden ohne Häkchen leicht wie ſenge, 
bange geleſen), zeigt es auch an, wo der Dichter ſich Frei- 
heiten geſtattet hat und dient ſo der Verſtändlichkeit der 
Schrift. Vor allem aber kann die Sazzerlegung des Häkchens 
nicht entbehren. Daxum bange nicht, Kleiner, man wird dir 
nicht ſo bald den Garaus machen, 
Mitteilungen, 
Berlin. Eine Petition des Neuen Preußiſchen Lehrer- 
vereins in der Unterrichtskommiſſion. In der Abendſitzung 
vom 12. März verhandelte die Unterricht3kommiſſion über eine Petition 
des Vorſtandes des Neuen Preußiſchen Lehrerveveins, die dahin geht: 
Das Hohe Hau3 der Abgeordneten wolle dafür eintreten, daß 
1. „die jezige Aufbringungsweiſe der Beiträge zur Alterszulage- 
kaſſe dahin abgeändert werde, daß die Höhe der Beiträge nicht mehr 
nach der Anzahl der Stellen, ſondern nach dem Ginkommenſtenexr- 
f oll der Gemeinde berechnet werde, - 
2. Staat35mittel bereit geſtellt werden, ' damit möglichſt bald und 
außerhalb des Rahmens einer allgemeinen Aufbeſſerung der Beamten- 
gehälter eine Grhöhung der Lehrvergehälter, beſonders der 
Alter3 zulagen, um den Geſamtbetrag von 900 Mk. be- 
Der Boltsſchnliehrer. 
träge 
 
230 
wirkt und dadurch völlige Gleichheit der Lehrergehälte1 
herbeigeführt werde.“ * | 
Veber den Inhalt der Petition trug der freikonſ ervative 
Berichterſtatter folgendes vor: Bei der Beratung des Lehrerbe- 
ſoldung8geſe3e3 vom 26. Mai 1909 ſei das Streben der Volksſchul- 
lehrerſchaft nach gehaltlicher Gleichſtellung mit den mittleren Staats- 
beamten im Abgeordnetenhauſe von verſchiedenen Seiten als berechtigt 
anerkannt worden. Damit wenigſtens für die Lehrer der leiſtungs- 
fähigen Gemeinden die Möglichkeit geſchaffen werde, ſich dieſem Ziele 
zu nähern, habe das Geſetz die Ortszulagen vorgeſehen. Durch ihre 
Einführung ſeien aber die Lehrer in den nicht ort8zulageberechtigten 
Schulverbänden benachteiligt worden. Die Grundlage für die heutige 
Ort3zulagenberechtigung bilde keine3wegs8 die vermeintliche Verſchieden- 
heit der Teuerungsverhältniſſe, ſondern die Beſoldung3verhältmſſe, die 
ſich auf Grund des Geſezes vom 3. März 1897 entwickelt hätten. Auf 
feinen Fall könnten die von der Ort8zulage ausgeſchloſſenen Lehrer der 
Meinung beipflichten, daß ſich die Teuerung3verhältniſſe nur in den 
kleineren und mittleren Gemeinden auSsgeglichen hätten, ſie ſeien viel- 
mehr der feſten Ueberzeugung, daß die Teuerungs8verhältniſſe in dieſen 
Gemeinden denen der Großſtädte und der Bezirke mit gewerblichen 
Anlagen nicht nur gleichkämen, ſondern ſie oft ſogar überträfen. Es 
ſei eine allgemein bekannte Tatſache, daß in kleineren und mittleren 
Gemeinden viele Lebensmittel und Verbrauchögegenſtände höher im 
Preife ſtänden als in den Großſtädten, daß ferner die ganze Lebens- 
führung in kleineren Gemeinden infolge der veſonders verteuernden 
Verhältniſſe (wie Kindererziehung, Krankheiten uſw.) ſich teuerer ge- 
ſtalte als in Großſtädten und in Gegenden mit hochentwickeltem Ge- 
werbefleiß. Aus dieſer Sachlage reſultiere die Abwanderung der Lehrer 
nach den ort3zulageberechtigten Schulverbänden und ebenjo die Tat- 
ſache, daß die Landlehrerſtellen vorwiegend mit jüngeren Lehrern beſetzt 
ſeien, zum Schaden der Erziehung der Kinder, der Jugendpflege und 
der Fortbildungsſchule. Schwer benachteiligt ſeien auch die nicht orts- 
zulageberechtigten Gemeinden durch die Aufbringungsweiſe der Bei- 
zur Alter3zulagekaſſe; denn die kleineven Verbände 
müßten für ihre jüngeren Lehrer mit weniger Alter5Szulagen genau 
dieſelben Beiträge zahlen wie die großen Verbände für ihre älteren 
Lehrer. Die Laſt würde für die betreffenden Gemeinden noch drücen- 
der werden. wenn den ort3zulageberechtigten Schulperbänden gar noch 
Staat3mittel als Grgänzungs8zuſchüſſe zur Verfügung geſtellt würden. 
Dadurch würde die Kluft in den Gehältern der Lehrer noch größer 
werden. Eine gerechte Belaſtung aller Schulverbände und ein den 
Verhältniſſen entſprechendez gleiches Gehalt für alle Lehver 
laſſe fich ohne Staatszuſchüſſe nur ermöglichen, wenn als Maßſtab für 
- die Leiſtungen der Schulverbände an die Alter3zulagekaſſe fortan nicht 
- Mehr 
die Stellenzahl gelte, ſondern ein für alle Gemeinden 
aleicher Prozentſaß des Ginkommenſtenerſolls. Die ſür 
einen Teil der Lehrer dadurch eintretende Ge halt öexhöhung könne 
mit Recht vor einer allgemeinen Regelung der Beamtenbeſoldung ge- 
ſchehen, da ſie nicht den Charakter einer neuen geſetzlichen Aufbeſferung 
trage. . 
"Der Zuhalt3angabe der Petition fügte dex Berichterſtatter hinzu : 
Es ſei ein Irrtum der Petenten, daß durch eine Aufbringung der 
Alterszulagekaſſen-Beiträge nach dem GEGinfommenſteuerſoll eine Aus- 
gleichung der Belaſtung ſtattfinden würde. Die Einkommenſteuer je1 
durc<haus nicht immer ein gerechter, auch nicht der alleinige Maßſtad. 
Die geforderten Beſoldungs5kaſſen würden den ärmeren Gemeinden, 
die jetzt ſehr hohe Staatszuſchüſſe bezögen, direkt zum Nachteil ge: 
reichen. Nach der Verfaſſung dürfe dex Staat unt ſeinen Mitteln nur 
dann eingreifen, wenn ein Unvermögen der Gemeinden vorliege. Die 
Entlaſtung der zu ſehr belaſteten Gemeinden bilde gegenwärtig den 
Gegenſtand der Unterſuchung. Für eine Abänderung des Lehrerbe- 
ſoldungsgeſetzes liege keine zwingende Beranlaſſung vor... 
Dex Regierungs3vertreter ſprach ſein Befremden darüber 
aut8, daß gegen das vor kaum vier Jahren erlaſſene Lehrerbeſovldungs- 
geſeß, das damals von allen Lehrern mit Freuden begrüßt worden ſei, 
ſchon jezt Sturm gelaufen werde. Die Erhöhung der Lehrergehälter 
um 900 Mk. würde enorme Koſten verurſachen. Die Alterszulage:- 
kafſe ſei eine Verſicherungskaſſe und müſſe eine ſolche bleiben. 
Die Frage der „Beſoldungskaſſen“ ſei für die Stgat3regierung definitiv 
erledigt. ES ſei nicht möglich, aus dem Beſoldungsbau einen Stein her- 
auszunehmen, ohne daß das ganze Gebäude einſtürze. Die Kommiſſion 
möge über die Petition zur Tagesordn ung übergehen. 
Gin zweiter Freikonſervativex hielt bei einer künftigen 
Neuordnung der Lehrergehälter einen Ginheits ſatz für ſehr erwünſcht, 
aber die Zeit dazu ſei noch nicht gekommen. E38 müßten noch Jahre 
vergehen. Die „Beſoldungskaſſe“ ſei allexding38 bei der Beratung des 
Lehrerbeſoldungsgeſezes abgelehnt worden, aber nur mit knapper Mehr- 
heit. Richtig fei, daß viele Gemeinden ſtark mit Schulausgaben be- 
laſtet ſeien, und daß eine Abhilfe dringend notwendig ſei. Die von 
ihm und feinen Freunden eingebrachten Anträge ſeien vom Hauſe Der 
Abgeordneten gebilligt worden. Bei der Prüfung der Belaſtung werde 
ſich beurteilen laſſen, ob nicht ein Teil der Laſten auf breitere Schultern 
gelegt werden müſſe. Der Redner ſtellte den Antrag, die Petition der 
Staatsvegierung al8 Material zu überweiſen. 
Gin Volks8paxrteilex führte aus, daß er dem Antrage des Bor- 
redner8 auf Ueberweiſung al3s Material nur für den erſten Teil 
des Retitums zuſtimmen könne. Ex ſei nie ein prinzipieller 
Gegner der von den Neupreußen gewünſchten Beſoldungskaſſen ge-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.