Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

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- weltumſpannenden Jdeen vermutlich niederlegt. Seyfert hat ſich ſelbſt 
durchgeſezt ; er iſt in der Welt anerkannt als Pädagog. Wir geben 
ihm nicht dieſen Ruhm, und wir ſind auch nicht in der Lage, ihn zu 
nehmen, mag unſer Beſchluß ausfallen, wie er will. 
I< erinnere Sie an die Stunde, da er von uns ging, an die 
Worte, die ſein Vorgeſetzter, der Kgl. Bezirksſhulinſpektor Herr Dr. 
Gäbler, ein Mann, der in unſerer Erinnerung fortlebt als ein Maun 
von Geiſt, al8 ein Maun von reichem Wiſſen und großem Können, 
al3 ein ganz hervorragender Schulmann -- ſo neidlo8 von 
ihm, dem Untergebenen, ſagte: Wir wandeln die Bahnen, die uns 
die Großen der Wiſſenſchaft erſc<loſſen haben ; da ſteht einer und 
geht einer von un3, der ſelbſt zu dieſen gehört, ein Pfadfinder, der 
jelbſt neue Wege ſuchte und neue Wege fand, der neue Werte ſchuf, 
ener, der die pädagogiſche Wiſſenſchaft vorwärts bringt in raſtloſer 
Arbeit. -- 
Es ſind unſerer noch viele, die die Ehre, das Vergnügen hatten, 
unter Seyfert zu arbeiten. „Unter“ Seyfert, das iſt falſch, wir haben 
in Wahrheit mit Seyfert gearbeitet. Wir haben wohl alle gefühlt, 
daß wir unter ihm ſtanden, weil er der geiſtig Höhere, der Ueber- 
legenere war, aber er hat uns nie fühlen laſſen „Du mußt, weil ich 
Dein Herr bin“. Er war redlich bemüht, uns an ſeine . Seite zu 
heben. Seine Anordnungen kamen immer von einer höheren Warte zu 
uns, und ſie waren ſo leicht zu befolgen, weil ſie der beſſeren EGin- 
ſicht entſprangen, und es iſt eine falſche Mär, die man gefliſſentlich 
in das Land hineinträgt, als ſei Seyfert als Autokrat durch unſere 
Schule gegangen. Seyfert hat auch nie vergeſſen, daß er Lehrer war, 
nie, bis zu dieſer Stunde nicht, und wenn er heute in einem andern 
Boden ſeine Furchen zieht und als Säemann ſeine Körner ſtreut, ſo 
iſt es doch wiederum das große Gefilde der Bolksſchule, aus dem der 
Same ſprißt und die Früchte treiben. Die Volksſchule iſt ſeine Liebe 
geblieben bis auf dieſen Tag. Der Höhenwind, der ſo manches leichte 
Perjönchen aus dem Bereich der Bolksſchule in weite Fernen trug, 
der konnte ihn nicht fortnehmen, dazu war er zu ſchwer, er iſi der 
unſere geblieben. Wer heute das Glü> hat, ihm perſönlich zu be- 
gegnen, der wird ihn immer noch ſo finden, wie wir ihn kennen, 
achten und lieben lernten, als den einfachen, ſc<lichten Menſchen, als 
den gediegenen Geiſt, wie ex aus ſeinen Werken ſpricht. 
Und ſoll ich noch ſeiner Tätigkeit im Landtag gedenken ? Gr war 
der Bannerträger unſerer Jdeen, die wir als die rechten halten, und 
er hat lange Wochen und Monde in harter, ſchwerer Arbeit gerungen | 
unter völliger Hintanſezung ſeiner Perſon und ſeiner Familie -- alles 
das weiß ih aus eigner Erfahrung -- um das geplante Schulgeſet 
in modernem Geiſte zu geſtalten. 
von der Sehne ſchwirrte,“ verfehlte“ ſein Ziel -- Seyfert hätte ihn 
auſgefangen mit jeinem blanken Schilde. Er hat für uns geſtritten, 
er hat aber auch für uns gelitten, bitter gelitten, al8 gewiſſen Gegnern 
die ehrlichen Mittel ausgingen, als ſie zu Tücke und Verleumdung 
griffen, als ſie Seyferts Liebe zur Volksſhule und zur Lehrerſchaft 
als Talmi verdächtigten und in einem widerlihen Gemiſch von 
Dreiſtigkeit und Feigheit einen Zuſammenhang mit Seyfert8 Eigen- 
jhaft als Herausgeber einer pädagogiſchen Zeitung konſtruierten. 
Nun, wenn Seyfert hätte das Seine ſuchen wollen, ſo hätten ſich 
wohl niemals beſſere Gelegenheiten geboten al8 bei Beratnng des 
Volksſchulgeſetze3.“ 
Wien. 1. Deutſcher Jugendſchriftenkongreß in Wien. 
Um weitere Kreiſe auf die Bedeutung der Jugendſchriftenfrage auf- 
merkſam zu maden, beſchloß die Jugendſchriftenprüfung8kommiſſion 
des Wiener Xx. xk. Bezirksſchulrates im Einvernehmen mit dem freien 
Zugendſchriftenpriüfungsausſjchuß des Zentralvereines der Wiener Lehrer- 
ſchaft einen Jugendſchriftenkongreß zuſammenzurufen, bei welchem 
Schriftſteller; Künſtler und BVerleger gemeinſam mit Lehrern und 
Finverfreunden über den Kampf gegen die Schundliteratur beraten 
ſollen. | 
Die beiden genannten Körperſchaften haben vor allem an Wienex 
beteiligte Kreiſe Ginladungen zu einer vorbereitenden Sitzung ergehen 
laſſen, in welcher der X. k. Bezirksſchulinſpektox Profeſſox Karl Schwalm 
mit der Leitung aller Vorarbeiten betraut wurde. Der gute Beſuch 
dieſer Sißung und zahlreiche Zuſtimmung inländiſcher und auszlän- 
diſcher Prüfungs8ausſchüſſe und Verleger ſtellen da8 Gelingen dieſes 
Kongreſſes in ſichere Ausſicht. Daß auch der Wiener Volksbildungs- 
verein erklärt hat, die Arbeiten dieſes Kongreſſes nach Kräften zu 
fördern, ſichert demſelben auch die Teilnahme einer großen Schar von 
Nichtlehrern. 
Mit dem Kongreſſe wird auch eine Ausſtellung verbunden ſein, 
welche eine möglichſt lückenloſe Ueberſicht des Geſamtgebietes der Jugend- 
ſchriftenfrage bieten ſoll, In einex hiſtoriſchen Abteilung ſoll die Ent- 
widklung des Kinderbuches bis zum heutigen Geſchmack dargeſtellt 
werden. Yticht bloß eine Ueberſicht der heutigen Buchtechnik und der . 
zegenwärtigen Produktion foll geboten werden, ſondern auch eine Richt- 
ſchnur für die Beurteilung des äußern und des inneren Wertes eines 
Buches. Hervorragende Künſtler und große Verleger haben bereits 
ihre Beteiligung an der Ausſtellung zugeſagt, welche in den Räumen 
des t. X. Muſeums für Kunſt und Induſtrie untergebracht ſein wird. 
Die Veranſtalter des Kongreſſes und der Ausſtellung exrhoyfen von 
dieſer Bereinigung aller Intereſſenten zu gemeinſamer Arbeit eine kräftige 
Förderung aller kunſtpädagogiſchen Beſtrebungen. Sie erwarten, daß 
es gelingen wird, ſich über wichtige Maßnahmen zur Bekämpfung der 
 
Der Volksſc<nllehrer. 
ſchließt ſich eine Reformkinovorſcellung. 
Wie mauch' vergifteter Pfeil, der |. 
' in Lüneburg, =- Diepholz. Ev. L. 1400 Mk., M. Kgl. Reg., 
 
Nr. 16 
Schundliteratur zu einigen und den Verwaltungs8behörden entſprechende 
Vorſchläge zu unterbreiten. | 
Im Mai 1913 wird der Kongreß ſtattfinden. Gr wird von allen 
deutſchen Staaten, von allen deutſch-öſterreichiſchen Kronländern beſchickt 
werden. Nicht bloß die Jugendſchriftenprüfungs3ausſchüſſe, ſondern auch 
die großen Lehrerverbände, nicht bloß die Volk8- und Bürgerſchullehrer, 
ſondern auch die Mittelſchullehrer werden ihre Vertreter entſenden. 
Die Künſtler, die Schriftſteller, die Verleger haben ihr großes Intereſſe 
an den Arbeiten des Kongreſſe8 bereit3 durch Bildung beſonderer Au38- 
ſchüſſe bewieſen. = 
Erzherzog Rainer hat das Protektorat über den Kongreß über- 
nommen. Schon dieſer Umſtand allein wird für weite Kreiſe ein Finger- 
zeig ſein, daß die Arbeit, welche der Kongreß zu leiſten haben wird, 
für die Sache der Grziehung und der Bildung ſehr große Bedeutung hat. 
BVereins8nachrichten. 
Düſſeldorfer Volksſchullchrer-Verein. SSE 
Am Donnerstag den 17. cr., abends 8%, Uhr findet im Kaiſerſaal 
Städt. Tonhalle ein Vortrag des Herrn Prof. Dr. Brunner, 
„Der Kampf um das Kino“ ſtatt. An den Vortrag 
Unſere Vereinö3mitglieder bitten 
wir, dieſe Veranſtaltung der Kino-Reform-Kommiſſion zahlreich zu 
beſuchen. 
Dex 
Berlin, über: 
Der Vorſtand. 
Crefelder Bolksſchullehrerverein. | | 
Samstag, 19, April, abends 6 Uhr Berfammlung im 
Innungshaus, | 
 
Tagesordnung. 
1. Neu- und Ergänzungsö3wahl. 
2. Berſchiedene wichtige Mitteilungen. 
Um pünktliches und zahlreiches Grſcheinen bittet 
- Der Vorſtand. 
Lehrer- und Lehrerivnen-Stelle, 
Oz. =< Ortszulagen, M. =- Mietsentſchädigung, Fr. W. -- Freie Wohnung. 
Ir. W. u. G. = Freie Wohnung und Garten, Az. = AmtsSznlage. 
OO. - Drtsſchulinſpektor. | 
Lehrer. Großenwede, Specht8horn, Tewel, 
Gilmerdingen, Vahrendorf, Stove, Vorbrüd, 
Röddenſen. Je 1 L. Kgl. Reg., Abt. f. Kirchen- u. Schulw.. 
Abt. |f Kirchen- u. Schulw. in Hannover. =-- Martfels und 
Müncehagen. Je 1 ev. L. ſof. 1400 M., fr. W. Meld. 
wie Diepholz. --- Sulingen. Ev, 7. u. 2. L. 1400 Mk, fr. 
W. od. M. Meld. wie Diepholz. =- Bruchhauſen. Ev, 3. 
L. 1400 M., fr. W. Meld. wie Diepholz. -- Flakenholz. 
Ev. 1. 2. (Ger. kirchl. D.) 1300 Mk., 150 Mk. f. Kirchend,, 
fr. W. Meld, wie Diepholz. = Hülſede. Ev. 2. L. 1400 
Mk., fr. W. Meld. wie Diepholz. -- Boc>el-Wagenfeld 
u. Heemſen. Je 2. ev. L. 1400 Mk, fr. W. Meld, wie 
Diepholz. -- Gr. Berkel. Ev. 5. L. 1460 M., M. Meld. 
wie Diebholz. -- Wöpſe. Ev. einz. L. 1400 Mk., fr. W, f. 
ger. fir<l. D. 50 Mk. Meld. wie Diepholz. -- Garbſen. Z. 
1710. ev. 1, 8. 1400 Mk., fr. W., 415 Mkt, f. Küſt.- und 
'Organiſtend. Meld. wie Diepholz, -- Barfinghauſen. Ev. 
2. L. 1400 Mk., fr. W., Küſt.- u. Organiſtend. 900 Mk. Meld. 
wie Diepholz. =- Loccum. Ev. 3. L, 1400 Mk,, fr. W. 
Meld, wie Diepholz. -- Stadt. Ev, einz, L. 1400 Mk., fr. 
W., ger. kirchl. D. Meld. wie Diepholz. =- Schwarme. Ev, 
1400 Mfk., fr. W. Meld. wie Diepholz. -- Neuſtadt 
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