Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

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groß Oktav, und ihrer Bedeutung äußerſt billig mit 1.-- Mk. an- 
geſezt, um den Maſſenvertrieb zu erleichtern. Bei Vorausbeſtellungen, 
- die vor dem 10. Mai eingehen, ermäßigt ſich der Preis um 10 
'.. .Prozent.. Die Einſendung erfolgt -der Einfachheit wegen unter Nach- 
nahme des Betrages. Wir bitten, alle Beſtellungen an den Ver- 
faſjer, Herrn Lehrer Franz Topp, Duisburg, Dickel3bachſtr. 28, ein- 
zuſenden. gez. Bierbaum, Dortmund, Gauverband der Lehrerver- 
eine im weſtf. Induſtriebezirk. Dzialo8cynski, Hamm, Gauverband 
der kath. Lehrervereine im weſtf. Induſtriebezirkt. Mühlinghaus, 
Lüdenſcheid, Lennegau. Schulz, Düſſeldorf, Niederrhein, Gau-Lehrer- 
verband. Topp, Duisburg, Birtſch. Vereinigung der kath. Lehrer- 
vereine im Reg.-Bez. Düſſeldorf. * Wagner, Eſſen, Nuhr-Lippe-Gau- 
Lehrerverband, 
Mörs. Ein Widerſpruch. Die Stadt Rheinberg gehört zu den 
Orten, die ihren Lehrern keine Orts8zulagen gewähren. Den Lehrern 
in Rheinberg im Kreiſe Mörs, die um Gewährung von Drtszulagen 
gebeten haben, iſt ihre Vorlage von der Stadt mit dem Hinweis auf 
die ungünſtige Finanzlage abgelehnt worden: Dieſelbe Stadt Rhein- 
berg iſt nun vor einiger Zeit bei der Königlichen Regierung zu Düſſel- 
dor? um Bewilligung eines Zuſchuſſes zu den Koſten der Rektovatsſchule 
vorſtellig geworden. Die Regierung hat jedoch eine Beteiligung an den 
Koſten dieſer Schule rundweg abgelehnt unter Hinweis auf die günſtige 
Finanzlage der Stadt. Derartiges ſoll ſchon häufiger vorkommen. Die 
Bolksſchullehrer ſind eben ein notwendiges Uebel, und weil irgendwo 
zwiſchen Maas und Rhein ein Landbürgermeiſter es vor Jahren meiſter- 
haft verſtand, die Gehälter der Lehrer in ſeiner Bürgermeiſterei nieder- 
zuhalten, beantragte ein Bauer im Rate der Weiſen eine Grhöhung 
des Gehaltes des Bürgermeiſter3 um 600 Mark. Der Antrag wurde 
einſtimmig angenommen. Nun ſage man nicht mehr, daß keine Dank- 
: barkeit in der Welt zu finden ſei. 
Wiesbaden. In Nx. 12. de3 „Allg. Schulblattes“ und in Nr. 
197 des „WieS3badener Tageblattes" wird nun endlich auch den Lehrern 
- des Regierungs3bezirks Wiesbaden die Gründung eines Rektoren- 
verein8 angezeigt. Die Bekanntmachung aber erfolgt leider nicht, 
ohne dem „Volksſ<ullehrerverein“ in unwürdiger Form einen 
Seitenhied zu verſezen,? indein man ihn aufs neue als „Klaſſen- 
lehrerv erein“ bezeichnet. 
Daß wir in Wiesbaden keinen „Klaſſenlehrerverein", ſondern einen 
- „BVolksſ<hullehrervein“ gründeten, der die geſamte BVolksſchul- 
pädagogik und Volksſchulpolitik in ſein Programm aufnahm, haben wir 
ſchon in einer ganzen Anzahl von Flugſchriften mit aller. nur 
wünſchenswerten Deutlichkeit der Lehrerſchaft des FPegierungsbezirks 
verkündet. ' Wir hatten außerdem Herrn P. S<aefer-Cöln -nach 
Wiesbaden gebeten, der in plaſtiſcher Weiſe den intereſſierten Hörern 
den Gegenſatz zwiſchen Volksſchullehrerverein und Klaſſenlehrerverein 
herausarbeitete und zugleich zur Evidenz nachwies, daß die früheren 
Klaſſenlehrervereine am Niederrhein ſchon längſt ihr früheres enges 
Programm geſprengt und ſich zu idealzieligen Volksſchullehrervereinen 
entwickelt haben, die ihre Hauptaufgabe in der Erkämpfung 
der allgemeinen Volksſ<ule, in der Grziehung der 
Lehrer zu großzügig angelegten pädagogiſchen Pexr- 
fönlichkeiten und in dem Ausbau und der Bertiefung 
der Volksſchulpädagogik erkennen, während die Verteidigung 
unſeres Berufsgebietes gegen „fremde Gingriffe“ erſt an zweiter Stelle 
rangiert. Doch alle dieſe Maßnahmen blieben ohne Grfolg! Deshalb 
ſei nochmals feſtgeſtellt: Der neubegründete WiesSbadener Lehrerverein 
iſt kein Klaſſenlehrer- ſondern ein „Volksſc<hullehrerverein“. Das 
kommt zum Ausdruk: 1. in ſeinem Namen, denn er nennt ſich 
„Volksſchullehrerverein Wiesbaden und Umgebung“; 2. in ſeinem Statut, 
:-denn nach 8 1 ſeiner Saßungen will er „eine ausgeprägte Berufs- 
: organiſation ſein und pflegt daher mit bewußter Einſeitigkeit die be- 
- ſonderen Intereſſen der Volksſchule und des Volksſchullehrers“, und 
: endlich bezeugt dies 3. unſere, allen Intereſſenten offen . vox Augen 
- liegende JahreSarbeit. Wir behandelten an Themen: 1. Der 
- deutſ<e Volksſchullehrer und ſein Recht, 2. Die Verſuchsſchule, 3. Die 
-. Gehaltsfrage, 4. Die -ungeteilte Unterricht3zeit (in drei Referaten), 5. 
. Die Einheitsſchule mit beſonderer Berückſichtigung ihres Grundbaues 
. der Volksſchule, und endlic< 6. das Univerſitätsſtudium der Volksſchul- 
- . Lehrer. 
- en abgehen zwei Petitionen betreffend : „Die ungeteilte Unterrichts- 
- zeit“ und an den Magiſtrat ein Geſuch um „Ausbau der pädagogiſchen 
Abteilung der Landesbibliothek“, und Auslage der bedeutendſten pädago-- 
. giſchen und ſchulpolitiſchen Zeitſchriften daſelbſt, wobei wir gleichzeitig 
: 0 ELO der Lehrerbibliotheken in der Landesbibliothek in 
- Vorſchlag brachten. „Nur methodiſche Bücher, die dem täglichen Hand- 
Der Voiköſchnilehrer. 
Tode wiederholt revidiert und heruntergemacht worden ? 
An Eingaben an die Städtiſche Schuldeputation aber ließen . 
 
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gebrauch der Lehrer dienen, ſollen den einzelnen, Lehrerbibliotheken er- 
halten bleiben.“ =- Geht nicht aus allem hervor, daß unſer WieSbad ener 
Verein ein bis ins Mark hinein echter „Volksſchullehrerverein“ iſt, und 
daß wir all unſere Kräfte aufbieten, um die Volks8ſchule zu heben, in- 
dem wir uns ſelbſt in ernſter Selbſtzucht zu wiſſenſchaftlich und prak 
tiſ<; geſchulten Pädagogen ertüchtigen? Und die gleiche Tende . 
iſt auch in dem größeren „Deutſchen Volks8ſchullehrerverein"? 
lebendig. Ueberall hat man erkannt, daß wir einer individuellen 
Sc<hulgattung dienen und daß wir einen individuellen Stand 
darſtellen, woraus weiter folgt, daß wir auch einen individuellen 
Verein zur Vertretung uiſerer individuellen Beruf8- und 
StandesSintereſſen benötigen, und darum auch auf einen indi- 
viduellen Namen Anſpruch erheben müſſen. -- Wo ſind aber die 
Klaſſenlehrervereine geblieben? Nun, die exiſtieren nirgend3 
mehr realiter, ſondern nur noch als peinigende Gedanken in dem böſen 
Gewiſſen einiger Nektoren und in der Phantaſie unbelehrbarer 
Skribenten, die eben mit Gewalt aller Welt offenbaren 
wollen, daß ſie geiſtig abgewirtſchaftet haben. T. G. 
Bromberg. Da38 „Bromberger Syſtem“ wurde in der 
162. Sißung am 10. April d. J8. von dem Ageordneten Ernſt 
einer ſcharfen Kritik unterzogen ; der Redner führte aus : 
„3m Bezirk Poſen ſtehen Regierung und Lehrer auf durchaus 
gutem Fuß miteinander, nur ganz ausnahm8weiſe hört man eine 
Klage. Geradezu maſſenhaft ſind dagegen die Klagen aus dem 
Bezirk Bromberg. Es gibt keinen Regierungsbezirk im ganzen 
preußiſchen Staat, aus dem ſo viele Klagen laut werden, wie aus 
dem Bezirk Bromberg. Da muß man do<h fragen: woher 
fommt das? J< habe im vorigen Jahre darauf aufmerkſam 
gemacht, daß die Lehrer im Regierung38bezirk Bromberg von dem 
Geheimen Regierung3- und Schulrat Dr. Waſ<how 
vielfa;) unwürdig behandelt würden. Der Herr Miniſter trat 
meiner Auffaſſung entgegen. Nun iſt es gewiß nicht bloß das 
Re Ht, fondern auch die Pflicht des Herrn Miniſters, ſeine Be- 
amten in Schuß zu nehmen, aber doh nur bis zu einem gewiſſen 
Grade. Wenn der Herr Miniſter eine Vorſtellung hätte von der 
Berbitterung, die gegen den Herrn Geheimrat Dr. Waſc<how herrſcht, 
dann würde er, glaube ich, ihn nicht mehr in Schutz nehmen. Ich 
habe eine große Menge Zuſchriften bekommen, in denen jüngere und 
ältere Lehrer in dem Aufſichtsbezirk des Geheimrat8 Dr. Waſchow 
agen, daß fie wie Sklaven behandelt werden, daß ſie bei Nevi- 
ſionen vor den Schulkindern heruntergemacht. (hört, hört! link38) und 
wegwerfend, ſogar mit Hohn und Spott behandelt werden (hört, 
hört! linfs), daß der Reviſor häufig ohne Gruß in die Klaſſen 
fommt und auc< ohne Gruß davongeht, daß er die Lehrer, wenn 
ſie perſönlich e Wünſche vorbringen, anfährt und ſie mit Worten 
hinauswirft, daß er ſie als tief, tief unter ihm ſtehend betrachtet 
und daß es Ordnungsſtrafen regnet. (Hört, hört! links.) Meine 
Herren, der Herr Miniſter hat im vorigen Jahre hier erklärt, daß 
die Lehrer ſelbſtredend das volle Anre<ht darauf hätten, gerecht 
und wie andere ehrliche Menſc<en behandelt zu werden. Da8 hat 
aber auf den Bromberger Herrn anſcheinend gar keinen EGin- 
dru> gemadht, es iſt im Gegenteil noch ſchlimmer geworden. Das3 
ſogenannte „Bromberger Syſtem“, wie es die Lehrer nennen, 
iſt noh weiter zur Ausbildung gekommen. Die ſchroffe Behandlung, 
die ſich anſcheinend au< einige Kreisſchulinſpektoren angewöhnt 
haben, hat ſchließlich zu einer Kataſtrop he geführt. Im vorigen 
Herbſt hat ſich ein junger Lehrer Köppen, der die fortwährende 
Sduhriegelung nicht mehr aushalten konnte, aus Berzweiflung 
erſchoſſen. (Hört, hört! bei der fortſchrittlichen Volks8partei.) Im 
Miniſterium iſt der Fall bekannt. Es wird nun behauptet, Köppen 
habe an Berfolgungswahnſinn gelitten. Gin Arzt ſoll das beſcheinigt 
haben. JI< möchte aber fragen: Wenn das der-Fall wäre, warum 
iſt Köppen dann. noM in den letzten Wochen- vox: ſeinem 
| | Warum 
iſt ihm aufgetragen worden, eine Religionslektion in einer Konferenz 
zu halten ? Warum. iſt er nac< dieſer Lektion vor verſammeltem 
Publikum -- es ſind auc< Geiſtliche zugegen geweſen -- herunter- 
gema<ßt worden ? Wenn Köppen wahnſinnig geweſen, wäre da8 
Verhalten des betreffenden Kreisſc<ulinſpektors erſt recht nicht zu 
verſtehen; (ſehr wahr! bei der fortſchrittlichen Volk8partei.) dann 
mußte er ſchon längſt den Antrag geſtellt haben, den Lehrer zu be- 
urlauben oder zu penſionieren. Weiter frage ich: Wann iſt das 
Atteſt, daß Köppen an Verfolgungswahnſinn gelitten, ausgeſtellt 
worden? Bor dem Selbſtmord ? Dann. müßte -doH- darauf Rüc- 
ſit genommen worden ſein. Nachher? Dann. hät es abſolut 
 
 
 
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5: 

	        

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