Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

Nr. 2 
Der Volksſc<nllehrer. 
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gehobenen Volksſchulklaſſen, weil er nicht geeignet war, das Rückgrat 
unſerer Volksſ<ulen zu ſ<wächen. Aber dieſe Vorlage iſt damals 
nicht zuſtande gekommen, allerdings auf Betreiben von Hexren, die 
außerhalb dieſes Hauſes ſtanden.. (Hört, hört!) 
in der Geſtalt, wie ſie die Regierung wünſcht, bekämpfen wir, ſind 
aber als Minorität der Meinung, daß wir nicht in der Lage ſind, 
die Mittelſ<hule fern zu halten. Sie wird kommen, ſpeziell nach 
dem die8bezüglichen Miniſterialerlaß, und es iſt daher zwe>mäßig, 
uns an der Ausgeſtaltung der Schule zu beteiligen. Wir ſind bereit, 
an ihr mitzuwirken, wenn, wie. die Borlage beſagt, die tunlichſte 
Berückſichtigung der konfeſſionellen Verhältnifſe nicht ein leeres Wort 
bleibt, ſondern wenn tatſächlich je ein Cötus nach der Konfeſſion der 
Schule eingerichtet wird, ſobald die Schülerzahl dazu auSsreicht. 
Unter dieſer Zuſage ſind wir bereit, für die Vorlage des Magiſtrats 
zu ſtimmen. -- - . 
E32 iſt ſonſt doc< nicht Gewohnheit der Zentrumspartei, Dinge, 
die im Widerſpruch mit ihren Prinzipien ſtehen, de8halb mitzumachen, 
weil man ſich in der Minorität befinde. Daß eine Partei, die auf 
ihren Charakter als BVolkspartei den größten Wert legt, wenn auch 
unter verlegenem Drehen und Winden, zum Nachteil der Volksſchule-. 
für eine ehte Standesſ<ule eintritt, iſt ein kraſſer Widerſpruch, 
der durd) keinerlei RedensSarten verde>t werden kann. 
Heſſen-Naſſan. Kaſſel. Der bisöherige Hauptlehrer Hagen an 
der ſtädtiſchen Hilfsſchule iſt zum Rektor ernannt worden, ohne 
Mittelſ<hul- und Reltorenexamen abgelegt zu haben. Alſo geht es 
au<h. ſv. Die Herren im Rektorenverein haben wieder einen neuen 
Fall, um ihre Statiſtik zu vervollſtändigen, die ſie laut Hinweis in 
der „Schulpflege“: Nr. 2 d. J. 1911, mit der Bitte um Abhilfe dem 
Miniſterium vorlegen wollen. „Das Anſehen des Rektorats“ hat die 
Königliche Negierung. wieder „empfindlich geſ<äudigt“. Siehe Seite 
'27! Jdeen, Forderungen uſw. Dieſelbe Nachricht erhalten wir 
auc< aus Deſtrich; ſie lautet: Der auf dem Gebiete des 
Handfertigkeitsunterricht8 rühmlichſt bekannte Lehrer Zipp, hier-- 
ſelbſt, iſt yon der Königlichen Regierung zu Arnsberg ohne Ab- 
legung der erforderlichen Prüfungen zum Rektor der hieſigen evange- 
liſ<Men Schule ernannt worden. . 
Neukölln, „E35 iſt erreicht!“ Unter den hieſigen Lehrern 
herrſcht heller Jubel über eine neue Erfindung bezüglich der Führung 
Der Abſentenliſten, die ganz dazu angetan erſcheint, das Schulweſen 
Des ehemaligen Rixdorf auf eine des neuen Namens würdige Höhe 
zu heben und in den Annalen der Neugetauften eine nog) nac< Jahr- 
hunderten. angeſtaunte Narität zu bilden. Nach einer Verordnung 
Der beiden Schulinſpektoren ſind nämlich bei den 'Eintragungen in 
die Klaſſenliſte in bezug auf die entſ<uldigten Verſäumniſſe 
folgende 12 Fälle auseinanderzuhalten und mit vorgeſchriebenen 
Zeichen zu verſehen: 
. Verſäumnis am Vormittag, 
. Verſäumnis am Nachmittag, - 
. Verſäumnis am Vormittag und Nachmittag, 
. Iſt der Schüler am Vormittag wegen Kranfheit entſchuldigt, 
. Iſt der Schüler am Nachmittage krank geweſen, 
Iſt er Vormittags und Nachmittags krank geweſen, 
Tft er auf Bitte der Eltern am Vormittage beurlaubt, 
Iſt er auf Bitte der Eltern am Nachmittage beurlaubt, 
. Iſt er den ganzen Tag beurlaubt, | 
. Iſt er vachträglich ſür den Vormittag entſ<uldigt, 
. Iſt er nachträglich für den Nachmittag entſ<uldigt, . 
12. Iſt er nachträglich für Vor- und Nac<hmittag entſc<uldigt. 
Als unterſcheidende Merkmale für dieſe 12 Fälle ſind. folgende 
12 Zeichen feſigeſeßt : Senkrechter Strich, wagerechter Strich, Kreuz ; 
ſtehendes, Liegendes, quer dur<ſtrichenes großes lateiniſches K; 
ſtehendes, liegendes, quer durchſtrichenes großes lateiniſches B; 
ſtehendes, liegendes, quer durchſtrichenes großes lateiniſches EG. 
Damit iſt, wie männiglich ſehen kann, die ganze Aufgabe der 
korrekten Bezeichnung der Verſäumniſſe noch lange nicht gelöſt ; es 
fehlt noc< das weitſchichtige Gebiet dex unentſ<uldvdigten oder 
nicht genügend entſ<uldigten Verſäumniſſe. Aber wir ver- 
ſtehen es, daß die 'ganze „Materie“ nicht in einem Anlauf bewältigt 
werden konnte. Dod „auf wiederholte Streiche fällt auh die di>ſte 
Ciche“. Möge dieſer Spruch ſi? au<ß bei den Neuköllner Abſenten- 
liſten bewahrheiten. - -- 
| eme . 
ODODPRIDMBERD> 
rund 
Joar 
Wir bedauern ja die beiden Inſpektoren ob der aufgewandten 
und nod) aufzuwendenden Mühe, und wir möchten ihnen faſt zurufen : 
- „VYaßt, Vater, genug ſein das grauſame Spiel!" | 
Doh das Wort erſtirbt uns im Munde, da wir bedenken, daß große 
Fortſchritte immer nur die Frucht großer Anſtrengungen ſind. 
Die „Päd. Zeitung“ (Nr. 50 vom 12. Dezember 1912) iſt ver- 
ſto>t genug, die Bedeutung der „Reform“ nicht einſehen zu wollen; 
ſie ſchreibt: 
„Aid ſonſt paſſiert in Rixdorf -- von Neukölln kann man in 
dieſem Zuſammenhange wohl nicht gut reden -- manc<es, was dem: 
nächſt einer Grörterung in der Preſſe bedarf. 
Die Mittelſchulen“ 
Es ſcheint nämlich, | 
als ob andere Dinge, die ſc<ließlih au< eine gewiſſe Bedeutung . 
haben (Grhaltung der Lehrerautorität, Ahtung vor der Perſönlich- 7 
keit, Stärkung der Berufsfreudigkeit uſw.) nicht immer mit derſelben “ 
Hingebung gefördert werden, die dieſe Liſtenſahe erkennen läßt.“ 
Wir. können ihr ſelbſtverſtändlich nicht zuſtimmen und laſſen . 
uns von der ebenſo einfachen als bedeutſamen Wahrheit leiten, daß - 
kann dann unmöglich etwas taugen. 
 
das Notwendigſte zuerſt geſchehen muß. Iſt erſt die ſchwierige 
Grage der Bezeihnung der entſ<uldigten, unentſ<huldigten, nicht 
genügend entſ<huldigten und etwaigen ſonſtigen entweder ſchon vor- 
gefommenen oder doch denkbaren Verſäumniſſe und aller damit zu- 
ſammenhängenden möglichen Fälle und Umſtände befriedigend 
: gelöſt, ſo wird ſic für die von der „Päd. Zeitung“ in den Vorder- 
grund geſchobenen „Bagatellen“ = wie ein rheiniſcher Schulrat ſagt 
=- ſc<on no< früh genug Zeit und Gelegenheit finden. 
Bromberg. Ueber da3 „Bromberger Syſtem“ finden 
wir einen ſchönen Artikel in der „Leipziger Lehrerzeitung“" (Nr. 11 
vom 18. Dezember 1912). Er lautet: 
„Es iſt dieſes Syſtem nicht nur in und um Bromberg, e8 iſt auch 
' anderwärts in Deutſchland zu finden, nur iſt es in Bromberg bis 
zu einer gewiſſen Vollendung gediehen. E38 wird bei den Reviſionen 
nicht gefragt, was leiſten die Kinder, ſondern die Frage lautet: 
„Wie haben Sie es gemacht?“ Webe, wenn die Methode des ge- 
ſtrengen Herrn Schulrates nicht angewendet wurde -- die Schule 
Aber der geſtrenge Herr Schul- 
rat hat es au: dadin gebracht, eine Schule unter Umſtänden zu 
revidieren, ohne daß er den Wagen zu verlaſſen brau<ßt. So mußte 
eine Lehrerin nach Mitteilung der Poſener Lehrerzeitung an den 
Wagenſc<lag kommen, „wo ſie examiniert wurde, wie ſie die Zahl 
„nf“ im Rechenunterricht einführen würde. Nachdem ſie noh ver- 
ſchiedene andere Fragen beantwortet hatte, fuhr der Geheimrat 
weiter. Die Schule war revidiert.“ Ein um ſeine Verſezung bitten- 
Der Lehrer wurde angefahren : „Machen Sie ſchleunigſt, daß Sie nac 
Hauſe kommen ; kommen Sie nicht wegen ſol<er Lappalien hierher !“ 
Im Sinne und Geiſte des Herrn Geh. Regierung8- und Sculrates 
werden au< die Reviſionen dur<g den Kreisſchulinſpektor, einen 
ehemaligen evangeliſchen Pfarrer, ausgeführt. „Alle Kinder ſollen 
gleichmäßig gefördert ſein (Ob er wohl als Pfarrer ſeine Schäflein 
auß alle zu gleichguten und gleichfrommen Menſchen erzogen hat? 
. D. V.) Die Bromberger Fibel muß in einem Jahr durchgearbeitet 
werden, ſonſt iſt der Lehrer ein Faullenzer und Strafe trifft ihm. 
Die Wongrowitzer Methode muß gebraucht werden (es gibt ſchon 
no<4 Methoden, von denen ſic die Schulweisheit der Lehrer außer- 
' halb des Bromberger Bezirks nichts träumen läßt! D. V.), ſonſt iſt 
die ganze Arbeit nichts wert." Kleinigkeiten werden zur Hauptſache 
gemacht, und wenn der Lehrer ſich den Anordnungen nicht fügen 
kann oder will, dann regnet es Reviſionen. So ging e3 einem jungen 
Lehrer in Croſſen, Regierungsbezirk Bromberg. In der letzten Zeit 
wurde er 2--3 mal wödentlic< revidiert. Ein un3 bekannter, aber 
- längſt verſtorbener Lehrer, dem es ähnlich erging und der der Ber-. 
zweiflung nahe war, ſagte zu ſeinem Direktor, al3 dieſer wochenlang 
: bei ihm hoſpitiert hatte: „Wenn die Reviſionen nicht aufhören, paſſiert 
ein Unglüd !“ Und ſiehe da, er war ſeinen Quälgeiſt lo8. Der junge 
Kollege fand denſelben Aus8weg, aber er ſagte nichts und erſchoß ſich, 
„weil er die Behandlung . . . . nicht länger ertragen konnte“. Das 
Bromberger Syſtem und die Wongrowitzer Methode haben geſiegt. 
Die Poſener Lehrerzeitung teilt noh einen zweiten Fall mit. Danach 
iſt der Lehrer Matſc<ke aus Drac<owo b. Gneſen ſpurlos verſchwunden. 
Sine kitrzlich ſtattgefundene Hauptreviſion fiel für ihn ungünſtig 
aus. In einem Brief an ſeine Eltern ſoll er ſein Verſchwinden mit 
ungenügenden Exfolgen in der Schularbeit begründet haben. Im 
Landtag hat der Abg. Grnſt bereits auf die Verhältniſſe in Brom- 
berg warnend hingewieſen, wie man ſieht -- ohne Erfolg. Die 
Lehrer können den Bromberger Bezirk nicht verlaſſen, da ihnen durch 
Beſc<hänkung ihrer Freizügigkeit die Möglichkeit genommen iſt, ſich 
anderwärts eine Anſtellung zu ſuchen. " .. 
- Bayern. Vom Inſpizieren. Die Schule des Kollegen X- 
in 2). wurde im Vorjahre nicht öfter als 37 mal dur< den Lokal- 
ſhulinſpektor viſitiert. Dabei betrat der geiſtliche Herr jede8mal das 
Schulzimmer ohne anzuklopfen und ſtöberte während der Schulzeit 
alles dur<, ſo daß der Unterricht dadurc< empfindlich geſtört wurde. 
Das wurde dem Kollegen X. ſ<ließlic) do<F zu bunt und er legte 
deSwegen bei der zuſtändigen KreiSregierung Beſchwerde ein. Dazu 
hatte ſich der Herr Lokalſ<hulinſpektor geäußert, daß er es ſich zum 
Grundſatz gemacht habe, jede der ihm unterſtellten Werktagsſchulen 
monatJic) zweimal zu „viſitieren“. Die Kgl. Kreisregierung entſchied. 
im weſentlichen wie folgt: Gemäß Ziffer 8 Abſ. 1 dex Bekanntmachung. 
des Staatsmin. des Innern f. K. und Sch.-Angel. vom 26.. Okt. 1911 
ſeien Viſitationen und Priüfungen von den K. Diſtriktſc<hulinſpek- 
toren abzuhalten. Den K. Lo kalſchulinſpektoren ſtehe die Ueber- 
wachung des Unterrichts, der Einhaltung des Lehrplan8, der Unter- 
LichtSzeit und der Stundenordnung, ferner der Führung de8 Schul-- 
tagebuches, der Schulverſäumnisliften, der Zenſurliſten uſw. zu. Zu 
dieſem Zwecke könne der K. Lokalſchulinſpektor Schulbeſuche vor- 
nehmen, die entweder mit dem regelmäßig zu erteilenden Religion8- 
unterricht zu verbinden oder auc<; zu anderen Zeiten auszuführen 
ſeien. Dabei ſei aber auch ein Uebermaß von Sc<ulbeſuchen, das 
zur Störung des Lehrers wie des Unterricht3 führen müßte, zu ver- 
meiden. ES ſei bei den Schulbeſuchen zu berückſichtigen, daß die 
Aufmerkſamkeit der Kinder ſehr leicht abgelenkt werde und daß es 
das Anſehen eines Lehrers und die Erziehung der Kinder ſchädige, 
wenn Üblic<e Formen der Höflichkeit, wie z. B. das Anklopfen. an 
der Schultüre vor dem Eintritt ins Schulzimmer, unterlaſſen würden. 
Die Beſichtigung des Schulſhrankes werde, ſoweit ſie überhaupt 
notwendig ſei, während der Unterricht8pauſen oder nach Schluß des
	        

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