Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

403 
eins und ſeine Taten haben die Gründung des Deuts-- 
ſhen Volksſ<ullehrervereins herbeigeführt. Tauſende 
preußiſcher Lehrer haben dem Preußiſchen Rektorenver- 
ein jede DafeinsSberechtigung abgeſprochen und ſprechen 
ſie ihm auch heute noch 'ab, weil der Verein bie: Lehrer- 
Ihaft der VWolfsſchule anSeinanderreißt. Wenn uun ein 
jv hoher Vorgeſetzter der Volksſchuftlehrerx dem Preußi- 
ſchen Rektorenverein die DaſeinsSberechtigung zuerfennt, 
jo reſultiert hieraus zugleich: die Berechtigung der 
Exiſtenz de5s Deutſchen Volksſchullehrerverceins; denn es 
iſt doch flar, daß der, der für den einen Teil der Leh- 
rerſchaft die Daſeins8berechtigung des Preußiſchen Rek- 
torenvereins anerfennt, gerechterweiſe für den anderen 
Teil der Lehrerſchaft dieſelbe Daſeinsberehtigung des 
Deutſchen Volks8ſc<hullehrervereins zugeben muß. 
Der Hexr Oberregierungsrat S < öppa ſpricht ſodann 
vom „Stans“ der Rektoren. Wenn die Rektoren |o 
reden, ſo iſt das erklärlich und verſtändlich, und wir 
ſind dieſe rektorliche Darſtellung gewöhnt. Aber aus ver 
Erziehungs- und Unterrichtstätigkeit, die bei Lehrern 11. 
Rektoren vvlilſtändig gleichartig iſt und in exſter Linie 
dem Stande das Gepräge gibt, geht unzweideutig bhexr= 
vor, daß die Rektoren in erſter Linie Lehrex find. Auf 
dieſe Tatſache haben ſic< die Abgeordneten 1. die Staais= 
hebörde Loſonnen, als ſie. den Rektoren im letzten Be= 
ſoldungsgeſetz dasſelbe Grundgehalt wie den Lehrern 
gaben; es fam hierdurc< in feinſinniger Weiſe klar und 
beſtimmt zum AusSdru>, daß die Rektoren in criter Li- 
nie Lehrer ſeien und ſein ſollen. So ſtempelt alſo nicht 
pur naturgemäß das Erziceher= u. UnterrichtsS- 
amt ſondern auch die Geſetzgebung den Rektor zum 
Lohrer. Und wenn das Lehramt und mit ihm der 
Rame „Lehrer“ für den Rektor eine Unehre iſt, ſo trete 
er doch aus dieſem Amte Leſſer vollſtändig aus umd wer= 
de ein „N u x - Aufſichtsbeamter“. So lange die Rektoren 
aber im Lehramt ſind, ſind ſic auch Lehrer, wenn ſie ſich 
auch noch ſv ſehr dagegen ſträuben und ſic forwährend 
bemühen, ihr Nebenamt als Hauptami hinzuſtei- 
len. E8 muß aber die preußiſchen Lehrer fehr befrxemden, - 
wenn Herr Geheimer Oberegierungsrat Shöppo bei 
den Rektoren das Nebenamt als Hauptamt au- 
ficht, indem ex ſie zu einem anderen „Sta 196“ madt. 
Der Herr Geheime Regierungsrat ſpricht in ſeiner 
Rede von Sc<hulverhältniſſen, wo es gilt, „gemeinſam zu 
überlegen, gemeinſam zu beraten“. Wir Volf3ſ<ullehrer 
ſind der Meinung, daß bei dieſem gemeinjfamen Ueber-= 
legen und gemeinſamen Beraten für die Schule die Leh- 
rer dabei ſein müſſen. Die Verhältniſſe an einer Schule 
mögen liegen, wie ſie wollen, ſo muß das Auge ver Leh= 
rer ſehen und ihr Ohr hören dürfen, was zum Woble 
der Schnie gemeinſam überlegt und beraten werden fell. 
Uns fobals es ſi< um etwas handelt, was die Lehrer nicht 
ſehen oder nicht hören ſollen oder dürfen, vann iſt man 
da angelangt, wo des Rektors Rechte im Intereſſe des 
Friedens am Schulſyſtem und im Intereſſe des ganzen 
Wohles8 der Schule aufhören müſſen; das ſind dann 
Dinge, die vom Kreisſ<ulinſpektor zu erledigen 
ſind. Hat der Rektor aber trotdem ſolc<e Rechte, damn 
hat er eine Macht, die die Quelle unſäglichen Leidens für 
die Schule iſt. Der heutige Rektor hat ſol<e Macht, und 
die Geſchichte des heutigen Rektorats hat den Beweis 
erbracht, wa3 mit dieſer Rektorenmacht cinexſoits für 
die Rektoren nnd andererſeits für die Schulz und ihre 
Lehrer herauskommt. ES iſt alſo höchſt bedauerlich, daß 
der Rektor „ſeine Angelegenheiten“, „ſeine? Pflichten“ 
und „ſeine Rechte“ hät. Das Unheil, das dieſc Sonder-' 
intereſſen der Rektoren über die Schulen und den Lehrer- 
ſtand gebracht baben und noh. bringen, zeigt ſich überall, 
und wir wundern uns nur, 'daß der Scheime Ober- 
nenen 
regierungsrat dieſe . traurigen Erfoige des 
„Standes“ der Rektoren anſ<hcinend micht kennt oder, 
nicht an ſie denkt. = SEEN 
Der Volksöſchullehrer. 
- gewollter Ordnung ein Eigentumsrect, 
 
Nr. 26 
 
Und wo erſt ſind die Rektoren, „die dur< die Macht 
ihres Geiſtes alle die einzelnen Glieder zu durc<dringen“ 
vermögen? Iſt denn die Elite dieſer Leute nicht im 
.Preißiſchen Rektorenverein geeint und läßt ihr Geiſtes- 
brünnlein iu der „Schulpflege“ fließen? Und was cx-= 
[eben wir dai ? . 
Inu der Rheiniſchen Verlagsanſtalt in Godesberg iſt 
eine Broſchüre erſchienen, die demnächſt in zweiter Auf- 
lage und zeitgemäßer BVervollſtändigung die Preſſe ver- 
„Iaſſen wird. Sie führt den Titel: „Jdeen, Foyrderun- 
gen und Kampfesweiſe der Rektoren und 
ihres Organs. In dieſem Quellenabdruck kann der 
Hexr Geheime Oberregierungsrat S<5öppa „die Macht 
des Geiſtes“ und die „tüchtige, beſonnene Perſönlichkeit“ 
der Eliic der Rektoren, der Rektoren vom Preußiſchen 
Refivrenvereitt Und der „Schulpflege“, erkennen, und 
wix empfehlen ihm das Studium der Schrift aufs ange- 
legentlichſte. | Ie m 
Der Herr Geheimrat S< öppa zitierte auch das Wort 
Homer8: Ein Hexxſc<er ſoll ſein, ein König allein! Wir 
unterſchreiben dieſes Wort voll und ganz, denn es iſt 
richtig, daß cs ſich in Tauſenden von Jahren bewährt 
haf, und -- wir fügen hinzu = es wird fich auch in der 
Zukunft bewähren. Aus dem ganzen Zuſammenhang 
der Redo des Hrn. Geheimrats S<5öppa geht aber her- 
- vp, 
den NReftoren 
daß er dieſes erwähnte Königtum in der Schuice 
zuerfennt. Gegen eine ſolche Aus5- 
legung de3 Homerſchen Wortes müſſen aber die Lehrer 
Verwahrung einlegen. „Ein Hexrxſcher ſoll ſein, ein Kö- 
nig ollein!“ auc< in der Schnle? Ganz gewiß! Nber 
dieſes Königtum gehört dem Lehrer. Der Lehrer iit 
der Erzieher des Kindes, und als ſolcher der Stellver- 
zveier der Eltexn. Daher iſt es naturgemäß, daß ex in 
voller Antorität vor den ihm anvertrauten Kindern fteht. 
Ex hat auf die volle Autorität vor den Kindern nach gyti= 
das ihm nie= 
mand nehmen darf. Ju dieſer Ordnung licgt es tief be-= 
gründet, daß das Kind die Antorität ſeines Lehrers mit 
Naturnuvptwendigfeit anerfennt, und daher ſchenkt das 
Find ſeinem Lehrer auc< bedingungslos vollſtes Ber- 
trauen. Wyo aber dem Kinde die Anſchaunn3 beigebracht 
worden iſt, daß der Rektor der König der Schule iſt, 
und daß der Lehrer einer Veberwac<hnng durc< den 
Rektor bedarf, da iſt der Fels der Autorität geborften, 
und damit iſt dem Lehrex ſein Küönigreie) genommen; 
Zweifel und Mißtranen gegenüber dem Lehrer ziehen 
in die Secle des Kindes ein, und die erſte u1wd notwen 
digſte Vorbedingung zu einer vollen, erſprießlichen Exr- 
ziehertätigkeit iſt dahin. Wie der Herr Geheime Ober= 
regiexungsrat Shöppa dieſe Grundwahrheiten unbe= 
achtet laſſen umd einem Königtum der Rektyren 
das Work xeden kann, iſt nicht zu verſtehen. Wird der 
Rektor zum König der Schule, ſo hat der legitime Herr- 
ſc<er einem Pfeudvofönig den Platz überlaſſen mit!= 
ſen. Damn braucht man ſich aber auch nicht zu verwun- 
dern, wenn gerade an Schulen, über die fo ein Rektor- 
könig ſeine Herrſchaft ausübt, das Bertrauen zum Leh= 
vor, feine Wertſhäzung und die Hochachtung jeinex A11- 
torität dahin iſt; dahin iſt aker auch der Erfolg ſeiner 
Erziehertätigkeit. Der geniale König Friedrich der Große 
hat die Autorität des Lehrers in Ancerfeunniung der Be- 
[leu 
'denimnug derſelben beſſer zu wahren gewußt. Als feinen, 
verſtändniöSvollen Kenner des kindlichen Scelenlebens 
ſchildert Guſtav Pfarrius den königlichen Schutherrn 
der Lehrerautpbrität mit folgenden Worten: 
Einſtmalen zerbrach dem alten Friß 
In einem Dorfe der Wagenſit, 
Und- während daran man reporierte, 
Der König dic Schule viſitierte. 
. Nnd fiehe, da ging's im beſten Trab: 
Nux eines ihm großen Anſtoß gab. 
Hindux<. den ganzen Prüfungsverlauf
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.