Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

Nr. 26 
 
Der Volksſchullehrer. 
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Behielt ſeinen Hut der Schnlmeiſter auf. 
Der König 3Zo0F zur Seite den Mamu 
Uno hob zu ihm alſo zu ſprechen au: 
: Sein Uriterricht und MethosF' iſt gut, 
Doch j<;lec<ht erbaut mich, daß ex den Hütt 
Vor mir, ſeinem König, nicht abgenommen; 
Sv arvos iſt mir keiner vorgefommen! 
Es war am Schulmeiſter jeht das Wort; 
Der Hlinzeite nach den Knaben [infs, 
Die ſtumm da harrten ſeines Winks, 
Und flüſterte leis: Wenn dieſe dort 
Gewahrten, daß auf Erden hier 
E35 einen gäbe, der über mir, 
Majeſtät, wo: ſollt ich hingeraten, 
Wollt* händigen ich die Teufelsbrate11! 
Da wiederum ſprach der König: Mach 
Ex's denn. 1v fort, er verſteht ſein 57a<! 
MaI die Hiſtorie verbürgt ſein oder nicht, ſic erläu- 
tert jedemſalls recht draſtiſc< die unumſtößiiche Wahrheit, 
daß an der Autorität der Lehrer nicht gerütivit werder 
darf, | 
"Was iſt nun der Erfolg der Worte des Geheimen 
Oberregierunagsrats8 Schöppa an Bie verfſammelicit 
Rektoren? Wsobhin die Kunde von ſeiner Rede HiS jectt 
gedriüngen iſt, da warde in den Herzen der Volksſ<hul- 
ſchrer Entrüſtung ausgelböſt, und Berbitternng zog eiii; 
und: die Lehrer müßten keine Menſc<en fein, wenn ſol- 
<er Seelenzuſtand bri ihnen nicht ſeine Schatien wiäixfe 
auf ihre geſamte Schultätigkecit und auf das Wertrauen 
zur Behörde. Für ſolchen Erfolg, den die Geringſchätzung 
der Lehrermitorität dur< einen ſo hohen Beamten des 
KultuSminiſtexiums bei den Bvylfsſchullehrern hbervor- 
rufen muß, maa Herr Sßböppa min auch die Werant=- 
wortung überkehmen, auch dann, wenn er nicht beayd- 
ſichtigt hat, dieſen Erfolg herbeizuführen. 
"Wir haben ſc<on ſv vft. unſere Stellung zum Fortfall 
ver Ortsſ<rlaufficht ausgeſprochen mud begrifne- 
det. Und wenmni wirklich eine Ortsanfſicht für den Lehrer 
heute nvc< nviwendig wärc, ſv dürfte ſie, =- gerade mit 
Rückſicht auf ven Schuß der Autorität dos Lehrers --, 
nie und Pmnrer von einem Manne attSgeiibt werden, 
der mit ven Lehrern in: der gleichartigon Arbeit der 
Sechnle ſteht. Dice Ortsaufſi<ht aber iſt überghanpt voll- 
ſtändig überfiüſſig; die Schulleitung genügt. 
Zum Schnte: der Antorität und ganz beiondors zim 
Schutßte der heute ſv ſchwer angegriffenen Lehrerautori- 
tät, baken fich die Bolkfsſchullehrer im „Deutſchen Wvolfs- 
Ichillebhrerverein“ zuſammengeſ<art. Sie wachen. ihr 
zZaxonrecht auf die volle Antvorität geltond, wus ſic 
werden und fönunen nicht aufhören zu arbeiten, bis 
ihnen dieſes hehre Gut wiedergegeben iſt. Lelzten Gudes 
hat: niemand einen größeren BWorteil vvn der volifom- 
men gewahrten Lehrerantorität als der Stant ſeibſt. 
Die Quelle. 
Der neneſte Mann, das neneſte Schlaqwvrt iſt dai, der 
Hexr Prvrettvr hat ſeinen Einzug gehalten. Wiel- 
fältig: iſt i<Mom ſeinem Erſcheinen Beachtuing geichenft 
worden. Abhondlungen. verſchiedenſter Art zeigen in 
den Schnlblättern umd Zeitſchriften die Auſchaimnmgen 
jener Kreiſe, welche biSher peinlichz=ängſtlich eine grund= 
ſätzliche Stellungnahme ſelbſt zu den wichtigſten Lehrerx- 
ſtandesfragen vermieden haben. Num, da für viele J1u- 
t2roſſenten an den Lehrerbildungsanſtalten eine ucene 
Grundlage zu Befürchtungen, ein wener Anſtoß zu Möge- 
lichfeiten gegeben iſt, treten auc die bisher Unſichtbaren 
auf deit Plan. Jetzt werden. Lehrexpreſſe und Lehrer- 
vereine aufgerufen, um bedrohte Ansſichten ſhlßen zu 
helfen. Klagen ertönen, Betrübnis zeigt fich. Wie fein 
[oſo5 Sonderftreben, weitgehendſte Eigenbrüßdelei. 
fJollten wir lernen, 
 
anderer ſchoint mir: daher der ſeßige Zeitpunkt zu einer 
firzen Seminarbetrachtung geeignet. - | 
I<) gebe gerne zu, daß dies ein heikles Thema, iſt; 
jedenfalls cine Frage, welche fich kamm mit wenig Worten 
erſchöpfen läßt. Bisher galt es als ſelhſtverſtändlid), 
daß das Semiiiar in ſeiner, Iic< möchte jagen Weltver- 
geſſenen Rube nicht geſtört wurde. Einſam zog es ſeine 
Kreiie. Wehe demjenigen, der dort etwas Borbeſſerungs- 
bedürftiges erblickt hätte. Sofort und mehr venn ei1u- 
mal wurde bei ſolchen gut gemeinten Hinweijen jeglicher 
Mangel, jegliches Necht der Kritif entſchieben beſtritten; 
ſofort extünte von hoher Warte das gewichtige Wort von 
dem Bogel ver ſein eignes Neſt beſchmutzt. Aber ſelbſt 
auf dieſc Gefahr hin will ich einmal den Finger auf die 
wirde Stelle legen, ganz objcftiv der Sache nähertreten. 
(Geviß, ic will nicht behaupten, daß in der heutigein 
Lehrerſtandsömiſere gerade das Seminar die Wurzel 
alles Nebeis ſei; aber es läßt ſich nicht verfennen, daß 
ein grter Teil der Lehrergeringſchäßung ſeinen Grund 
und Ansgönagspunft eben im Seminar hat. Jeßkt, da es 
am eigitenr Kittel brennt, da heißt die Lehrexrichafi „gut 
Freund“ -- obwohl -- „ſo habt ihr mich lange nicht mehr 
„genannt“. 
Der Findamentalſas alles Lehrerlebens ſcheint S e- 
paration zu ſein; Abſchluß gegen ander?2, rückſichis- 
Dice 
einheitlichen Intereſſen und Kräfte werden mur vaun 
aufgernfen, wenn die Felle heillofſeſter Selbſtifnc<t fortz3u- 
fhwinmmet drohen. Wann hören wir ſolches von ande- 
ren Berufsſtängen? Unter den Afademifern, den OÖber- 
lehrern uſw. bherrſ<t einheitliches Zuſammenwirten, 
nnd alles Sireben geht in Ruhe und Stille, ohne Auf= 
ſtüberiung der Oeffentlichfeit, ohne Verunglimpfung verz 
wandter Gruppen und Kräfte, doch unter nachsriü>limer 
Benubßung wmaßgebender Kreiſe ſeinen Weg. Davon 
ſollten jedp<h mit der Ansöryottung 
b8cs Hebels bei der Wurzel beginnen. Ja, bei der Wur- 
36! = Der Gymuaſiaſt findet leiht Anſchiuß an ſeinen 
Lehrer auch anßerhalb der Schutſtube. In deu Fericn- 
zirfeln dex Gymnaſiallehrer und anderer Akademiker, 
in iragenöwcelchen beſonderen Vereinigungen iſt er ein 
geri geſehener Gaſt, der ſi< dur< dieſen Werfehr Weli- 
gewandtheit, aefellſchaftlichen Schliff und wancherſei c>"= 
dere Borteile erwerben kann. Bezieht ex als junger 
Student die Pmniverſität, ſo wird ex ohne weiteres «ls 
vazugehörig, als gleichſtehend beachtet und gewertet; cr 
fam ja vasſelbe werden wis ſein Lehrer. Derartige 
Einſchäßnnpg aber ſtärkt das Rückgrat, macht den jungen 
Menſchen frei und ſelbſtändig. Ja, ſelbſt während der 
Schulzeit ſindet man nicht ſelten den Gymnaſiaſten umd 
den Gynmiaſiallechrer in gemeinſchaftlichem Streben ver- 
eini; ii Muſikvereinen uſw. arbeiten ſie zuſammen, tres 
ten ſich menſchlich näher. Der Lehrer erfennt hier mance 
Chornftereigenart ſeines Schülers und würdigt ſie, rc- 
vidiert nicht ſelten ſeine Meinung; dex Schüler. feht und. 
fühlt, daß auc<> ſcin Lehrer von menſchlicher Rührung. 
nicht frei, daß ex nicht uur der ſtrafende, rächende Gott 
auf einſamer, lebentötender Hühe iſt. : 
V336 ad0or8, wie nnendlich verſchieden ſpielt fich. da- 
gegen ein Seminarlcben ab! Was ich davon geſehen, vas 
mar bedanernäwert, und was ich anderen Ortes gehört, 
das war meiſt nicht beſſer. Der Seminavriſt exicheint 
ſtets als ein gegängeltes, unſelbſtändiges, HÖö<ſt 1nnzu- 
verläſſiges 1:1d ummündiges Menſc<enfind. K&Keini Wer- 
trauen, uur Ueberwachnung zeigt ihm ſein Lehrer. Junter- 
natslcben umd Rechtloſigfeit zwängen den Aufflug der 
jungen Scele in Fur<t und Bann. GyrabeSiuft um 
weht den Schüler. Lebensfrohes Menſchentium, Lebens8- 
freude und Ingendluſt ſind unbefanunte Scemiwvarbeogriffs. 
Und wie ein mwitternächtiger Spuf ſchleicht die Macht um- 
her, zu ſtrafen und zu unterwerfen. Wehr dem Schüler, 
der einmal ein anderes als ſein, meiſt minderwertiges
	        

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