Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

 
Organ für 
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die Interes5en dar deutsdien Volkssduile. 
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(* I -S oo 
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Direkt unter Streifband 1.90 4 |= Rheiniſche Berlagsanſtalt, GS. m. b. H., 
Preis der Einzelnummer 25 <<." v Vo ojH Gode3berg a. Rh., Moltkeſtraße 37. 
Nr, 28, CsSln a. Rhein, 10, Juli 2913, | 7. Jahrgang. 
 
 
 
 
 
'Alle Anſragen und Sendungen ſind an die Geſchäftsſtelle des „Bolksſchullehrer“ in (Sodesberg, Moltkeſtraße 37, zu richten. 
 
En | 
Inhalt: Mannheim und die allgemeine Volk8ſchul e. Von Stadtſchulrat Dr. Sickinger in Mannheim. = Tinte und Aktenſtaub. =- 
Shaſſensfreude und Erzieherehre. =- Die Anweud ung der geſchichtlichen Wahrheiten auf das Leben der Gegenwart. -- WMitteitungen: - 
Berlin (2), Cöln (3), Vom Nhein, Düſſeldorf, Nt.«-Gladbac<, Nheydt, Eſſen, Bochum, Anhalt, Bayern. -- Vereinsnachrichten. -- Geſchäftliches. 
-- Briefkaſten. = Inſerate. 
 
Mannheim und die allgemeine Volksſchule. 
Von Stadtſchulrat Dr. Sickinger in Mannheim. 
'Iu Nx. 24 der „Allgemeinen Deutſchen Lehrerzeitung“ 
aus Iam Jahre 1911 wird unter der Spikmarfe „Nann- 
"heim. 
Mannbhein?: neben dex nnentgeltlichen Bylfsſchule 
laſſen, Fremdſprachliche Klaſſen, 
fix die: höheren Schulen, 
n, BWorbereitungsklaſſen 
Fortbildungsfnrje für gutbe= 
gabte Zeichner! die Bürgerſchule (Schulgeld 28 4K) weoi= 
- tex exiſtiere, die Folgerung gezogen, „es beſtehe bei Ur. 
„- 
Jörderklaffex einen Widerſtand entgegenſezen würden“, 
Dieſer Anslegung gegenüber, 
- gung anzuſprechen iſt, ſeien zur Klärung des ſc<iwieri= 
- gen Broblems der allgemeinen Bolfsſchule und der ba- 
mit zufammenhängenden Fragen einige Ausführungen 
. geſtattet. 
1. Meine Anſchauung über das Verhältinis ver allge- 
meinen Volfsſchute zur Frage des ſogen. Mannzeimer 
. Syſtems habe ich erſt fürzlich in Ix. 30 ver Leipziger 
Lehrerzaeitung in einem Auffſatz „Ueber einige Bebenfen 
- “gegen das «Mannheimer Syſtem“ eingehender begründet. 
"Im Hinblick auf die wiederholt in Erſcheinung getretene 
. ſchiefe - Benixteilung meiner 
. zur Frage der allgemeinen Bolksſc<hute möge zunächit 
"der betreffende Paſſus aus meinen Darlegungen iw dor 
Leipziger Lehrerzeitung hier eine Stelle finden. 
„Die deuntſ<e Lehrerſchaft ſicht in der Wolksſc<hule cin 
ſoziale3 Organ erſten Ranges und fordert deshalb die 
allgemeine Volksſc<ule, 5. i. einen Schulvrganismus, in 
welchem die Kinder des geſamten Volkes ohne: jeden Un- | 
terſchied den arundlegenden Unterricht zu erhalten: ba- 
ben. Jh teile dieſe Anffaſſung und bin nach Kräften be- 
müht, mitzuarbeiten, daß die überkommene Boyltksſ<ul- 
organiſation naß jenem Ziele hin Schritt um Shritt ums 
uns9.weitergebildet werde. J< bin aber au<m zu der fe- 
ſten Ueberzeugung gefommen, daß die erſtrebto allge 
meine Volksſc<ule den Anſpruch, eine wirklich alge- 
meine und wahrhaft ſoziale, d. h: allen ihren Schutzbe- 
fohlenen gerecht werdende Erzichungsanſtait zu erm, 
nur- damn erheben daxf, wenn ſix in der Breitenglic- 
Sillgemeine Volföſchunie“ ans der Tatſache, daß n 
AI | mii: 
ihrex Gliederung (in Haupikkaiſen, Förderklaſſe, Hifs- 
die als eine Unterlce- | 
' Kräft2 planvvl! entwickelt, 
- beeinfluſſende Tätigkeit geſce3t werden, 
fähigfeit gehalten werden müſſen; 
perſönlichen Stellungnahme | * „ojtel me ! 1 | 
Unterrichtsarbeit eingerichtet wird. (vergl. die 
 
derung des Schulförpers anſtelle des uniform geſtalteten 
den differenzierten. Unterrichtöbetrieb einrichiet. Tut ſie 
das nicht, vanmn wirkt ſie =-- ich möche dies imierſtreicen 
-- direft unſozial. Denn in der uniformen allgemeinen 
Bolksſchule tommen nur die ſtarfen Kräfte der interen 
Bylksfchichten auf ihre Rechnung. Dem Gros Der unifer 
der Ungunſt der exexrbten und erworbenen. Qualitäten 
: Teidendeat. Kinder: iſt die" ſchematiſch-ceinheitliche Köſt ſv 
wenig befömmtiich wie dem ſchwachen Magen eine dox- 
peſts Ration mud wenn dieſe noch ſv gut gomeitt wärt. 
Nur dur< Differenzierung der geiſtigen Koſt in ver Brei-= 
teyyentwicklung des Schulfürpers, wobei =- in bewußtem 
zw. 
. u | . -. -. “ mes - . [W27 wilt: 2117: /Z 4; pEIr Mm „ RLitrf A“ 2.9.4424 - 
„Sickinger offenbax die Anſicht, daß es Schichten dex Be- | GLgeuſaß zur Standesſc<ule die Fürſorgeceinricmnn 
- VÖlferung gebe, die der Einweiſung der Kinder iu“ vie | 
tungen dex Schule in dem Waße ſich ſteigern, wie die 
Hilfsbedüxftigfeit ihrer Shüßiinge wächſt, wird öxreicht, 
daß dem vbligatoriſc<m Charakter des Voltfsjc<hulunter- 
richts entſprecbend auch die ſ<wachen nud ſc<wächſten 
in intenſive, die (HGeſittung, 
die Geſinmung und vor allem das Willensleben günſtig 
| vhne vaß die 
beſſer Befähigten wn ter dem Niveau ihrer Leiſtungs- 
ja ſelhſt denen, vie 
„doppeltes Fnrtter“ brauchen, kann bei der Klaſſenglie- 
derung auf- pſy<hologiſcher Grundlage volle Gerechtigfeit 
zu teil worben, wenn für dieſe oberſte Schülerj<ic<t in 
beſondern Parallelabteilungen der oberen Stufen des 
Hauptrſyſtems eine quantitativ und qualitativ geſtetgerre 
fxemd=- 
ſprachlihen Klaſſen dex Mannheimer unenigeltlicheit 
Volksſchule). Nicht beſtimmt genug fann von den wah- 
ren Freunden der allgemeinen Volksſchule und weiter- 
hin dex Einheitsſchule im umfaſſendſten Sinne des Wor- 
L t25 aunsgeſprocen werden: . Die allgemein? 
und gleiche 
Svrge für die Bildung der Nation in allen ihren Shich- 
tein fann nicßi bedeuten ſollen eine mechaniſche Gleic- 
heit, die alle Differenzierung aufhebt, ' ſondern vielmehr 
Gleicßheit in dem Sinne, 
| daß. Differenzierungen nicht 
künſtlich und ſachwidrig dur< Faktoren erzwungen wer- 
den, die außerhalb pädagogiſher Erwägungen liegen. 
Im Zeitalter der phyſiologiſchen Pſychologie, der Kin- 
derxpfychvlvgie, ber experimentellen Pſychologie, der dif- 
ferenzielten Pſychologie und der experimentellon Päda- 
gogif, die in ihren Ergebniſſen tagtäglich none Beweiſe 
dafür bringen, daß die Natur Mannigfaltigkeit, Wer-
	        

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