Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

Der Volksſ<nllehrer. 
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Nr. 38 
Spruch auslaufend: „Zuvor getan, hernac< bedacht, hat manchen 
in groß Leid gebracht.“ CGEbenjo: „EGinem Magen predigen, der 
keine Ohren hat" (S. 101 u. 105). Die Bücher der Kaufleute und 
Handwerker, die eine niederdrü>ende Sprache reden (S. 102, 117 
und ähnli S. 127). Die Theologen, Aerzte, Juriſten u]w. haben 
ihre Fundamentalgeſchi<te längſt abgeſchloſſen (S. 199 u. 213). 
„Was jung iſt, bat ſeine Kraft in ſich ſelbſt, was ſeine Kraft in 
ſich ſelbſt hat, drängt unaufhaltſam na<ß außen." (S. 200 u. 213). 
Die erſten 5 bis 6 Jahre ſind entſcheidend. (S. 1 u. 14). Den 
höheren Ständen nachlaufen oder ſic< ihres Umgangs rühmen (S. 
57 u. 255). Der Stand der Volksſc<hullehrer ein „Emporkömmes- 
ling“ (S. 206 u. 260). Notwendigkeit der Umgangsformen «(denen 
nachher do< eine Reihe von Kapiteln gewidmet wird) (S. 54 u. 
210). Dem Ausdruck, daß der Bildhauer nicht unter die Lehm- 
kneter gehen ſoll, bin ic auch mehrfac< begegnet, zuletzt S. 261; 
nicht minder dem „abſoluten Schulmeiſter“, den man im Verkehr 
mit anderen Leuten zu Hauſe laſſen ſoll; ſeine Wiederholung mag 
ich auch nicht ſo ſehr tadeln, da e8 ſich hier nm etwas handelt, 
was vielen Kollegen nicht oft genug geſagt werden kann. 
Aufgefallen iſt mir die öftere Verwechſlung des dritten und 
vierten Falles, die wegen ihrer Häufigkeit do< wohl nicht als 
Drucd>fehler gelten kann; Beiſpiele : „Und dabei ſteht er in jeiner 
Bildung nicht bloß über den durchſc<hnittlichen Landbewohner" (S. 
209). „Dieſer Nußen iſt vor allem nicht zu unterſc<häßen und muß 
die Gelegenheit benutzt werden, damit allmähli< unſer Stand neben 
der inneren Schulung auch an äußeren „Schliff“ den „Gebildeten“ 
gleihfommt." (S. 234.) „Die ſo beſſer gebildeten Lehrer ſtehen 
nun „mit den Schnüren“ weite bürgerliche Kreiſe offen.“ (S. 240). 
„In der heutigen Zeit darf auc<h der Lehrerſchaft, ebenſo wie allen 
anderen Berufsſtänden die Möglichkeit nicht verſchränkt werden, ihre 
Intereſſen auc< in gemeinſamen Gedankenaustauſ< zur Geltung 
zu bringen.“ (S. 252). UU. |. w. 
Einen ProvinzialisSmus, der nicht geduldet werden kann, ſtellt 
die ſehr häufige Sezung des reinen Infinitivs ſtatt des ab- 
hängigen (mit dem Wörtchen „zu“] nach dem Hülfszeitwort 
„Draud en“ dar; Beiſpiele: „I< verſicherte, daß ſie dieSbezüg- 
lic keine Angſt haben brauche.“ (S. 46.) „Wer ſo ein feſtgefügtes 
Gebäude vernünftiger und konſequenter Strafordnung hat, und ſeine 
eigene Perſönlichkeit immer mehr vervollkommnet, der wird Den 
Sto> nur in der Au8nahme walten laſſen brauchen." (S. 81.) 
„Der Koſtgänger und Logierer braucht ſih um Haushaltsſachen 
nicht viel bekümmern." (S. 135.) Yehnliche Beiſpiele ſtehen S. 
133, 208, 274, 281. - 
Jalſc<he bezw. ungebräuc<hliche Formen und Wendungen 
finden ſich in folgenden Sätzen: „AndereS3 hätte er nichts ge- 
tan.“ (S. 45) „lim dich von vornherein davot zu bewahren, 
daß dir nichts Aehnlich es geſchehe.“ (S. 51) „Rundum 81 
Mark“ (ſtatt run d 81 Mark) (S. 133.) „Kleinli<d e Lappalien“ 
(S. 110); „meiſt immer“ (S. 62); „Mißkreditierung“"“ (S. 16); 
„nächliegenſten“ (S. 277); „von no< entſcheidender Bedeutung“ 
(S. 21): „Man ſollte beiderſeits eine Ehre darin ſeßen, mit ein- 
ander gut auszufommen.“ (S. 22.) „I< dachte an Berbejjerung 
unſerer Lage herum." (S. 214). = . 
Unverſtändlic< iſt der Saß: „Wie der Ton im Hauſe, ſo wird 
der Charakter des Kindes ſein. Und das Kind iſt der Vater 
de8 Mannes8." (S. 191) Al3 Uebertreibung möchte ich das Kapitel 
vom „Draufgänger“ (S. 111) bezeichnen. Sehr unwahrſcheinlich 
klingt die Geſchichte mit dem Geheimdetektiv auf dem Lande, S. 
19--20. 
Die alte, römiſche Geſundheitsregel S. 158: „Nac<G dem Chjen 
ſollſt du ſtehn, oder tauſend Schritte gehn“, hat in der neueren 
Geſundheit8slehre keinen Plaß mehr; da8 gerade Gegenteil wird 
empfohlen. Als Plattheit erſten Ranges muß i< die BVerhunzung 
des herrlihen „Ueber allen Gipfeln iſt Ruh“ durch das parodiſtiſche 
Motto auf S. 162 bezeichnen. Re<ht bocledern und nicht ohne 
falſche bezw. doppelſinnige Konſtruktionen iſt das Geſuc< S. 355. 
In dem Geſuch auf S. 356 wie auch in den einleitenden Bemex- 
kungen S. 352 heißt es: „Unterzeichneter beehrt ſich, der hohen 
Königlichen Regierung folgendes vorzutragen.“ Dieſes „Beehren“ 
dürfte für manchen Bittſteller gefährlich werden und ihn tief ins 
ſ<warze. Buch bringen. - Ie 
Da8 Bu enthält eine Menge ſtehengebliebener Dru >fehler, 
und da8 paßt ſchlecht zu der ſchönen Ausſtattung. I< will aus 
der großen Zahl nur einige beſonders verfängliche nachweiſen : Der 
Traum, „der Menſchen nac< Elyſium entzü>t“ (S. 173) ; Karri- 
katur (S. 20); „Del iquenten“ (S. 48); „Kuralien“ (S. 351). 
Um den GEGindru> dieſer Ausſtellungen zu verwiſchen und 
unſeren Leſern eine Vorſtellung von der ſchwungvollen Sprache 
des Buches zu vermitteln, ſollen zum Schluß einige Prachtſäße ihre 
Stelle finden : | 
„Ja, ja, der Herr Gambrinus hat eben wunderliche Jdeen! Er 
ſoll König geweſen ſein. Aber er iſt ein Plebejer gemeinſter Sorte : 
ein radauſ<lagender gehirnbeſchwerender und Geilheit züchtender 
Materialiſt, deſſen hö<ſte Glückſeligkeit darin beſteht, auf Bieren zu 
kriechen oder ſich in der Goſſe zu wälzen.“ (S. 102) „Der gezogene 
Lehrerſoldat erhält bei der Einkleidung die fünfte Garnitur, in 
welcher der äußere Menſ<, und ſei er auch der gebildetſte, in eine 
ganz gewöhnliche Erſcheinung tritt. Man findet in dieſem Anzuge 
bindung zu ſeßen. 
. eigenen Reihen. 
 
FleiSchmengergasse 56 
den gebildeten Lehrer ſc<werlich heraus. Und man ſte>t ein ganzes 
Jahr in dieſer Montur! Da heißt es aber fleißig an . die Arbeit 
gehen, um all den Sc<hmuß, den man während der Uebung als 
Anklebſel erhalten hat, zu entfernen ; denn der alte „Schier dreißig 
Jahre biſt du alt“ ſoll doc< immer noc< in gewiſſer Jugendlichkeit 
prangen. Beſonders auf dem Appell ſoll er alle Schwächen und 
Unvollkommenheiten, denen er durch viele Generationen hindurch 
verfallen iſt, auf alle Fälle abgeſtreift haben. An ihm muß das 
Unmögliche zur Möglichkeit werden. Und wehe dem, der es im 
Bearbeiten des Rekonvaleſzenten nicht zu dieſer Virtuoſität gebracht 
hat!“ (S. 332-233.) 
„Gin rechter Lehrer muß ſich mit herzlicher Liebe für ſeine Mit- 
menſchen zu erfüllen ſuchen, vor allem aber ein Herz haben für die 
Aermſten und Schwächſten unter ſeinen Schülern. Mancher ver- 
ſündigt ſich hiergegen durg Gedankenloſigkeit und Uebereifer im 
Unterricht. Habt Geduld und Nachſicht mit den Armen im Geiſte 
und macht ihnen das junge Leben nicht zur Qual! Darin beſteht 
für den Lehrer der beſte Teil Religion und der erfolgreichſte Re- 
lUigionöSunterricht." (S. 277.) 
Wisniewski, C., Kgl. Seminarlehrer: Der Lehrer im ſ Prif t- 
lichen Berkehr mit den Behörden. Eine Unleitung zur Ab- 
faſſung amtlicher und privater Schriftſtücke, nebſt einer Samms- 
lung einſ<lägiger Beiſpiele. Neunte, verbeſſerte und vermehrte 
Auflage. 89 XIV, 184 S. Hamm (Weftf.), Dru und Berlag von 
Breer & Thiemann. Preis geb. Mk. 2,00. 
Dieſes Buch bildet eine willkommene Ergänzung zu dem vorigen. 
Anlage und Zwe> desſelben ergeben ſic) aus dem Titel. Seine 
Brauchbarkeit iſt dur“ das Erſcheinen der 9. Auflage hinreichend 
erwieſen, ſo daß es weiterer Empfehlung nicht bedarf. R. - 
amin" 
Verein3nachrichten, 
Andie Zweiqverbände des deutſhen Volfsſ<ullehrervereins, 
Herr I. Maaß, WieSsbaden, Edernfördeſtr. 2, iſt bexeit, 
in der Zeit vom 27. September bi8 zum 4. Oktober einſchl. 
einen Vortrag zu halten über das Thema : | | 
„Der Deutſ<e Volks8ſchullehrerverein: Fein 
 
PBrogrammundſeineStellungzudenbeſtehenden 
Lehverorganiſationen“ 
I< bitte diejenigen Zweigverbände, die von dem Anerbieten 
Gebrauch machen wollen, ſich ſofort mit Herrn Maaß in Bexr- 
Cöln-Lindenthal, den 15. September 1913. 
Der Vorſizende des Deutſchen Volksſ<ullehrervereins 
P. Herzog. 
Volksſchullehrer-Verein Wiesbaden und Umgebung.> 
Wer mehr dem Schein als dem tieferen Weſen vertraut, der 
mag der Auffaſſung huldigen, daß unſer Volksſ<ullehrer-Verein 
einen „verlorenen Poſten“ darſtellt. Zu klagen haben wir vor allem 
über die eingewurzelte Paſſivität innerhalb der hieſigen Volksſchul- 
lehrerſchaft, ja ſelbſt über eine gewiſſe Intereſſeloſigkeit in den 
Sine faſt beängſtigende Vereinsmüdigkeit hat ſich 
der Wies8badener Lehrerkreiſe bemächtigt. Das abſolutiſtiſ<e Rek- 
torenſyſtem, das jede ſelbſtändige Kraft unterbindet, hat ſeine 
Sculdigkeit getan. 
 
 
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Werkzeugen aller Art. 
Sämil. Eisen-, Stahl- und Messingwaren. 
 
 
 
A We adden f PW -- -- Haushaltungsgeräte etc. -- -- - 
l KIK R ; I . un » 
mz Jülius Krewerth, Köln 
Eisen-, Stabl- und Messingwarenhandlung 
Ecke Neumarkt. 
 
	        

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