Full text: Der Volksschullehrer - 7.1913 (7)

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weitigen Verteilung8maßſtabs für die Leiſtungen der Sc<ulverbände 
an- Alterszulagekaſſen, ſowie einer anderweitigen Abgrenzung der 
- Kaſſenbezirke Ermittlungen anzuſtellen. Nunmehr wurden Erhe- 
bungen über da3 Vermögen der Gemeinden angeſtellt. - Dieſes deute 
auf eine neue Regelung der Sdhulunterhaltung hin. Da ſei es 
Pflicht der Land- und Kleinſtadtlehrer, ſich zu rühren, um gebührend 
und gerecht berüſichtigt zu werden. Der Preußiſche Lehrerverein 
und der Katholiſche Lehrerverband ſeien nicht geeignet, die Land- 
und Kleinſtadtlehrer zu vertreten. Ihnen liege das Wohl der Groß- 
ſtadtlehrer am Herzen. Dieſe großen WBerbände wollten an den 
geſezlichen Grundlagen der Aufbringung der Lehrergehälter nichts 
geändert -haben und ſeien für Beibehaltung der Ortszulagepara- 
graphen im Beſoldung3geſezy. Man wolle dankbar anerkennen, daß 
da3 Lehrerbeſoldung38geſe8 von 1909 eine Gehalt2aufbeſſerung ge- 
bracht habe, fkeine3Sweg38 aber im Verhältniſſe zu der allgemeinen 
Teuerung. Jür die Landlehrer habe man no< Anfangsgehälter 
von 1120 Mk. jährlich. Mit Macht müſſe man die Stimme erheben 
- für völlige Streichung der durc<; nichts begründeten Orts8zulagen 
und für gehaltli<e Gleichſtellung aller Lehrer, und zwar vorab auf 
der dur; Gewährung der höchſten Ortszulage von 900 Mk. ge- 
gegebenen Baſi3, ohne jede Verklauſulierung dieſer Forderung. Dur< 
die Ort3zulageparagraphen würden die Land- und Kleinſtadtlehrer 
materiell und ideell zu Lehrern zweiter Klaſſe heruntergedrückt. 
Dur< die Sonderbeſtrebungen der Großſtadtlehrer ſeien in. der 
preußiſchen Lehrerſchaft Spaltungen entſtanden, die den Lehrerſtand 
aus der BVolksſchule ſchädigen können. Der Lehrer ſei amtlich 
Staats8beamter und nac<g der Beſoldung Gemeindebeamter. Es ſei 
feſtgeſtellt, daß die Großſtädte für Schulbezirke 68 Prozent der 
Ginkommenſteuer aufbringen, das Land aber 119 Prozent. Die 
Beibehaltung der heutigen Schulunterhaltung müjje zur Stäats- 
ſchule führen. Nach einer lebhaften Debatte nahm man folgende 
Entſc<ließung an: „Die am 16. November zu Köln tagende allge- 
meine, Verſammlung der rheinländiſchen Land- und Kleinſtadtlehrer 
erhofft von einer baldigſt vorzunehmenden Neuregelung der Lehrer- 
beſoldung im Intereſſe der Land- und Kleinſtadtj<hulen unbedingte 
Gleichſtellung aller Volksſ<hullehrer in der Höhe der Gehälter der 
. Sekretäre der allgemeinen Staat38verwaltung. Dieſe Gleichbeſoldung 
iſt nach ihrex wohlbegründeten Ueberzeugung aber nur möglich auf 
Grund einer weſentlichen Umgeſtaltung der Schullaſtenaufbringung 
nac< den Grundſätzen der Gerechtigkeit. Uls den geeignetſten Weg 
zur Herbeiführung völliger Gleichſtellung betrachtet ſie die Beſol- 
dungskaſſe, bei welcher alle Gemeinden na<H Maßgabe ihrer Steuer- 
kraft zu den allgemeinen Schullaſten herangezogen werden. Sollte 
dieſe Kaſſe zurzeit nog nicht zu erreichen ſein, ſo iſt der Ausbau 
der beſtehenden Alterszulagekaſſe nach der Steuerkraft der Gemeinden 
baldigſt in Angriff zu nehmen, und zwar mit der Wirkung, daß die 
einzelne Alterözulage um je 109 Mk. erhöht werde.“ Abg. Dr. Heß 
verſicherte, daß im Abgeordnetenhaus bekannt ſei, daß das Gebiet 
der Ortszulage Härten enthalte; es ſei zu erhoffen, daß die LanD- 
„und Kleinſtadtlehrer in nicht allzu langer Zeit aus ihrer bedrängten 
Lage befreit würden. | 
Saarbrüfen. Maßregelung »y»der zarte Nücdſicht- 
nahme? So muß maa fragen angeſichts der ſonderbaren Um- 
ſtände, unter denen dem Kollegen Liell von hier der Unterricht an der 
Fortbildungsſ<hule entzogen wurde. L. kam im Jahre 1905 als 
kerngeſunder junger Mann aus dem Kreiſe Bitburg nach Saar- 
brücken und hat in den 38 Jahren ſeiner hieſigen Wirkſamkeit, ab- 
geſehen von einigen Tagen Verſäumnis wegen Darmkatarrhs bezw. 
Influenza in den Jahren 1909 und 1910, nie im Dienſte gefehlt. 
'Im Jahre 1908 wurde L., ohne daß ex ſich um eine Stelle beworben 
hatte, mit 4 Wochenſtunden an der gewerblichen Fortbildungsſc<ule 
beſchäftigt. Nac< dem Zeugniſſe des Leiters der Fortbildungsſc<ule 
vie auch nad dem des GStadtſchulrats Dr. Senftner hat L. auch 
hier mit Gifer und Erfolg ſeinen Dienſt getan. 
- - Nac<h einem Beſc<luß des Kuratoriums der Fortbildungsſ<ulen 
ſollten beim Erſaßze der nebenamtlich tätigen Lehrer durch im Haupt=- 
amte angeſtellte zunächſt die unverheirateten und die Jüngſten 
Lehrer ihres Dienſtes entlaſſen worden. Obwohl nun Herr L. zu 
keiner dieſer beiden Kategorien gehörte, wurde ihm plößlich und 
ganz unerwartet am 18. September d. Js. durch den Leiter der 
Fortbildungsſc<hule, Rektor Chriſtmann, im Auftrage des Stadt- 
ſ<ulrats Dr. Senftner zum 1. Oftober gekündigt; und zwar 
wurde dieſe Kündigung mit „Krankheit und Sc<hvonungsSsbe- 
Der Volksſc<hullehrer. 
 
 
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griff man, wie e38 ſcheint, auf ein ärztliches Atteſt zurück, das Herr - 
L. im Jahre 1902 (oder 1903) als Lehrer in Trimport Kreis Bit- 
burg, wegen Halsentzündung für 10 Tage eingereicht hatte. Außer- 
dem hatte die Stadtſ<hulinſpektion von dem Rektor der Voksſchule, - 
an der Herr L. tätig iſt, Herrn Zimmer, einen Bericht über den 
Geſundheit8zuſtand des Lehrers eingefordert, über deſſen Jnhalt 
natürlich nichts bekannt geworden iſt. 
Herr L. beſchwerte ſich über die ihm widerfahrene Behandlung 
und beſonder8 über die für ſeine Entlaſſung angegebenen Gründe 
bei dem Kuratorium der Fortbildungsſ<ule. Es wurde über dieſe 
Beſ<hwerde im Kuratorium auc<h verhandelt und dann auf den - 
Bericht des Stadtſchulinſpektors Dr. Senftner hin, und zwar 
dieSmal ohne die Angabe von Gründen, einſtimmig die Kündigung 
aufrecht erhalien. 
Da die Kündigung zu ſpät erfolgt war, entſchied. auf Beſchwerde 
des Lehrer3 der Herr Oberbürgermeiſter Mangold dahin: „Auf 
Ihr Geſuch vom 8. Oktober 1913 erkläre ih mic< damit einver- 
ſtanden, daß Jhre Nebenbeſchäftigung an der hieſigen gewerblichen 
Fortbildungöſ<ule erſt am 31. Dezember 1913 ihr Ende erreicht. 
Da ich zur Zeit für Sie keine Beſchäftigung an der Fortbildungs- 
ſchule habe, werde ic Jhnen den Betrag von 100 Mk. am 31. 12. 
1913 anweiſen laſſen.“ 
Jeder, der dieſen Tatbeſtand lieſt, wird ſich ſagen: So kann 
es nicht" ſein, die Sache muß tiefer liegen! Wir verſtehen ſolchen 
Gedanfengang wohl und wollen de8Shalb no<Fg etwas hinzufügen, 
was „tiefer“, ja „ſehr tief“ bli>en läßt.“. 
Unſere Leſer wiſſen ſic wohl zu erinnern, daß im vorigen 
Jahre in Saarbrücken die S <ul ſparkaſſe nac< dem von Rektor - 
Hemmerling erfundenen Syſtem eingeführt werden ſollte. Die 
dem Stadtſchulinſpektor Dr. Senfter unterſtehenden evangeliſchen 
Schulen lehnten die Sache rundweg ab, während an den 
fatbholiſ<en Syſtemen, denen Herr Niemann vorgeſeßt iſt, die 
einen ablehnten, die anderen ihre Unterwerfung und Zuſtimmung 
erklärten. Bei den Widerſtrebenden fehlte es nicht an Bekeh rungs- 
verſuchen, die denn auh, wie das ſo geht, meiſtenteils Grfolg hatten. 
Auch an den „renitenten“ Herrn L. trat die mahnende Stimme in 
der Berſon ſeine38 Nektors8 Zimmer heran, und in der betreffenden 
Unterredung erinnerte der Rektor daran, daß Herr L. ja auc< an 
der Fortbildungs8ſ<hule beſchäftigt jei und daß ihm 
dieſe Nebenveſhäftigung entzogen werden könne, 
wenn er die Ginrichtung der Schulſparkaſſe nicht 
unterſjtüße. 
Als Heinric) der Löwe, Herzog von Sachſen, im Kampfe gegen 
ſeine Widerſacher die Stadt Bardowiek erobert hatte, zerſtörte er ſie 
bis auf den Dom, an deſſen Mauern er die Inſchrift: „Vestigia 
Leonis“, „Die Spur des Löwen“ ſeßen ließ. Anch hier in Saarbrücken 
haben wir Löwen, und Rektor Zimmer jc<heint in der erwähnten 
boberredung mit prophetiſM;em Bli> die Spur des einen gezeigt zu 
aben. > 
Düſſeldorf. Auch ein angehender Spezialiſt. In Nr. 310 
des „Düſſeldorfer Tageblattes“ war vox kurzem der nachſtehende ſonder - 
bare Artikel zu leſen. Kopfſhüttelnd werden die Kollegen geſagt 
haben: Die Zuſchrift ſtammt nicht aus Lehrerkreiſen. Aber wir 
haben zuverläjſig in Grfahrung gebracht, daß der Seribent wirklich 
ein Volksſchullehrer iſt; und wir hegen außerdem den begründeten 
Verdacht, daß der Muſikus kein ge wöhnlicer Lehrer ſei. 
Man leſe und ſtaune : | 
Goſang3- Inſpektoren an den Glementarſ<hulen. 
Aus Lehrerk reiſen erhalten wir folgende Zuſchrift : 
Durc< den Erlaß des Kultusminiſters vom 24. Juni 1910 be- 
treffend „Prüfungz3ordnung für Geſanglehrer und -lehrerinnen an 
höheren Lehranſtalten in Preußen“, iſt die Stelle eines Geſang lehrexs 
dpder -lehrerin eine rechtliche geworden, d. h. dex Geſang an den 
höheren Schulen kann in Zukunft nicht mehr in einer ſolch nebenſäch- 
lichen Form behandelt werden wie bislang. Eine Reihe von Hecren 
und Damen haben ſich dann auch ſeit dieſes GEGrlaſſes der 
Prüfung unterworfen, welche anfänglich leicht, abex mit jeder weiteren 
Prüfung größere Anforderungen an die Gxaminanden ſtellte, letzteres 
vielleicht darum, daß der Andrang. ein nicht zu großer würde. 
Damit nundie intereſſierenden Behörden ſtets auf dem Laufen- 
den bleiben über das, was auf dem Gebiete des Sculgeſanges ge=- 
leiſtet wird, ſind neuerdings Geſang8s8-Inſpektoren ange- 
ſtellt worden. 
 
dürftigkeit“ des Lehrers. begründet. Bei dieſer „Begründung“ 
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