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-Arbeiter- Jugend
keit gegeben, ſich in geiſtiger Arbeit das Rüſtzeug zu erwerben, mit dem
er ſpäter kämpfen känn. Im Richtungsſtreit der Pärtei Stellung zü
nehmen, dazu werden die Jugendlichen nach Vollendung des ac<tzehnten
gLeben8jahres noc reichlich Zeit haven. “ -- .
' - Von - dieſen Gruündſäben aus8gehend, haben die Leiter und Träger
der hieſigen Jugendbewegung ihre Aufgaben aufgefaßt, haben . Lehrer
und Erwachſene aus der Partei- und Gewerkſchaft8bewegung ihre Kraft
in den Dienſt der Jugendbewegung geſtellt. Und - ſie haben hiermit
große Erfolge erzielt, da8- beweiſen die 19 aufblühenden Abteilungen
des Jugendbundes, die troß aller äußeren und inneren. Hemmniſſe
während der Kriegszeit errichtet worden ſind und in deren Teilnehmexr-
ſchar ein freudiger und zukunfifroher Geiſt herrſcht. Unſere im Felde
ſtehenden Jugendfreunde werden hier bei ihrer hoffentlich nun bald
erfolgenden Rüdkehr in die Heimat eine Stätte finden, wo ſie ſich
unter Gleichgeſinnten wohlfühlen und ihre Erfahrungen in den
Dienſt einer hoffnung8- und arbeitsfreudigen Jugend ſtellen können.
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ZN Di beit IX
"Q Die Gegner an der Arbeit 598
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Gut behütete Jungfrauen, "
Während ſich die katholiſchen Jüngling8verceiwe cifrig moderniſieren
und auch den jugendlichen Mitgliedern eine gewiſſe Selbſtändigkeit ge-
währen, ſind die katholiſchen Jungfrauenvereine in manHen Gegenden
noch immer nicht von dem leiſeſten Hauch neuzeitlichen Geiſtes berührt.
Da maren jüngſt zum Beiſpiel die Vorſtände eines Verbandes der
fatholiſchen Jungfrawenvereine im der ſehr frommen Eifel zuſammen.
Ucber dieſe Tagung b.richtet die „Tvieriſc<c Landeszeitung“ (Nr. 222)
Dinge, die uns Weltkinder ſonderbar anmuten, Da hört man, „daß
günſtige Vermögens3lage, vornehmer Stand und Ma-
vronenalter die Berufung auf beſondere Ehrenpoſten im Verein
wie im Schußvorſtand nahelegen“, wenn freilich auch anſtand3halber
noch etliche fromme Tugenden hinzukommen müſſen. In den engeren
Verband8vorſtand aber = des Jungfrauenvereins! =- wurden drei
* Männer gewählt, zwei Geiſtliche und ein Geheimer Juſtizrat. Grſt
dann kommen die weiblichen Vorſtandsmitglieder, voran zwei LKLehre-
rinnen. Jm erweiterten Vorſtand iſt das Verhältnis ähnlich, |
Man kamn ſich denken, wie in, ſo geleiteten Vereinen, zumal auf
dem Lande, die Mäd<en vor jeder Berührung mit neuen Jdcen bewahrt
(WM) Aus der Praxis der Bewegung [MW]
Das Monatsprogramm,
So verſchieden in den einzelnen Orten je rac< dem Umfang unſerer
VBowegung die Zahl dor Veranſtaltungen ſein mag, e8 wird Überall 1n9ot-
wendig jein, immer für eine gewiſſe Friſt im voraus die Veranſtaltungen
zu beſtimmen and feſtzulegen, Die LuSsgeſtaltung dieſes Programms
wird natürlich von der Zahl der Veranſtaltungen abhänaig ſein. In den
arößten Ortcn iſt 3. B. das Jugendheim faſt jeden Abend zur Benußung
freigegeben. Da wird män natürlich davon abſehen müſſen, an jeden
Übend eine beſondere Veranſtaltung zu treffen, weil uns in der gegen-
wärtigen Zeit gang beſondexs die nötigen Sträfte fehler,
meiſten Fällen iſt e3 aber ſo, daß jede Woche & ine Veranſtalinng vor-
gefehen iſt. Und diefen Abend möglichſt abwechſlungszreic<h und inbalts-
voll zu geſtalten, äſt ein ſchr zu beachtender Geſichtspunkt bei der PrL-
grammberatung, Es muß bei allen Veranſtaltungen darauf geſehen
wenden, daß ſie uns auch wirklich Stunden verſchaffen, die ums Genuß
bringen und anregend wirken,
Jede der vier Veranſtaltungen im Monat muß einea beſonderen
Charakter tragen. So ſebemw wir vielleichy für die erſte Woche einen
Disfuſſion8abend vor. Hier werden über alle möglichen praktiſchen
Fragen Ausſprachen entſtehen; e5 wird allen Teilnehmern Gelegenheit
gegeben, ſich an der Ausſprache zu beteiligen, und man fann auch Vor-
TIchläge zum Monatsprogramm zur Beratung ſtellen. Dieſer Abend bictet
alfo jedem Jugendlichen die Möglichkeit, ſich zu betätigen, „mitzuwirken“.
Nehmen wir nun als zweite Veranſtaltung etwa cinen Rezitation3abend,.
ſo erfordert auch dieſer Abend manche Vorbereitung, denn die Gedichts
müſſen ausgewählt und verteilt, vielleicht vorher auch eine Probe abge-
halten werden, Iſt dann die AutSwahl der Vortrags8ſtücke und der Vor-
tragenden glücklich geweſen, dann wird dor Abend ſeinen Zive> als
unterhaltende wnd veredelnde Veranſtaltung micht verfehlen, Für die
dritte Woche ſchlage ich einen Liederabend vor, E38 ſind dies wohl in
den meiſten Fällen mit die beliebteſten: Abende, Auch hier kann man
bei ſinnreicher Zuſammenſtellung von gemeinſamem und Sologeſang, von
Klavier» und Mandolinenvorträgen, Stunden voller Jugeadfriſche und
Jugendluſt erzielen und dabei Sinn und Freude am Geſang erweden,
Bliebe noch die vierte Veranſtal?ung, Es wird ein Spielabend gewünſcht,
Gut, auch der iſt ſchön, denn dabei können wir Geſelligkeit und Kame
radſchaftlichfeit pflegen umd der ungebundenen Fröhtichkfeit weiteſten
- Raum gewähren, Außerdam können natürlich in manchen Fällen noch
beſondere Sonntagsveranſtaltungen eingelegt werden, 3. B. im Sommer
Wanderungen, im Winter Unterhaltungen im Zimmer oder Beſichti-
gungen von Muſcen umd dergleichen. Bei den. Wanderungen muß man
aber maßvoll vorgehen. Man kann 3. B. in der Jektzeit in einem
Monat nicht zwei oder drei Tage8wanderungen vornehmen, weil da eben
die Ernährung und auch die Bekleidungsfrage em entſchiedenes Neim
entgegenſtellen, '
Gremmm
In den alle
in der Richtung
-
Wenn wir ſo ginerſeit28 ein .abwechſlungsreiche3s Programm - aufs
ſtelſen und in einem Monat Wiederholungen von gleichen Veranſtaltun-
gen vermeiden müſſen, ſo darf man aber“: anderſeits auch nicht ſolche
Veranſtalkungen in allzu kurzen Zwiſchenräumen feſtjaßen, dcren Vor-
vbereitungen diC Ginhaltung de8 Beſchluſſes unmöglich maHhen. E38 macht
immer einen ſchlechten Gindru>, wenn man hört, der Abend muß ver-
ſchoben werden, weil dig Vorbereitungen noch nicht abgeſchloſſen ſind,
und wenn man dann zum Spielen greift, um den Abend auszufüllen.
Wir ſehen, viel iſt zu beachten und zu bedenken, wenn es an das
Monatsprogramm geht. Bei uns war es außerdem üblich, daß in jedem
Monat cin Vortrag gehalten wurde. Allerdings iſt das jekt nicht immer
möglich, aber auch da gibt es Mittel und Wege, etwas vleichartiges zu
gen und bei ihrer Bekanntgabe die örtlichen Mitbeilungöblätter, Aus
ihnen fann man viel entnehmen, und auch für die Agitation können
dieſe Blätter ungemein nüßlich wirken. Leider hat der Krieg viel zer-
ſtört und nach dem Kriege wird e3 in dieſer Beziehung ein eifriges Auf-
bauen und Neubilden geben. Jeßt behilft man ſich vielerorts damit,
daß man das Programm in dem Verſammlungslokal ausShängt und bei
jeder Veranſtaltung auf die nächſtfolgende hinweiſt, Außerdem muß
man darauf ſehon, rec<t viele Jugendliche an der Veranſtaltung mit=
wirken zu Taſſen, denn dadur<h wird das Intereſſe. erhöht und auch in
agitatoriſcher Hinſicht iſt dies ſehr wertvoll, | .
Wenn wir uns ſo Mühe geben, alles zu beachten und zu berechnen
und dabei auch immer die hohem Ziele unferer Beivegung im Auge haben,
dann werden wir ſicher aus eigener Kraft uns die Grundlage für eine
exſprießliche Tätigkeit ſchaffen und für die Bewegung auf jeden Fall
Grfolge erzielen, 'eo.-Magdcburg.,
Zur wirtschaftlichen Lage A
Die Notlage der Lehrlinge.
Angeſichts der vielfach mangelhaften Ausbildung, welche die Lehr-
inge während der Krieg8z2it genießen, iſt es angebracht, alle diejenigen
Kreiſe, die zum Schutze, zur Erziehung und zur Ausbildung der Lehr-
linge berufen ſind, auf dieſe Zuſtände aufmerkfkam zu machen. Aber
nicht nur die Ausbildung der Lehrlinge an ſich ſteht unter dem Einfluß
des Krieges; durch die Einberufung zum Militär müſſen ſchr Pizale,
wenn nicht die meiſten Lehrlinge ihre Lehrzeit unterbrechen oder vor-
zeitig beenden. Das Wenige, was ſie gelernt, geht zum Teil während
der Militärzeit wieder verloren, und ſchließlich ſind die jungen Leute
gezivung2n, nach Beendigung der Militärzeit noh einmal von voru
anzufangen; vielfach werden ſie auch gehalten ſein, zum Heer der Uns
gelernten überzugehen.
Mit dieſen geradezu unhaltbaren Verhältniſſen befaßte fich cine
Gewerkſchaftsfartellverfammlung in Leipzig, Nach einem ſchr zeitge-
mäßen Vortrag: „Die Notlage der Lehrlinge, eine Frage der Ueber-
gangzordmumg“, wurde eine Entſchließung gefaßt, in welcher die Ausbil-
dumg vieler Lehrlinge während ves Krieges als ungenügend bezeichnet
und ferner darauf hingewieſen wird, daß die Entlohnung häufig in gar
feinem Verhältnis ſteht zu den Leiſtungen des Lehrlinas ſowohl als zu
dem, was der Lebenzunterhalt erfordert. 3
bieten. =- Sehr gute Dienſte leiſten bei der Feſtſekung der Veranſtaltun -
5 Die in verſchieden?n Berufen
noc< übliche Forderung von Lehrgeld wird als unzeitgemäß betrachtet,
weil ſie befähigte junge Leute hindert, ſich einm ihnen zuſagenden
Berufe zuzuwenden, Im einen iüchtigen gewerblichen Nachwuchs zu
ſichern, verlangt der Beſchluß cine Verkürzung der oft außerordentlich
langen Arbeitszeit und eine Jachgemäße Ausbildung des Lehrlings, Auch
aine allgemeine Reglung dor Frage der Beendigung des Lehrverhältniſ=
ſe3 im Falle der Einberufung zum Heeresdienſt wird gefordert. Dritt=
gend verlangt wird eine gefeßliche Reglung de38 Lehrlings8weſens unter
Wahrung ſozialer Grundſäße und unter Berückſichtigung der veränder=-
ten Zeitverhältniſſe. „Schen jetzt aber,“ h2ißt es in dem beachtenZ-
werten Beſchluß, „iſt eine ſchärfere behördliche Ueberwachung des Lehr-
lingsweſen3 und eine amtliche Einwirkung auf die Handwerksmeiſter
nötig, daß eine volle berufliche Ausbildung geſichert,
eine geitgemäß2? Entlohnung gewährleiſtet und mit unztvecdimäßigen
und veralteton Anſchawrungen aufgeräumt wird.“
WEIN 45.24.57 0000 Ö f '
GEHRER, Fremdwörter
FOTB ES ENKETIIEN
EA ABTES
Definition (lat.), Begriffsbeſtimmung. Erklärung,
Diskurs (lat.), Unterredung, Geſprach. „,
Eldorado (ſpan., el iſt dex Artikel), das Goldland, „Paradies“.
Eminent (lat.), hervorragend, außerordentlich. |
Epiſode (griech., wörtlich Nebengeſang), Einſchiebſei
lung der Darſtellung; Ereignis, Vorfall.
KENNEN EIE ACH
Fn SIGIE FN LS
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8
6:0 IN
BESCHEIG SEREICREN
in die Haupthand-
Fanatiker (vom lat. ſanum = Heiligtum), verbohrter ReiigionsSſchwärmer, -
Giferer. .. - .
Flanieren (franz.), müßig umherſchlendern, bummein,
"Ironie (griech.. dreiſilbig. Ton auf der Enöſilbe), feiner Spott, der
meiſt darin beſteht, daß man ſcheinbar das Gegenteil von dem
ſagt, was man meint,
Lokaliſieren (lat.), an einen beſtimmten Ort verlegen,
Neſrain (franz, ſprich etwa refräng), Kehrreim; regelmäß:g wieder-
holte Worte oder Verſe in einem Gedicht, beſonder38 als Schlu
jeder Strophe. .
Berantwortlich für die Redaktion: Karl Korn, -- Verlag: Fr, Ebert (Zentralſtelle für die arbeitende Jugend Deutſchlands). = Druc: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlags8-
un . anijtalt Paul Singer & Co, Sämtlich in Berlin,
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