Full text: Arbeiter-Jugend - 10.1918 (10)

atm, ui > 
- en * “,.* "=. an - *» 
mn 96 -“- 7 ww... 
«. “ = 
4 
+ . 
- 
* . 
SENSE SSESSSEESS „.- m = - - „rz wz 
eas . .. .* „. .- TS Se 77 
- Fin 
«or 
... “ Einige Wochen ſpäter fiel. auch, der .Genoſſe -Wiſhelm Haas... Als er 
im Felde Poſten ſtand, wurde ihm durch ein Granatſplitter der Kopf 
zerſ<mmeitcert und jo ſeinem jungen Leben, ein jähes. Ende bereitet. Im 
Herbſt des Jahres 1916 hatte er ins Heer eintreten müſſen. .“ 
-** Die* Arbeiterjugend Rüſtringens wird beiden Genoſſen cin ehrendes 
Andenken bewahren. = > 4 WilhelmFreudenberg. 
'-“*. Die. 'Jugendgenoſſen von Finſterwalde teilen tiefbetrübt mit, 
„daß ihnen am 14. Mai- ihre treue Jugendfreundin Martha Felgen- 
'trebe im Alter von 23 Jahren durch den Tod entriſſen wurde. Di? 
Verſtorbene gehörte a<ht Jahre der Arbeiterjugend an und hat ſich 
während dieſer Zeit fleißig und opferwillig unſerer Sache gewidmet. 
- Bei. öffentlichen. Veranſtaltungen half ſie nach. Kräften, die Abende zu - 
'verſchöniern -und. zeichnete. ſich bei den Wanderungen und Spielen durc 
:“ Ihre Kameradſchaftlichköit. aus. Die Arbeiterjugend wird ihr Andenken 
in Ehren halten. 0. u. m 
.- - Rundbriefe ins Feld! 
Aus Rüſtringen wird uns geſc<rieben: Schon lange trugen wir 
uns in Rüſtringen mit dein Gedanken, :mit unſeren eingezogemen Jugend 
freunden zu korreſpondieren. Nur, wax uns noch nicht rec<t klar, wie 
man die Sache am geſchi>teſten und am vorteilhafteſten in Die Wege 
leiten könnte. -Da wurden wir in einem Axtikel -in Nr. 21 de3 vorigen 
Jahrgangs der „Artbeiter-Jugemd“ dur< die Bielefelder Jugendgenoſſen 
auf ein recht ſchönes und praktiſches Verfahren hingewieſen. Wir 
machten auns nun an die Arbeit, im geſchilderten Sinn einen ähnlichen 
Rundbrief Herzuſtellen.. Schwer war der Anfang, trozdem uns. in 
liebeonöSwürdiger Weiſe die Bielefelder Jugemdgenoſſeh mit Nat und Tat 
zur Seite ſtanden; aber das Werk geläng zw unſerer aller Freude. 
Schon nach Verlauf von acbt bis vierzehn Tagen erhielten wir die 
freudig überraſchten Antworten unſerer: Freunde. 
Wir verſenden jekt allmomatlich einen Rundbrief, der den Freun- 
ven im Militärdienſt genaue Auskunft über alle unfere Veranſtaltungen 
gibt. So ſtehen wir mit unſeren Freunden im regen Briefwechſel umd 
baben die Bande Zwiſchen Heimat und Feld feſter geknüpft. 
Ein ſolche Einrichtung können wir daher jeder. Ortsgruppe nur 
angelegentlichſt empfehlen. Etwaige Anfragen, die wir gern und freudig 
beamtworten: werden, ſind an folgende Adreſſe zu richtew: Marie 
Bäuerle, Rüſtringen, Störtebe>er Str. 7. 
Dd Die Gegner ander Arbeit 
Fromme Splitterrichter, . 
Uober die zunehmende „Verwahrloſung“ unferer Jugend iſt ſchon 
viel geſprochen und geſchrieben worden und fürzlich hat ſich auch die 
Synode Berlin-Stadt 7 mit dem Thema auf ihre Art beſchäftigt. Voy 
den Geiſtlichen, den Lehrern und kirchlich geſinnten Laien wurden leb- 
hafte Klagen angeſtimmt. Man führte -Bejcchwerde darüber, daß zügel- 
lofe Mädchen bunte Studentenmüßen tragen, daß bei den Ausflügen 
der -Wandervögelvereine jugendliche Perſonen beiderlei Geſchlechts nicht 
jelten zur Nachtzeit gemeinſam im Wald kampieren, umd daß ſich ſogar 
Jugendklulbs gebildet baben, die in cvigens für dieſen Zwe>d gemieteten 
Räumen Feſtlichkeiten abhalten. CEimwen beſänftigendem Troſt freilich 
fuchten einige der frommen Herren aus der Tatſache zu ziehen, daß 
die buntbemükßton jungen Damen meiſtens keine höheren Schülerinnen 
und die erwähnten Wandervögel feine richtigen bürgerlichen. Wander- 
vögel ſeien. Gs handle ſich dabei =-- hieß es = „wohl mehr um 
MunitionöSarbeiter und -arbeiterinnen“ Und nun exr- 
goſſen ſich bittere Vorwürfe über die = Militärbehörde, die jo un- 
hriſtſlich Hohe Löhne in ihren Betrieben zahle und dadurch: auch die 
 
  
 
- brave Privatinduſtrie zwinge, ihren jugendlichen Arbeitern Jeufzend , 
die Mittel gu einem -Praſſer- umd Luderleiben zu bewilligen. Als Heil- 
mittel gegen alle die Schäden wurde ein kräftiges Eingreifen dex Polize! 
empfohlen, und einex der Herren machte ſogar den Vorſchlag, die Schattz- 
leute follten furzen Prözeß machen, in ſolche Geſelljchaften gewaltſam“ 
- eindringen und die Teilnehmer verſohlen",- 
Der „Vorwärts“, dem wir dieſen Bericht entnehmen, bemerkt dazu: 
Das Urteil über dieſe Art der Kritif und dieſe Reformvorſchläge können 
wir getroſt unſern Leſern überlaſſen. Zweierlei aber möchten wir doch 
hinzufügen, Wenn die heutige Jugend, deren Leben im allgemeinen 
-' Freudlos genug iſt, das Recht auf ein wenig Zerſtreuung und Amüſe- 
nent Für ſich in Anſpruch nimmt = und um weiteres handelt es ſich 
in den von der Synode erörterten Fällen nicht --, ſo geſtehen wir offen 
daß uns die arbeitende Jugend, die ſich ihren Unterhalt durch 49rer 
Händ2 Work ſchwer gonug erwerben muß, einen berechtigteren Anſpruch 
darauf zu haven ſchomt, ais die höheren Schüler: und Schülerinnen, 
die lediglich die Baßen vorjubein, die ähnen von ihren Eltern zugeſte>t 
werden. Und wenn irgend jemand es wagt, ſich Über das rohe Be- 
wagen unſerer Arbeiterjugend naſerümpfend zu ergehen, dann möchten 
wir uns erlauben, ſein Augenmerk auf jens Früchte der allerbeſten 
Erziehung hinzuweiſen, die ſich kürzlich im Prozeß Rade>-Bernſtorff vor . 
..» 
den Augen der ſtaunenden Mitwelt produzierten. Wenn pikfeine Kia- 
valiere der erſten 'Geſellſchaftskreiſe ſich gegenſeitig mit den gemeinſten 
Ausdrüken titulieren, ſich gegenſeitig Bakpfeifen hauen und ein ganz 
Wohlerzogener es fertig bringt, auf offener Straße eine Dame anzu- 
ſpeien, dann, ſo dünkt e38 uns, hat kein Zeitgenoſſe mehr das echt, 
gute Sitte und Wohlanſtändigkeit für eine beſtimmte Klaſſe in Anſpeuch 
zu nehmen und ſie den Angehörigen anderer Stände abzuſprechen. 
. „In Rheinland und 
Hewegung unter dem Namen „Deutſche Jugendfraft“. ein Verband für 
SPE SET NTC TEES iE 3 wet NO Wie a 97 
zes eins “- - - 
- Meden 170 
en 2 Wor „. 
. .- << FEIRIEN nn 
AE EE wn 8 .„“ 
- “x - w 08 Wd m O6 ms a 
KI F er “7 ale . 
“ IE N is Tr BOIS. 
“Ee. 7 "= wer 
-. 
-» 
-- „Deutſche Jugenbkraft“, += 
* “: a x 
eſtfalen iſt innerhalb. der Fatholiſchen .Jugend- 
Turnen, Spiel und Wandern gegründet worden, der. ſich all- 
mählich auf die katholiſche Jugendbewegung ganz Deutſchlands aus- 
dehnen ſoll.- Vor allem ſoll Schlag-, Fauſt- und 'Schleuderball gepflegt 
werden. Jm Monat September 1918 wird der Verbänd einen großen 
Verbandsſporttag abhalten. . Die jüngeren Mitglieder ſollen durch be- 
ſondere Kurſe als Spielleiter, (Führer aind 'Schiedsrichter ausgebildet 
werden. Beſondere Aufmerkſamteit will: man gut geleiteten Wanderun- 
gen zuwenden. Auch ſollen baldigſt zwed>dienliche Unterkünfte für die 
jungen Wanderer eingerichtet werden. = 
EB Zur wirtschaftlichen Lage A 
Städtiſcher Zuſchuß für ein Lehrlingöheim. 
« In Nr. 3/4 der „Arbeiter-Jugend“ hat Genoſſe Mehlich vie Not- 
wendigkeit von Heimen für Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Ar- 
beiterinnen überzeugend nachgewieſen. Wie die Verhältniſſe ganz von 
 
Jelbſt. dazu drängen, ſolche Heime einzurichten, zeigt der Bericht über 
eine Stadtverordnetenſikung in Münſter i, W. Dort beſteht (wie 
wohl an vielen Orten) ein fühlbarer Mangel an Lehrlingen, von dem 
befürchtet wird, daß er nach dem Krieg noc< zunehmen wird. Infolge- 
deſſen iſt die Heranziehung junger Leute von auswärts. notwendig. Mit 
Rücſicht darauf, daß die Meiſter vielfach nicht in der Lage ſind, die 
Lehrlinge in iden Häushalt aufzunehmen, hält der Vorſtand Des 
fatholiſchen Geſellenhoſpizes die Unterbringung in einem befonderen 
Heim für geboten. Er will de8halb ein ihm gehörendes Haus zu einem 
&chrlingsheim umbauen, in dem 40 Lehrlinge untergebracht werden 
können. Für den Umbau und die Jnventarbeſchaffung ſind 25 000 Mk. 
aufzubringen, die ohne Zuſchüſſe nicht zu verzinſen ſind. Die Stadt 
wurde daher um einen Zuſchuß von 1000 Mk. angegangen. Magiſtrat 
und Stadtverwaltung erkannten an, daß die Gemeinde ein Intereſſe an 
einem ſolchen Heim habe und bewilligten iden Zuſchuß unter. der Be- 
dingung, jederzeit die Notwendigkeit der Heranzichung auswärtiger 
&ehrlinge nachprüfen zu laſſen und Hiervon die Weiterbewilligung ab- 
hängig zu machen. .. 
. Gin Stadtverordneter erklärte, vaß das, was hier für die katholi- 
ſc<hen Handwerkslehrlinge geplant ſei, in erhöhtem Maße für die katho- 
liſchen Kaufmannslehrlinge notwendig ſei; er teile ſchon jezt mit, daß 
der katholiſche kaufmänniſche Verein „Hanſa“ demnächſt mit einem ähn- 
lichen Antrag an die Stadt herantreten werde. - 
Die Rührigkeit, mit der hier katholiſche Organiſationen einen 
auten Gebanken praktiſch verwirklichen, verdient zwar alle Anerkennung, 
Die konfeſſionelle Abſchließung der Lehrlinge iſt aber zweifellos ein * 
- Uebel, und es wäre deShalb gewiß zwe>mäßziger, wenn - die Gemeinde 
Felbſt, wie es in der „Arbeiter-Jugend“ vorgeſ<lagen war, die Errich- 
tung fol<her Heime in die Hand nähme." Wenn mehrere konfeſſionelle 
Organiſationen ſolche Zuſchüſſe verlangen, dann fährt. die Stavt auch 
keineswegs billiger, als wenn ſie ein ſtädtiſches Lehrlingsheim ſelbſt 
betrvetbt, Lr ' --h, 
Bekenntnismut. 
Nimm nicht als Himmel an die Wolkenſchichte, 
Erprobe ſelbſt dein jugendlich Gefieder, 
Wirf mutig in die ſchwanken Schalen nieder 
Des Zweifels deine eigenen Gewichte! 
“ 
Wenn 
Erwärm den Geiſt am ſelbſtgeſchaffnen Lichte, 
Und forſche heut' und forſc<e morgen wieder, 
Senk nie zufrieden deine Augenlider, 
Ruf deinen Glauben täglich zu Gerichte! 
Doch was du immer wageſt, o beſchönig's | 
Nie vor den Menſchen durch" ein zaghaft Schweigen, 
: Bekenn es mit dem Freimuheines Königs! 
Ob ſie dir flammend auch den Holzſtoß zeigen; 
Mit Flammen tauft der Ewige den Phönix, . | 
Der ſtolz ſoll über ihre Waſſer ſteigen.. Georg Herwegy. 
Er ASSETS REIT 
EISE ZINLEZDEIEN 
RNS PABST ZI 
Budget (franz, ſprich ungefähr: büdſcheh) , Voranſchlag des Staats- 
hausbalt3 oder, in weiterm Sinn, irgendeiner anderen öffentlichen 
Verwaltung, | . 
Fraktion (lat., wörtlich: Bruchteil), Parteigruppe in dor VolksSvertretung. 
Fundamental (lat.), grundlegend... ? 
Meteprologie (grieh.) , Witterungsfunde, , 
Norm (lat.), Regel, Richtſchnur. - 
Reſignieren (Tat.), verzichten, ſich beſcheiden. 
Theorie (griech., dreiſilbig, Ton auf der Endſilbe), wörtlich! Betrachtung 
* == in dex Wiſſenſchaft: Betrachtung des einzelnen unter dem AU 
gemeinen, der Datſache unter dem Geſeb; geſebmäßige Srklärung. 
 
  
  
 
    
Beraniwortlich für die Redaktion: Karl Korn. -- Verlag; Fr, Ebert (Zentralſtelle für die arbeitende Jugend Deutſchlands). = Druc: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlags 
NIETEN anſtzlt Paul Singer & Co. Sämtlich in Berlit, ou DD -
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.