Full text: Arbeiter-Jugend - 16.1924 (16)

. Trotzdem dem Verein ſowohl vom Unter» - 
nehmertum als auch von den Behörden große 
Gdhwierigkeiten. bereitet wurden, konnte . er 
ſeine Mitgliederzahl vergrößern, ſo daß er ſich 
bald entſchließen mußte, in den einzelnen Be- 
dirken Wiens ſelbſtändige Gruppen zu grün» 
en. Um die Jahrhundertwende entſtanden 
weitere ſelbſtändige Vereine auch in anderen 
öſterreichiſchen Induſtrieſtädten, ſo in Auſſig, 
Brünn und Graz. Von dem regen Leben in 
der Jugendorganiſation Wiens zeugt die Tat» 
Jache daß ſchon nach wenigen Jahren ein 
reſſefonds geſchaffen wurde mit dem Ziel, 
möglichſt bald eine eigene Zeitſchrift heraus» 
zugeben, und am 15, Oktober 1902 erichien 
tatſächlich die erſte Nummer des „Jugend» 
lichen Arbeiters“, geſchaffen mit den kärglichen 
Mitteln junger Proletarier. 
Im Jahre 1903 kam es auch zur konſtitu- 
Ierenden Sitzung des „Verbande2s öſterreichi» 
ſcher Arbeiterjugendvereine“. Mit diejem 
Beſchluß wurde eine Aufwärtsentwicklung der 
Bewegung im ganzen Reich in die Wege ge» 
leitet, die bis zum Kriegsende andauerte. Die 
öſterreichiſche Organiſation - entwic>eldo ſic) 
nicht nur zahlenmäßig außerordentlich gut, 
Jondern ſie baute vor allem ihre Tätigkeit auf 
dem Gebiete des Jugendichußes ſo aus, daß 
ſie bald an führender Gtelle in der inter- 
nationalen ſozialiſtiſchen Jugendbewegung 
ſtand. Auch die Wirren des Krieges und der 
Nachkriegszeit hat der öſterreichiſche Verband 
verhälinismäßig gut überſtanden, zumal ihm 
die unheilvolle Gpaltung der Arbeiterbewes» 
gung, die in den übrigen europäiſchen Län- 
dern hofjnungsvolle Anſätze vernichtete, er 
ſpart blieb. Troßdem durc die Friedens5- 
Ichlüſſe in Deſterreich vollkommen veränderte 
ſtaatliche Verhältniſſe geſchaffen wurden, zählt 
der Verband gegenwärtig 35 000 Mitglieder 
und die Verbandszeitſchrift, die immer nod) 
unter ihrem alten Namen „Der jugendliche 
Arbeiter“ monatlich einmal ins Land geht, 
zählt eine dur<ſchnittliche Auflage von 22 000. 
Damit iſt der öſterreichiſche Verband heute 
noc) die zweitſtärkſte Drganiſation in unſerer. 
Sozialiſtiſchen Jugend-Internationale. 
In der internationalen ſozialiſtiſchen Jus 
KommuniſtiſG<er Schwindel, 
- 'Die Kommuniſten haben kürzlich unter dem 
Titel „Sachverſtändigenabkommen -- Arbeits» 
dienſtpflicht =- Deutſchland, das große Ar- 
beitszuchthaus für die arbeitende Jugend“ 
eine Brofchüre verbreitet, in der neben anderen 
Ausfällen gegen unſere Bewequng behaup- 
tet wird, der Ausſchuß der deutſchen Jugend» 
verbände habe einen Aufruf veröffentiicht, 
unterſchrieben vom 
ſidenden des Ausſchuſſes, dem Genoſſen Ollen» 
 
 
 
 
 
  
 
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Arbeiter-Jugend 
'reichiſchen Organiſation, 
Jugend.“ 
 
 
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Ftoellwertretenden Vor». 
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gendbewegung hat der öſterreichiſche Verband 
ſtets eine führende Rolle geſpielt. . Er war 
an der Gründung der Internationalen Ver»- 
bindung ſozialiſtiſcher Jugendorganiſationen 
in Stuttgart hervorragend beteiligt und die 
Internationale Konferenz in Stuttgart ver- 
Tegte denn auch das Sekretariat dieſer Ver- 
bindung nach Wien, dem Siß der öſter» 
Als nach Beendi- 
gung des Weltkriegs die internationalen 
"Fäden wieder angeknüpft wurden, war es der 
diterreichiſche Verband, der entſcheidend die 
Gründung der Jnternationalen Arbeitsge» 
meinſchaft ſozialiſtiſcher Jugendorganiſationen 
"beeinflußte, und auc< heute nach der Grün» 
dung der vereinigten Sozialiſtiſchen Jugend» 
Internationale ſind die Führer der öſter- 
veichiſchen ſozialiſtiſchen Jugend maßgebend 
an der Leitung der internationalen Arbeiten 
beteiligt. | 
So kann der Verband an ſeinem Jubiläums- 
tage auf eine bewegte, aber doch erfolgreiche 
Vergangenheit zurü&bli>ken. Hoffentlich leitet 
das Jubiläum einen neuen Abſchnitt in der 
Geſchichte dieſer Organiſation ein, indem ſie 
weiterhin maßgebend und in vieler Beziehung 
vorbildlich an der Ausgeſtaltung und Ver»- 
tiefung der ſozialiſtiſchen Jugendbewegung 
mitarbeitet. Auf der Jubiläumsfeier über- 
brachte der Genoſſe Pa ul = Tepliz-Schönau 
die Glü&wünſche des Bureaus der Sozia- 
liſtiſchen Jugend-Internationale und das Se»- 
kretariat übermittelte den öſterreichiſchen Ge- 
noſſen einen telegraphiſchen Glückwunſch, in 
dem zum AusdruF kam, daß dieſe ſeltene 
Feier die ſozialiſtiſche Jugend Deſterreichs 
und der Welt von neuem anſpornen möge, 
alle Kräfte einzuſetzen für die Sammlung der 
gejamten proletariſchen Jugend unter dem 
- Banner des internationalen Sozialismus. 
Der Hauptvorſtand der Sozialiſtiſchen Are 
beiterjugend Deutſchlands telegraphierte 
den öſterreichiſchen Genoſſen: 
„Wir wünſchen dem öſterreichiſchen Bruder» 
verband am Tage ſeines dreißigjährigen Bes 
ſtehbens herzlichſt Glü> und weitere erfolg» 
reiche Arbeit im Intereſſe der arbeitenden 
 
  
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uy bB Wirf. n 5 Padre 
hauer, in dem gefagt wird, der Ausſchuß 
der deutſchen Jugendverbände trete dafür ein, 
daß jeder junge Deutſche im Alter von 18 
bis 25 Jahren eine einjährige Arbeitsdienſtz 
pflicht durchmachen ſoll. Cs wird ſogar ein 
Auszug aus dieſem angeblichen Aufruf ver» 
öffentlicht, Nachdem die GStaatsanwaltſchaft 
dieſe Broſchüre, die aud) von Anwürfſen ges 
gen die Reichsregierung ſtroßte, beſchlage 
nahmt hatte, ſind die Behauptungen in der 
„Fungen Garde“ wiederholt worden,
	        

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