Full text: Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

Ur; 7 
 
wird erhöht, ſondern auh die Fähigkeit 
zur Dauerleiſtung. Dur< Ueben wird 
mehr hinausgeſ<oben, der Rörper lernt 
länger zu arbeiten und, was das aller- 
wichtigſte iſt -- dur< genaue <emiſ<e 
Unterſuchungen hat man das feſtgeſtellt 
--, er lernt au< rationeller arbeiten. 
Die Wiuskelarbeit iſt ſparſamer, der 
Körper verbrau<mt weniger Heizmaterial, 
d. 4. Uahrung, er nüßt die zugeführten 
Uahrungsmengen beſſer aus, er braucht ſic) nim mit dem 
übermäßigen toten Gewiht zu ſtarker Uahrungsaufnahme zu 
belaſten, er bequemt ſich zu einer „Oekonomie der Arbeit“. So 
kommt es, daß die auSsdauerndſten und zäheſten Sportsleute 
nict die Männer mit iden MusSkelbergen ſind, jondern die 
mageren, tro>enen, ſehnigen, die ihren Körper daran gewöhnt 
haben, mit einer kleinſten Menge der dur< die Uahrung zu- 
geführten Energie die höchſte Leiſtung zu erzielen. 
Dieſe Regulierung beſorgt der Körper, der wie eine mit 
Verſtändnis begabte Maſchine arbeitet, ganz allein. Im Qn- 
jang ciner körperlicen Einſtrengung arbeiten Derz und Lunge 
mit beſonderer Rraft 
und Sd<nelliagkeit (ver- 
gleiche das anfängliche 
Anſteigen der oberen 
und unteren Kurve in 
Figur 3), aber bald 
'tritt die automatiſ<h2 
"Regulierung ein: ohne“ 
daß die Leiſtung ſinkt, 
arbeiten Herz und 
Tunge wieder ruhiger, 
was an idem Abſinken 
der Kurven zu er- 
kennen iſt. Die mitt- 
lere Kurve- Gedeutet. 
die Wärmeerzeugung (bei jeder Krbeit»>wird Wärme erzeugt), 
und dieſe Wärmeerzeugung ſteigert ſich natürlic) weiter, weil 
ja eben die Arbeit weitergeht. 
Die UluSkelkraft iſt bei Menſ<en und Tieren verſchieden -- 
man berednet ſie pro Quadratzentimeter VluskelquerſInitt--, 
und bei ein und demſelben Lebeweſen iſt ſie auh in den 
verſchiedenen MusSkelgruppen verſchieden. Außerordentlid 
groß iſt die Kraft der Ulagenmuskulatur der körnerfreſſen- 
den Dögel, 3. B. beim Puter; man fand, daß im Ulagen eines 
ſolHen Tieres Blehröhren, die erſt dur; ein Gewicht von 
40 kg platt gedrückt werden konnten, vollkommen zer- 
quetſ<t worden waren. Die Inſekten ſind zu großen Kraft- 
äußerungen fähig; man<e vermögen mehr als das SedZzig- 
fache ihres eigenen Gewichts zu ſ<leppen (Figur 4), während 
das Pferd (Figur- 5, in 4 eingezeicnet), kaum gin Gewicht 
 
 
 
 
 
 
Fig. 7. 
 
Foe LLT ZZ um 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Jig. 10. 
tragen kann, das dem ſeines eigenen Rörpers nahe kommt. 
Der Hund leiſtet beim Zuſammendrüken ſeines Kiefers eine 
Arbeit (Figur 6), die dem 8,3- 
fachen ſeines KRörpergewihts 
entſpricht, der Rrebs (Figur 7) 
iſt imſtande, beim Zukneifen der 
Schere das 28,5fa<he ſeines Kör- 
pergewi<ts zu Überwinden, die 
Muſchel erreicht beim Shließen 
der Schalen (Figur 8) dur ihren 
verhältnismäßig kleinen Sdließ- 
musSkel jogar das 582jache iNr2s 
Körpe rgewicts. 
Ie mehr Arbeit von einem 
Muskel geleiſtet wird, veſto 
dicker wird er; Athleten haben 
andere UluSkeln als S<reiber. 
Der wichtigſte MusSkel, den wir 
a) Luft im reien 0,5 “= 
b) Wohnzimmer 0,6 
c) Krankenſtube 2,4 
d) Börſaal 3.2 
e) Kneipe 4,9 . 
f) Schulzimmer 7,2 
 
 
 
 
 
 
 
I 
a b cc d e f 
Fig. 11. Luftverderbnis (RKohlen- 
ſäuxe in Gramm auf je 
' 1000 Gramm Ktemluſt). 
 
der Zeitpunkt der Ermüdung immer. 
Menſ<en noHN beim 
die dieſes wichtige Gas, unſer LebenSele- 
'ment, im ganzen Körper verteilen und, 
Kohlenſäure an die KuSatmungsluft ab- 
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bejſiken, das Herz, 
madt davon keine AuS- 
nahme, weder beim 
 
Tier. Ie freier ein 
Tier lebt, je mehr es 
ſich bewegt, deſto Rräuf- 
tiger und ſchwerer Iſt 
im Derhältnis zum all- 
gemeinen Körperge- - 
wicht ſein Herz. Figur 
9 zeigt dieſs Beziehun- | 
gen beim 3ahmen' Ka- 
ninchen, beim wilden 
Kaninchen und beim 
Haſen. Der Haſe iſt der . | 
beſte Läufer unter den dreien, und dieſe Tatſa<e drückt ſic< 
auc< in ſeiner Berzgröße aus. Jedes geübte Organ nimmt 
an Maſſe und Leiſtungsfähigkeit zu. 
Uict nur die MusSkelin einſHließli? des Berzens Pprofi- 
ticren von ſportlicher Betätigung, ſondern aum die Lungen, 
deren Tätigkeit verſtärkt und vertieft wird. Das iſt gerade? 
für den Proletarier ſehr witig, der oft in ſmledt veonti- 
lierten Arbeitsräumen werken muß und ſelten gine große 
und luftige Wohnung ſein eigen nennt. Durd) regelmäßigen 
Sport im Freien, in reiner, klarer Luft, kann er einen Teil 
dieſes Schadens wieder gutmachen und ſich ſo wirkjamer 
gegen die ſur<tbare Proſletarierſeude, die Lungentuber- 
kuloſe, ſ<hüßen. 
Der Menj verbraucht, um ſeinen LebenSprozeß ZU unter- 
halten, eing große Menge Luft. Der Rauminhalt der Luſt, 
die in vierundzwanzig Stunden dur< die 
Cunge ſtrei<t, wird dur<7 Figur 10 veran- 
ſ<aulicht. In Wirkli<keit iſt das Bedürf- 
nis nah Lufterneuerung beim Körperlid) 
angeſtrengt arbeitenden Ulenſc<en nod) 
größer. Die Lotwendigkeit gründlier 
Durdlüſtung der Lungen wird um jo 
dringender, je mehr Luft in dem Raum, in 
dem der Wenſch ſim? aufhält, „verdorben“ 
iſt, d. h. je mehr Kohlenſäure, Staub ujw. 
ſie enthält. Ein Rind liefert dur< jeinen 
Atmungsprozeß pro Stunde 10 Liter der 
giftigen Kohlenſäure, ein Erwachſener 2272 
. Liter. oM mehr produziert eine Detro- 
leumlampe oder gar eine Gasflamme: die 
Petroleumlampe 60, die Gasflamme 100 
Citer pro Stunde. Figur 11 zeigt die Luft- 
porderbnis von Räumen, in denen Menſchen ſim auſhalten, 
in ſteigender Reihenfolge. 
In der Lunge findet der GasauStauſ<h zwiſä&en Kußen- 
luft und Körper ſtatt. Der Sauerſtoff der Luft wird an die 
roten Blutkörperden abgegeben, 
 
 
 
 
 
 
 
Fig. 12, eingezeichnet Fig. 9, 
 
 
 
 
 
Fig. 13. 
mg 
bevor ſie es aufnehmen, die ſchädliche 
geben. Die GeſamtoberſläHe der roten 
Blutkörper<en iſt maßgebend für die 
Gründlic<keit der Sauerſtoffſverſorgung. 
Obwohl jedes dieſer "Rörperwg;en mikro- -7 
ſkopiſch klein iſt, hat denno< die Geſamt- 
menge ährer Oberfläcße die Größe eines 
viere&igen Plazes von 80 Scritt Seiten- | 
länge. Figur 12 zeigt eine ſol<es Qua- - 
drat im Derhältnis zur Größe eines aUS- 
gewachſenen Elefanten. Die Zahl der roten 4] 
Blutkörper<en nimmt mit der Höhe deS 3,5 -Cae ff 
Aufenthaltes über dem Uleeresſpiegel zu; Fig. 14 
 
 
 

	        

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