Full text: Arbeiter-Jugend - 20.1928 (20)

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wollten, ſie haben die Sozialdemokratie auh nicht als das 
„Rleinere Ucbel“ gewählt, ſondern die junge Generation hat 
ſiM in ihrer Mehrheit -aus der Ueberzeugung für den Sozia- 
lisSmus entſ<ieden, daß nur von dort ein ernſthafter Kampf 
gegen die kapitaliſtiſche Ungeredhtigkeit und Willkür unſerer 
Arbeiter-Jugend 
Seit geführt werden kann. Die Tugend der 
Ur. 7/8 
Gegenwart iſt in 
ihren Leſten Teilen durMmMus antikßapitnaliſtiſce ein- 
'gejtellt und nur die Parteien werden auf die Iugend rechnen 
können, die dieſem Geiſt der Iugend dur< die Tat gere<hi 
Werden. 
Internationale Rundſchau. 
. der Sozialiſtiſmen Iugend-Internationale ange- 
95 AſMloſſenen LandeSverbände entfalten eine regte Tätig- 
Ga keit. Die verſ<iedenen Derbandstage geben davon ein 
anſ<auliches Bild. 
Die öſterrei<iſ<e Bruderorganiſation hielt Oſtern 
ihren Derbandstag in Wien ab. lehr als 200 Delegierte und 
zahlreiche Gäſte wohnten den Derhandlungen bei. Aus dem 
Beri<t des Derbandsvorſtuandes, den der Genoſſgy Dleyl er- 
ſtattete, aeht hervor, daß der Derband Ends 1927 356 GriS- 
gruppen mit 28 152 Mitgliedern, darunter 7 000 Mädel, zählte. 
Einen weſentlichen TageSordnungspunkt bildete die? Bo- 
prequng des internationalen Iugendtaags in Wien im Iuli 
1929. Genoſſs D einz beſprad) das vorläufige Programm und 
forderte die Konferenz guf, die Ulitgliederzahl des Derbandes 
bis zum Tugendtag auf 40 000 zu erhöhen. Genoſſe Droki<4 
jprac) über das Thema: „Wir und die Candarbeiteriugend“. 
Die Konferenz beſchloß na< mehrſtündiger Debatte ein Land- 
arbeitierjugendprogramm, das eine Reihe von wichtigen Iu- 
gendſ<ukforderungen umfaßt. Die Gegenwartsaufgaben der 
Bewegung behandelte Genoſſe Kaniß. Er forderte eine 
innige Derbindung aller ſozialiſtiſcen Iugendorganiſationen. 
Die ſpezielle Aufgabe der Sozialiſtiſmen Arbeiterjugend ſei die 
Sqhulung von Dertrauensmännern der Arbeiterbewegung für 
Kampf und Aufbau. Genoſſe Kimml hielt ein ergänzendes 
Referat über wirtſ<aftliche Gegenwartsaufgaben. Die Wahlen 
zum Derbandsvorſtand erfolgten einſtimmig und brachten im 
weſentlichen die alte Zuſammenſetzung. Bemerkenswert war 
die Einmütigkeit der Bewegung in allen Fragen, die während 
der ganzen Derhandlung ſtark in Erſcheinung trat. 
Qu der dän iſ< e Derband hatte ſeinen Derbandstag zu 
Oſtern. Die Mitgliederzahl iſt infolge der großen KArbeits- 
loſigkeit etwas zurückgegangen. Der Derband zählt gegen- 
wüäurtig 10.010 JUlitglieder in 110 OrtsSvereinen. 35 Droz. der 
Ulitglieder ſind über 18 Ighre alt, 22 Proz. über 22 Iahre. 
24 Proz. der Mitgliedſchaft ſind Ulädel. Der Derband hat kürz- 
liq eine große Werbeaktion für Iugendſ<uß dur<geführt. 
Das Jugendſ<ußprogramm lehnt ſich eng an die Forderungen 
ves internationalen Jugendj<hußproagramms an. Die KRon- 
feren3 behandelte ausführlie) die Iugendheimnot, die ein 
ſ<weres Hindernis für den AuSbau der Jugendarbeit dar- 
ſtellt, da bisher Schulräume oder andere öffentliche Einrich- 
tungen ſür Jugendpflegezwe.ke ni<t zur Derfügung geſtellt 
werden. BemerkensSwert iſt ferner ein Beſ)luß, der eine 
engere Zuſammenarbeit zwiſ<gen der däniſchen Kinderorgani- 
ſation und der Jugendorganiſation ſordert. Plan erſirebht eine 
Derſ<melzung der beiden Derbände. Das zehnjährige Beſtehen 
des Derbandes joll im Tahre 1930 durd) einen interſzandinavi- 
ſchen Iugendtag in Kopenhagen gefeiert werden. Zum Dor- 
ſikenden wurde einjtimmig an Stelle des in die Bildungsarbeoit 
der Partei übergetretenen Genoſſen Chriſtian Chriſtianſen ter 
Genoſſe Hans Hanſen gewählt. 
In Schweden geht es weiter voran. 
 
Im Zerbſt wird der 
in vieſem Iahr fällige Derbantstag in Stockholm ſtattfinden. - 
Während auf dem lezten Derbandstag vor drei Jahren üb2 
21 6000 Mitglieder berichtet werden konnte, wird der Derband 
ini Berbſt 40 000 Uitaglieder zählen. Don beſonderer Werbe- 
kraft ſind die ſeit Beginn dieſes Iahres gebildeten Gruppen 
der „Singenden Geſellen“, die dur< das Tand ziehen und Über- 
all mit ihren Liedern Überfüllte und eindruckSvolle Werbs- 
veranſtaltungen erzielen. Die ſchwediſchen Genoſſen bezeicGnen 
dieſen Ausbau ihrer Arbeit als einen Erfolg der Derbindung 
mit den Genoſſen in Ulitteleuropa, die ihnen dur< ihre Kul-- 
turelle Arbeit die Bedeutung der gefühlsmäßigen Beein- 
fluſſung der Iugenb gezeigt hätten. Ulan verſpricht jim von 
Der neuen Wiethode große Erfolge. 
Die italieniſ<en Genoſſen ſtehen noFH immer im un- 
erbittliHen Kampf mit dem Syſtem Muſſolinis. In Italien 
jelbſt iſt eine legale Arbeit ſeit langem niGt mehr möglich, 
denn jeder Sozialiſt iſt den ſchlimmſten Derfolagungen aus- 
gejeßt. Ueber den Umfang des Gewaltregiments gelangen 
nur ſelten Uadhrichten über die Grenze. Teßt iſt aber wied2r 
ein Fall bekannt geworden, der ein Kraſſes Beiſpiel für die 
Regierungsmethoden Muſſolinis iſt. Ein junger QKrbeitex, 
Gaſtone S93Z3i, der giner antifaſc<iſtiſchen Graaniſation ai 1 
ehörte, wurde im Dezember vorigen Iahres verhaftet. Da er 
hei den Dernehmungen die Uamen ſeiner Freunde niHt be- 
kanntgeben wollte, wurde er fürdterli< gefoltert. Als alle 
ADuälereien niQts halfen, injizierte man ihm Iovdtinktur in 
den Maſtdarm, ſo daß ſeine Eingeweide verbrannten. Dann 
pot man ihm für 35000 Lire (1000 RM.) Mongatsgehalt eine 
Stellung in der Faſ<iſtiſchen Dartei, wenn er ſein Sc<weigen 
aufgeben wollte. Sozzi weigerte ſic) und in der Uacßt vom 7. 
zum 8. Februar wurde ex in ſeiner Zelle ermordet. Die 
italieniſ<He ſozialiſtiſMe Partei ruft jeßt die im Exil lebenden 
Jugendlichen auf, ſiM ihr anzuſchließen und dadurc< den 
Kampf gegen dieſes brutale Gewaltregiment zu unteorſtüßen. 
Ui<t minder grauſam ſind die Derfolgungen der jungen 
Sozialiſten in Litauen. Am 9, Mai fand in Raſſeini eine 
Derhandlung vor dem Kriegsgericht ſtatt, bei. der die Derhaf- 
teten derart mißhandelt wurden, daß der Genoſſe Ionas 
Uowogrozkas und die Eenoſſin Suſanna Detrauskun 
im Krankenhaus eingeliefert wurden. Diele der Der- 
urteilten ſind führende Genoſſen der litauiſchen IJTugend- 
bewegung. Die ſozialiſtiſMe Iugend wird nicht müde werden, 
gegen dieſs brutalen Gewaltmethoden im Kampf gegen den 
Sozialismus zu proteſtieren. 
Vun aber eine erfreulihe Mittoilung aus Polen. 
Nm 4. Därz wurde bekanntli< in Polen zum Reichstag ge- 
wähli. Die Wahlen brachten der polniſHen ſozialiſtiſchen 
Partei einen ſtarken Erfolg, der nicht zulezt darauf Zurüm- 
zuführen iſt, daß alle der Sozialiſtiſcen Arbeiter-Internatio- 
nale angeſchloſſenen Parteien zum erſtenmal gemeinſam vor- 
gingen. Au die ſozialiſtiſ<Oen Iugendverbände ſtanden ein- 
mütig im Mahlkampf hinter dem ſozialiſtiſ&men Blok. Unter 
ven ſozialdemokratiſh<en Abgeordneten beſinden ſich zwei Wit- 
glieder der polniſchen Iugendorganiſation, die Geonoiſen Sta- 
nisSlaw Dubois-Oſtrow und Adam Ciolkoſ3- Krakow. 
Ihre Wahl verdanken ſie nict zuleßzt der energiſchen Hilfe ver 
Jugend. In Oſtrow ſtiegen die ſozialdemokratiſHmen Stimmen 
ſeit der lezten Wahl im Igahre 1922 von 4043 auf 22 868, in 
Krakov von 11 940 auf 20 490. Das iſt ein ſtattlicher Erfolg. 
Es geht auc< ſonſt vorwärts. Unſere holländiſ<e 
Grganiſation hat kürzli? eine großzügige Werbegktion durd"- 
geführt, und es iſt ihr gelungen, dis Mitalioderzayl des Der- 
handes um rund 1000 zu ſteigern. Die bolländiſ<s Grga- 
niſation zählt ickt 7758 Mitglieder. 
Der Deutſ«Ee ſozialiſtiſco Jugendverband in der 
Tiche Hoſlowakei hatte Pfingſten einen Reicsjugendtag 
in Kuſſig. An der Bauptkundgebung am Dfingſtſonntag 
nahmen rund 12000 junce und alte Sozialiſten teil. Unter 
den auswärtigen Teilnehmern befanbten ſich aud) 1300 ſächſiſche 
Genoſſen, dis im Sonderzug nach Kuſſig aekommen waren. 
Das Programm der Deranſtaltung war Überaus roi<haltig. 
und zeugte von einer erfolgreicen Krbeit unſerer deuti<- 
öſterreichiſchen Genoſſen. Es fanden zwei Filmporführungen, 
eine Feſtvorſtellung im Stadttheater und-.im DolkShaus ein
	        
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