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wollten, ſie haben die Sozialdemokratie auh nicht als das
„Rleinere Ucbel“ gewählt, ſondern die junge Generation hat
ſiM in ihrer Mehrheit -aus der Ueberzeugung für den Sozia-
lisSmus entſ<ieden, daß nur von dort ein ernſthafter Kampf
gegen die kapitaliſtiſche Ungeredhtigkeit und Willkür unſerer
Arbeiter-Jugend
Seit geführt werden kann. Die Tugend der
Ur. 7/8
Gegenwart iſt in
ihren Leſten Teilen durMmMus antikßapitnaliſtiſce ein-
'gejtellt und nur die Parteien werden auf die Iugend rechnen
können, die dieſem Geiſt der Iugend dur< die Tat gere<hi
Werden.
Internationale Rundſchau.
. der Sozialiſtiſmen Iugend-Internationale ange-
95 AſMloſſenen LandeSverbände entfalten eine regte Tätig-
Ga keit. Die verſ<iedenen Derbandstage geben davon ein
anſ<auliches Bild.
Die öſterrei<iſ<e Bruderorganiſation hielt Oſtern
ihren Derbandstag in Wien ab. lehr als 200 Delegierte und
zahlreiche Gäſte wohnten den Derhandlungen bei. Aus dem
Beri<t des Derbandsvorſtuandes, den der Genoſſgy Dleyl er-
ſtattete, aeht hervor, daß der Derband Ends 1927 356 GriS-
gruppen mit 28 152 Mitgliedern, darunter 7 000 Mädel, zählte.
Einen weſentlichen TageSordnungspunkt bildete die? Bo-
prequng des internationalen Iugendtaags in Wien im Iuli
1929. Genoſſs D einz beſprad) das vorläufige Programm und
forderte die Konferenz guf, die Ulitgliederzahl des Derbandes
bis zum Tugendtag auf 40 000 zu erhöhen. Genoſſe Droki<4
jprac) über das Thema: „Wir und die Candarbeiteriugend“.
Die Konferenz beſchloß na< mehrſtündiger Debatte ein Land-
arbeitierjugendprogramm, das eine Reihe von wichtigen Iu-
gendſ<ukforderungen umfaßt. Die Gegenwartsaufgaben der
Bewegung behandelte Genoſſe Kaniß. Er forderte eine
innige Derbindung aller ſozialiſtiſcen Iugendorganiſationen.
Die ſpezielle Aufgabe der Sozialiſtiſmen Arbeiterjugend ſei die
Sqhulung von Dertrauensmännern der Arbeiterbewegung für
Kampf und Aufbau. Genoſſe Kimml hielt ein ergänzendes
Referat über wirtſ<aftliche Gegenwartsaufgaben. Die Wahlen
zum Derbandsvorſtand erfolgten einſtimmig und brachten im
weſentlichen die alte Zuſammenſetzung. Bemerkenswert war
die Einmütigkeit der Bewegung in allen Fragen, die während
der ganzen Derhandlung ſtark in Erſcheinung trat.
Qu der dän iſ< e Derband hatte ſeinen Derbandstag zu
Oſtern. Die Mitgliederzahl iſt infolge der großen KArbeits-
loſigkeit etwas zurückgegangen. Der Derband zählt gegen-
wüäurtig 10.010 JUlitglieder in 110 OrtsSvereinen. 35 Droz. der
Ulitglieder ſind über 18 Ighre alt, 22 Proz. über 22 Iahre.
24 Proz. der Mitgliedſchaft ſind Ulädel. Der Derband hat kürz-
liq eine große Werbeaktion für Iugendſ<uß dur<geführt.
Das Jugendſ<ußprogramm lehnt ſich eng an die Forderungen
ves internationalen Jugendj<hußproagramms an. Die KRon-
feren3 behandelte ausführlie) die Iugendheimnot, die ein
ſ<weres Hindernis für den AuSbau der Jugendarbeit dar-
ſtellt, da bisher Schulräume oder andere öffentliche Einrich-
tungen ſür Jugendpflegezwe.ke ni<t zur Derfügung geſtellt
werden. BemerkensSwert iſt ferner ein Beſ)luß, der eine
engere Zuſammenarbeit zwiſ<gen der däniſchen Kinderorgani-
ſation und der Jugendorganiſation ſordert. Plan erſirebht eine
Derſ<melzung der beiden Derbände. Das zehnjährige Beſtehen
des Derbandes joll im Tahre 1930 durd) einen interſzandinavi-
ſchen Iugendtag in Kopenhagen gefeiert werden. Zum Dor-
ſikenden wurde einjtimmig an Stelle des in die Bildungsarbeoit
der Partei übergetretenen Genoſſen Chriſtian Chriſtianſen ter
Genoſſe Hans Hanſen gewählt.
In Schweden geht es weiter voran.
Im Zerbſt wird der
in vieſem Iahr fällige Derbantstag in Stockholm ſtattfinden. -
Während auf dem lezten Derbandstag vor drei Jahren üb2
21 6000 Mitglieder berichtet werden konnte, wird der Derband
ini Berbſt 40 000 Uitaglieder zählen. Don beſonderer Werbe-
kraft ſind die ſeit Beginn dieſes Iahres gebildeten Gruppen
der „Singenden Geſellen“, die dur< das Tand ziehen und Über-
all mit ihren Liedern Überfüllte und eindruckSvolle Werbs-
veranſtaltungen erzielen. Die ſchwediſchen Genoſſen bezeicGnen
dieſen Ausbau ihrer Arbeit als einen Erfolg der Derbindung
mit den Genoſſen in Ulitteleuropa, die ihnen dur< ihre Kul--
turelle Arbeit die Bedeutung der gefühlsmäßigen Beein-
fluſſung der Iugenb gezeigt hätten. Ulan verſpricht jim von
Der neuen Wiethode große Erfolge.
Die italieniſ<en Genoſſen ſtehen noFH immer im un-
erbittliHen Kampf mit dem Syſtem Muſſolinis. In Italien
jelbſt iſt eine legale Arbeit ſeit langem niGt mehr möglich,
denn jeder Sozialiſt iſt den ſchlimmſten Derfolagungen aus-
gejeßt. Ueber den Umfang des Gewaltregiments gelangen
nur ſelten Uadhrichten über die Grenze. Teßt iſt aber wied2r
ein Fall bekannt geworden, der ein Kraſſes Beiſpiel für die
Regierungsmethoden Muſſolinis iſt. Ein junger QKrbeitex,
Gaſtone S93Z3i, der giner antifaſc<iſtiſchen Graaniſation ai 1
ehörte, wurde im Dezember vorigen Iahres verhaftet. Da er
hei den Dernehmungen die Uamen ſeiner Freunde niHt be-
kanntgeben wollte, wurde er fürdterli< gefoltert. Als alle
ADuälereien niQts halfen, injizierte man ihm Iovdtinktur in
den Maſtdarm, ſo daß ſeine Eingeweide verbrannten. Dann
pot man ihm für 35000 Lire (1000 RM.) Mongatsgehalt eine
Stellung in der Faſ<iſtiſchen Dartei, wenn er ſein Sc<weigen
aufgeben wollte. Sozzi weigerte ſic) und in der Uacßt vom 7.
zum 8. Februar wurde ex in ſeiner Zelle ermordet. Die
italieniſ<He ſozialiſtiſMe Partei ruft jeßt die im Exil lebenden
Jugendlichen auf, ſiM ihr anzuſchließen und dadurc< den
Kampf gegen dieſes brutale Gewaltregiment zu unteorſtüßen.
Ui<t minder grauſam ſind die Derfolgungen der jungen
Sozialiſten in Litauen. Am 9, Mai fand in Raſſeini eine
Derhandlung vor dem Kriegsgericht ſtatt, bei. der die Derhaf-
teten derart mißhandelt wurden, daß der Genoſſe Ionas
Uowogrozkas und die Eenoſſin Suſanna Detrauskun
im Krankenhaus eingeliefert wurden. Diele der Der-
urteilten ſind führende Genoſſen der litauiſchen IJTugend-
bewegung. Die ſozialiſtiſMe Iugend wird nicht müde werden,
gegen dieſs brutalen Gewaltmethoden im Kampf gegen den
Sozialismus zu proteſtieren.
Vun aber eine erfreulihe Mittoilung aus Polen.
Nm 4. Därz wurde bekanntli< in Polen zum Reichstag ge-
wähli. Die Wahlen brachten der polniſHen ſozialiſtiſchen
Partei einen ſtarken Erfolg, der nicht zulezt darauf Zurüm-
zuführen iſt, daß alle der Sozialiſtiſcen Arbeiter-Internatio-
nale angeſchloſſenen Parteien zum erſtenmal gemeinſam vor-
gingen. Au die ſozialiſtiſ<Oen Iugendverbände ſtanden ein-
mütig im Mahlkampf hinter dem ſozialiſtiſ&men Blok. Unter
ven ſozialdemokratiſh<en Abgeordneten beſinden ſich zwei Wit-
glieder der polniſchen Iugendorganiſation, die Geonoiſen Sta-
nisSlaw Dubois-Oſtrow und Adam Ciolkoſ3- Krakow.
Ihre Wahl verdanken ſie nict zuleßzt der energiſchen Hilfe ver
Jugend. In Oſtrow ſtiegen die ſozialdemokratiſHmen Stimmen
ſeit der lezten Wahl im Igahre 1922 von 4043 auf 22 868, in
Krakov von 11 940 auf 20 490. Das iſt ein ſtattlicher Erfolg.
Es geht auc< ſonſt vorwärts. Unſere holländiſ<e
Grganiſation hat kürzli? eine großzügige Werbegktion durd"-
geführt, und es iſt ihr gelungen, dis Mitalioderzayl des Der-
handes um rund 1000 zu ſteigern. Die bolländiſ<s Grga-
niſation zählt ickt 7758 Mitglieder.
Der Deutſ«Ee ſozialiſtiſco Jugendverband in der
Tiche Hoſlowakei hatte Pfingſten einen Reicsjugendtag
in Kuſſig. An der Bauptkundgebung am Dfingſtſonntag
nahmen rund 12000 junce und alte Sozialiſten teil. Unter
den auswärtigen Teilnehmern befanbten ſich aud) 1300 ſächſiſche
Genoſſen, dis im Sonderzug nach Kuſſig aekommen waren.
Das Programm der Deranſtaltung war Überaus roi<haltig.
und zeugte von einer erfolgreicen Krbeit unſerer deuti<-
öſterreichiſchen Genoſſen. Es fanden zwei Filmporführungen,
eine Feſtvorſtellung im Stadttheater und-.im DolkShaus ein