Full text: Arbeiter-Jugend - 20.1928 (20)

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bannerleuten. Lettere erfüllen ihre Pflicht und weigern ſi, 
die Oppoſition dur<zulaſſen. Da fällt dieſe wilde Horde rück- 
lings über die Rei<hsbannerleute her und es gibt Schlägerei. 
Ulan ſieht Fäuſte, Knüppel und Meſſer in der Luft Hliten. 
Wie vom Wahnſinn erfaßt, haut die wilde Horde auſ die 
WMenſ<hen ein. Ein S<hupomann erkennt die Situation -- ein 
Pfiff. 'Es kommen ungefähr 20 Sdupoleute heran. ES 
dauerte nur kurze Zeit, um die Blutdürſtigen zu verſcheuchen. 
Uun tritt eine kleine Dauſe ein. Man erhofft die Begrüßungs- 
anſprache zu hören. Do<h vergebens. Statt deſſen jah man ein 
Sanitätsauto des Arbeiter-Samariterbundes na< dem andern, 
Derleßte ins Krankenhaus befördern.“ 
Die Schäden der neuen Fahrpreiſe für unſer Wandern. 
Am 1. Oktober ſind die neuen Fahrpreiſe bei der deutſchen 
Reihsbahn in Kraft getreten. Ua dem neuen Tarif beſteht die 
vierte Wagenklaſſe niht mehr. Es gibt nur nod eine Polſter- 
und eine Holzklaſſe. Die Holzklaſſe beſteht aus den biSherigen 
Wagen der dritten und vierten Klaſſe, die Polſterklaſſe aus den 
Wagen der erſten und zweiten Klaſſe. Für beſonders Be- 
güterte gibt es eine ſogenannte LuxusSklaſſe. Die neuen Preiſe 
für das Kilometer betragen in der Holzklaſſe 3,7 Pf. (biSher 
4. Klaſſe 3,5 Pf.), in der Polſterklaſſe 5,6 Df. und in der 
LuxusSklaſſe 11,2 Pf. Es ergibt ſich alſo das jeltjame Bild, 
daß die biShorige vierte Klaſſe um J2 Droz. ver- 
teuert wird! Daoegen verbilligt ſic die dritte Klaſſy um 
26 Pro3., was natürlich zu begrüßen iſt, und die zweite Klaſſ2 
um etwa 25 Dro3z. lan ſieht alſo, daß der Proletarier, der 
». biSher auf die vierte Klaſſe angewieſen war, die Sehe der 
. DreiSserhöhungen bei der ReiHsbahn bezahlen muß. 
Unſer Iugerwdwandern wird dur< die neuen Tarife ſtarKR 
inmMitleidenſ<aft gezogen. In den allermeiſten Fällen 
wurden unſere Gruppenfahrten in der vierten Klaſſe mit 
50prozentiger Ermäßigung gemad<t. Don den zuſäßli<en zwölf 
Prozent für die Holzklaſſe muß die wandernde Jugend jeMs 
Prozent tragen. Loh ſ<ädlicher wirken jich aber vie neuen 
Preisvorſ<riften dadurd< aus, daß die beſchleunigten Perſonen- 
züge weggefallen ſind. Bei weiten Reiſen ſind wir alſo zU- 
künftig auf Bummelzüge angewieſen, oder wir müſſen Eilzüge 
benußen, für die ſtark geſtaffelte und bei langen Strecken re<ht 
gepfefferte Zuſchläge bezahlt werden müſſen. Dieſe Cilzug- 
zuſ<läge gab es biSher nicht und ſie ſtellen für unſer Iugend- 
wandern die unangenehmſte und bhemmendſte Uouerung bei 
den Faährpreiſen dar. Beim Ausknobeln des neuen Perjonen- 
tarifes hätten die hohen Herren bei der Rei<Sbahngeneral- 
direktion bedenken ſollen, daß das Iugondwandern keine 
Cuxusfac<heo, ſondern für unſere Dolksgeſundhoit von großem 
Wort iſt. Dieſer Wort wird ſtark in Frage geſtellt, wenn ſic? 
die Arbeiterkinder bei ihren kargen Ferientagen tagelang in 
Bummelzügen bherumquälen müſſen, nur weil ſie die Zuſ<läge 
für Eilzüge nicht erſ<wingen können. Die Sdnell- und Eil- 
züge ſind und bleiben ein Beförderungsmittel für Zahlungs- 
kräftige. 
Dieſs unſoziale Einſtellung der Reichsbahn 
= hat in der geſamten deutſGen Iugendbewegung ſtarken Un- 
Dpvillen hervorgerufen. Lus allen Lagern kommen Protejie. 
- Beſonders au< die Dolksſhulen ſtehgn in dieſer Front. Don 
einem Lehrer wurde die Fordorung erhoben, daß erſtens 
die Iugendfahrten zu 40 Proz. dernguon Fahrpreiſe 
zugelaſſen werden, und zweitens, daß Wandtergruppen die 
zuſ<Hlagfreie Benüußung aller Eilzüge gejtattet 
iſt. Dieſe Forderungen lieoen dur<aus im Rahmen des UWMö6I- 
lichen. Sie würden die Reichsbahn nicht in den Ruin bringen, 
aber für 'die deutſ<e Iugend und damit für die geſamte Ent- 
wicklung unſeres Dolkes von größtem UÜutßen jein. Die Wohl- 
fahrtsminiſterien müſſen ſic; dieſer Frage mit aller Gowiſſen- 
haftigkeit annehmen. 
Ein WeltfriedensSRonareß der Jugend. 
Auf der ſandigen, mit rauhem Heidekraut bewachſenen 
Ebene bei Eerde in Zolland war vom 17. bis zum 27. Auguſt 
ein buntes GemiſH von viereinhalbhundert junger Ulenſ<hen 
aus allen Teilen der Welt verſammelt, um dur< Gründung 
eines Weltbundes der Iugend. für den Frieden zu wirken. 
Die hauptſächlichen Arrangeure dieſes Weltbundes ſind neben 
den früheren Mitgliedern der demokratiſchen Iugendliga, die 
zwar ſ<on vor a<t Iahren gegründet wurde, aber nie richtig 
zum Leben kam, radikal-paziſfiſtiſmQe Iugendbünde aus dem 
bürgerlichen CTager, unterſtüßt von den Jugendlichen der 
gleihen Geſellſ<aftsſhi<t, wie ſie ſic) in den verſchiedenſten 
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Iugendbewegungen (Kronader, Reſte der Freideutſchen uſw.) 
rekrutieren. Die kommuniſtiſche Iugend war mit einer 
15köpfigen Delegation offiziell auf dieſer dur<aus bürger- 
lien Deranſtaltung vertreten, während die Sozialiſtiſ<e 
Iugendinternationale nur einen Beobachter entſandt hatte. 
: Es muß den Behörden dieſer Deranſtaltung gewiß ho< an- 
gerechnet werden, daß ſie das ſchöne, aher äußerſt utopiſ<e 
Ziel hatten -- und vielleiht no< haben --, die Iugend aller 
Staaten und aller Richtungen unter einen Hut zu bringen. 
Daß dieſe „allergrößte Koalition“ ein Ding der Unmöglichkeit 
iſt, bewies ſchon der zweite Tag der Derhandlungen, an dem 
die deutſ<hen nationaliſtiſQen Gruppen unter der Leitung 
eines Profeſſors demonſtrativ die Tagung verließen. Das 
eigentliche Ziel, Schaffung vines Weltbundes der Jugend, 
wurde nicht erreicht. Beſhloſjen wurde nur die Einrictung 
eines internationalen Sekretariats. Angenommen wurden 
die Jugendſhußford2rungen der Sozialiſtiſ<en Iugendinter- 
nationale und eine Entſchließung, in der geſagt wird, daß der 
Kampf gegen den MilitariSmus und ImpserialiSmus den 
Kampf gegen die Kkapitaliſtijgde Gejell- 
ſ<afts- und Wirtſ<HaftSordnung und für eine 
neue, ausbeutungsfreie Wirtſ<aſt bedingt. 
„Unjer Hauptgegner iſt die 53I.“ 
Im MoSkauer Gewerkgſ<aftShaus tagte Ende Auguſt "der 
5. Kongreß der Kommuniſtiſchen JTugend- 
internationale. Den Hauptteil der Derhandlungen 
bildeten Klagelieder über den ſchlechten Stand der Rom- 
muniſtiſ<en Iugendverbände. Ein Dsortreter des ExeRutiv- 
komitees der KIJIJI. machi Folgende Jeſtſtellungen: „Unſere 
Shwädcen und Ulängel ſind: Ungenügende organiſatoriihe 
Stärke; ſtarke Fluktuation des UDiitgliederbeſtandes; un-- 
genügende Arbeit in den Sport-, Gewerkſ<afts- und anderen 
Maſſenorganiſationen.“ Ein anderer Redner erklärte: „Auf 
dem 4. Kongreß gab es noh gewiſſe Uebertreibungen (!) in 
der Stärke unſerer Organiſationen. Die Derbände wadcgien 
ungleichmäßig. Das Stärkeverbältnis der kommuniſtijben 
Jugendverbände zu den kommuniſtiſ<en Parteien iſt anormal. 
In Deutſ<Hland war das Derhältnis von Jugend zur 
Parteimitgliedſhaft vor vier Iahren 20 Prozent, während 
heute die Jugend nur noh 15 Prozent der ParteimitgliedſDait 
hat. Die kommuniſtiſ&en Iugendverbände in den KRapita- 
liſtiſMman Cändern ſind no? keine Maſſenorganiſa- 
tionen.“ 
Zur Abhilfe wird ſtärkere Einſtellung der Arbeit auf einen 
jugendgemäßen CTharakter propagiert. „Was die Arbeits- 
methoden anbetrifft, können wir von den bürgerli<eon Iugend- 
organiſationen lernen. . . .“ „Die Derſammlungen müſſen 
intereſſant2r geſtaltet merden dur< Rezitationen, Muſik und 
Theater, wie der rote Rummel. . . “ „Die Einheitskleidung (!) 
macht die Demonſtration eindruckSvoll. . . .“ „Es iſt von 
Wichtigkeit, die Erholung und Beluſtigung der JIung- 
arbeiter zu organiſieren.“ Das ſind einige Blüten aus dem 
Bericht der „Roten Fahne“ vom 153. September d. I. über den 
Kongreß. Hier wird von den Kommuniſten alles das ge- 
fordert, was bei uns „Ablenkung vom Klaſſenkampf“ ſein 
joll. In einem Dorbericht in Heft 12 der „Jugend-Inter- 
nationale“ geht der Sekretär Sqhüller jogar noh weiter, wann 
er ſ<reibt: „Es iſt notwendig, der Tätigkeit der kommu- 
niſtiſ<Gen IJugendverbände einen mehr jugendgemäßen 
Charakter zu geban. Dlehr kulturelle Tätigkeit, ſyſtematiſche 
Beſhäftigung mit Fragen des Sports, richtige proletariſDe 
Unterhaltung, Ausflüge, Lager, Muſikkapellen, Uniformen (!) 
uſw.“ Wir gratulieren den Iungkommuniſten zu ihrer Ent- 
wicklung zur Spiel- und Sportjugend. Vilit Muſikkapellen 
und Uniformen werden ſie totſicher das gelobte Sowjetparadies 
auf Erden ſ<affen. 
Ihre Hauptaufgabe im politiſchen Kampf ſehen die Kommu- 
niſten in der Bekämpfung und Zerſtörung der ſozialiſtiſc&en 
Organiſationen. Blenkle (Deutſchland) führte aus: „Unjer 
Hauptgegner iſt die Sozialiſtiſche Iugend-Internatio- 
nale, die in den Gewerkſchaften, Freidenker- und Sport- 
organiſationen no< Einfluß beſitzt.“ Und aud behalten wird, 
lieber Freund Blenkle, wie die Bundestage der Freidenker 
und Arbeiterturner und vor allem der 13. Kongreß der 
freien Gewerkſchaften zur Genüge bewieſen haben. Kampf 
gegen die bürgerlichen Organiſationen iſt bei den Kommu- 
miſten nicht beliebt. Chitarow vom Exekutivkomitee der 
KII. ſagte im Sc<lußwort zu ſeinem Referat Über die 
Hauptaufgaben der kommuniſtiſchen Iugend: „Unſer Haupt- 
[nd
	        
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