Otoco, der Heide
Mit Erlaubnis der Universiias. Deuische Verlags-.X kt.-Gesch-
Schafi, Berlin W 50, entnehmen wir die nadhsiehende. in drei
oder vier Vortsetzungen erscieinende Erzählung dem Buche
„Südscegeshicdhten“ von Jack London.
Das erstemal traf ich ihn bei einem Orkan, und op-
gleich wir den Orkan auf demselben Schoner erlebien,
bemerkte ich ihn erst, als das Schitt unter unseren
Füßen zertrümmert war. Zweifellos hatte ich ihn mit der
übrigen Kanakenbesatzung an Bord gesehen, aber Seine
Existenz war mir nicht zum BewußtSsein gekommen, denn
die „Petite Jeanne“ war Stark überfüllt. Außer ihren acht
oder zehn Kanakenmatrosen, dem weißen Kapitän, Steuer»
mann und Superkargo und ihren Sechs KaſjütpasSagieren
fuhr Sie von Rangiroa mit ungefähr 85 DeckpasSagieren ab
--“ Paumotern und Tahitianern, Männern, Frauen und Kin-
dern, jeder mit einer Kiste, der Schlafmatten, Bettdecken
und Kleiderbündel nicht zu gedenken.
Die Zeit der PerlenfisScherei auf Paumotu war vorüber,
und alles kehrte nach Tahiti zurück. Wir Sechs Kajüt-
PaSSagiere waren Perlenhändler. Zwei davon waren Ameri
kaner, einer war Ah Choon (der weigeste Chinese, den ich
je gesehen habe), einer war Deutscher, einer polnischer
Jude, und ich machte das halbe Dutzend voll.
Der Fang war vom Glück begünstigt gewesen. Nicht
einer von uns hatte Grund zu klagen, "ebensowenig „einer
von den 385 DeckpasSagieren. Alles war gut gegangen, und
alle konnten einer ruhigen, angenehmen Zeit in Papeete
entgegensehen.
Natürlich war die „Petite Jeanne überladen. Nur
70 Tonnen groß, hätte Sie auch nicht ein Zehntel der
Menge, die Sie an Bord führte, auinehmen dürien. Unter
ihren Luken war Sie vollgepfropft bis an den Rand mit
Perlmutter und Kopra. Selbst der Gepäckraum war damit
vollgepackt. Es war ein Wunder, daß die MatroSen über-
haupt arbeiten konnten. Auf Deck konnte man Sich Kaum
bewegen. Sie mußten
einfach von vorn nach
achtern die Reling ent»
lang Kriechen.
Nachts traten Sie auf
die Schläfer, die das
Deck wie einen Teppich
bedeckten; Sie lagen in
zwei Schichten überein»
ander. Und dazu Kamen
noch Schweine und
Hühner und Säcke mit
Jams, während Jede er»
denkliche Stelle mit Gir
landen von KokoSnüssen
und Bananenbündeln
bekränzt war. Auf bei»
den Seiten, ZzwiSchen
Fock- und Großwant,
hatte man Pardunen
ausgespannt, gerade So
hoch, daß der Vormast»
baum ausschwingen
konnte, und an ſJeder
dieser Pardunen hingen
Sonnenwende im Wold2
mindestens 50 Bananenbündel. -- Die Ueberfahrt versprach
nicht gerade angenehm zu werden, Selbst wenn wir Sie
in den zwei oder drei Tagen machten, die man Sonst im
allgemeinen : bei frisSchem SüdostpasSat brauchte. Aber
er wehte eben nicht frisch. Nach den ersten fünf Stunden
legte er Sich mit einem Dutzend fächelnden Atemzügen.
Die Stille währte die ganze Nacht und den folgenden 1ag.
Es war- eine dieser Schimmernden glasklaren Stillen, bei
denen der Gedanke allein, die Augen zu öfinen und Sie
zu Sehen, Schon Kopfschmerzen verurSacht.
Am zweiten Tage Starb ein Mann -- ein OÖSunSsuianer --
an Pocken, obgleich es unerklärlich war, wie Pocken an
Bord kommen konnten, da an Land, als wir Rangiroa ver
ließen, kein Fall bekannt war. * Aber es Stimmte, es waren
Pocken, ein Mann tot und drei andere angesSteckt.
Es war nichts dabei zu machen. Wir konnten die Kran-
ken weder iSolieren, noch für Sie Sorgen. Wir waren ZU-
SammengesStaut wie die Sardinen. Man konnte nichis tun
als Sterben und verfaulen -- das heißt nach der Nacht,
die dem ersten Todesfall folgte. In dieser Nacht ver
-
Schwanden der Steuermann, der poiniSche Jude und vier
eingeborene Taucher mit dem großen Walpoot. Man hörte
nie wieder etwas von ihnen. Am Morgen ließ der Kapitän
Sofort die übrigen Boote anbohren, und Ga Saßen wir nun
An diesem Tage gab es zwei Todesfäile, am nächsten
Tage drei; dann Sprang es auf acht. ES war ein merkwür-
diger Anblick, wie wir uns dazu verhielten. Die Eingebore»
nen verfielen in einen Zustand dumpfen, Schlafien Ent-
Setzens. Der Kapitän -- er hieß Oudouse und war Fran»
z0Se =- würde Sehr nervös und redete viel. Er bekam ge
radezu nervöse Zuckungen. Er war ein Starker, fleischiger
Mann, der mindesiens 200 Pfund wog, und er wurde bald
das getreue Bild eines geileeartigen Fettberges.
Der Deutsche, did beiden Amerikaner und ich kauften
allen SchottisSchen WhiS-
kv an Bord auf und
waren andauernd be
trunken. Die Theorie
war prachtvoll: Wenn
wir uns beständig unter
Alkokol Bhielten, So
mußte jeder Pocken»
keim, der mit uns In
Berührung kam, Sofort
zu Schlacke verbrannt
werden. Und die Theo»
rie wirkte, obgleich ich
geStehen muß, daß
weder Kapitän QOu-
douse noch Ah Choon
von der Krankheit er-
griffen wurden. Der
Franzose trank über-
haupt nicht, während
der Chinese Ah Choon
SICch auf ein Glas täg-
lich beschränkte.
Es war eine angenehme
Zeit. Die Sonne näherte2