ausstellte und ein Sozialistischkes Deutschland als
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"ARBEITER-SUGEND NR. 4 2 EKKFSHINREIIIEN
für ihren Lebenswillen einen romantischen Ausdruck ge--
Sucht; ist doch die Rote-Falken-Bewegung auch nichts
anderes als der romantische Ausdruck eines Wollens der
Jugend, die durch andere Erlebnisse geformt wurde als die
Jugend von Weimar. Und wer will bestreiten, Saß in den
Auseinanderseizungen über die Jungordnerirage neben
politischen Ueberlegungen auch romantische Vorstellungen
über die Form des Kampfes zwisSschen Faschismus und
Arbeiterbewegung eine Rolle spelen“
- Weimar hat aber nicht nur Bedeutung für unsere päd-
agogisSche Zielsetzung, es batte auch einen tiefen politi»
SChen Sinn. Der Weimarer Jugendtag war ein Bekennt-
nis zur demokratischen Republik und zum Kampf der
Arbeiterklasse ſür den Sozialen Inhalt dieser Republik. Man
leSse einmal im Weimarbuch den Votitrag des Genossen Soll-
mann nach, der damals Schon die Forderungen der
arbeitenden Jugend an das demokratische Deutschland her-
Ziel des
Kampfes bezeichnete. Es ist in diesem Vortrag nichts zu
finden von einer Satten Zufriedenheit mit der eben eroberten
Demokratie, Sondern der Leit- -
gedanke dieses Vortrags war, 0
daß nun die Arbeiterklasse -
vor neuen und Schwereren
Aufgaben in ihrem Kampf um
den Sozialiemus Steht. Soll
mann Sprach als Aelterer
zur Jugend, und Geschichts-
ſorSscher brauchen Seine Rede
darum noch nicht als Aus
druck des Willens der Jugend
anzuerkennen, aber wie Sehr
die Forderungen Sollmanns
dem Empfinden der Jugend
entsprachen, das bewies jene
Spontane Kundgebung gegen
die reaktionären Hakenkreuz-
ler, die am Sonntagvormittag
vor dem Nationaltheater statt-
fand. Kampf der Reaktion
und ihrem Symbol, dem Ha-
Kkenkreuz, das war damals
Schon die Antwort der Jugend
auf die Rede Sollmanns. I
Niemand wird leugnen, daB GQ!
alles das heute noch mit der
Selben Unbedingtheit gilt. Ist die Forderung nach der ver
Stärkten politischen Erziehung, die Sollwann erhob, heute
nicht aktueller als je? Sind das nicht Worte für den Tag,
wenn er Sagt, daß nicht Geschütze und Fäuste die Mittel
der proletarischen Revolution Sind, daß nur ganz Klare
Köpfe Siegen werden? Und beute wie damals lebt in uns
allen die Ueberzeugung, daß der Weg zum Sozialismus
über die Demokratie führt, daß wir in der Demokratie nicht
das letzte Ziel, aber eine fundamentale Voraussetzung für
den Sieg des Sozialismus Sehen.
Das Wegentliche des Weimarer Jugendtages aber war das
Starke kulturelle Wollen, gas dort Seinen ersten
Ausdruck fand. Gerade über diesen Sinn des Weimarer
Jugendtages ist Schon unmittelbar nach dem Jugendiag
heftig gestritten worden, aber dennoch ist mit Recht in
allen ernsthaften Betrachtungen die Forderung der Jugend
nach einer verstärkten SozialistiSchen Lebensgestaltung als
das 'entscheidende Ereignis des Weimarer Jugendtags be
zeichnet worden. Damals haben junge Arbeiter und Arbeite
rinnen ihrem starken Empfinden Ausdruck gegeben, daß
der Sozialismus in Seinem; Kampf nicht nur wirtschaftliche
und politische Ziele Sehen darf, Sondern daß er das ganze
Besonders jetzt
daß unser Verband
Dasein der MensSchen erfassen muß und daB es in
einem Zeitpunkt, in dem die Bahn freier geworden ist für
eine Schrittweise Verwirklichung unserer Ideen, nicht allein
lebendig gemacht hat.
zur | e 2
Denkt an die Arbeitslosen!
Von der großen ArbeitsloSigkeit wird auch
unsere Mitgliedschaft immer stärker betroffen,
In jeder Arbeiterjugendgruppe gibt es arbeits-
jose Genossinnen und Genossen. Es
unserer Schönsten Pflichten, diesen Opfern der
Wirtschaftskrise nach bBesten Kräften zu helfen.
in der Weihnachtszeit
Sellten wir ihnen ein Zeichen der Solidarität und
Freundschaft geben durch ein Geschenk, das
im Rahmen unserer Weihnachtsfeiern überreicht
werden kann. Aber auch 5onst sollten wir alles
tun, unseren arbeitslosen Genossinnen und Ge-
nossen eine moralische Stütze in ihrer Schweren
Lage zu Sein. Im übrigen ist es Selbstverständlich,
in Gemeinschaft
Partei und den Gewerkschaften unablässig be-
müht ist, die Lage der arbeitslosen Jugend zu
verbessern durch Kampf um Gewährung von
Unterstützungen und um Arbeitsbeschaffung.
auf die Zahl der Anhänger, Söndern auch auf ihre Reiite
ankommt. Darum damals der Ruf nach dem So zialiSti-
SChen Menschen, die radikalste Forderung, die nach
dem Krieg in der SozialistisSchen Bewegung erhoben worden
iSt, weil Sie von jedem einzelnen den Eingatz der ganzen
Persönlichkeit fordert. Aber in Weimar wurde nicht nur
' gefordert, in Weimar wurde das neue Fest gestaltet, wurden
der Freizeitkultur der Arbeiterschaft neue Wege gewiesen.
Wie tief ist beute die Erkenntnis in die Köpfe der Sozia
lietisSchen Arbeiterschaft eingedrungen, daß in Gegenwart
und Zukunft die Kultur- und Erziehungsarbeit des Proleta-»
riats eine ungeheuer große politisSche Bedeutung hat. Damals
Stand die Jugendarbeit noch im Anfangsstadium, Sie war
vielfach noch nicht mehr als eine kleinere Ausgabe der
Parteiarbeit, heute baben wir eine Erziehungs-
bewegung, die das Kind wie den Jugendlichen um“
Schließt, und eine Kulturarbeit, die die Starken Kräfte
kulturellen Eigenlebens der Masse der Arbeiterschaft
Die Wurzeln dieser Entwicklung
Dort wurde ein neuer Lebensquell des
"Proletariats zum erstenmal
O0 Sichtbar, und die Jugend be-
reitete den Weg zum Einsatz
der neuen Kräfte in den
Kampf der Gesamtbewegung.
Wir können Weimar nicht
wiederholen, weil es zeit»
gebunden ist wie jedes andere
- Ereignis, aber wir Können €s
weiter wirken laSSen, und wir
müsSen es. Gerade in die-
Sen Monaten, in der die Sozia»
lietisSche Arbeiterschaft in ger
SchlosSener Front im Kampt
gegen den Faschismus Steht,
ist die Ueberzeugung in allen.
Kreisen der Arbeiterbewegung
lebendig, daß wir in diezem
Kampf nicht nur die Hirne,
Sondern auch die Herzen.
der Arbeiter erobern müsSSen.
Alle Energien gilt es zu höch»
Ster Kraftentfaltung zu Drin»
gen, und wir alle wissen, daß
OE auf dem Gebiet der Kultur-
arbeit und der SozialistiSchen
große Möglichkeiten gegeben Sind, den
liegen in Weimar.
EEMIESE
iSt eine
mit der
Festgestaltung
- harten und opferreichen Kampf des Alltags um die Posi»
tionen in Staat und Wirtschaft, die wir in einem Jahrzehnt
erobert haben, einzuordnen in die große Zielsetzung des
Sozialismus. Wir Jungen jedenfalls, die wir aus eigenem
Erlebnis die anfeuernden Kräfte einer großen Tradition
nicht zu unserem Rügtzeug zählen können, wir haben die -
Pflicht, der jungen Arbeiterschaft, die jetzt täglich heim-
geSucht wird mit dem Phrasengewirr vom Dritten Reich
oder vom Sowſjet-Deutschland, in Arbeit und Feier dem
Schweren Abwehrkampf der Partei und der Gewerkschaften
einen tieferen Sinn zu geben durch jene aufbauende und
vorwärtsweigende Arbeit, die in den Tagen des Weimarer
Jugendtages ihren ersten Sichtbaren Ausdruck fand.
IF: iT, als revolulionäre Jugend € einer evolutionären Zeit.
mügssen uns die alie Erkenntnis einer großen SOZÜalistiSchen
Wahrheit Sichern: Nicht Geschütze und Fäuste, nicht
Lungenkräfte sind Mitiel der proletarischen Revolution;
nur ganz Klare Köpfe werden Siegen. Der allein
echte Revolutionär ist derjenige, der unablässig zu Seiner
höheren Entwicklung an Sich Selbst arbeitet. Das deutshe .
Volk muß durd. Seine Arbeiterjug gend Souverän bleiben, Sic
Selbst regieren können.
'Aus dem Budi „„Das IWeimar der arbeitenden Jugend“.
Wilhelm Sollmann über „Die Jugend im neuen Deulsdiland“
ersfen Reichsjuvendiag in Weimar.
"Vortrag von :
auf dem