Full text: Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

ausstellte und ein Sozialistischkes Deutschland als 
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"ARBEITER-SUGEND NR. 4 2 EKKFSHINREIIIEN 
für ihren Lebenswillen einen romantischen Ausdruck ge-- 
Sucht; ist doch die Rote-Falken-Bewegung auch nichts 
anderes als der romantische Ausdruck eines Wollens der 
Jugend, die durch andere Erlebnisse geformt wurde als die 
Jugend von Weimar. Und wer will bestreiten, Saß in den 
Auseinanderseizungen über die Jungordnerirage neben 
politischen Ueberlegungen auch romantische Vorstellungen 
über die Form des Kampfes zwisSschen Faschismus und 
Arbeiterbewegung eine Rolle spelen“ 
- Weimar hat aber nicht nur Bedeutung für unsere päd- 
agogisSche Zielsetzung, es batte auch einen tiefen politi» 
SChen Sinn. Der Weimarer Jugendtag war ein Bekennt- 
nis zur demokratischen Republik und zum Kampf der 
Arbeiterklasse ſür den Sozialen Inhalt dieser Republik. Man 
leSse einmal im Weimarbuch den Votitrag des Genossen Soll- 
mann nach, der damals Schon die Forderungen der 
arbeitenden Jugend an das demokratische Deutschland her- 
Ziel des 
Kampfes bezeichnete. Es ist in diesem Vortrag nichts zu 
finden von einer Satten Zufriedenheit mit der eben eroberten 
Demokratie, Sondern der Leit- - 
gedanke dieses Vortrags war, 0 
daß nun die Arbeiterklasse - 
vor neuen und Schwereren 
Aufgaben in ihrem Kampf um 
den Sozialiemus Steht. Soll 
mann Sprach als Aelterer 
zur Jugend, und Geschichts- 
ſorSscher brauchen Seine Rede 
darum noch nicht als Aus 
druck des Willens der Jugend 
anzuerkennen, aber wie Sehr 
die Forderungen Sollmanns 
dem Empfinden der Jugend 
entsprachen, das bewies jene 
Spontane Kundgebung gegen 
die reaktionären Hakenkreuz- 
ler, die am Sonntagvormittag 
vor dem Nationaltheater statt- 
fand. Kampf der Reaktion 
und ihrem Symbol, dem Ha- 
Kkenkreuz, das war damals 
Schon die Antwort der Jugend 
auf die Rede Sollmanns. I 
Niemand wird leugnen, daB GQ! 
alles das heute noch mit der 
Selben Unbedingtheit gilt. Ist die Forderung nach der ver 
Stärkten politischen Erziehung, die Sollwann erhob, heute 
nicht aktueller als je? Sind das nicht Worte für den Tag, 
wenn er Sagt, daß nicht Geschütze und Fäuste die Mittel 
der proletarischen Revolution Sind, daß nur ganz Klare 
Köpfe Siegen werden? Und beute wie damals lebt in uns 
allen die Ueberzeugung, daß der Weg zum Sozialismus 
über die Demokratie führt, daß wir in der Demokratie nicht 
das letzte Ziel, aber eine fundamentale Voraussetzung für 
den Sieg des Sozialismus Sehen. 
Das Wegentliche des Weimarer Jugendtages aber war das 
Starke kulturelle Wollen, gas dort Seinen ersten 
Ausdruck fand. Gerade über diesen Sinn des Weimarer 
Jugendtages ist Schon unmittelbar nach dem Jugendiag 
heftig gestritten worden, aber dennoch ist mit Recht in 
allen ernsthaften Betrachtungen die Forderung der Jugend 
nach einer verstärkten SozialistiSchen Lebensgestaltung als 
das 'entscheidende Ereignis des Weimarer Jugendtags be 
zeichnet worden. Damals haben junge Arbeiter und Arbeite 
rinnen ihrem starken Empfinden Ausdruck gegeben, daß 
der Sozialismus in Seinem; Kampf nicht nur wirtschaftliche 
und politische Ziele Sehen darf, Sondern daß er das ganze 
 
 
Besonders jetzt 
daß unser Verband 
 
Dasein der MensSchen erfassen muß und daB es in 
einem Zeitpunkt, in dem die Bahn freier geworden ist für 
eine Schrittweise Verwirklichung unserer Ideen, nicht allein 
lebendig gemacht hat. 
zur | e 2 
Denkt an die Arbeitslosen! 
Von der großen ArbeitsloSigkeit wird auch 
unsere Mitgliedschaft immer stärker betroffen, 
In jeder Arbeiterjugendgruppe gibt es arbeits- 
jose Genossinnen und Genossen. Es 
unserer Schönsten Pflichten, diesen Opfern der 
Wirtschaftskrise nach bBesten Kräften zu helfen. 
in der Weihnachtszeit 
Sellten wir ihnen ein Zeichen der Solidarität und 
Freundschaft geben durch ein Geschenk, das 
im Rahmen unserer Weihnachtsfeiern überreicht 
werden kann. Aber auch 5onst sollten wir alles 
tun, unseren arbeitslosen Genossinnen und Ge- 
nossen eine moralische Stütze in ihrer Schweren 
Lage zu Sein. Im übrigen ist es Selbstverständlich, 
in Gemeinschaft 
Partei und den Gewerkschaften unablässig be- 
müht ist, die Lage der arbeitslosen Jugend zu 
verbessern durch Kampf um Gewährung von 
Unterstützungen und um Arbeitsbeschaffung. 
 
auf die Zahl der Anhänger, Söndern auch auf ihre Reiite 
ankommt. Darum damals der Ruf nach dem So zialiSti- 
SChen Menschen, die radikalste Forderung, die nach 
dem Krieg in der SozialistisSchen Bewegung erhoben worden 
iSt, weil Sie von jedem einzelnen den Eingatz der ganzen 
Persönlichkeit fordert. Aber in Weimar wurde nicht nur 
' gefordert, in Weimar wurde das neue Fest gestaltet, wurden 
der Freizeitkultur der Arbeiterschaft neue Wege gewiesen. 
Wie tief ist beute die Erkenntnis in die Köpfe der Sozia 
lietisSchen Arbeiterschaft eingedrungen, daß in Gegenwart 
und Zukunft die Kultur- und Erziehungsarbeit des Proleta-» 
riats eine ungeheuer große politisSche Bedeutung hat. Damals 
Stand die Jugendarbeit noch im Anfangsstadium, Sie war 
vielfach noch nicht mehr als eine kleinere Ausgabe der 
Parteiarbeit, heute baben wir eine Erziehungs- 
bewegung, die das Kind wie den Jugendlichen um“ 
Schließt, und eine Kulturarbeit, die die Starken Kräfte 
kulturellen Eigenlebens der Masse der Arbeiterschaft 
Die Wurzeln dieser Entwicklung 
Dort wurde ein neuer Lebensquell des 
"Proletariats zum erstenmal 
O0 Sichtbar, und die Jugend be- 
reitete den Weg zum Einsatz 
der neuen Kräfte in den 
Kampf der Gesamtbewegung. 
Wir können Weimar nicht 
wiederholen, weil es zeit» 
gebunden ist wie jedes andere 
- Ereignis, aber wir Können €s 
weiter wirken laSSen, und wir 
müsSen es. Gerade in die- 
Sen Monaten, in der die Sozia» 
lietisSche Arbeiterschaft in ger 
SchlosSener Front im Kampt 
gegen den Faschismus Steht, 
ist die Ueberzeugung in allen. 
Kreisen der Arbeiterbewegung 
lebendig, daß wir in diezem 
Kampf nicht nur die Hirne, 
Sondern auch die Herzen. 
der Arbeiter erobern müsSSen. 
Alle Energien gilt es zu höch» 
Ster Kraftentfaltung zu Drin» 
gen, und wir alle wissen, daß 
OE auf dem Gebiet der Kultur- 
arbeit und der SozialistiSchen 
große Möglichkeiten gegeben Sind, den 
liegen in Weimar. 
 
EEMIESE 
iSt eine 
 
mit der 
 
Festgestaltung 
- harten und opferreichen Kampf des Alltags um die Posi» 
tionen in Staat und Wirtschaft, die wir in einem Jahrzehnt 
erobert haben, einzuordnen in die große Zielsetzung des 
Sozialismus. Wir Jungen jedenfalls, die wir aus eigenem 
Erlebnis die anfeuernden Kräfte einer großen Tradition 
nicht zu unserem Rügtzeug zählen können, wir haben die - 
Pflicht, der jungen Arbeiterschaft, die jetzt täglich heim- 
geSucht wird mit dem Phrasengewirr vom Dritten Reich 
oder vom Sowſjet-Deutschland, in Arbeit und Feier dem 
Schweren Abwehrkampf der Partei und der Gewerkschaften 
einen tieferen Sinn zu geben durch jene aufbauende und 
vorwärtsweigende Arbeit, die in den Tagen des Weimarer 
Jugendtages ihren ersten Sichtbaren Ausdruck fand. 
 
IF: iT, als revolulionäre Jugend € einer evolutionären Zeit. 
mügssen uns die alie Erkenntnis einer großen SOZÜalistiSchen 
Wahrheit Sichern: Nicht Geschütze und Fäuste, nicht 
Lungenkräfte sind Mitiel der proletarischen Revolution; 
nur ganz Klare Köpfe werden Siegen. Der allein 
echte Revolutionär ist derjenige, der unablässig zu Seiner 
höheren Entwicklung an Sich Selbst arbeitet. Das deutshe . 
Volk muß durd. Seine Arbeiterjug gend Souverän bleiben, Sic 
Selbst regieren können. 
'Aus dem Budi „„Das IWeimar der arbeitenden Jugend“. 
Wilhelm Sollmann über „Die Jugend im neuen Deulsdiland“ 
ersfen Reichsjuvendiag in Weimar. 
"Vortrag von : 
auf dem
	        
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