Full text: Arbeiter-Jugend - 23.1931 (23)

248 
 
. .- . . MW i-te UU leere ee „v- „-“-“. ENES IE FIRES ET IUS 
= | 2 SINGENDER EREN NED wen KENNER IESE TIEN SE ZN ZRUREE ESE 
 
Wärme, die aufwärts. drängt. Feuer brennt unter «den 
KesSeln der Maschinen, Zimmer werden geheizt, in den 
Küchen wird gekocht, Lampen und Lichter Strömen Hitze 
aus, und die Menschen bilden mit ihrer Körperwärme lauter 
kleine Oefen. Ein Segelrundflug über Berlin 
oder einer anderen Großstadt ist darum ein verhältnismäßig 
leichtes Unternehmen für geübte Leute. 
Weiter Spielen die Wolken eine große Rolle für den Segel» 
flug. An Schönen Sommertagen bewundern wir wohl die 
prächtigen „Haufwolken“ am Himmel. Das Sind mächtige 
JasSen, die am Rande oft Sonnig durchglüht Sind, und die 
in der Mitte fein Schattierte dunklere Ballen bilden. Solche 
Haufwolken zeigen immer Aufwinde an -- weil Sie überhaupt 
Jur durch Solche entstehen. Beliebt Sind bei dieser Fliegerei 
auch die Sonst nicht gerade willkommenen Gewitterwolken. 
Sie ziehen rasch dahin, und an ihrer Vorderfront entwickeln 
Sich böige Winde, die den Flieger tragen können, wenn Sie 
auch etwas launisch Sind. 
Jetzt verfolgen wir einen Segelflug, wie ihn der gelernte 
Pilot mit Seinem etwas Solideren Apparat etwa ausführen 
kann. Er braucht dazu nicht in Rossitten aufzusteigen; er 
kann das auch irgendwo in der Ebene tun. Er muß Sich 
nur zuerst von einem Motorflugzeug in die Höhe Schleppen 
lassen, vielleicht 1000 Meter hoch, um dann das Seil zu 
lögen und frei weiter zu fliegen. Jetzt begrüßt er eine Schöne 
Haufwolke, die Sich ganz in Seiner Nähe gebildet hat. Schnell 
fängt er Sie ab, indem er im Gleitflug abwärts unter Sie 
Schlüpft. Nun „trudelt“ er -- immer in Schönen Win» 
dungen -- im Wolkenmeer aufwärts. Darüber gibt es wieder 
freie Rundsicht. Eine kleine Stadt ladet zum BeSuch oder 
zur Betrachtung aus der Vogelschau ein. Flott wird also 
in neuem Gleitflug der Stattliche Kirchiurm angesteuert. 
Aber ehe das Flugzeug dort Schwere Panne erleidet, haben 
es Schon die örtlichen Aufwinde 
emporgetragen. Der Flieger Kreist 
nun Still, von den Leutchen in den 
GasSsen bestaunt, über den Häusern. 
Jetzt Sichtet er eine entgegenkom“* 
mende Gewitterwolke. Fein! Sie be 
deutet für ihn eine vorzügliche Ge 
legenheit, bequem und leicht zu Set“ 
nem Startplatz zurückzukommen. Er 
klettert alss an der Gewitterfront von 
neuem empor und läßt Sich dann als 
nicht zahlender Fahrgast mit der 
Wolke bis in die Nähe des Start 
platzes treiben, wo er in einem Gleit 
flug wohlbehalten und Schön landet. 
Die „Kiste“ wird auf eine Höhe geschleppt 
0.1. 80 wechseln also' auf den Fahrten 
infach die Aufstiege in Aufwinden 
mit den Niedergängen in Gleitflügen 
ab, bei denen immer ein Teil der 
erreichten Höhen geopfert werden 
muß. Freilich liegen die Verhält» 
nisSSe nicht immer So günstig wie 
bei der geschilderten Fahrt. Hier 
haben wir alles So zurecht gemacht, 
daß die vielseitigen Möglichkeiten 
des Segelffuges gezeigt werden 
konnten. Aber auch bei weniger 
glücklichen Lagen weiß Sich ein ge 
Schickter und geübter Segelflieger 
wohl noch zu helfen. Nehmen wir 
einmal an, daß die Aufwinde der 
Haufwolken gefehlt hätten. Dann 
hätte das Flugzeug vielleicht die 
Stadt nach LöSung des SchleppsSeils 
unmittelbar in einem flachen Gleit« 
flug erreichen Können, wenn ein 
günstiger Wind im Rücken etwas 
nachgeholfen hätte. So ist denn auch auf diesem Gebiet 
Schon Ausgezeichnetes geleistet worden. Und die Entwick» 
lung der Segelfliegerei wird nicht stillstehen! 
Diese kat übrigens der Motorfliegerei ein kleines Zuge 
Ständnis gemacht. Sie ist nämlich jetzt Schon bereit, 
Schwache Hilfsmotoren einzubauen, an die man Schon Seit 
Jahren gedacht hat. 
- Wer mehr über den Segelflug wissen will, der lese das 
Büchlein „do lernte ich Segelfliegen“ von Rolf Italiander aus 
der Sammlung „Was Jungens erzählen“. (Verlag Oreil Füßli, 
Zürich und Leipzig.) DiesSer Italiander ist ein Leipziger 
Junge, der es mit 16 Jahren zum jüngsten Segelflieger 
Deutschlands brachte. Er Schildert in dem Buch, wie er von 
der Schule in die Fabrik übersiedelt, dann Zeitungsbericht« 
erstatter wird für den Rhön-Segelflfugwettbewerb, heimlich 
an das Reichsverkehrsministerium Schreibt um Erlaubnis. 
und Mittel zum BesSuch der SegelfiiegerSchule in Roszitten auf 
der Kurischen Nehrung, die Stelle bekommt und nun die 
Segelfliegerei erlernt. Ueber Seinen ersten Start berichtet 
haliander: „Vom Piloten kommt das erste Kommando. Es 
 
lautet: „Ausziehen!“ Das Startseil wird Sofort im MarSch» 
tempo ausgedehnt, die MasSchine Selbst bleibt natürlich iest 
Stehen. Nach einer bestimmten Zeit, die der Führer ganz 
genau fühlt und Kennt, folgt das Kommando: „Laufen!“ Die 
Seilmannschaft läuft So Schneil, wie Sie kann. Das Seil wird 
jetzt auf das äußerste angezogen, bis das Kommando: „Los!“ 
ertönt. Da läßt die Haltemannschaft das Flugzeug frei. 
Es rutscht einige Meter auf dem Boden, bis es durch Ziehen 
des Knüppels, das heißt durch Höhensteuergeben, an 
Höhe gewinnt. Das Flugzeug bekommt durch die letzte 
Kraft des Sich Schnell zusammenziehenden Startseils ziem 
liche Geschwindigkeit. Das Seil fäilt von Selbst aus dem 
Starthaken.“ 
Hans Bourquin 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.