Full text: Arbeiter-Jugend - 23.1931 (23)

 
 
 
 
 
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23. JAHRG. 
SEESEN IETER 
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Die CEeche qMUaeaimt „.. 
Die Zeche Steht nun Schon über zwei Jahre. Ihre Stählernen 
Fördertürme hocken auf steinernem Unterbau. Schornsteine 
reiſen gleich Schmutzigen Fingern in Staubgeschwärzte 
Luft. Die Brikettpressen arbeiten Tag und Nacht. Nachts 
Üimmern Lichter an den Gleisanlagen und in der Fabrik. 
Die Zeche qualmt. Sie ist ein rafigieriges, Uner»- 
Sättliches Ungeheuer. Sie frißt dem Bauern das 
Land, ihr Unflat vergiftet die Luft. Und nie ist Sie Satt zu 
kriegen. Ihre Sklaven durchwühlen die Erde. Kohle wollen 
die Grubenbarone haben. Kohle, damit die Dividenden 
Steigen. Ha, wenn die Schornsteine rauchen, Soll auch der 
Trofit Klettern. 
Die Zeche zermalmt das Land, das Volk. Die Erde ächzt, 
Wälder versinken. Brachfelder dehnen Sich weit ins Land. 
Kein Korn, keine Karioffel wächst darauf. Soweit das Auge 
reicht wogt hohes, zunderdürres Gras, dazwischen die 
Wunden der Erde: tiefe Löcher, Brüche genannt, oit zehn 
und zwanzig Meter tiet. 
In regneriSschen Zeiten 
Sammelt Sich Wasser 
darin. FröSche quaken 
am Abend in den Wes» 
Serlöchern. Molche und 
Feuersalamander Krie“ 
chen im Sumpf. Tags- 
über brennt die Sonne 
darauf. Gestank ver» 
pestet die Umgegend. 
Die Zeche hat das Dorf 
verdrängt, weil es auf 
Kohle Stand. . 
Der Weg der Zechen 
iSt der Weg des Unh- 
glücks für die Arbeiter 
Schaft. Die KnappsSchaft 
'arbeitet mit Tabellen 
"und Zahlen, rechnet, 
eilt, vergleicht. Das 
Ergebnis ist nüchtern 
undgrausam. Der Durch- 
"Schnitt: mit achtund- 
"dreißig Jahren ist der 
Bergmann invalid. Und 
doch brauchen die Berg- 
leute die Zeche, um 
nicht zu verhungern. 
x 
Da Sitzen die Dort» 
kinder in ihrer Kleinen 
Schule. Vielleicht in der 
Geschichtsstunde. Und 
vor ihren jungen See» 
len zieht die Vergan» 
genheit vorbei. Sie ist 
nicht Schön, Sie iSt 
grausam und wild ge- 
wegen. Es ist histori- 
Scher Boden, auf dem 
Nachtschicht 
SEILAGE DER ARBEITER-JUGEND 
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Sie leben, viele Schlachten hat es gegeben durch Jahr- 
hunderte hindurch, der Ackerboden hat viel Biut gesofien. 
Die Kinder lernen denken, Sie lernen vergleichen, Sie Sind 
Proletarierkinder und werden Später zu uns gehören. 
Sie verfolgen die Karte der Heimat, Sie lesen alte 
Chroniken. Merkwürdig. Wie kommt es, daß es in der 
Umgebung Fluren gibt, die den Namen von Ortschaften 
führen? Von Orten, die es überhaupt nicht gibt. Dorf- 
namen, mit den alten wendischen Endungen itz, -itSch, »witz 
und „ig, wie alle die Dörfer der Heimat. Und Sie er- 
Schauern, wenn der Lehrer ihnen erzählt: diese Dörfer Sind 
im Dreißigjährigen Kriege vernichtet, eingeäSchert worden. 
Ihre Bewohner wurden getötet oder in alle Winde verjagt. 
Kein Stein ist auf dem anderen geblieben. Niemand baute 
die Häuser wieder auf. Nur die Ortsnamen geistern noch 
in der Gegenwart. -- Sie fragen Sich nicht mehr, ob es 
möglich Sein wird, daß ganze Dörfer vom Erdboden ver 
Schwinden. Es iSt noch 
möglich. Sie Sehen es Seit 
frühester Jugend. Zwar 
nicht 50 blutig wie im 
17. Jahrhundert, aber mit 
demselben Endzweck. 
Diese Arbeiterkinder 
Sahen das Land, als es 
vor Jahren noch Dortf- 
heimat war, Still und un 
berührt. Sie erlebten, 
wie die Industrie mit 
heiSszerem Brüllen ein- 
marsSchierte. Sie erleb- 
ten den Berufswechse)l 
der Väter. Die Jetzige 
Arbeitergeneration muß 
Sich erst in die neue 
Umgebung Schicken. Sie 
werden Später mitten 
drin Stehen und werden 
für unsere Ziele kämp- 
ſen. Sie Sehen die Väter 
von der Schicht Kom- 
men, LagsSchicht, Nacht- 
Schicht, immer und im- 
mer. Ja, in den Zechen, 
wo die Kohle im Tag- 
bau gewonnen wird, 
können Sie von oben 
hinein- und die Arbei- 
ter „vor Ort Sehen. 
VorigesJahr hates einen 
langwöchigen Streik ge 
geben. Sie haben mit 
ihren Vätern gehungert 
und gedarbt. -- Wenn 
Sie die Dorfschule ver» 
lasSen haben, werden 
Sie Bergarbeiter und «die 
erste Jugendzeit ver“ 
Holzschnitt von G. Tyroller
	        

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