Full text: Arbeiter-Jugend - 24.1932 (24)

damals der Bruder des Berliner SA.- 
Führers Hauptmann Stennes. | 
Unsere SA.-Arbeitsgemeinschaft fog 
nun auseinander. - Ekel erfaßte uns vor 
dieser Bewegung, in der Solche Taten 
möglich waren. Nach innerem Kampf 
kam ich. von dem verfälschten Sozialis- 
mus der Grafen und Rittergutsbesitzer zu 
dem Sozialismus der Armen, für den ich 
in der Sozialistisechen Arbeiterjugend 
kämpfe. . 
August Möller. Rehna in MeddJenburg. 
Der Nazibetrug an der Jugend 
Die nationalsozialisticche Agitation 
wendet Sich besonders gern an die Ju- 
gend. Die bürgerliche Jugend ist den 
Lockungen der Nazis fast restios erlegen. 
Nun Soll die Arbeiterjugend bearbeitet 
werden. Wir mügsgen, ; 
Rücksicht auf den Wahlkampf, den 
Gegenangriff überall beginnen. Material 
über das Wesen und die Ziele der Hitler- 
Jugend enthält eine RededispoSsi- 
tion „Was ist und was will die Hitler- 
Jugend?“, die zum Preise von 5 Pf. von 
'ungerem Buch- und Warenvertrieb, Ber» 
lin SW 61, Belle-Alliance-Platz 8, bezogen 
“werden kann. 
  
Nazimeister 
jäßt 74 Stunden arbeiten - 
In Sambleben, einem Dorf 
bei Schöppenstedt in Braun 
SCh weig, wohnt ein Schneidermeister, 
der Mitglied der NSDAP. ist. 
Meister beschäftigt einen Gesgellen, der 
bei ihm am 1. April d. J. auslernte. Als 
Bedingung für weitere 
verlangte der Meister, daß der- Geselle 
Mitglied der Hitler-Jugend werden 
müsse. Unter dem Druck der Erwerbs- 
loSigkeit ging der Geselle darauf ein. 
Dieser Hitler-Junge erfährt nun die Seg» 
nungen des Dritten Reiches Schon jetzt 
am eigenen Leibe. Und Sie Sehen So aus: 
Der junge. Geselle muß bei Seinem Pg.» 
Meister von morgens 6 Uhr bis abends 
7 Uhr arbeiten ohne richtige Früh 
Stücks« und Mittagspausen. Er bekommt 
kaum Zeit, Sein ESssen hinunterzuwürgen. 
Am Sonntag muß er Stiefel putzen und 
die Werkstätte aufräumen, wozu er über 
zwei oStunden gebraucht. Die wöchent 
liche Arbeitszeit für diesen Hitler-Jungen 
im Betrieb eines nationalsozialistischen - 
Schneidermeisters beträgt also 74 (in 
besonders mit 
eine 
'Stung und 
ganz bestimmte Lebensgüter war. 
Der 
Beschäftigung 
Worten: vierundsiebzig) Stunden! Als 
Lohn dafür erhält der Geselle die fürst- 
liche Summe von Sage und Schreibe 2,50 
Gweieinehalbe) Mk.! Dazu kommt 
freilich der Monatsbeitrag für die Hit- 
ler-Jugend in Höhe von 1,20 Mk., den 
der Meister bezahlt. 
Diese Schmachvolle Ausbeutung der 
Notlage eines jungen Arbeiters durch 
einen Nazimeister paßt ganz und gar zu 
den Arbeits- und Lohnautfas- 
SUNngen der nationalSozia» 
lisStisSschen Führer. Am 10. Mai hat 
der Naziabgeordnete Gregor Straßer im 
Reichstag eine lange Rede gehalten, die 
als das Wirtschafts- und Sozialprogramm 
der Nationalsozialisten zu betrachten iSt. 
Straßer führte unter anderem aus: „Ich 
wünsche mir die Zeiten zurück, in denen 
in Bayern nicht das Geld, Sondern das 
Maß Bier ein Wertmesser für 
bestimmte Arbeitslei- 
im weiteren Verlauf für 
Ich 
Sehe die unerhörten Schwierigkeiten der 
heutigen Tarifbesprechungen darin, daß 
der Staat keine Möglichkeit hat, das 
Lohnproblem von Solch einem Wert- 
mesSSer, von Solch einer „Scheidemünze 
anzupacken. 
Straßer will die Arbeitsleistung und 
andere bestimmte Lebensgüter mit dem 
Biermaß messen. Er will an Stelle 
der Goldwährung die Bier- 
währung einführen. Auf diese Weise 
hofft er der „Schwierigkeiten der heu“ 
tigen Tarifbesprechungen Herr zu wer“ 
den. Das Biermaß Soll bestimmen, wie 
hoch der Lohn, wie lang der Arbeitstag, 
wie lang die Ferien Sein Sollen. Das Maß 
Bier Soll Arbeiter und Unternehmer zu 
einer engen VYVolksgemeinschaft ver 
binden! | 
So Sieht das Wirtschafts- und Sozial» 
programm der Nazipartei aus. Und die- 
Ser Gesellschaft laufen noch Arbeiter 
nach! Das ist das Undbegreiflichste un« 
Serer Zeit. 
Wenn einer Arbeit bekommt 
„.-.. Zum Schluß möchte ich Dir von 
einem großen Glück berichten, das mir 
widerfahren ist. In einer Zeit, wo immer 
wieder Fabriken geschlossen werden, hat 
der Betrieb, in dem ich beschäftigt war, 
Seine Pforten wieder geöffnet und in 
14 Tagen habe ich wieder Arbeit. So ein 
Wunder, was! Hoffentlich dauert die Be 
Schäftigung mindestens ein halbes Jahr, 
damit ich wenigstens dann wieder Unter 
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