Full text: Deutsches Philologen-Blatt - 22.1914 (22)

veutſchesPhilologenßlatt 
Korreſpondenzblatt für den akademiſch gebildeten fehrerſtand - 
. Herausgegeben vonProfeſſorDrU hoofe | in m 3 
 
 
Nr. 37/38 
Aufruf an die akademiſch gebildeten Lehrer 
Deutſchlands! 
Angeſichts der ungeheuren Menſchenopfer dieſes Welt- 
krieges, an denen auch- die zu Tauſenden ins Feld ge- 
zogenen deutſchen Philologen mit einer von Tag zu Tag 
ſteigenden Verluſtzifſer ehrenvoll beteiligt ſind, geht dur<h 
den Jeſamten höheren Lehrerſtand Deutſchlands eine mäch- 
tige Bewegung, mit dem Ziele, ſowohl für die Familien 
unſerer geſallenen Standes3genoſſen, als auch für die krank 
oder ſchwer verlezt aus dem Kriege Heimkehrenden nach 
Kräften zu ſorgen. 
Wie unſer Volk vor dem Feinde wie ein Mann zu- 
ſammenſteht, ſo muß auch unſer Stand dieſe doppelte Sorge 
gemeinſam tragen und nicht den einzelnen Lande3- und 
Provinzialvereinen Überlaſſen; denn . wer weiß, wo der 
Tod die reichſte Ernte hält und die Not der Heimkehrenden 
am größten iſt ? 
Aus den zahlreichen. Zuſchriſten an den Vorſtand, 
ſowie aus den bereits in den Standesblättern gemachten 
Vorſchlägen erweiſen ſich zwei als beſonder38 beachten3- 
wert, weil leiht durchführbar : 
1. Die Gründung einer Hilfskaſſe, 
2. Der ſ<leunige Ankauf oder Bau eines Ge- 
nejungsheims. 
- . Zu 1: Die Mehrzahl unſerer gefallenen Stande8ge- 
noſſen ſind jüngere Kollegen, darunter viele jungverhei- 
ratete, die, wenn ſie überhaupt ſchon angeſtellt waren, doch 
noc< feine 10 Dienſtjahre hatten. Jhre Familien ſind 
vom Elende bedroht. Da muß die Geſamtheit helfen, und 
zwar durch eine Hilfskaſſe. 
Zu 2: Die Erfahrungen des Jahres 1870 lehren, 
daß die Zahl der mit ſchweren Verletzungen oder inneren 
Leiden. Heimkehrenden überaus groß iſt. Daher iſt das 
auf dem diesjährigen Münchener Verbandstage beſhloſ- 
jene Genejung3heim jeßt nötiger als je und muß ſo ſchnell | 
wie möglich gebaut oder gekauft werden. 
Beide Aufgaben können gelöſt werden durch eine nach- 
drücliche Verſtärkung des in der Kaiſer-Wilhelm-Stiftung 
vorhandenen Grundkapital8, das jetzt 110000 Mark be- 
trägt. Wenn jeder Stande8genoſſe -- auch die kommende 
Generation muß da mithelfen -- ſich freiwillig zu einem 
feſten, von ihm ſelbſt zu beſtimmenden Fahresbeitrag ver- 
pflichtet, können bei etwa 22000 Oberlehrern im Reich 
jährlich mindeſtens 70--80000 Mark aufgebracht wer=- 
den, ohne daß der einzelne zu ſehr belaſtet wird. Denn 
auch die bereits beſtehenden Hilfskaſſen in den einzelnen 
Landes8- und Provinzialvereinen, Jowie die ſo ſegenösreich 
wirkende Althoff-Stiftung dürfen keine Einbuße erleiden, 
da auch an ſie jeht erhöhte Anforderungen geſtellt werden. 
- Leipzig, den 7. | Oktober 1944 
 
| 22. Jahrgang 
Die auf dieſe Weiſe gewonnenen Mittel werden aus=- 
reichen, um nicht nur die Hinterbliebenen der Gefallenen 
vor Not zu ſchüßen, ſondern auch das Geneſungsheim 
zu bauen und zu unterhalten. 
Die Verwaltung dieſer erweiterten Kaiſer-Wilhelm- 
Stiſtung iſt möglichſt einfach zu geſtalten und an einem 
Orte zu belaſſen. Außer der ſchon beſtehenden Kommiſſion 
für das Genejungsheim ein rühriger Vorſißender, ein oder 
zwei Schriftführer und ein Kaſſenwart. Die Lande3- und 
Provinzialvereine ſollen mit Rat und wo es not tut, mit 
der Tat helfen, vor allem durch Begutachtung der einge- 
reichten Gejuche. Rechnungsablage findet auf jedem Ver=- 
bandstage ſtatt. 
Daher richten wir nunmehr än alle Standesgenoſſen 
im Reich und in erſter Linie an die Vorſtände der Pro- 
vinzial= und LandeS3vereine die dringende Bitte, ſich 
dieſem edlen Werke mit voller Hingabe zu widmen. So=- 
bald die Zuſtimmung der Vorſtände eingelaufen 
iſt, ſoll durch Vermittlung der Vorſtände jedem einzelnen 
Kollegen dieſer Aufruf mit einem angehängten Zeichnungs- 
formular zugeſandt werden. Dies alles kann bis Weih- 
nachten, wo der Geſamtvorſtand, wie wir feſt hoffen, 
zuſamtttentreten joll, erledigt jein, jo daß mit dem Jahre 
1915 das Geneſungs3heim gebaut und die Dilſskaſſe in 
Tätigkeit geſezt werden kann. 
So wird die Kaiſer-Wilhelm-Stiftung der deutſchen 
Philologen das, wa38 ſie von Anfang an ſein ſollte, ein 
bleibendes und ehrendes Denkmal unſerer Vaterlandsliebe 
und unjſere3 Stande3bewußtſeins. 
Der Vorſtand 
des Geſamtverbandes akademiſch gebildeter Lehrer 
Deutſchlands. 
Im Auftrage des engeren Vorſtandes ſowie des geſamten 
- Borſtandes des Rheiniſchen Philologen-Vereins. 
-. Brof. A. Floe>k-Cöln, 2. Vorſ. | 
 
 
605 
Zur Vorſc<<ulfrage. 
Die mit den höheren Schulen verbundenen Vorſchulen 
- haben jeit jeher ihre Freunde und ihre Gegner gehabt. 
Führen jene an, daß die Vorſchulen eine notwendige 
Folgeerſcheinung aus der Beſeitigung des Schulgeldes an 
den Volksſ<hulen waren, daß ſie ſchnell und ſicher auf 
den Eintritt in die Sexta vorbereiten, beſſer al3 es die 
Volksſchulen in der gleichen Zeitſpanne zu tun vermögen, 
jo weiſen die Gegner darauf hin, daß die Vorſchulen zahl- 
reiche Schüler ganz ohne Rückſicht auf deren Beanlagung 
gewiſſermaßen für die höhere Schullaufbahn vorherbe- 
ſtimmen, und daß ihnen zudem der Charakter von Stan- 
desſchulen aufgeprägt ſei, da .an ihnen der Unterricht nur
	        
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