Full text: Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik. Erläuterungen zum Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik - 1880 (12)

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Sich mir wesentlich um die Sache in einem allgemein verständlichen 
Namen. - 
Wir beginnen jetzt die Debatte 
], Über die Schrift von Filtsch „über Goethes Stellung zur 
Religion. 
Wir werden uns etwas enge Grenzen ziehen müssen. Die Arbeit 
beruht auf fleiſsigen und gorgfältigen Studien. Hat keiner der Herren 
ein Referat übernommen, 80 werden wir freilich die einzelnen An- 
gaben des Verfassers heute nicht kontrollieren können. Verfasser 
hätte bei dem Nachweis der religiögen Wandlungen in Goethes Leben 
doch noch strenger auf einen einheitlichen Grundzug hinweisen gollen, 
der in der gesamten Individualität des Dichters begründet ist (vgl. 
Ziller, Vorlesungen, 8 9). Für uns handelt es Sich heute um die fyr- 
gebnisse dieser Schrift für didaktische Zwecke, die Lehrer der 
Religion und des deutschen Unterrichts haben gehr cit Stellung zu 
nehmen zu der Art, wie von manchen Seiten unsre klassischen Dichter 
mit Rücksgicht auf ihre Stellung zur Religion und zu den Religions- 
gesellschaften verunglimpft werden. Da bieten uns Solche Forschun- 
gen geeignetes Rüstzeug dar. Das Verhältnis unserer klassiSchen 
Dichter zu den pogitiven Religionsgez3ellschaften mag allerdings sehr 
lose Sein, aber Sie Sind doch durch und durch religiöse Menschen. 
Man gewinnt aus der Filtsch'schen Schrift den Kindruck, wie ein be- 
deutender Mensch gsich zu dem Göttlichen hingezogen und wieder 
davon abgestoſsen fühlt, um doch immer wieder wie von einem 
Magneten mit unabweisbarer Notwendigkeit vor die Fragen des reli- 
giögen Lebens Sich gestellt zu wissen. Nun liegt aber der Grund für 
die loge Verbindung unsrer Klassiker mit den positiven Religions 
gesellschaften in dem Hinfluſs des Humanitätsideals auf ihre Zeit, 
Ich möchte dazu anregen, dasselbe namentlich auch in Beziehung auf 
Herder eingehend zu prüfen, und möglichst zu begrifflicher Darstel- 
Jung zu bringen, dann können wir erst über geinen ethisch-religiögen 
Wert oder Unwert entscheiden, besonders auch darüber, ob es 80 
halt-, plan- und ziellos ist, als es von manchen Seiten behauptet wird. 
Ich weiſs nicht, ob ich recht habe zu glauben, die konfessionelle Re- 
ligionsgesellschaft sei die individuelle zeitliche, also auch endliche 
Porm religiögen Lebens, dessen ideales Ziel in der Zukunft hegt, das 
Humanitätsideal aber das Zuhunftsideal einer Menschheit sei, in wel- 
cher Religion und Leben thatsächlich innig verbunden, gegenwärtig 
Sind. Hs fragt Sich, ist das Humanitätsideal oder das der Ppositiven 
Religionsgesellschaften das höhere, weitere, kostbarere? Auf Schritt 
und Tritt führt uns die exegetische Behandlung unserer Klassiker, 
7z. B. der Iphigenie, Hermann und Dorothea, der Philosophischen 
Lyrik Schillers u. 8. w. vor diese Frage, der ich gern eine recht er- 
Schöpfende Behandlung im Vereinsjahrbuch wünschen möchte. --- 
Hine weitere Debatte tndet über diese Schrift nicht Statt. 
2. Günther, Die Bekenntnisschriften der gvangelisch -Jlutherisgchen 
Kirche. 
Vorgsitzender. Ich möchte zunächst wissen, welche Herr Gün- 
ther unter den Religionslehrern meint. ob Geistliche oder Lehrer,
	        

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