Full text: Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik. Erläuterungen zum Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik - 1883 (15)

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was am Schlusse bemerkt ist, daß Lockes Edelmann das Ideal des 
rechten Mannes Sei, der „Sich zu nichts versteht, was gegen die 
Würde und die Stellung eines vernünftigen Geschöpfes verstößt.“ 
Das scheint die Meinung, daß Locke ein Eudämonist war, etwas ein- 
zuSchränken. 
Vorsitzender. Anklänge an reinere Anschauungen finden sich 
bei Sehr vielen Kudämonisten von Aristoteles an; aber das hebt ihren 
Eundämonismus nicht auf. 
Glöckner. Es Scheint mir, daß alle Rechtfertigungsverguche 
v. Sallwürks vergeblich Sind und daß zwischen der Lockeschen und 
der Herbartschen Ethik gar keine Brücke geschlagen werden darf; 
denn beide stehen in einem scharfen Gegengatze. Dahin führt auch 
die Beachtung der Konsequenzen. Wenn z. B. Locke gsagt, der Ver- 
Stand lehre den Menschen, Seine Begierden und Leidenschaften vor 
Fürsten und Großen zu bemeistern, folglich könne er es auch vor 
Gott thun, S0 ist hier von einer Bemeisterung die Rede, die gar nicht 
aus echten sittlichen Motiven geschieht, Sondern aus ganz eudä- 
monistischen, es ist also auch keine Beherrschung der Begierden, 
die irgend welchen Sittlichen Wert hätte und vor Gott bestehen 
könnte. Eine KEKthik, die Solche Konsequenzen gestattet, fällt nun 
und nimmermehr mit der ungeren zugammen. 
Dr. Just. Aufgefallen ist mir, um auf Kinzelnes hinzuweisen, 
daß nach v. Sallwürks Meinung Logik und Rhetorik „für die Päda- 
gogik überhaupt ganz nebensächlich“ Sein Sollen (S. 228) und daß 
der teils dunkle teils unrichtige Satz, ein gebr einfacher Begriff vom 
göttlichen Wesen sei die Grundlage der Tugend (8. 233) ohne Er- 
läuterung und Zusatz geblieben Iist. 
Vorsitzender. Aufgefallen ist mir auch der Satz S. 223: Locke 
habe nicht aus jedem Gedanken ein Prinzip, nicht aus jedem Rat 
ein untrügliches Mittel gemacht, wie das in Späteren Zeiten geschehen 
Sei; auch geschehe Jetzt der Pädagogik kein Nutzen, wenn man ver- 
einzelte Aussprüche und Anzgichten, die ihre Begründung nicht in 
einem Sorgsam entworfenen System finden, zu Stützen einer neuen 
Schulpraxis mache. Das Scheint tendentiös zu gein. 
Dr. Just. Ich glaube, daß dieser Satz im Hinblick auf meine 
Arbeit über Pestalozzi im 14. Jahrbuch geschrieben ist. v. Sallwürk 
Scheint der Meinung zu Sein, daß ich mancherlei in Pestalozzi hin- 
eingelesen und künstlich gruppiert hätte. Ich bin natürlich nicht der 
Meinung, daß Pestalozzi einen Unterricht nach Vormalstuſfen gefordert 
habe; aber man kann auch nicht leugnen, daß Forderungen in bezug 
anf die Formalstnafen von ihm erfüllt werden, denn er verlangt immer 
zuerst Anschauungen und dann Begriffsbildung. Prof, Hunziker 
Stimmte meiner Arbeit zu und fand nicht, daß ich künstlich gruppiert 
oder in Pestalozzi etwas hineingelesen hätte. Übrigens ließe gich der 
Nachweis liefern, daß v. Sallwürk in bezug auf Locke nicht anders 
verfahren Sei. 
5. Just, Über die Form des Unterrichts. 
Dr. Lange. Die Bedeutung diezer Arbeit liegt darin, daß zie 
zum ersten Male in unsrem Kreise die Unterrichtsformen im Zu- 
Sammenhange und nach wissenschaftlichen Grundsätzen behandelt.
	        

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