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dieser Verstimmung zwar in einer befreundeten Zeitschrift, aber
doch nicht in einem Organ des Vereins gelbst in unverhohlener
Weise Ausdruck gegeben wurde. Da diese Auslasgungen von
einigen Seiten, wie ich aus brieflichen Mitteilungen ergsah, als
eine Kritik von polemischer Art angesehen wurde und einiger-
magsen peinlich berührte, 80 war ich zur Entgegnung genötigt,
Ich erkläre aber hiermit, dass ich kein Wort weiter verlieren
würde, was die HiSgenacher Versammlung betrifft, zumal ich mir
redliche Mühe gegeben habe, durch Ausgarbeitung von Zugätzen
in den Yyorjährigen Brläuterungen die von den Würzburgern ge-
gebenen Anregungen zu einem relativen Abschluss zu bringen.
Auch besteht Ja die Arbeit des Vereins nicht darin, den Streit
zu pflegen, Sondern positive Leistungen auf dem Gebiete der
Erziehungswisgenschaft aufzuweigen. Das Recht der Kritik
diesen Leistungen gegenüber bleibt freilich unbestritten, aber
eine Pflicht zu erwidern, liegt nur in besonderen Fällen,
namentlich persönlicher Art vor, Deshalb unterlasse ich auch,
auf ein anderes Raigsonnement, welches in ziemlich unverständiger
Art gegen den Verein gerichtet wurde, einzugehen.
Der Antrag, die im Inhaltsverzeichnisse des Jahrbuchs als
die Tagesordnung für die Verhandlungen anzusetzen, wird vor-
behaltlich einiger Später zu stellenden Abänderungsanträge an-
genommen, und schilesslich das Versprechen gegeben, die Er-
gebnisge der in den grossen Bezirks- und Lokalyereinen ge-
pflogenen Verhandlungen, Soweit gie dem Vorgitzenden bekannt
gegeben werden, im nächsten oder zweitnächsten Jahrbuche zu
veröffentlichen, damit auf diese Weise ein grögserer Zusammen-
Schluss der einzelnen Vereine herbeigeführt werde.
Dir. Juüust. Nach Zeiten des Kampfes und der frischen Be-
geisterung Sind wir zu den Tagen der Ruhe gekommen. Geblieben
aber ist aus Jenen bewegten Zeiten, dass diejenigen, die für eine
gute Sache gefochten und an ihrer Überzeugung immer festge-
halten haben, mit dem Bewusstsein erfüllt Sind, dass ihnen der
Sachliche Sieg zugefallen iet. Denn heute finden die Herbartschen
Grundsätze Anerkennung auch bei denjenigen, welche gie früher
bekämpft haben. Dazu kommt, dass zahlreiche Vereine für die
Verbreitung dieser Grundsätze Sorgen. Wenn aber eine Sache
Sich verbreitet, 80 ist es nicht zu umgehen, dass Sie auch facher
wird, und das ist auch bei uns einigermassen der Fall, Es ist
darum dringend nötig, immer wieder zu den Quellen hinabzu-
Steigen, damit nicht die tiefsten und wichtigsten Probleme einer
nur äusserlichen Lösung zugeführt werden. Die Tage des
Kampfes Sind zwar die Schönsten, aber auch die Tage der Ruhe
haben ihren Vorteil, denn Sie gewähren die Möglichkeit, gich in
besondere Gebiete zu vertiefen und einzelnes auszuarbeiten. Ich
freue mich auch darüber, dass die Versammlung diesmal in
Sachsen stattfindet, desgen Schulen mit als die besten gelten
und dessen Lehrerstand tüchtig ist. Freilich gind die SächsiSchen
Lehrer auch etwas mit Sich selbst zufrieden und nicht geneigt,
Sich mit grundlegenden Pragen zu beschäftigen, und namentlich
der durch Zillers Thätigkeit von Leipzig ausgegangenen Be-
wegung näher zu treten. Da hätten in erster Linie die Seminare