Rechnen, Zeichnen, Geschäftskunde, Beschäftigung. Aber welche
Einrichtung goll in kleinen Städten getroffen werden, wo nur
1--2 Lehrlinge aus jedem Geschäftszweige vorhanden gind?
Kommt etwas Ahnliches in Leipzig vor, dann bildet man Gruppen
von Gewerben, Dies könnte, wie ich meine, auch in kleineren
und mittleren Städten nachgeahmt werden.
Dir. Beyer. Just leugnete, dass es Sich in der Lehrwerk-
Stätte um Strenge Erziehung handle, Man kann aber nicht
Sagen, dass mit 14 Jahren die Erziehung abgeschlossgen gei. Es
hat deshalb das gewerbliche Leben die Erziehung mit zu be-
Sorgen unter einer richtigen Gliederung und Leitung, Die letztere
Soll pädagogisch werden und darum 1ist die Liehrwerkstätte ein
wesentliches Glied im System der Lehrlingsbildung, welche
Praxis und Theorie zugleich umfasst. In den Leipziger Schulen
iSt auch die letztere neben der Praxis vertreten, während es
früher umgekehrt war: strenge praktische Lehre und keine
Schule. Da nun Jetzt meist das Umgekehrte wahrzunehmen ist,
nämlich Schule, aber keine Schulung in der Werkstätte, 80 Sind
die Vorschläge Schevens, welche einem socialen Badürfnigsse ent-
Sprechen, warmen Herzens anzuerkennen,
Vorsitzender. Beyer hat zur Rechtfertigung Seiner Vor-
Schläge Sich nur auf die Verwaltungsgesellschaft berufen. Vom
Standpunkte dieser erscheint aber der einzelne nur als Mittel
zur Produktion von Gütern, welche für das Wohlsein des Ganzen
notwendig Sind. Soll der Einzelne nicht blogs als Mittel, Sondern
auch als Selbstzweck zur Geltung kommen, dann hätte, um den
PäÄdagogischen Zusammenhang nicht bloss mit der Zucht, Sondern
auch mit dem Unterricht herzustellen, an die Kulturgesellschaft
angeknüpft werden Sollen, für welche Tüchtigkeit und Geistes-
kraft des Einzelnen ein Gegenstand ganz besonderer Fürgorge
iSt. In der That hat doch das, was der einzelne an Erfindungs-
gabe und Gegchicklichkeit, Ausdauer und Umsicht gewinnt auch
abgesehen von der grögssgeren Zahl und Güte der producierten
Güter, die er erzeugt, an Sich einen Wert, Der Mensch gewinnt,
nicht bloss das Werk. Erzeugt wird Ja auch auf niedriger
Kulturstufe, aber die Erzeugnisse weisen nicht auf Tüchtigkeit
der Arbeiter hin. Dass von den vorgeschlagenen Einrichtungen
die wirtschaftliche Selbständigkeit und Hebung der Arbeiter
grossen Nutzen habe, braucht nicht ausgeinandergesetzt zu
werden; wenn aber Beyer Seine Vorschläge auch dadurch zu
empfehlen glaubt, dass „für die Grossindustrie ein namhafter
Teil der gelernten Arbeiter erzogen werde,“ So iSt zu bemerken,
dass die Teilung der Arbeit beim Grogsbetrieb die Möglichkeit
der wirtschaftlichen Selbständigkeit der einzelnen in Frage
Svellt und dass aus diegem Grunde die Grossindusgtrie, bei welcher
Zwar das Werk gewinnt, aber der Mensch verliert, zur Motivierung
der angegebenen Yorschläge nicht hätte angeführt werden Sollen,
7, Hartstein, Herbarts Schemata zu VYorlegungen über Pädagogik.
Pastor Flügel, Man hat Herbart oft vorgehalten, dass Seine
Pädagogik zu Sehr das Intellektuelle betone und Selbst auf das