Full text: Pädagogische Berichte - 1.1914 (1)

viel Zeit beanſprucht. Die ſpezielle Verwendung des Modells richtet ſich nach ſeinem Zwee. 
Auf der Stufe der Unwendung modellieren die Schüler. Von der zur Verfügung ſtehenden 
Zeit hängt es ab, ob das in der Geographieſtunde oder zu Hauſe geſchieht. GE8 iſt zwek- 
mäßig, Modellieren und Kartenzeichnen Hand in Hand gehen zu laſſen, etwa in der Weiſe, 
daß in einer Woche ein Modell, in der nächſten eine Skizze des behandelten Gebietes 
angefertigt wird. Auch kann eine Fauſiſkizze nachträglich in Plaſtilin umgeſeßt werden. 
Zeichnungen und Modelle können auch als Ausgangspunkte für die Wiederholung dienen. 
Die Schüler ziehen das Modellieren dem GStkizzieren in der Regel vor. Es iſt ſelbſiver- 
ſtändlich, daß zu Anfang keine hervorragenden Leiſtungen erzielt werden können; aber die 
Übung und der Eifer der Kinder führen bald zu befriedigenden Ergebniſſen. Übrigens ſollte 
wie die Kreide ſo auch ein Stüc Knetmaſſe auf jeder Stufe immer zur Hand ſein. 
Wir verweiſen beſonders auf Albert Müller, Präparationen für den geographiſchen Unterricht. 
Darin wird dem Prinzip des geographiſchen Urbeitsunterrichts unter allen Präparations- 
werfen zum erſten Male Rechnung getragen, namentlich durch ausgiebige Berückſichtigung 
des Modellierens. 
Zildbetkrachtungen. 
- Von Rektor O. Karſtädt. 1) 
Vorbemerkung. | 
JZiver ſind dankbare Aufſaßthemen. Nur muß auch hier die genaue Borbereitung zu- 
rücktreten zugunſten von Anregungen und Beiſpielen. Gchulbilder, Bilder aus der 
Wohnung, aus Büchern und Zeitſchriften regen zu den mannigfachſten Betrachtungen an. 
Boigtländers und Teubners Kataloge mit farbigen Bildern können in mehreren Exemplaren 
in Umlauf geſetzt werden, und bald hat jedes Kind ſein eigenes Lieblingsbild, das es gern 
beſchreibt. Die Schüler lernen ſo auch die Illuſtrationen der Bibliotheksbücher beachten und 
beſprechen dann, wenn B ü< er Gegenſtand des Auffaßzes ſind, auch die Darſtellungen in 
Form und Farbe. 
Unſer erſtes Bildthema der Oberſtufe führte gleich rmnitten hinein in die Fülle der Bilder. 
Es hieß: Unſere Bilder, oder: Mein Lieblingsbild. Da gab's viel zu er- 
zählen. Indem die Kinder angaben, welche Bilder ſie zu Hauſe hatten, waren ſie ſchon zur 
Beſ<reibung gezwungen. Regel der Beſchreibung: Stelle fo dar, daß wir Hörer 
uns das Bild vorſtellen können. 
Es zeigt ſich, daß die Kinder das Bild nur inhaltlich erfaſſen. Sie ſehen im Bilde 
die Handlung, die Erzählung, eine kleine Novelle, wie die meiſten Erwachſenen auch. Und 
wo ein Gemälde das nicht bietet, ſiehen ſie rat- und ſprachlos da. Es wäre auch zu viel 
verlangt, maleriſche Stimmungen wiedergeben laſſen zu wollen. Aber das kann man: ein 
Bild bieten, in dem Handlung und Stimmung zuſammenklingen. Das wäre ein Berſuch, 
über bloße Betrachtung der Novelle im Bilde hinauszuheben. Und wenn für ſpätere Bild- 
beitrachtungen nur einige Anſäße zur Bertiefung in Linien und Farben gewonnen wären, fo 
bedeutete das Lohns genug. 
Alſo: Damit wir lernen, was man alles von Bildern ſazen kann, betrachten wir gemein- 
ſchaftlich die Künſtlerſteinzeichnung: „Lieb Heimatland, ade!“ (Von Walter Strich- 
Chapell. Teubner.) Totaleindruck nach kurzem Hinſehen : Ein Wandersmannblidet 
zurüä nah einem Dörflein. Wir bleiben zunächſt bei der inhaltlichen Er- 
faſſung. Warum? Woher kommt, wohin geht er? Ja, woher wiſſen wir das alles? Das 
ſagt uns das Bild, der Maler. Wir ſehen genauer auf den Wandersmann! Der Kopf 
1) Dieſe Textprobe iſt dem VII Teile der Präparationen für den Deutſchunterricht, die bis jeßt ac<t Bände um- 
faſſen, entnommen. Er enthält freie Aufſäße für die Oberſtufe und koſtet geh. M. 3.80, geb. M. 4.60. 
 
17
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.