Full text: Pädagogische Berichte - 1.1914 (1)

So hat der Maler das Hemnatdorf, das lang ſich hinſchlängelnde Flußtal, den Bergesab- 
hang mit in die Zeichnung aufnehmen und doch die Stimmung des Scheidenden (ſchon 
durch die überragende Größe) zur Hauptſache machen können! Eine vorzügliche Raum- 
ausnußung! Jetzt wähle jeder: Dies Bild, oder eins von zu Hauſe, 
Aus den Eingängen folgende Proben! 
Lieb Heimatland, ade! 
(Betrachtung eines Bildes von Walter Strich:Chapell.) 
1. 
Das Bild, das ih beſchreiben will, handelt von dem Liede „Lieb Heimatland, ade! Im 
Hintergrunde ſehen wir Hügel, die mit Laub- und Nadelwäldern bewachſen ſind. Im Tale 
liegt ein ſchmuces Dörfchen. Der Rau ſteigt aus den SchyrnZeinen. Bom Berge kommt 
ein kleiner Fluß, der ſich gleich einer Schlange am Dörfchen vorüberwindet. An den Ufern 
ves Fluſſes dehnen ſich ſaftige Wieſen und fruchtbare Felder aus. Im BVordergrunde iſi 
eine Anhöhe. Ein Wanderer ſteht auf dieſer Anhöhe, Auf dem Rücken hat er ſein Fell- 
eijen, das ſeine Sachen und Nahrungsmittel, die ihm ſeine Mutter zum leßtenmal einge 
pat hat, enthält. Er blit nach den im Tale liegenden Dörfchen. Vielleicht erkennt er 
ſein Baterhaus aus der Gruppe der vielen Häuſer heraus, in dem er ſeit ſeinem erſten Jahre 
gelebt hat. Jett iſt er getrennt von ſeinen Eltern und Geſchwiſfkern. No< einmal denkt 
er an den Troſt ſeiner Mutter, den ſie ihm auf ſeinen weiten Weg gegeben hat. Er iſt 
allein auf dem Hügel, nur ihm zu Füßen ſchlängelt ſich das Flüßchen, das ihn noh be- 
gleitet, dahin. JTſt er erſt über den Hügel, dann ſieht er nichts von dem Dörfchen mehr. 
Es iſt ſrüh am Morgen. Noch keine Sonnenſtrahlen berühren die Erde, ſo weit wir ſehen 
können. Der Wandersmann tritt ſeine Wanderung ſchon früh am Morgen an; denn er hat 
nod) einen weiten Weg vor ſich. Er will zu einem Meiſter in die Fremde ziehen, um ſich 
da im Handwerk zu vervollkommnen. Die Gtelle des Liedes, die hierzu paßt, lautet: 
Begleiteſt mich, du lieber Fluß, 
lieb Heimatland, ade! 
Biſt traurig, daß ich wandern muß, 
lieb Heimatland, ade! 
Vom mooſ'gen Stein am wald'gen Tal, 
da grüß ich dich zum leßtenmal, 
mein Heimatland, ade!“ 
Auch beſonders ſchön hat der Maler den Aufgang der Sonne gemalt, Erſt iſt der Himmel 
lila-blau gefärbt, nach und nach wird er bläulich, dann violett, und zuletzt geht die Farbe 
ins Gelbe über. Der Wandersmann iſt auch bedeutend größer als die Häuſer gemalt. Um 
die Züge recht deutlich darzuſtellen, iſt der Kopf auf den Hintergrund des hellen Himmels 
gemalt. Auch hat der Maler neben dem Wandersmanne einen ebenſo großen Baum ge 
malt, damit es uns erſcheinen ſoll, als ſtänden wir ſelbſt mit auf dem Hügel und blickten 
nun in das Tal. - (Mädchen, 8. Schulj.) 
Der deutſche Voltkscharafkter. 
Von Lehrer A. Müller.1) 
Ziel: Charaktereigenſchaften des deutſchen Vo!kes. 
NN andbeſiß und Bevölkerungszahl ſind die beiden Grundlagen der Macht eines Staates. 
“L% Wie es aber bei dem Landbeſitz nicht nur auf ſeine Größe ſondern auch weſentlich auf 
ſeine Natur ankommt, ſo iſt auch die Kopfzahl allein noch kein Unterpfand für die Wohlfahrt 
eines Bolkes. Überaus wichtig iſt dagegen die Frage nach der Tüchtigkeit oder Untüchtigkeit 
ſeiner Glieder. Nun iſt es aber nicht leicht, ein Urteil über ein Volk als Ganzes abzugeben 
3) Giehe die Präparationen für den geographiſchen Unterricht: Teil 11: Ole ſüddeutſchen Landſ<afien 
und Deutſchland als Ganzes. 2. Auflage. Geh. ungefähr M. 4,20, geb. ungefähr M. 5,--. ſs ſGaf 
 
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