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FEST GWT
höherer Anſtalten aus Gemeinde vder Staals-
mitteln dort unterhalten würden
Dieſe an draſtiſchen Ausführungen reiche Rede
erntete vielen Beifall. 'Auf das grobe Geſchütz
derſelben entſprechend zu antworten, erklärte Herr
8. Simons (Elberfeld) jür einigermaßen ſchwer.
Die Vorwürfe, welche der Vorredner -gegen- die
ſogenannten vornehmen Stände erhoben habe,
ſeien in ihrer Allgemeinheit gewiß ungerecht. Die
Privatfürſorge für den Unterricht der eigenen
Kinder habe bei dieſen keine8weg8 dur<weg zur
Folge, daß ſie ſich für das Wohl der Volksſchule
nicht intereſſirten. In Elberfeld 3. B. ſei für
die Volksſchulen auf'8 Beſte geſorgt, in Betreſſ
der Schulräume ſtänden dort die höheren Schulen
Jogar gegen die Volksſchulen zurüF. Erziehungs-
fragen ſolle. man nicht vom einſeitigen Stand-
punkte politiſcher Parteiung betrachten, ſondern
nach der Geſammtheit der vorliegenden Erziehungs»
bedürfniſſe. Die Directoren und Lehrer der höheren
Schulen glaubten aber nun zur Zeit wenigſtens
der beſonderen Vorſchulen nicht entrathen zu können.
Daher, wenn auch vielleicht für die Zukunft die
aligemeine Volksſchule das Beſte werden möge,
gegenwärtig ſei dies noc< nicht der Fall, daher
die Vorſchule vorläufig ebenſo beizubehalten, wie
die Privatſchule, die man allerdings beide verbieten
müſſe, wenn man die allgemeine Volksſchule jetzt zur
Durchſührung bringen wolle. Lieber beſſere man
die Volköſchule möglichſt, um die Neigung zur
Benußung derſelben zu verſtärken.
Nunmehr wird der wiederholte Antrag auf
Schluß mit großer Mehrheit angenommen. Von |
einigen Seiten wird noc<h eine Motivirunz der :
Amendement38 und eine Debatke über dieſelben
verlangt. Der Vorſitzende iſt aber der Meinung,
daß die eingebrachten Anträge bis auf einen, den
er no< zu verleſen habe, nur als das kurze Er-
- gebniß der ſchon gehaltenen Reden anzuſehen ſeien,
daher eine Wiederholung der Motivirung unnöthig
ſei. Auch ſei, da es ſich nur um eine kurze Theſe
handele, eine Unterſcheidung von General- und
Specialdebatte ſchwerlich am Plate. Er glaube
daher nach Verleſung des neu eingegangenen An-
trag8 von Herrn Andries (Crefeld) vor der
Abſtimmung nur noch dem Neferenten das Wort
geben zu fönnen. Der gedachte Antrag laute:
4. Es iſt die Aufgabe unſerer Zeit, die Volls-
ſchule nach allen Kräften zu heben, damit ſie nach
und nach allen Anſprüchen der höheren Schule
an ſie bei der Aufnahme der Kinder der Volks-
Ichule in dieſelbe gerecht werde und ſomit die
Vorſchulen auf die Dauer Überflüſſig werden.
Der Referent Herr Hufſc<hmidt (Unna) ſprach
nun zum Scluß ſeine Freude darüber aus, daß
|
die Theſe doh im Allgemeinen Zuſtimmung ge-
funden habe. Im Übrigen habe die Verſammlung
ja nur Wünſche auszuſprechen und keine Geſetze
zu geben. Die Annahme der Theſe ſei de8halb
unbedenklih. Er wolle nur no< hervorheben,
daß ihr Sinn nicht dahin gehe, ein Verbot der
Privatſ<hulen zu fordern und daß der Einfluß
des Zuſammenſein3 von Schülern bis zum neunten
Lebensjahre von manchen Anderen doch wohl zu
gering angeſchlagen ſei.
Der Voſitzende ſchlägt nun vor , bei der Ab-
ſtimmung Über die von Profeſſor Dr. Held noc<
einmal verleſenen Anträge folgende Reihenfolge
zu beobachten, zunächſt Über die Theſe Hufſchmidt,
dann über das Amendement Oſtendorf, dann
Über das Amendement Bleibtreu, dannüber ſeinen
Antrag mit dem Amendement Held und endlich
Über den Antrag Andries abzuſtimmen. Ueber
die Richtigkeit dieſer Reihenfolge entſpinnt ſich
eine längere Debatte, welche mit der Annahme
eines im Weſentlichen gleichen Vorſchlags von
Director Oſtendorf endet, der nur da8 Amende-
ment Bleibtreu dem ſeinigen voranſtellt. Da
Herr Hufſchmidt ſeine Theſe zu Gunſten des
Amendements Oſtendorf zurü&zieht, kommt nun
zunächſt der Antrag Bleibtreu unter Sonderung
ſeiner einzelnen Sätze zur Abſtimmung.
Satz 1. Es8 iſt wünſchen8werth, daß in der
Elementarſchule die Kinder des ganzen Volkes
vereinigt bleiben. -- Wird von der Mehrheit an-
genommen.
“ Saz 2. Die Errichtung von beſonderen Ele-
mentarklajjen an Gymnaſien, Real» und Mittel-
jhulen läßt eine Beeinträchtigung der Volksſchule
befürc<ten. -=“ Wird nicht angenommen.
Satz 3. E83 ſollen für das Elementarſc<hul-
weſen Verwendung au8 Gemeinde» und Staat8-
mitteln in der Regel nur der allgemeinen Volks-
ſchule zukommen; wird angenommen.
Angenommen wird ſodann noch der ergänzende
Antrag Oſtendorf:
„Um die Vorſchule allmählich entbehrlich
zu machen, iſt einerſeits eine weitere Hebung
der Volksſchule und namentlich eine Organiſation,
welche es möglich macht, die Zahl der Schüler
in den einzelnen Klaſſen weſentlich zu beſchränken,
andererſeits eine Erweiterung und Ausbildung
des Syſtems der Bewahr- Anſtalten nothwendig.
Mit der Annahme dieſer Anträge fielen die
übrigen Anträge fort. Der Hauptgegenſtand der
Tage8ordnung war damit erledigt. Der Antrag
Witten ward wegen vorgerlikter Zeit für den
nächſten Verband3tag zurückgeſtellt.
Inhalt.
| Die Entfwicßelung des deufſ<en Scuul- und Vollſskurnens in den Leßkverſloſſenen hundert Jahren. Von
CT. Haus mann. (Sciuß.) -- Die Geometrie der Bolksſ<uyle- Von Dr. F. Bartholomäi. VI. (Fortjekung.) -=-
Feuillekon: Verbands8tag der wildungsvereine Rheinlands und Weſtfalens zu Düſjeldorf. Die
Pligemeine Volksſ<ule.
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Vexlag von H. Beyer in Langenſalza. =“ Druck der Thomas8'ſchen Buchdruckerei in Langenſalza.