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Stunden imstande Sei, eine Solche Arbeit zu leisten. Vor-
Stellungen Sind wie Pflanzen, Sie haben nun einmal eine
gewisse Zeit nötig, um ihre Wurzeln 80 tief in den Boden
zu Senken, daſs ihr Wachstum gegichert ist. Indem man
Vorstellungen zur Aneignung bringt, hat man ihren Be-
Stand noch nicht gesichert. Fruchtbar können Sie erst
werden, wenn Sie eingewurzelt und mit andern Vor-
Stellungen in Verbindung getreten Sind. So ist auch bei
noch 80 guter Übung, bei noch 80 vorzüglichen Lehr-
mitteln und bei noch 80 vielen Stunden eine gewisse Zeit
nötig, damit die Operationen des Rechnens deutlich und
geläufig werden.
Auf den Stundenplänen der Vorschulen Spielt der
heimatkundliche Unterricht keine Rolle. Seit Comenius
und "Pestalox34t ist man über die hohe Bedeutung der
Sinnlichen Anschauung im Klaren, weils man, daſs unter
allen durch die Sinne erworbenen Vorstellungen die der
Heimat die gröſßste Stärke und Dauer im Seelenleben auf-
weisen. Sie werden von der Seele zu einer Zeit auf-
genommen, wo die Reizempfänglichkeit am gröſsten 1st,
durch häufige Wiederholung Kommen die heimatlichen
Vorstellungen zu einem Stärkegrade, wie ihn andere Vor-
Stellungskategorieen nicht aufzuweisen haben. »So iSt es
denn kein Wunder, daſs diese frühest empfangenen, ur-
eigensten und Stetig verstärkten Vorstellungen die gröſste
Bedeutung im Aufbau: des psychischen Organismus er-
halten, daſs Sie den Grundstock aller Späteren Bildung
darstellen« (Lomberg, Schulwanderungen).
Nicht nur der geographische und naturkundliche Unter-
richt profitieren von den Anschauungen der Heimat, auch
für die Geschichte ist die Heimat die ergiebigste Quelle
des Interesges. »Die zerfallenen Burgruinen, die wetters-
grauen Klögter, die ehrwürdigen Kulturstätten, die moos-
bewachsenen Denksteine, die . Kriegs- und Königsdenk-
mädler, die altertümlichen Gebäude, die Heerstraſsen und
Schlachtfelder, die Gedenktafeln und historischen Samm-
lungen, Sie alle wecken mit mächtigem Schlage die jugend-
liche Kinbildungskraft und verleihen ihr Lust und Kraft
zum Austlluge in die Vorzeit« (Lomberg, Deutsche Blätter,
1891, No. 23).
Wenn dann noch darauf. hingewiegen wird, wie die
Bildung und Pflege der Individualität ihre Stärksten Stützen
aus der Heimat erhält, wie im Charakter der Volksstämme
der heimatliche Charakter gich wiederspiegelt, 80 wird
niemand mehr über die hohe Bedeutung und Unentbehr-
lichkeit des beimatkundlichen Unterrichts im Zweifel Sein.
. Auch dem Gegang wird in den Vorschulen nur die
Hälfte der Zeit zugewiesen, die man in den Volksschulen
auf ihn verwendet. . n
So .Sehen wir, wohin wir blicken, in der Vorschule
eine Unterschätzung oder ein vollständiges Nichtbeachten
aller: jener Disziplinen, von denen wir die krättigsten
Einwirkungen auf Herz und: Gemüt erwarten, die wir in
23402 besonderem Sinne als erziehliche anzugehen gewohnt
Sind, eine Bevorzugung hingegen derjenigen Fächer, die
Sich an den Verstand, an das Gedächtnis wenden, die
Sich: eine äulsere Fertigkeit zum Ziel Setzen.
Üm also kurz zugammenzufagsen, 80 bemerken wir in
der Volksschule ernsthafte Bemühungen um Erweckung
des religiögen Gefühls, in der Vorschule einen Religions-
unterricht, der die Gefahr in Sich birgt, in Verbaligmus
auszuarten. Dort legt man das Hauptgewicht auf Bildung
des Herzens und des Gemüts, hier pflegt man vorwiegend
Gedächtnis vnd Verstand -- dort ist Erziehung, hier ist
Dressur. Die Vorschulpädagogik legt eben den Schwer-
punkt nicht auf den allgemeinen Unterrichts- und Er-
ziehungszweck, vielseitiges, gleichschwebendes Interesse,
Charakterstärke der Sittlichkeit, Sie arbeitet mehr für einen
bestimmten Zweck, nämlich ihre Schüler um jeden Preis
in die unterste Klasse der Anstalt zu bringen, mit der
Sie zusammenhängen.
Von einer treibhausartigen Vorbildung Spricht
Dr. Bach, Direktor des Falk-Real-Gymnasiums in Berlin.
Nach einem Bericht der »Neue Bahnen« erklärte. er, er
halte die Einrichtung von Vorschulen, wie Sie in den
vierziger Jahren eröffnet und immer weiter verbreitet
worden Seien, für ein Übel. Das einzig richtige Sei die
allgemeine Volksschule. Die Aufnahme in die Sexta müsse
von einer Prüfung abhängen, dann hätten es der Direktor
und der Ordinarius mehr in der Hand, Sich eine gute
Sexta zu bilden, da sie Sich dann das Material ausSuchen
könnten. Unter den jetzigen VerhältnissSen kämen. mehr
mittelmäſgige und beschränkte Köpfe durch die treib-
hausgartige Vorbildung aus der Vorschule nach Sexta,
und gie kämen auch durchschnittlich zu jung in diegse
Klasse. Hier beschwere ihnen zuerst das Latein, für das
ihr ganzes Wegen noch nicht genug entwickelt Sei, den
Kopf, und wenn sie dann nach Quinta versetzt würden,
S0 vollende das hinzukommende FranzösiSch die Ver-
wirrung. Er habe auch zuerst die VolksSchule begucht
und dort mit manchem Schulkameraden Freundschaft ge-
Schloggen, und er habe Sich Später als Student nicht ge-
Schämt, einem Dienstmann, Seinem früheren Schulkame-
raden, die Hand zu reichen und zu fragen, wie es ihm
gehe. Man werde zwar durch Aufhebung der Vorschulen
das Privatschulwegen begünstigen, aber man möge doch
diesen Anstalten ihre Existenz gönnen, da ja auch Sie
Sich fruchtbar für die Pädagogik erwiegen hätten. Sie
mülsten doch auch alle das Ihre leisten, und die Prüfung
für die Aufnahme in eine höhere Lehranstalt bleibe keinem
Schüler erspart. Er habe Ermittelungen darüber angestellt,
welche Schüler .die besten Zeugnisse heimbrächten, am
Schnellsten durch die Klasgen von Sexta bis Tertia kämen,
und er habe gefunden, daſs die Gemeindeschüler
die Besten gewegen Seien, dann Seien die Schüler
aus Privatschulen und zuletzt die Vorschüler
gekommen.
Direktor Kern in Berlia urteilt über die Vorschulen :
»Ein Schüler, der drei Jahre- die Vorschule begucht hat,
wird stets in Seiner geistigen Entwickelung hinter einem
Schüler zurückstehen, der die Volksschule besucht hat.
Direktor Zenke t) in Barmen hingegen kommt zu dem
Sonderbaren Satz: »Je besger die Volksschule ist, je
energischer gie Sich den ihr gestellten Aufgaben widmet,
um 80 mehr wird eine Vorgchule für die ganz andere
Ziele verfolgende höhere Schule notwendig.« -- An einer
andern Stelle Seines Gutachtens Sagt er: »Es wäre gebr
zu bedauern, wenn alle ungere Schüler entweder von den
Barmen, Klein.
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1) Dr. Henke, Die Vorschule.