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eine klar, daſs puristische Wortübersetzungen um 80 aus-
Sichtsvoller Sind, je natürlicher das Sprachgefühl desgen
iSt, der Sie geSchaffen. Und wir dürfen getrost Campe
ein Sehr fein entwickeltes Sprachgefühl zuschreiben. Man
wende aber nicht ein, daſs die Thätigkeit der Sprach-
reiniger viel Wortgebilde erzeugt, die gar nicht lebensfähig
Sind. Dem ist 80. Aber Schaffen nicht auch unsere besten
Schriftsteller unendlich viel Neues, das wirkungslos und
ohne Nachfolge in der Litteratur und im Leben bleibt?
Überall wird Neues geschaffen, aber nicht jedes Geschöpf
iSt lebensfähig. Und manches Wegen, dem die besten
Ärzte kurzes Leben voraussagen, erreicht ein hohes Alter.
Wie neue Worte der Sprachreiniger erfolglos bleiben -
können, 80 verhallt auch zuweilen die Einsprache der
besten Schriftsteller und der besten Sprachkenner.
Walhelm Grimm ereiferte Sich im Jahre 1846 gegen
das neugebildete unaussprechbare-Modewort Jetztzeit, es
hat Sich trotzdem festgesSetzt, und geit 12 Jahren bildet
man darnach die Frühzeit. Auch gegen Selbstredend
für Selbstverständlich hat Wzlihelm Grimm Sich ohne
Erfolg erklärt:
ihm albern und abgeschmackt. Die Folgezeit hat der
Einsprache Wilhelm Grünms kein Gehör geschenkt. Trotz
80 Sprachkundiger und feinfühliger Beurteilung ist durch-
gedrungen, wovor 80 ernst gewarnt worden ist. So kann
es nicht befremden, daſs auch manche N euerungen der
Sprachreiniger verhallen und ohne die im einzelnen wohl
wünschenswerte Nachfolge bleiben. Aber über dieser
Thatsache dürfen die grofsen Erfolge nicht vergesseh wer-
den, daſs in der Neuzeit die Thätigkeit der grofsen Sprach-
gegellschaften durch die LogSung der Sprachreinheit Freunde
und Feinde einer guten Sache aufgerüttelt und geweckt
hat.
angriffen, oft genug: als mächtige Zeugen für Seine Be-
Strebungen anrufen. Und geit durch ungern Sprachverein |
die alte Logung der Sprachreinheit erneuert iSt, hat der
ereten einer von ungern besten Schriftstellern -- Gustav
Freytag -- in einzelnen Seiner Werke manchem guten
deutschen Wort den Platz gegeben, den vorher. ein Fremd-
wort eingenommen batte. -
Wenn wir . eine wesentliche Aufgabe grofser Sprach-
gegsellschaften darin gehen, daſs Sie das Gefühl für Sprach-
reinbheit allgemein wecken und wach halten Sollen, 380 kann
nicht geleugnet werden, daſs unger Jahrhundert wie die
ganze Neuzeit an modischen Verirrungen und Thorheiten
gerade in Sachen. der Fremdworte krankt. Was vor 50
Jahren Wilhelm Grimm einmal gagte, gilt noch heute:
» Alle Thore sperrt man auf, um. die ausländischen Ge-
Schöpfe herdenweise einzutreiben. Die Verhältnisse ollen
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»Selbstredend Schwieg er« -- das erschien |
Campe durfte Schiller und Goethe, die ihn scharf | --
| märchen mit Hilfe- der Sprachreinheit die schönsten und
'dauerndsten Wirkungen erzielt, konnte Sich nicht stark
"genug ausdrücken--über den Fremdwörterunfug und über
die Stumpfe Gleichgiltigkeit auch der Besten zu einer Zeit,
als -die Spracbe allein - unger- Volk- noch zusammen hielt
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nicht zart, Sie müsgen delikat Sein; wir werden nicht
davon bewegt, Sondern affiziert; das Leben versumptft
nicht, es Stagniert. Ungleichartig versteht niemand,
aber gewiſs heterogen; das Jahrzehnt nimmt an Ge-
wicht zu, wenn es Dezennium heiſst. Das alles ist auf
wenigen Blättern eines Buches zu finden und immer bot
die Muttersprache das natürlichste, eindringlichste Wort.«
IsSt es trostlos, wenn diese Worte Wilhelm Grunms heute
noch Geltung beanspruchen? Ist alles Ankämpfen gegen
Solche Augländerei vergebens? Und welches wird die
Zukunft unsgerer Sprache Sein?
Meine Damen und Herren! Die Fährlichkeiten, die
der 30jährige Krieg über unsere Sprache gebracht, hat
unger Volk und Seine Litteratur langsam, aber glücklich
überstanden; Schillers und Goethes Meisterwerke zeigen
keine Spuren der widerlichen Krankheit, die in der Zeit
des 30 jährigen Krieges begonnen hat. Sind Solche Wunden
vernarbt, dann braucht das Geschlecht des 19. Jahr-
hunderts nicht zu verzagen, das in dem groſsen Erbe
ungerer Klassiker auch ein Sprachliches Bildungsmittel
von gewaltigem Wert besitzt. Aus der ewigen Jugend-
friSche ihrer Werke muſs und wird unsgere Sprache ihre
Gegundheit immer von neuem Schöpfen, und die Quelle,
in der unsere Klassiker Sprachlich ihre Kraft und Nahrung
gefunden, vergiegt auch in Zukunft nicht; das ist die
Sprache gelbst und der gesunde Sinn des Volkes. Aber
diesen lebendigen Jungbrunnen. rein und lauter zu halten,
ihn vor Trübung durch Unachtsame und Nachlässige, vor
Vergiftung durch Unverständige und „Böswillige zu be-
hüten -- dazu Soll jeder in Seinem Kreise wirken, der
weiſs, daſs mit der Sprache auch" '"unsere Litterafur' und
unger Volk gesundet. . -
Wallielm Grimm, der in -den Kinder- und Haus-
(Kleine Schriften -1,:518. 509). - |
Wir aber heute, die reichen Erben einer „großen Ver-
gangenheit, wollen uns dankbar dafür erweisen, daſs un-
'Sere Sprache, die den 'Deutschen in den Zeiten tiefster
Zerklüftungen. das Ideal der Linheit allein vor Augen
gestellt hat, an der Gründung unsgeres deutschen Reiches
einen S0 wegentlichen Anteil hat. Pflege der Mutter-
Sprache ist eine Pflicht der Dankbarkeit, und Pflege der
Sprachreinheit ist diejenige Aufgabe, mit der wir uns
'des kostbaren Erbes unserer Litteratur würdig erweigen
'Sollen. =
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