Geenen
nach reden wir zwar von einem Erkenntnis-, Gefühl- und
Willensvermögen, aber dieses Dreifache ist nur eine Kraft
und zwar eine freiwirkende. Da die Mengchheit Äußeres
und Inneres verbindet, 80 wirkt Sie teils von außen nach
innen, teils yon innen nach außen, teils beides in ihrer
Tiefe vereinigend. Aber in allen diesen Beziehungen ist
es eine und dieselbe freiwirkende Kraft. In der ersten
iSt Sie Vorstellungsvermögen, in der zweiten Begehrungs-
vermögen, in der dritten Empfindungsvermögen. Diesem
mehr von der animalischen Seite aufgefaßten Dreifachen
entspricht die körperliche Kraft als auffassend, Sich be-
wegend und wiederberstellend. Als Geist gedacht ist
jenes Dreifache durch die Vernunft erhoben zum Denken,
Wollen und Fühlen.
Schwarz bespricht nun das Erkenntnisvermögen nach
Seinen verschiedenen Seiten. Das Begehrungsvermögen
Schließt in Sich 1. im Innern das Gelüste, als die freie
Aufnahme des Reizes mit der freien Bestimmung für oder
wider den Gegenstand, 2. vach außen strebende Selbst-
bestimmung, Willkür, und die hierin begründete Tat, als
innere d. 1. Gesinnung, als äußere d. i. Handlung. Die
Vernunft wirkt in dem Begehrungsvermögen als
freier Wille und als Autonomie (im Gewissen);
bestimmt Sich der freie Wille nach dem Niederen, 80 ist
das die Sinnliche Denkart, nach dem Höheren, die Sitt-
liche, wovon die Ethik handelt. Folgt die Analogie des
Gefühlsvermögens.
Die Erziehung ist die Bewirkung der vollkommensten
Bildung des Mengchen ; Sie fängt mit Seinem Werden an
und beweiset ihre Vollendung, wenn der Gebildete durch
Entwicklung Seiner Kraft gein Urbild Selbst gefunden hat.
Dieges aber ist in der Gottheit, und indem der Mensch
dasgelbe in Sich aufnimmt, wird er Gott ähnlich. Gott
bewirkt diese Bildung nach dem Urbilde von der einen
Seite durch die Naturentwicklung, von der andern durch die
Vernunft, vermittels der Freiheit der Menschen zunächst
der Eltern, welchen das natürliche Gefühl und das Ge-
wisSen dieges als Gottes Willen bekannt macht. Das Zu-
Sammenwirken der Natur und Freiheit geht von der gött-
lichen Liebe aus, wirkt durch die Elternliebe, anfrufend die
volle Kraft im Bildungstriebe als kindliche Liebe. 30
iet keine Bildung ohne Liebe, und 80 ist das Wegen aller
Erziehung die Religion, S80wohl in ihrem Grunde, als in
ihrer Weise und ihrem Ziele. Sie stellt das göttliche
Ebenbild in der Mengcbheit auf, 80 daß Sich in dem
einzelnen Menschen die göttliche Idee gelbst darstellt.
Hierdurch wird der Grundbegriff der Erziehung -- daß
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Sie die durch gich Selbst entwickelnde MenSchheit Sei ---
erläutert, und die göttliche Vorgehung erscheint als Er-
ziehung der Mengehheit, in deren göttliche Wirkung der
echte Erzieher eintritt. -- (Jesus Chbristus und Sein Reich.)
Die Bildung des einzelnen Menschen geht von der Idee
aus, welche der Erzieher von dem Urbilde des Kindes
gefaßt hat, Sie folgt dem Wege, der in dem Naturell vor-
gezeichnet ist und führt also den jungen Menschen dabin,
daß er jenes Urbild Selbst fasse, bierin die Lebensweisheit
als Selbsterziehung gewinne, und gomit zur Freiheit, All-
Seitigkeit, Seelenschönheit gelange, überhaupt in der Gott-
ähnlichkeit Sein Höchstes finde, um mit Selbsterkenntnis
Sein ganzes Dasgein hindurch darin höher zu Steigen.
Aber nur dem Naturell (der Natur) gemäß wirkt die
echte Erziehung, und es wäre Frevel, diesges zerstören zu
wollen, da es ein Ausdruck der 1dee Gottes von diesem
Mengchen Ist.
Die Gottähnlichkeit des einzelnen Menschen besteht
darin, daß alle geine Anlagen von der Grundidee durch-
drungen und zur höchsten Ausbildung erboben Sind.
Nun folgen weitere und Spezielle Erziehungsanwei-
Sungen. --
Schwarz hat in diesem Systeme, wie wir gahen, den
Kantischen Gedanken des freien Willens und der Auto-
nomie bewahrt, und er wird Somit mit Recht zu den
Kantianern gezählt. --
Schlußwort.
Wir Sind am Ende ungerer Abhandlung angelangt.
Wir Spüren noch das Weben des Kantischen Geistes, das
uns aus den Schriften der einzelnen Schüler Kants ent-
gegenströmte. Es war doch eine ziemliche Zahl von
Anhängern, die Kant unter den Pädagogen damals ge-
funden hat.
Von ihnen hat Greiling in Seinem Begriffs vom End-
zwecke der Erziehung den Kantischen Gedanken der Ab-
Solutheit des Sittengesetzes am reinsten bewahrt. Heu-
Singer hat diesen Gedanken, durch Rousgeau beeinflußt,
variiert, er hat aber in Seiner Teilung der Vernunft in
theoretiSche und praktische den Gedanken Kants bei-
behalten. Niemeyer hat in geiner Bestimmung des Be-
griffes der Freiheit Kants Gedanken rein bewahrt. Weiller
Schließt Sich zunächst eng an Kant an, und bleibt später
auch Kantianer. Schwarz bat den Gedanken des freien
Willens und der Autonomie bewahrt: In allen Systemen
klingt der reine stählerne Klang der Kantischen Sitten-
lehre und gibt Zeugnis von der lebendigen Wirksamkeit
des Geistes Kants in jener Epoche der Pädagogik,

Der Schulgarten als bedeutsames Lehrmittel.
Eine Anleitung zur Einrichtung von Schulgärten und zur Verwertung derselben im Dienste des Unterrichtes
zugleich eine Orientierung über den gegenwärtigen Stand der Schulgartenfrage.
Von M. Brinkmann, Seminarlehrer in Hildegheim.
(Fortgetzung.)
III. Die Anordnung der Naturobjekte im Schulgarten.
Die Bestimmung des Schulgartens verlangt in dem-
Selben eine Solche Anordnung der Objekte, die eine Er-
reichung des Zweckes am besten gewährleistet. Da zu-
nächst Beobachtung und Verständnis des Pflanzenlebens

zu erstreben Sind, müggen die Pflanzen dem Schüler 80
vorgezeigt werden können, wie 8ie unter natürlichen
Verbältnissgen leben, jede Pflanze in der ihr zu-
Sagenden Umgebung, den Faktoren ausgesgetzt, die in der
freien Natur die Lebensvorgänge und damit die äußere

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