Full text: Der Deutsche Schulbote - 1. 1842 (1)

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durch keine Menschensatzungen, durch keine systematischen oder 
unsystematischen Vorurrheile hat gefangen nehmen lassen; er 
möchte sonst glauben, daß auf dem Wege dieses und jenes Sy 
stems Leben und Heil zu finden sey, und dem Herzen dessen, der 
gerade diesen Weg einzuschlagen nicht Lust har, dann gar nicht 
weiter beizukommen müssen. Es gehört dazu eine gründliche Ein 
sicht in das wahre Wesen der Tugend und eine genaue Kenntniß 
der menschlichen Rechte und Pflichten in ihrem ganzen Umfange; 
er möchte sonst das Unwesentliche dem Wesentlichen, das Un 
wichtige dem Wichtigen, die Nebensache der Hauptsache vorzie 
hen, und wohl gar Legalität statt Moralität, Mund- und Ge- 
dächtnißtugend statt Herzens - und Lebenstugend hervorbringen. 
Es gehört dazn eine genaue Bekanntschaft mit dem menschlichen 
Herzen und insbesondere mit dem Herzen der Jugend, wie auch 
eine eben so genaue Einsicht in den natürlichen Gang, den die 
Bildung zur Sittlichkeit im Geiste und Herzen des Menschen 
nach der Einrichtung seiner Natur nehmen muß; er möchte sonst 
mit seinen Bemühungen der Natur widerstreben und nicht bloß 
sie dadurch vereiteln, sondern auch sogar der Moralität, an de 
ren Emporbringung er arbeitet, entgegenwirken. — Es gehört 
dazu viel eigener Sinn für alles Schöne, viel Gefühl fürs Gute, 
viel Wärme des Herzens, viel lebendige Religiösträt, viele Liebe, 
viele Mittheilsamkeir; denn nur das geht zu Herzen, was von 
Herzen kömmt, und allen moralischen Worten gebricht es an 
Kraft und Eindruck, wenn sie nicht aus einem moralisch guten 
und sich lebendig und kräftig aussprechcnden Herzen hervorgehen. 
Wie sehr hat nun wieder der Lehrer Ursache, Gott zu bitten um 
die ihm zu seinem moralischen Bildungsgeschäfte nothwendige 
Vernunft, Einsicht, Kenntniß, Gefühl, Kraft, Wärme und 
Salbung. 
Wenn es der nächste Zweck für den Lehrer als Erzieher ist, 
daß er seine Schüler bessere, so muß also auch gewiß der nächste 
Zweck seines Gebetes der seyn, daß er sich selbst immer mehr 
bessere; aber wie kann der Mensch sich selbst bessern, wenn er 
sich selbst nicht kennt? Er bitte also Gott um Selbstkenntniß. 
Und besitzt er diese Selbstkenntniß, so frägt es sich, ob er auch 
den nöthigen Muth und die nöthige Entschlossenheit besitzt, um 
seine guten orsätze ausführen zu können. Gott gibt dem Men 
schen durch innere Einsprechung oft seine Pflichten zu erkennen. 
Deutscher Schulbote. r. Jahrgang. 2
	        
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